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Stadtrat Thorsten Kunze tritt aus AfD aus

Nach Thomas Lis und Marc Zander trat auch Thorsten Kunze aus der Augsburger AfD aus. Damit ist Markus Bayerbach der einzig verbliebene AfD-Stadtrat von der einst vierköpfigen AfD-Fraktion.

Thorsten Kunze ist als AfD-Mitglied zusammen mit drei weiteren AfDlern im März 2014 in den Augsburger Stadtrat gewählt worden. Nach dem Essener AfD-Parteitag im Juli 2015 traten Marc Zander und Thomas Lis aus der AfD aus, weil sie den Rechtsruck der Partei nicht mittragen wollten. Lis trat bei Pro Augsburg ein, Zander blieb lange parteilos und ließ sich schließlich zum Eintritt in die CSU bewegen. Mit Thorsten Kunze, der bisher in der politischen Landschaft nicht in Erscheinung trat, verließ nun der dritte gewählte Stadtrat die Augsburger AfD.

Kunze will als Einzelstadtrat weitermachen. Als Begründung für den Austritt gab Kunze den Schiffbruch von Frauke Petry in der Bundespartei an. – In der Augsburger AfD herrsche deshalb keine Untergangsstimmung, wie der letzte verbliebene AfD-Stadtrat Markus Bayerbach der DAZ auf Anfrage erklärte. Der Mitgliederstand, so Bayerbach, nehme nicht ab, sondern zu. Derzeit betrage die Mitgliederzahl 120 Personen.



Macht ein gutes Theater und scheitert daran, wenn es sein muss

Warum die künstlerische Weiterentwicklung des Augsburger Stadttheaters möglich ist

Kommentar von Siegfried Zagler

Das Augsburger Stadttheater befindet sich seit Jahrzehnten in einer Relevanzkrise. Es gibt weder soziale noch künstlerische Messlatten dafür, was und wie viel das Theater in Augsburg in der Vergangenheit in Sachen Aufklärung, Bildung und humanistischer Sensibilisierung für die Stadtgesellschaft geleistet hat. Doch darum scheint es offenbar nicht zu gehen. Wichtiger scheint vielmehr die Haltung, dass sich eine Stadt in der Größenordnung Augsburgs ein Theater leisten muss – was immer es auch leistet.

Das Brecht-Wort, dass man das Augsburger Stadttheater aus künstlerischen Gründen schließen sollte, hat im Grunde wenig an Aktualität verloren. Seit 40 Jahren, also von Stromberg über Thoma, Baumgardt und schließlich von Peters bis Votteler lieferten die wechselnden künstlerischen Leiter des Augsburger Stadttheaters ihrem Abonnenten-Publikum auf den Punkt genau, was es von ihnen erwartete. Natürlich gab es zwischendurch mal eine Dekonstruktion, einen Skandal oder eine in der Abweichung von der Norm künstlerisch herausragende Arbeit, doch von der unausgesprochenen kleinbürgerlichen Erwartungshaltung einer gehobenen Abendunterhaltung wich das Augsburger Stadttheater selten ab. Dem 12. Augsburger Intendanten (seit 1945) stünden dafür nun viele Türen offen. Das Große Haus mit knapp 1.000 Plätzen muss nicht gefüllt werden. André Bücker könnte jenseits aller Mainstream-Zwänge ein neues Augsburger Stadttheater erschaffen. Ein Stadttheater, das nicht zuvorderst den Publikumsgeschmack bedient, sondern sich ein Publikum schafft, das von einem Theater mehr erwartet als die ewige Wiederkehr der bürgerlichen Selbstvergewisserung mittels einer verbrauchten Ästhetik.

Auch ohne großes Haus wird André Bücker das Theater in Augsburg nicht neu erfinden. Dazu fehlt ihm nämlich (noch) das Publikum, womit wir bereits beim größten Manko der Augsburger Theaterlandschaft sind. Ein gutes Theater braucht ein gutes Publikum, braucht ein starkes Feuilleton, eine gewaltige Kritik und natürlich besessene Künstler. Ein gutes Theater kann in Augsburg nur dann ein gutes Theater sein, wenn es alte Zöpfe abschneidet, die kleinbürgerliche Kulinarik hinter sich lässt und ein neues Publikum findet, ein Publikum, das ins Theater geht, um sich anstecken zu lassen. Ein gutes Theater muss nicht nur die menschliche Psyche in all ihren Verzweigungen und Abgründen ausleuchten, sollte nicht nur den Irrsinn und die Ironie der Weltläufe erzählen und ästhetisieren, sondern auch Visionen für andere Welten, andere Ordnungen und Gesellschaften entwerfen.

Ein gutes Theater ist ein Ort des Schmerzes, ein Ort der Aufruhr – ist ein grausames Theater. Dass das möglich ist, kann man in München im Residenztheater oder an den Kammerspielen verfolgen. Nur ein gutes Theater benötigt Gelder der öffentlichen Hand, braucht die konsequente Unterstützung der politischen Klasse und braucht das Einverständnis einer offenen Gesellschaft, die an ihrer Beschränktheit und Ungleichheit zwar leidet, aber nichts daran ändern kann – oder will.

Der künftige Intendant weiß das alles. Das war aus seiner Programmvorstellung seines Startjahres herauszuhören. Er würde gerne das Stadttheater Augsburg aus der Agonie seines Silbersees herausführen. Würde gerne der vermufften Marke “Stadttheater” den Glanz einer Aufbruchsinstitution verpassen. “Wenn es wieder in das Große Haus zurückkehrt, wird das Augsburger Stadttheater ein anderes sein”, sagte Bücker bei seinem ersten öffentlichen Augsburger Auftritt im Stadtwerke-Saal.

Falls Bücker in Augsburg auf keinen Fall scheitern will, wird er vermutlich nicht viel in dieser Stadt bewegen, wird er alles und jeden bedienen, wird das Augsburger Stadttheater sich den Trends der Zeit fügen und im üblichen Kanon einen guten oder weniger guten Job machen. Falls Bücker aber, wie es für jeden Künstler möglich sein sollte, in sein künstlerisches Wirken ein Scheitern mit einkalkuliert haben sollte, dann hätte das Theater Augsburg seit “tausend Jahren” erstmalig die Chance, ein gutes und aufregendes Theater zu werden. Ein gutes Theater braucht nämlich nicht nur ein gutes Publikum, sondern auch einen guten Intendanten.

Wenn es stimmen sollte, dass ein guter Intendant in Augsburg zum Scheitern verurteilt ist, dann gilt nur eins, lieber André Bücker: Macht ein gutes Theater und scheitert daran, wenn es sein muss!



Theater: Bücker stellt neues Team und Programm vor

Am vergangenen Dienstag stellte der künftige Intendant des Augsburger Stadttheaters André Bücker auf einer Pressekonferenz das neue Führungsteam und den Spielplan 2017/18 vor.

Neu im Team sind der Operndirektor Daniel Herzog, Ricardo Fernando als neuer Ballettdirektor und Sophie Walz als Leitende Musiktheaterdramaturgin. Domonkos Héja bleibt als Generalmusikdirektor am Theater Augsburg.
 Im Schauspiel werden Lutz Keßler als Leitender Dramaturg, Sabeth Braun (Dramaturgin), Nicole Schneiderbauer (Hausregisseurin) und David Ortmann (Hausregisseur) als Team die Künstlerische Leitung übernehmen.

Das Theater soll wieder ein politischer Ort werden, der gesellschaftliche Entwicklungen thematisiert

Unter dem Motto »Sinnsucht« will das Ensemble des Theater Augsburg neue Wege gehen.
 André Bücker versteht das Theater als Ort des Diskurses, in dem aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen thematisiert werden: “Theater ist für mich ein politischer Ort, der soziale Gegenwart reflektiert.” 
Der neue Intendant hat vor, den Fokus auf die aufklärerische Kraft des Theaters zu legen und die Potentiale für Bildung und Vermittlung zu verstärken. Dafür soll eine zusätzliche Stelle in der Theaterpädagogik sorgen.
 Durch Kooperationen und Partnerschaften mit anderen Kulturinstitutionen sowie der “freien Szene” möchte Bücker die gesellschaftliche Bedeutung und die Diskursfähigkeit des Augsburger Stadttheaters stärken.

Die Sanierung des Großen Hauses erfordere Bewegung. Deshalb stehe die Spielzeit 2017/18 für “Aufbruch, Umbruch und Öffnung des Theaters”. Davon würden zahlreiche Projekte zeugen, zum Beispiel wie der »Tatort Augsburg« (Idee und Regie: David Ortmann) und die Plattform für interdisziplinäre und interkulturelle Theaterarbeit »Plan A«.

Oper: Freischütz und zwei deutsche Erstaufführungen

Neben Carl Maria von Webers Klassiker »Der Freischütz« (Inszenierung: Hinrich Horstkotte), mit dem die Saison in der neuen Spielstätte im martini-Park eröffnet wird, und Verdis »La forza del destino« stehen mit Rufus Wainwrights »Prima Donna« in der Inszenierung von Hans Peter Cloos und Dai Fujikuras »Solaris« zwei Deutsche Erstaufführungen auf dem Spielplan.

Operette und Musical: “Herz aus Gold” und Jimmy Hartwig

Zur Abteilung “Wiederentdeckung” gehört Paul Abrahams Fußball-Operette »Roxy und ihr Wunderteam«, bei der der ehemalige Profifußballspieler und Ex-FCA-Trainer Jimmy Hartwig auf der Bühne auszuhalten ist. Auf der Freilichtbühne am Roten Tor zeigt das Theater Augsburg ein Auftragswerk, die Uraufführung von Stephan Kanyars Fugger-Musical »Herz aus Gold«.

Schauspiel: Von der Sinnsuche Peer Gynts bis zum Untergang des Egoisten Johann Fatzer

Im Schauspiel startet die Spielzeit mit »Peer Gynt« in der Inszenierung von André Bücker. Hausregisseurin Nicole Schneiderbauer, die auch »Plan A« kuratiert, zeigt in ihrer ersten Inszenierung Thomas Köcks »paradies fluten«.

»Das Kind träumt«, eine große und berührende Allegorie über Flucht und Vertreibung von dem israelischen Dramatiker Hanoch Levin wird in Augsburg erstmalig in deutscher Sprache aufgeführt.

Zum Brechtfestival 2018 inszeniert Christian von Treskow Brechts großes Fragment »Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer«. 50 Jahre nach 1968 befragt das Theater Augsburg die Utopien der 68er-Generation vor dem Hintergrund der politischen Gegenwart. Der türkische Dramatiker und Lyriker Turgay Nar hat mit »Das Spiel der Schahrazad« eine sprachgewaltige Adaption der grausamen Geschichte aus Tausendundeiner Nacht vorgelegt, die der in Augsburg ansässige Regisseur Ferdi Degirmencioglu übersetzt hat.

Ballett mit Musik von Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Janis Joplin und Amy Winehouse

Das Ballett zeigt in der Choreografie des neuen Ballettdirektors Ricardo Fernando dessen Neuinterpretation des Klassikers »Schwanensee«. Bei »Dimensions of Dance. Part 1« werden international renommierte Choreografen in Augsburg erwartet. Auf der brechtbühne zeigt die Ballettkompanie, dass Musik von Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Janis Joplin oder Amy Winehouse auch klassisch ausgebildeten Tänzern als Grundlage für einen fulminanten Ballettabend dienen kann.
 In acht Sinfoniekonzerten sowie zahlreichen Sonder- und Familienkonzerten präsentieren die Augsburger Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Domonkos Héja ein höchst abwechslungsreiches Konzertprogramm. Artist in Residence ist in der kommenden Spielzeit der Bassposaunist Stefan Schulz.

Das Augsburger Stadttheater wird nicht nur baulich saniert, sondern erhält auch inhaltlich eine neue Ausrichtung

Neben dem  Programm auf den verschiedenen Bühnen startet das Theater Augsburg zahlreiche Projekte, Formate und Kooperationen sowie ein vielseitiges theaterpädagogisches Workshop-Angebot. Diese Ausrichtung soll das Profil des Theater Augsburg in den nächsten Jahren maßgeblich prägen, ebenso wie die zahlreichen Künstler, die in allen Sparten neu nach Augsburg kommen werden. Sie werden künftig dem Theater ein neues Gesicht geben und die künstlerische Handschrift des Hauses als Ensemble- und Repertoiretheater bestimmen.
Die Spielstätte im martini-Park wird am 24. September 2017 mit einem großen Theaterfest eröffnet.

V. l. n. r.: Lutz Keßler (Leitender Dramaturg Schauspiel & Mitglied der Künstlerischen Leitung Schauspiel), Ricardo Fernando (Ballettdirektor), David Ortmann (Hausregisseur & Mitglied der Künstlerischen Leitung Schauspiel), Sabeth Braun (Schauspieldramaturgin & Mitglied der Künstlerischen Leitung Schauspiel), Nicole Schneiderbauer (Hausregisseurin, Mitglied der Künstlerischen Leitung Schauspiel & Kuratorin Plan A), Sophie Walz (Leitende Musiktheaterdramaturgin), André Bücker (Intendant), Heike Neumann (Leiterin Kommunikation), Daniel Herzog (Operndirektor), Friedrich Meyer (Kaufmännischer Direktor), Domonkos Héja (Generalmusikdirektor). Foto: Jan-Pieter Fuhr



Demonstration gegen Abschiebungen nach Afghanistan

Der Augsburger Flüchtlingsrat ruft am heutigen Samstag, den 29. April zu einer Demonstration gegen Abschiebungen nach Afghanistan auf. Start ist um 12 Uhr am Moritzplatz in Augsburg.

“Die vehementen Abschiebungen nach Afghanistan und in andere von Krieg und Perspektivlosigkeit gekennzeichnete Staaten gehen weiter – und das, obwohl gerade auch in Afghanistan nach wie vor desaströse Sicherheitsverhältnisse herrschen. Die Berichterstattungen der letzten beiden Wochen lassen zudem erneut auf eine Verschärfung der Situation im gesamten Land schließen.  Der Augsburger Flüchtlingsrat ruft daher ein weiteres Mal zu einer Demonstration für ein friedliches Miteinander und gegen Abschiebungen in Krieg und Perspektivlosigkeit auf. Wir möchten ein weiteres mal erreichen, dass unzähliche Menschen mit uns auf die Straße gehen und lautstark für Solidarität und Mitmenschlichkeit demonstrieren.” So der Aufruf der Veranstalter, die unerschrocken gegen die aktuelle Abschiebe-Praxis der Bundesregierung demonstrieren.

AfghanInnen Asyl zu gewähren entspräche den europäischen Grundwerten. Die Massendeportationen nach Afghanistan seien ein Angriff auf diese Werte als auch auf den Kerngedanken des Asylrechts, wie es in der Stellungnahme des Augsburger Flüchtlingsrats heißt.



In Gefahr und großer Not ist der Mittelweg der Tod

Am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) findet in der bereits ausverkauften WWK Arena am 31. Spieltag der Fußballbundesliga für den FC Augsburg ein sogenanntes “Schicksalsspiel” statt. Zu Gast ist der Hamburger SV. Sollte der FCA das Spiel nicht gewinnen, droht der direkte Abstieg. Bei einem Sieg hätten sich die Augsburger mit großer Wahrscheinlichkeit die Relegation gesichert.

Von Siegfried Zagler

Den anfänglich guten Ansätzen und Ergebnissen unter Trainer-Greenhorn Baum (13 Punkte aus 8 Spielen) sollte ein dramatischer Abstieg folgen, der sich durch den Heimsieg gegen Köln noch nicht in einen freien Fall verwandelt hat. Von den zurückliegenden 8 Spielen gewann der FCA nur gegen Köln. Die Zahlen der Rückrunde sprechen eine eindeutige Sprache: Die 30 Gegentore der zweiten Saisonhälfte belegen, dass die Augsburger unter Manuel Baum ihr Prunkstück der ersten 14 Spiele, nämlich die Abwehr unter Dirk Schuster, zur durchlässigsten Schleuse der Liga umgebaut haben. Im Spiel nach vorne, so hieß es, solle sich der FCA verbessern, doch das blieb eine (ohnehin vage) Versprechung.

Die Gründe des Augsburger Erdrutsches sind von der DAZ ausführlich analysiert worden. In Frankfurt hat sich FCA-Trainer Baum gegen durchwegs schwache Frankfurter gründlich vercoacht, obwohl es aufgrund der zahlreichen verletzten und gesperrten Spieler dafür wenig Optionen gab. Zumindest personell hat sich vor dem Schicksalsspiel gegen den HSV die Situation ein wenig entspannt: Alfred Finnbogason und Dominik Kohr stehen nach ihren Sperren wieder zur Verfügung. Für die angeschlagenen Paul Verhaegh, Jeffrey Gouweleeuw und Kevin Danso steht die Ampel offensichtlich wieder auf Grün. Auch Martin Hinteregger, der über Probleme mit dem Sprunggelenk klagte, wird wohl spielen können. Schwieriger ist dagegen die Situation beim wichtigsten Schlüsselspieler der Augsburger: Raul Bobadilla leidet offenbar an einer hartnäckigen Wadenverletzung. Hinter seinem Einsatz steht ein großes Fragezeichen. Doch selbst wenn alle genannten Spieler rechtzeitig fit werden sollten, ist zu bedenken, dass damit das Kernproblem des FCA nicht behoben ist: Die fehlende mannschaftliche Geschlossenheit und das unpräzise Zusammenwirken bei der Ballverarbeitung in allen Mannschaftsteilen sind die Kategorien der Niederlagenserie eines Teams, das eben durch diese ehemaligen Eigenschaften eine besondere Marke in der Bundesliga darstellte.

Das ist Geschichte. Der FCA weiß nicht mehr, wer er ist und wie er zu spielen hat. Vor dem bedeutsamen Spiel gegen den Hamburger SV soll aber die Kritik an Trainer und Management nicht im Fokus stehen. Fußball bleibt ein ewiges Rätsel, weshalb man sich nicht wundern sollte, würde es dem FCA gelingen, sich gegen Hamburg neu zu erfinden, um gestärkt in die letzten drei Endspiele zu gehen. Gegen den HSV wird das ausverkaufte Stadion brennen. Im Heimspiel gegen Dortmund wird es nicht anders sein. Und warum sollte auswärts in Gladbach und Hoffenheim nichts zu holen sein, wenn sich die Mannschaft wieder als Mannschaft findet.

“In Gefahr und Not ist der Mittelweg der Tod.” Auf diese Weisheit sollten sich Baum und Co. besinnen, wenn sie an ihren Aufstellungen und Matchplänen arbeiten. Die alte Phrase, dass man über den Kampf zum Spiel finden muss, ist eine Grundwahrheit des Fußballs. Es ist höchste Zeit, sich daran zu erinnern, dass man in bestimmten Situationen nur mit einfachen Mitteln weiterkommt.

Das Restprogramm der verbliebenen Abstiegskandidaten:

Leverkusen: (36 Punkte): Ingolstadt (A), Köln (H), Hertha (A).

Wolfsburg: (33 Punkte): Bayern (H), Frankfurt (A), Mönchengladbach (H), Hamburg (A).

Hamburg: (33 Punkte): Augsburg (A), Mainz (H), Schalke (A), Wolfsburg (H).

Mainz: (33 Punkte): Mönchengladbach (H), Hamburg (A), Frankfurt (H), Köln (A).

Augsburg: (32 Punkte): Hamburg (H), Mönchengladbach (A), Dortmund (H), Hoffenheim (A).

Ingolstadt: (28 Punkte): Leipzig (A), Leverkusen (H), Freiburg (A), Schalke (H).



“Mit diesem System drückt sich die Stadtregierung um eine konkrete Erfolgsbilanz”

INTERVIEW MIT VOLKER SCHAFITEL

In dieser Woche gehen die letzten Selbstinszenierungsshows der Stadtregierung über die Bühne: Oberbürgermeister Kurt Gribl und die Referenten stellen der geladenen Presse zur Halbzeit ihre geleistete Arbeit vor, deren Bewertung von OB Gribl und den Referenten in “zwanglosen Gesprächen” selbst angestellt werden. Es handelt sich dabei um eine Vortragskunst, die nur noch marginal zwischen Gespräch, Diskurs und Verkaufsmarketing unterscheidet. Doch damit nicht genug: In der zweiten Maiwoche wird die SPD-Fraktion im Rathaus mithilfe einer Agentur diese neue politische Unkultur (“Halbzeitbrunch”) mit einer speziell entwickelten Dramaturgie auf die Spitze treiben. Das Ziel des Polittheaters lässt sich nämlich schwer in selbst gesetzte Worte fassen: Welchen Anteil hat die SPD-Fraktion an der Rathauspolitik?

Dass das Verschwinden einer Rathausopposition nicht nur bedenklich ist, sondern zum Niedergang einer unersetzlichen politischen Debattenkultur führt, ist als Geburtsfehler der aktuellen Rathausregierung angelegt. Dass sich in Augsburg die Kunst der politischen Debatte aufgelöst hat, ist ein fragwürdiger Verdienst von OB Kurt Gribl, der, so Volker Schafitel (FW) im DAZ-Interview, “den Stadtrat von einem Beratungsgremium in ein Abstimmungsgremium umorganisiert hat.” Damit werde gewährleistet, dass sich Erfolge, die keine realen Erfolge sind und nicht bilanzierbar sind, als politische Erfolge darstellen lassen.

DAZ-Herausgeber Siegfried Zagler im Gespräch mit Volker Schafitel (l).

DAZ-Herausgeber Siegfried Zagler im Gespräch mit Volker Schafitel (v.l.) Foto (c) DAZ

DAZ: Herr Schafitel, Sie haben nun die Hälfte der laufenden Stadtratsperiode in der Opposition hinter sich gebracht. Sie sind der profilierteste Oppositionspolitiker, aber leider kein “Oppositionsführer”, sondern eher Einzelkämpfer, weil Ihnen eine Fraktion fehlt – oder eine Partei, von der Sie flankierend unterstützt werden. Würden Sie mir darin zustimmen?

Schafitel: Ich fühle mich nicht als “Oppositionsführer” und strebe eine solche Position auch nicht an. Ich sehe für mich und die anderen Mitglieder der Ausschussgemeinschaft eine gewisse Unabhängigkeit von Fraktions- und Parteistrukturen, die wir um so mehr schätzen, weil wir sehen, welchen Zwängen die Stadtratskollegen der Koalitionsparteien unterliegen. Die fehlende Hierarchie ist sicher auch ein Grund dafür, dass es diese Konstellation der Ausschussgemeinschaft immer noch gibt, trotz teilweise ganz unterschiedlicher Ansichten.

Die Regierung unter Dr. Gribl ist bestimmt durch zwei Begriffe: „Auf den Weg gebracht“ und „Zukunft“

DAZ: Lassen Sie uns über die Stadtregierung reden. Wie bewerten Sie die erste Halbzeit des Dreierbündnisses?

Schafitel: Die Regierung unter Dr. Gribl ist bestimmt durch zwei Begriffe: „Auf den Weg gebracht“ und „Zukunft“. Damit entzieht sie sich jeglicher akuten, nachweisbaren, kurz- und auch mittelfristigen Erfolgsbilanzierung. Primäre Strategie und Zielsetzung der Stadtregierung ist es daher, den Bürgern den Glauben an ihren Erfolg zu vermitteln. Das geschieht vorwiegend mit einem großen, in der Kommunalpolitik bisher unüblichen Werbeeinsatz.

DAZ: Aber auch mit Projekten, deren Umsetzung man mit den Augen sehen kann, wie zum Beispiel die erste Umsetzungsphase der Mobilitätsdrehscheibe!

Schafitel: Danke. Das ist ein gutes Stichwort. Am besten eigenen sich für den Verzicht auf die reale Erfolgsbilanz „Jahrhundertprojekte“, die, wie der Name schon sagt, sehr lange andauern. Die Mobilitätsdrehscheibe ist eines davon. Deren Fertigstellung war für 2013 geplant, dann für 2019 als notwendig erklärt und hat inzwischen ein „offenes Zeitfenster“, wie zu vernehmen ist.

DAZ: Die Mobilitätsdrehscheibe wurde von der Regenbogenregierung vor der Ära Gribl beschlossen und wäre vermutlich tatsächlich bereits deutlich weiter, wenn Sie seinerzeit mit Ihrem Bürgerbegehren das Projekt nicht gestoppt hätten.

Schafitel: Wir haben mit Zustimmung und Unterstützung Gribls und der ganzen CSU den Köumbau gestoppt, weil bei der SPD keine Verhandlungsbereitschaft bestand, den Kö autofrei zugänglich zu machen. Nach dem Bürgerentscheid hat Gribl das Dreieck, wie von den Stadtwerken geplant, umgesetzt, mit Ausnahme der Autofreiheit. An allen anderen Projekten der MDA wurde ja nichts geändert oder gestoppt. Der Bahnhof schleppt sich ohne Einfluss des Kö dahin und der Augsburgboulevard scheitert an den Finanzen.

DAZ: Lassen Sie uns Ihren ersten Faden wieder aufnehmen. Was ist so schlecht daran, wenn eine Stadtregierung “Projekte auf den Weg bringt”? Was ist schlecht daran, wenn die politische Kaste die Zukunft im Blick hat?

Galoppierende Kostenentwicklung: Tunnelbaustelle am Augsburger Hauptbahnhof

Galoppierende Kostenentwicklung: Tunnelbaustelle am Augsburger Hauptbahnhof

Schafitel: Es geht um eine politisch bilanzierbare Zielsetzung. Bleiben wir bei der Mobilitätsdrehscheibe. Politisch lassen sich über Jahre und Wahlperioden viele Teilmaßnahmen mit Spatenstichen, Einweihungen und Tunnelbesichtigungen verwerten. Ob das Projekt tatsächlich erfolgreich im Sinne der Verkehrserschließung und der daraus zu resultierenden wirtschaftlichen und kulturellen Weiterentwicklung der ganzen Stadt und Region führt, bleibt dem Glauben an die Zukunft überlassen. Oder aber der folgenden Stadtregierung, die sicher bei einem Misserfolg auf die Vorgängerregierung verweisen wird.

DAZ: Sie meinen, wenn ich Sie richtig verstehe, dass die aktuelle Stadtregierung sich stetig darin übt, ihre Projekte als politischen Erfolg zu verkaufen, während die realen Projekte auf der Stelle treten, weil sie nicht zu Ende gebracht wurden, wie zum Beispiel…

Schafitel: … der „neue Kö“, der den Bürgern mit dem Planungsziel „Augsburgboulevard“ verkauft wurde. Und dieser Boulevard wird jetzt als Innenstadtbrache zum Bushaltestellenersatz für den „neuen Hauptbahnhof“ umfunktioniert. Politisch wurde und wird aber dennoch der “neue Kö” als Erfolg gefeiert, weil die Stadtregierung die Messlattenhöhe einfach niedriger hängte. Der reale, tatsächliche Erfolg ist allerdings nicht erkennbar.

Linie 6: weiter Abwarten und an den Zukunftserfolg glauben

DAZ: Die Linie 6 fährt doch – wie geplant.

Schafitel: Die 2010 fertiggestellte Linie 6 fuhr in keiner Weise die erhofften Ergebnisse ein. Dies wurde mit der fehlenden Fertigstellung des Kö’s begründet. Nach dessen Fertigstellung im Dezember 2013 wurden die Fahrgastergebnisse nicht besser. Nun begründet man die schlechten Ergebnisse mit der noch nicht fertiggestellten Haltestelle am Hauptbahnhof. Dort wurde das Zeitfenster der Fertigstellung und damit die Schlussbilanz der Linie 6 auf das Jahr 2023 verschoben. Das heißt weiter Abwarten und an den Zukunftserfolg glauben.

DAZ: Sie reden von den Stadtwerken, nicht von der Stadtregierung, oder?

Schafitel: Die Stadtwerke gehören der Stadt. Die Stadtwerke können nichts beschließen, was die Stadt nicht will. Und die Stadt wird vom Stadtrat vertreten. Ein wichtiges Instrument des politischen Erfolgs sind Stadtratsbeschlüsse. Diese sind aber solange nur Absichtserklärungen, solange sie es nicht in die nächste Haushaltsplanung schaffen. Die Schlagzeile: „Stadtrat beschließt mehrheitlich“ bedeutet also nichts, wird aber öffentlich, auch von den Medien, zumindest als „Weichenstellung“ vermittelt. Auch das bedeutet nichts, solange nicht tatsächlich der Zug fährt! Mit seiner absoluten Mehrheit nutzt Gribl zunehmend dieses unverbindliche Erfolgsinstrument.

DAZ: Sie meinen also, dass der Stadtrat ständig Versprechungen gibt, die er nicht einlöst?

Schafitel: Ja. – Das ist ein Teil der Erfolgsstrategie dieser Stadtregierung. Strategisch betrachtet ist die Gribl-Regierung nämlich „politisch erfolgreich“ wie selten eine zuvor. Angefangen von der Schmiedearbeit bei der Koalitionsbildung, welche nur ein kleines Häuflein von Oppositionspolitikern übrig ließ. So kann immer mehrheitlich alles beschlossen werden – auch ein Zeichen des politischen Erfolgs.

DAZ: Wie sieht dann Ihrer Meinung nach die “reale abgeschlossene Erfolgsbilanz” der Stadtregierung aus?

Schafitel: Mager!

DAZ: Ist nicht Ihr Ernst?

Schafitel: Mein voller Ernst. Der Erfolg der MDA am Hauptbahnhof genügt sich in regelmäßigen Tunnelbegehungen. Die Linie 5 steckt in Planungsänderungen fest, weit entfernt von einer Genehmigung und hat schon vor der Planfeststellung die Spur gewechselt. Dadurch löste das Projekt den akuten und konfusen Umbau der gerade begonnen Wertachbrücke an der Ackermannstraße aus. Und um von solchen Pannen in einer Zwischenbilanz abzulenken, wird eine Neue Linie 3 nach Königsbrunn in das MDA-Projekt eingespielt. Der Beschluss dieser Linie wird bereits mit breiter Unterstützung der Medien – auch der DAZ – als großer Erfolg verbucht.

DAZ: Noch ein Beispiel für inszenierten politischen Erfolg?

Theatersanierung: "vereinigter Hüttenbau"

Theatersanierung: “vereinigter Hüttenbau”

Schafitel: Die Theatersanierung in der beschlossenen Form! Für zirka 200 Millioneo Euro entstehen am Kennendyplatz “vereinigte Hüttenwerke” um einen alten Nazibau herum. Dort wird jeder Winkel der Hinterhöfe zugebaut, mehrgeschossige Kellerstockwerke gegraben und auf das Theaterdach ein Technikgeschoss gestellt, weil der Platz hinten und vorne nicht reicht. Das ganze entsteht ohne Parkhaus für Besucher und ohne städtebaulichen Kontext an einem Verkehrsknoten mit Stachus-Charme, der die Auffahrt auf die vierspurige Nachkriegsautobahn Karlstraße mitten durch den Stadtkern bildet. Kurzsichtiger kann man nicht planen. Der vollgeplattete “Augsburgboulevard” – wenn er denn mal kommt, wird mit seinen Jungbäumen nach der Fällung der alten Lindenallee an die Pläne des Gauforums der 30er Jahre erinnern. Die damals konzipierte Theaterfassade steht ja schon.

DAZ: Mit Verlaub, Herr Schafitel, das reicht mir für eine Unterfütterung Ihrer These noch nicht aus. Darin steckt mir zu viel Interpretationsspielraum.

Mit diesem System drückt sich die Stadtregierung um eine konkrete Erfolgsbilanz

Schafitel: Gut, dann nehmen wir das “Leuchtturmprojekt TZA” im Innovationspark mit zirka 27 Millionen Euro Baukosten dazu. Dieses Projekt wurde mit einem Grundsatzbeschluss im Februar 2012 unter dem Vorbehalt einer 50-prozentigen Vermietung beschlossen. Begonnen wurde mit den Bauarbeiten im September 2013 ohne einen einzigen Mieter. Bei der Fertigstellung 2016 waren weniger als 5 Prozent der Fläche vermietet. Heute sollen 40 Prozent der Fläche vermietet sein. Das jährliche Defizit des TZA liegt bei zirka einer Million Euro. Nachdem es zuerst hieß, man könne frühestens in 15 Jahren mit einem positiven Ergebnis rechnen, wird das Projekt heute als “Förderprojekt der Wirtschaft” bezeichnet ohne jemals selbst ein positives Ergebnis zu bilanzieren.

DAZ: Sie wollen sagen, dass die Stadtregierung ihre Zielformulierungen einfach umformuliert, wenn es sich abzeichnet, dass die ursprünglichen Zielsetzungen nicht erreichbar sind?

Schafitel: Genau das will ich sagen. Mit diesem System drückt sich die Stadtregierung um eine konkrete Erfolgsbilanz. Bleibt allein der Glaube an die Zukunft und die diffusen Hoffnungen auf Umlage-Renditen.

DAZ: Umlage-Renditen auch für das Stadttheater?

Der Erfolg des Theaterprojekts liegt nicht in der Zukunft, sondern in der Ferne galaktischer Weiten

Schafitel: Richtig! Im Juli 2015 wurde beschlossen, das Stadttheater für knapp 189 Millionen Euro zu sanieren. Bei einem staatlichen Zuschuss von 105 Millionen Euro verbleiben bei der Stadt 84 Millionen Euro. Um das zu finanzieren wurde der Schuldendeckel der Stadt für alle anderen Projekte aufgehoben. – Die Fertigstellung soll 2024 sein. Begründet wurde die Maßnahme mit der kulturellen Weiterentwicklung der Stadt. Auch wurde im Stadtrat ein spektakuläres Gutachten präsentiert, das eine enorme Umlage-Rendite nach Fertigstellung prognostizierte. Die präsentierten Zahlen verleiteten einen Stadtrat zu der Feststellung, dass man nach diesen Prognosen eigentlich ein zweites Stadttheater bauen müsste.

DAZ: Das war in der Tat auch mein Gedanke, als das absurde Papier im Stadtrat vorgestellt wurde.

Schafitel: Durch die enorme Investition in die Theatersanierung fehlt das Geld für wichtige andere Projekte. Zum Beispiel bleibt das Römische Museum auf der Strecke. Dessen touristische Bedeutung würde der Stadt aber konkrete und nicht prognostizierte jährliche Umlage-Renditen bringen. Offensichtlich wird aber die Bedeutung der Theatersanierung höher eingeschätzt. Das ist eine Priorisierung einer falschen Kulturpolitik. Wobei eigentlich jedem klar sein müsste, dass ein vergrößertes Theater auch höhere jährliche Zuschüsse benötigt. Deren städtischer Anteil liegt heute schon bei über 15 Millionen Euro. Das Theater beschäftigt nur 380 Mitarbeiter. Der konkrete Erfolg dieses Projektes liegt nicht in der Zukunft, sondern in der Ferne galaktischer Weiten (lacht).

DAZ: Herr Schafitel, lassen Sie uns kurz über das größte Erfolgsprojekt reden: Die Uniklinik.

Schafitel: Gerne. Der städtische Zuschussbedarf beim Zentralklinikum war in den letzten Jahren vergleichsweise gering. Bei über 5.500 Mitarbeitern und 170.000 Patienten lag die städtische Umlage bei zirka fünf Millionen Euro Euro jährlich. Damit relativiert sich der Weg zur staatlichen Uniklinik, zumal die Forderung nach einem Staatstheater bei weit höherer städtischer Belastung nie ernsthaft verfolgt wurde. Auch darf man nicht außer Acht lassen, dass der Freistaat das Klinikum nur schuldenfrei übernimmt und die Stadt die nächsten Jahrzehnte rund 200 Millionen Altschulden abzahlen muss.

DAZ: Sie bewerten aber nur das Zahlenwerk. Wollen Sie nichts zum inhaltlichen Mehrwert der Uniklinik sagen?

Schafitel: Es steht außer Frage, dass sich die die Stadt mit der Uniklinik weiterentwickeln wird. Aber mit dem denkwürdigen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt hat Seehofer nur nach Jahrzehnten vollzogen, wozu der Klinikbau 1980 konzipiert war. Nachdem der Freistaat nun fast 40 Jahre zugesehen hat, wie sich die Stadt am Klinikum mehr und mehr verschulden musste, erwartet er jetzt eine schuldenfreie Übergabe. Meine ursprüngliche Freude über die Entscheidung ist dadurch etwas getrübt.

DAZ: Aktuell gibt es ein erhitzteres Thema: die maroden Straßen. Ihre Bewertung dazu?!

Schafitel: Mehr zufällig und ohne dessen Auswirkung zu ahnen, präsentierte das Tiefbauamt im April 2016 die Augsburger Straßenzustandskarte. Dazu gab es auch die Zahlen, was für die Sanierung der maroden Straßen in den nächsten Jahren anfallen müsste. Akut wurden 30 Millionen Euro sofort für das Jahr 2017 genannt und für die nächsten 10 Jahre zirka 250 Millionen Euro. Hinzu kommen jährlich zirka 8,4 Millionen Euro für den Straßenunterhalt, um den Abwärtstrend des Straßenzustands aufzuhalten. Eingestellt wurden in den Doppelhaushalt 2017/2018 aber nur zirka drei Millionen Euro.

DAZ: Also zirka ein Drittel des notwendigen Betrages.

Schafitel: Und dabei ist der Straßenunterhalt und -ausbau eine Pflichtaufgabe der Stadtregierung, eine Pflichtaufgabe, die sie angesichts ihrer politischen Leuchtturmprojekte vernachlässigen muss.

DAZ: Leuchtturmprojekte, die kostspielig sind. Die sich aber die Stadtregierung dennoch leistet, weil sie auch die Stadt fortführen.

Der Schuldenstand der Stadt lag bei Gribls Antritt bei zirka 260 Millionen Euro, jetzt ist er bei 426 Millionen Euro, wenn das so weitergeht, wird er sich zum Ende der zweiten Amtsperiode verdoppelt haben

Schafitel: Aber auf Pump. Zu Gribls Amtsantritt 2008 war der Schuldenstand der Stadt Augsburg bei zirka 260 Millionen Euro. Zu Beginn der zweiten Amtsperiode lag er schon bei über 300 Millionen und zur Halbzeit 2017 hat Gribl der Stadt einen Schuldenstand von 426 Millionen Euro auferlegt. Wenn es so weitergeht, wird er zum Ende der zweiten Amtsperiode die Schulden der Stadt verdoppelt haben. Dabei wird gerne auf den niedrigen Zinssatz verwiesen und die Tilgungspflicht ignoriert. – Die langfristig angelegten Großprojekte schwächen aber langfristig die breite und notwendige Entwicklung der Stadt und bluten diese bereits jetzt und erst recht in der Zukunft aus. Wer heute für ein Theater bereit ist, 200 Millionen auszugeben und gleichzeitig kein Geld für einen Behindertenaufzug im Standesamt mehr hat, setzt merkwürdige Prioritäten.

DAZ: Sie wollen also an Augsburgs Oberbürgermeister kein gutes Haar lassen?

Schafitel: Um politisch zu punkten, tanzt Gribl zu viel Kür und vernachlässigt dabei die Pflicht. Drei Monate nach der Wahl war Gribl für die CSU “in Marmor gemeißelt”, wie es damals ein alter CSU-Stadtrat vorausgesagt hat. Dieses Standbild hat ihn gestärkt. Er ist jetzt wohl der politisch stärkste OB nach dem Krieg. Dieser Erfolg ist seinem Ehrgeiz geschuldet und dient sicher ihm und seinem Weiterkommen in München und Bayern. Dieser machtpolitische Erfolg dient aber nicht automatisch der Stadt Augsburg. Um diesen Erfolg zu haben, hat Gribl den Stadtrat von einem Beratungsgremium in ein Abstimmungsgremium umorganisiert. Es gibt kaum noch Meinungsbildung, die öffentlich nachvollziehbar wäre. Die Stadtregierung wird wahrnehmbar von Gribl dominiert. Exemplarisch hat man das beim Bürgerentscheid der Fusion erlebt, als Gribl die Fragestellung des Bürgerbegehrens für ungültig erklärt hatte …

DAZ: … und der Stadtrat ihm dabei gefolgt ist.

Schafitel: Jedenfalls gab ihm der VGH nicht Recht und die Bürgerinitiative ließ sich nicht einschüchtern und startete ein zweites Begehren mit Erfolg. Im Grunde war und ist dieser Fall der Beweis dafür, wie schädlich ein instrumentalisierter Stadtrat für eine Stadt sein kann.

DAZ: Herr Schafitel, vielen Dank für das Gespräch. ———– Fragen: Siegfried Zagler



CSU: Kränzle gibt Direktmandat ab

Die letzte relevante Vorentscheidung bezüglich der Bayerischen Landtagswahl 2018 im Stimmkreis Augsburg/Augsburg Land ist gefallen: Bernd Kränzle gibt den Stab für das CSU-Direktmandat an Andreas Jäckel weiter.

Von Siegfried Zagler

Bernd Kränzle

Bernd Kränzle und sein Nachfolger ....


Damit stehen mit Johannes Hintersberger und Andreas Jäckel die potentiellen Landtagsabgeordneten der Augsburger CSU fest. Bei der Augsburger SPD werden Harald Güller und Margarete Heinrich über die schwäbische Bezirksliste der SPD als Top-Landtagskandidaten gehandelt.

Für den langjährigen CSU-Mann Bernd Kränzle (74) bedeutet dieser Verzicht eine Zäsur. Von 1989 bis 2009 war Kränzle Bezirksvorsitzender der CSU Augsburg. Seit 1990 ist er Mitglied des Bayerischen Landtags. Im Juni 1993 wurde er Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst. 1994 wechselte er als Staatssekretär ins Bayerische Staatsministerium der Justiz. Dieses Amt bekleidete er bis 1998. Seit 1998 ist er wieder einfaches Landtagsmitglied. Im Augsburger Stadtrat ist Kränzle als Fraktionschef der 26-köpfigen CSU-Fraktion immer noch schwer ersetzbar. Vor wenigen Minuten verschickte Kränzle seine persönliche Stellungnahme an die Medien: “Bei der nächsten Landtagswahl im Jahr 2018 trete ich nicht mehr als Direktkandidat für den Stimmkreis Augsburg-Stadt-Ost an. Die Option, den Einfluss Augsburgs im Bayerischen Landtag durch einen 3. CSU-Abgeordneten zu stärken, soll Realität werden”, so Kränzle, der nun über den Umweg der schwäbischen CSU-Bezirksliste in den Landtag einziehen möchte.

Ich werde meinen Nachfolger nach besten Kräften unterstützen und ich gehe davon aus, dass der

Andreas Jäckel

... Andreas Jäckel


Kreisvorsitzende Augsburg-Ost und Stadtratskollege Andreas Jäckel den ersten Zugriff auf eine Kandidatur hat”, so Kränzle, der seine Entscheidung, nicht mehr direkt zu kandidieren (CSU-Direktmandate sind in Bayern eine sichere Bank) damit begründet, dass er mit seinem Bekanntheitsgrad auf der CSU-Liste ein drittes CSU-Landtagsmandat für Augsburg erreichen möchte. “Augsburg als drittgrößte Stadt Bayerns mit bald 300.000 Einwohnern und als dynamisch wachsender Wirtschaftsstandort ist im Vergleich zu den beiden anderen bayerischen Metropolen im Landtag zahlenmäßig unterrepräsentiert”, wie es in seiner Stellungnahme weiter heißt. – Die Strategie der CSU sei darauf ausgerichtet, “über die schwäbische Bezirksliste einen weiteren Landtagsabgeordneten, auch im Zusammenwirken mit der erfolgreichen Stadtpolitik von Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, zu erreichen”.



Kaspar Hauser im tim: Aus der Not eine Tugend gemacht

Als vorletzte Opernpremiere dieser Spielzeit zeigt das Theater Augsburg die zeitgenössische Oper „Kaspar Hauser“ von Hans Thomalla. Eine Produktion aus Freiburg, die dort im Herbst uraufgeführt wurde und in Koproduktion auf der Bühne des Großen Hauses ein Höhepunkt der Opernsaison sein sollte.

Von Halrun Reinholz

Kaspar Hauser im schlauchartigen Raum des tim

Kaspar Hauser im schlauchartigen Raum des tim -- Foto: A.T. Schaefer (c)


Die halb-szenische Aufführung im tim ist dennoch mehr als eine Notlösung. Am Boden liegt ein Mann, über und über mit Schlamm beschmiert, und gibt bruchstückhafte Sätze von sich. Die Geschichte von Kaspar Hauser, der 1828 in Nürnberg aus dem Nichts aufgetaucht ist und dessen Geheimnis nie gelüftet wurde, hat Schriftsteller fasziniert und Fantasien beflügelt. Peter Handke hat sich damit ebenso beschäftigt wie Werner Herzog, und nun hat der Komponist Hans Thomalla das Geschehen auf die Opernbühne gebracht. Nun, Geschehen ist übertrieben. Die kargen Fakten über Kaspar Hauser geben für die szenische Darstellung nicht allzu viel her. Am Theater Freiburg fand sie, inszeniert von Frank Hilbrich, wie geplant auf der Bühne statt, aber in Augsburg musste man sich mangels Theater mit einer halb-szenischen Notlösung im Textilmuseum behelfen.

Der schlauchartige Raum mit den hoch über den Köpfen schwebenden überdimensionierten Kleidern, die zur Ausstattung des Museums gehören, war gar nicht so schlecht geeignet für die sehr dichte eineinhalbstündige Aufführung. Ungewohnt zwar, dass das Orchester mitsamt dem Dirigenten Lancelot Fuhry hinter den Sängern platziert war, so dass dieser die Akteure im Rücken hatte. Doch akustisch war dies kein Fehlgriff und Fuhry meisterte seine Aufgabe trotz der rhythmisch schwierigen atonalen Musik konzentriert und souverän. Die szenische Darstellung beschränkte sich auf in Gruppen auftretende Sänger, die verschiedene Rollen verkörperten und sich immer wieder neu zusammenfanden, sowie der zentralen Gestalt des Kaspar Hauser, der als einziger darstellerisch wirkte und auch voll kostümiert (oder eben vielmehr mit Schlamm beschmiert) war. Dadurch wurde auf das Kreatürliche dieses von der Zivilisation unbeleckten Individuums angespielt.

Mit großer Virtuosität verkörperte der ebenfalls aus Freiburg mitgebrachte Countertenor Xavier Sabata diesen schwierigen Part. Alle anderen Sänger gehören zum Umfeld des Augsburger Ensembles, wobei vor allem die junge Samantha Gaul positiv auffiel, neben der wie immer routinierten Sally du Randt die einzige Frauenrolle. Christopher Brusietta, Matthias Schulz, Giulio Alvise Caselli, Erik Völker und der Eleve am Haus Alexander York teilten sich die zahlreichen Männerrollen. Trotz Übertitel war es bei der konzertanten Darstellung kaum möglich, die Personen zuzuordnen und ihnen zuverlässig zu folgen, doch das tat dem Verständnis keinen Abbruch.

Ein überraschend dichter, eindrucksvoller Opernabend, der aus der (Raum-) Not durchaus eine Tugend machte.



Rauscher bleibt Sprecher der Augsburger Grünen

Auf ihrer Mitgliederversammlung vergangenen Mittwoch haben die Augsburger Grünen ihren Vorstand für die nächsten zwei Jahre gewählt.

Mit großer Zustimmung wurde Peter Rauscher erneut zum Vorsitzenden des Grünen Stadtverbands gewählt. „Gemeinsam mehr erreichen; dies ist mein Motto für meine Arbeit als Vorsitzender unseres Kreisverbandes. Wir müssen für unsere Grundsätze einstehen, sie benennen und mit Selbstbewusstsein und Standfestigkeit unsere Grundwerte vertreten“, so Peter Rauscher. Wiedergewählt wurden außerdem Dagmar Bachmann in den geschäftsführenden Vorstand, Frédéric Zucco als Schatzmeister und Christine Kamm in den erweiterten Vorstand. Neu im Team ist Marcus Fischer im erweiterten Vorstand, der als Förster ökologische Themen zu seinem Schwerpunkt macht, sowie die grüne Bezirksrätin Kirsi Hofmeister-Streit, die ihre Kenntnisse im Bereich der Arbeitsmarkt-, Wirtschafts- und Sozialpolitik einbringen möchte.

Der Grüne Kreisvorstand besteht aus einer sogenannten Doppelspitze. Das Amt der Vorstandssprecherin blieb vakant, da die bisherige Sprecherin, Marianne Weiß, sich nicht mehr für diesen Posten bewarb. “Es soll aber eine baldige Nachwahl geben, damit die Augsburger Grünen wieder eine Doppelspitze haben”, wie es in einer Stellungnahme des Kreisverbandes heißt.

Foto: Frédéric Zucco, Kirsi Hofmeister-Streit, Peter Rauscher, Christine Kamm, Dagmar Bachmann, Marcus Fischer (v.l.n.r.) Fotograf: (c) Winfried Brecheler



Seehofers dritte Kandidatur: Was bedeutet das für Augsburg?

Nach tagelangen Spekulationen ist es seit heute Nachmittag offiziell: Horst Seehofer wird 2018 ein drittes Mal als Bayerischer Ministerpräsident kandidieren. Das ist die politische Meldung des Tages, die auch in Augsburg aufschlug. Die DAZ bringt die ersten Kommentare im O-Ton.

Johannes Hintersberger, Horst Seehofer und Kurt Gribl (v.l.) Foto: DAZ-Archiv

Johannes Hintersberger, Horst Seehofer und Kurt Gribl (v.l.) --- Foto: DAZ-Archiv


Deshalb fragte die DAZ bei OB Kurt Gribl und dem CSU-Bundestagsabgeordneten Volker Ullrich nach. Für beide ist es eine gute Nachricht, während sich der Augsburger SPD-Landtagsabgeordnete Harald Güller auf Facebook kritisch äußerte. MdB Volker Ullrich bringt es auf eine einfach Formel: Seehofer bedeute Erfolg und die CSU wolle erfolgreich sein. “Seehofer steht für den Erfolg der CSU”, so Ullrich, der die Personalie Seehofer auch positiv mit Augsburg in Verbindung bringt: “Neun Jahre Seehofer, davon hat Augsburg profitiert und man kann davon ausgehen, dass sich diese Erfolgsgeschichte fortsetzen wird.”

Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl sieht das nicht anders: “Horst Seehofer hat seine Gestaltungskraft aus dem Amt des Ministerpräsidenten und dem Parteivorsitz in der CSU für Augsburg und Schwaben seit 2008 positiv eingesetzt. Viele grundhaft guten Entwicklungen für unsere Stadt sind mit seiner Handschrift verbunden – von der Uniklinik bis zum Innovationspark. Seine Entscheidung, sowohl als Ministerpräsident, als auch als CSU-Chef weiterzumachen, bedeutet Kontinuität für ein kraftvolles Miteinander bei unseren Entwicklungen in Augsburg. Er mag Augsburg und ist uns freundschaftlich verbunden. Persönlich werde ich seine Arbeit nach besten Kräften unterstützen.” So Kurt Gribl zur DAZ auf Anfrage.



Harald Güller

Harald Güller


Fatalistisch kommentierte der SPD-Landtagsabgeordnete Harald Güller das personelle Szenario: “Ich sehe es als kritisch an, dass die Entscheidung des CSU-Vorsitzenden, erneut zu kandidieren, einzig getrieben ist von seinem persönlichen Kleinkrieg mit Herrn Söder, um ihn als Kandidaten zu verhindern. Was wir brauchen, sind langfristige politische Linien für mehr bezahlbaren Wohnraum und Mieten für eine gesicherte Gesundheitsversorgung und menschenwürdige und bezahlbare Pflege. Sollte Seehofer gewählt werden, ist heute schon absehbar, dass statt inhaltlicher Politik sofort wieder Personaldiskussionen beginnen, weil ja wohl niemand daran glaubt, dass er länger als eine halbe Wahlperiode machen wird.”