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FCA: “Augsburg fällt auseinander”

Der FC Augsburg und der SC Freiburg trennten sich vor knapp 29.000 Zuschauern in der 25. Runde der Fußballbundesliga in der WWK Arena mit einem leistungsgerechten 1:1 Unentschieden. Die Gäste aus dem Schwarzwald gingen in der ersten Hälfte durch einen verwandelten Foulelfmeter von Florian Niederlechner in Führung (30.), Konstantinos Stafylidis konnte in der 38. Minute mit einem platzierten Kopfball ausgleichen.

Von Siegfried Zagler

FCA-Trainer Manuel Baum nahm nach der 0:3-Niederlage auf Schalke fünf Wechsel an seiner Startelf vor: Paul Verhaegh und Jonathan Schmid standen nicht im Kader, Gojko Kacar, Halil Altintop und Raul Bobadilla mussten mit der Bank vorlieb nehmen. An ihrer Stelle spielten Georg Teigl, Jeffrey Gouweleeuw, Kevin Danso, Jan Moravek und Dong-Won Ji.

Unter den 28.843 Zuschauern waren zahlreiche ehrenamtlichen Evakuierungshelfer, die als Dankeschön für Ihren Einsatz an den Weihnachtsfeiertagen vom FCA zu diesem Bundesligaspiel eingeladen worden waren. “Augsburg hält zusammen”, so das Motto der Aktion, das leider das Spiel des FCA konterkarierte.

“Augsburg fällt auseinander”, mit diesem Kontraspruch hätte man nicht nur die Partie des FCA hinreichend beschrieben, sondern auch das Verhalten der Zuschauer, die nach 87 Minuten offenbar von dem zerfahrenen Kick die Nase voll hatten und in Scharen das Stadion verließen.

 Bleibt der Rotationskönig der Bundesliga: FCA-Trainer Manuel Baum (Foto: Kerpf))

Bleibt Rotationskönig der Bundesliga: FCA-Trainer Manuel Baum (Foto: Kerpf))


Über weite Strecken boten beide Mannschaften zwar ein ambitioniertes Spiel mit zwei jeweils hoch verteidigenden Verteidigungslinien, weshalb es für beide Mannschaften schwer war, hinter die Abwehrreihen zu kommen, doch über den Status des Wollens kam das Niveau der Partie selten hinaus. Den Augsburgern sah man an, dass sie den Gelsenkirchener Leistungssturz vergessen machen wollten. Schließlich waren sie mit Koo, Moravek, Leitner, Ji, Teigl und einem offensiv eingestellten Hinteregger und Stafylidis nicht nur offensiv aufgestellt, sondern spielten auch mutig nach vorne. Torgelegenheiten waren in der Anfangsphase (und beinahe während des ganzen Spiels) auf beiden Seiten dennoch Mangelware, weil erstens konsequent von beiden Seiten verteidigt wurde und zweitens beide Seiten in der Offensive zu ungenau bei den finalen Momenten waren. In der 26. Minute schoss Jeffrey Gouweleeuw fast aus Verlegenheit aus 18 Metern an die Unterlatte des Freiburger Gebälks.

Wenig später spielte Janik Haberer einen genialen Pass durch die Schnittstelle der Augsburger Abwehr und Mike Frantz tauchte im vollen Lauf vor Torhüter Marwin Hitz auf. Frantz fädelte ein, woraufhin Schiedsrichter Sascha Stegemann zurecht Elfmeter gab und Hitz mit einem blauen Auge (= Gelbe Karte) davonkommen ließ. Florian Niederlechner verwandelte souverän. 1:0 für Freiburg (30.).

Plötzlich nahm die Partie Tempo auf. Augsburg hätte beinahe postwendend das 1:1 erzielt (31.), aber Martin Hintereggers Schuss aus acht Metern im Anschluss an eine Ecke ging knapp am linken Pfosten vorbei. Dann brandete Torjubel durch die Arena: Sechs Minuten vor der Pause verwertete Stafylidis eine präzise Flanke von Georg Teigl am zweiten Pfosten zum 1:1-Ausgleich. (39.). In der 45. Minute versprang Freiburgs Julian Schuster der Ball, Hinteregger sprintete mit großem Willen dazwischen und knallte ein wenig eigensinnig das Leder aus spitzem Winkel an die Schulter von Freiburgs Torwart Alexander Schwolow. Ecke statt Tor.

Von Fouls und ungenauem Passspiel (dabei negativ herausragend: Moritz Leitner) war die zweite Halbzeit gezeichnet. Das Spiel ließ jeden Kombinationsfluss vermissen und pendelte zwischen den beiden Strafräumen planlos hin und her. In der Schlussphase hätte Moritz Leitner seine schwache Vorstellung vergessen machen können, als der eingewechselte Raul Bobadilla von der rechten Seite punktgenau auf Leitners Kopf flankte, der jedoch im Freiburger Strafraum völlig freistehend die Großchance kläglich vergab.

Nach der Länderspielpause müssen sich die Augsburger am Samstag, den 1. April (15.30 Uhr) auswärts mit dem FC Bayern messen.

FCA: M. Hitz; – J. Gouweleeuw; M. Hinteregger; K. Danso; – M. Leitner; K. Stafylidis; J. Moravek; D. Kohr; G. Teigl; – J. Koo; D. Ji.

Eingewechselt: G. Kacar (28.); T. Rieder (72.); R. Bobadilla (64.).

Ausgewechselt: J. Gouweleeuw (28.); K. Danso (72.); J. Moravek (64.).

Auswechselbank: A. Luthe (TW); H. Altintop; P. Max; T. Usami.

Tore:

0:1 Florian Niederlechner (30.) Elfmeter,

1:1 Konstantinos Stafylidis (39.).



“Wir sind alle Eishockeyfans”

20.000 Menschen hätten gerne das sechste Play-off-Spiel der Augsburger Panther gegen die Nürnberg Ice Tigers gesehen.

Sie waren immer da (c) Georg Stadler

Sie waren immer da (c) Georg Stadler


In Augsburg herrscht wieder hohes Eishockeyfieber, was damit zu tun hat, dass der älteste deutsche Eislaufverein zum ersten Mal in seiner langen Geschichte ein Eishockey-Team vorzuweisen hat, das die Voraussetzungen mitbringt, die deutsche Meisterschaft zu gewinnen. Das ist eine Sensation. Die größere Sensation sind aber die Umstände, die dazu geführt haben.

Damit ist nicht Lothar Sigl gemeint, der zwar mit seinen feinen Händchen und seiner klugen und soliden Geschäftsführung die Erfolgsgeschichte des AEV ein Stück weit mitgeschrieben hat, sondern es sind diejenigen gemeint, ohne die der AEV längst in der Versenkung verschwunden wäre, wie es bei den ehemaligen bayerischen Spitzenteams aus Füssen, Landshut und Rosenheim der Fall war und ist. Gemeint sind natürlich die AEV-Fans.

Sie waren da, als der AEV in den achtziger und neunziger Jahren zwischen Insolvenz und zweiter beziehungsweise dritter Liga changierte. Sie waren da, als die neugegründete Panther-GmbH in der damals verspotteten “Zoo-” oder “Operettenliga” unter ferner liefen mitscheibeln durfte. Über viele Generationen hinweg waren und sind die Augsburger Eishockeyfans nicht nur stimmungsvolle Kulisse in einem erschreckend durchökonomisierten Sportbetrieb, sondern der Garant dafür, dass hinter dem AEV nicht nur ein zuverlässiges finanzielles Grundgerüst steht, sondern eine Seele lebt, die den professionellen Eishockeysport in Augsburg zu etwas Besonderem macht.

Wer die Zeiten, als noch Paul Ambros und Leonhard Waitl für Augsburg die Schlittschuhe schnürten, bis zum heutigen Tag aus nächster Nähe mitverfolgte, weiß, dass es neben dem sportlichen Auf und Ab des AEV immer eine dritte Dimension am Schleifgraben gab, nämlich das unvergleichliche Augsburger Publikum. In keinem anderen DEL-Stadion gibt es eine stärkere Unterstützung als im Curt-Frenzel-Stadion. Im vierten Play-off-Spiel gegen Nürnberg brannte die Luft und am morgigen Sonntag wird es nicht anders sein. Wer also wissen will, was es bedeutet, wenn das Augsburger Herz zu schlagen beginnt, sollte zumindest einmal in seinem Leben ein Teil davon sein, wenn es darum geht, die Größe und den Wahnsinn einer über Jahrzehnte gewachsenen Kraft zu spüren.

Gemeint ist die Kraft einer flüchtigen Gemeinschaft, die sich wie eine geheime Loge seit vielen Jahrzehnten zu bestimmten Zeiten einmal pro Woche zu einer Messe trifft, die man nur in Gänze zu verstehen in der Lage ist, wenn man all die Zeichen und Codes entschlüsseln kann, die sich auf dem Eis und auf den Rängen zu Gesetzmäßigkeiten verfestigt haben, die dem Spiel eine ureigene Dramaturgie eingravierten. Eine Dramaturgie, der man folgen muss, wie die Dinge der Schwerkraft.

Aus diesem Grund wäre es falsch, nur davon zu sprechen, dass man im CFS neben dem Spitzensport auch eine großartige Atmosphäre geboten bekomme. Es ist mehr als das, nämlich der Geruch von gelebtem Leben, das als Hauch einer Vorstellung beginnt und als Orkan eines Willens über das Eis bläst, als käme es im Leben der vielen Logenmitglieder nur auf dieses eine Spiel an.



FCA vs. Freiburg: Wem die Stunde schlägt

Für den FCA folgen in den kommenden Wochen zehn Bundesligaspiele, die man alle als Endspiele zu betrachten hat. Sollten die Augsburger in diesen Endspielen zehn Punkte holen, wäre der Abstieg über die Relegation vermieden.

Von Siegfried Zagler

Aktuell liegt vor dem heutigen Heimspiel der FCA mit 28 Punkten zwei Punkte vor dem prekären 16. Platz. Mit 38 Punkten nach dem 34. Spieltag bliebe dem FCA die Relegation gegen einen richtig starken Zweitligisten erspart, vielleicht würden sogar ein bis zwei Punkte weniger ausreichen, könnte man gegen den HSV zu Hause einen Dreier einfahren. Doch bis dahin fließt noch viel Wasser den Lech hinunter: Gewönne der FCA sein Heimspiel am heutigen Samstag (15.30 Uhr) in der WWK Arena gegen den Sport-Club Freiburg sowie seine Heimspiele gegen Ingolstadt (5. April) und eben den Hamburger SV (30. April), dann könnte man relativ gelassen in den Schlussspurt gegen Gladbach, Dortmund und Hoffenheim eintreten.

Was bei den Statistikern für den FCA gegen Freiburg spricht, ist der Sachverhalt, dass der FCA gegen Freiburg zu Hause noch nie verlor, auf zwei Remis folgten zuletzt zwei Heimsiege. Ein Sieg wäre heute Nachmittag besonders wertvoll, da die Konkurrenz gegen den Abstieg fleißig punktet und mit guten Ergebnissen aufwartet. Während also die anderen Mannschaften im Abstiegsumfeld Aufwärtstrends verzeichnen, weiß der FCA seit Trainerwechsel nicht mehr genau, wer er ist – und tritt dabei noch mit merkwürdigem Rotationsgedöns und stetigen Taktikveränderungen auf der Stelle.

Ein Sieg gegen den Sport-Club würde daran nichts ändern. So beruhigend ein Dreier auch wäre, gegen Freiburg erhält der heimschwache FCA von der DAZ keine positive Prognose. Falls der FCA aber die Erwartungen übertreffen sollte und mit einer ähnlichen Leistung wie zuletzt gegen Leipzig das Publikum auf dem Lechfeld begeistern sollte, dann muss man sich ohnehin keine Sorgen um den FCA machen.



Ein “Brechtbühnenbordell” wäre die Lösung

Ja, so ein Pech! Jetzt hat die Stadt nicht nur ein großes Theater mit dem Großen Haus am Kennedyplatz und möglichen Ausweichstätten für dasselbe, nein, jetzt kommen auch noch Auseinandersetzung mit Betreibern zu etablierender Bordelle und Laufhäuser an verschiedenen Standorten dazu.

Von Helge Busch

Super, dass die Öffentlichkeit darüber ausführlich informiert wird. Vorschlag: Man könnte jetzt einen Bürgerbeteiligungsprozess in Sachen „Bordell, Prostitution und Standortfragen“ ins Leben rufen. Sollen doch die Augsbürger endlich mitreden, wo und wann sie gerne Rotlicht-Etablissements besuchen und in welchem der Häuser sie sich wohl fühlen, und sie sich das Zusatzangebot eines Bordell-Cafés wünschen. Dort ließe sich dann trefflich über das Angebot und die Praktiken diskutieren. Ist es nicht schade, dass die Brechtbühne abgerissen und andernorts nicht aufgestellt werden kann? Bert Brecht hätte es gefallen, sein Haus auch für Prostituierte zu öffnen, schließlich hatte er ein großes Herz für diese Damen.

Mit Brecht und Bordell ließen sich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.  Kultur und Sex, vereint in einem BBB = Brechtbühnenbordell, ach endlich könnte man frei sprechen über Gott und die Welt, über das älteste Gewerbe in dieser Welt und über die individuellen Bedürfnisse der Bürger in Sachen Kunst und Sex. Dazu wird die Öffentlichkeit garantiert bestens unterrichtet werden, denn ein mögliches Sex-Lauf-Brechthaus ist interessanter als die langweilige gerichtliche Auseinandersetzung über Standortfragen im Rotlichtmilieu – und natürlich viel interessanter als das nicht weniger langweilige Gender-Gehölz im Brechtfestival.