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FCA geht auf Schalke unter

Der FC Augsburg verliert in der 24. Runde der Fußballbundesliga gegen Schalke 04 mit 0:3.

Vor 59.481 Zuschauern in der Veltins-Arena erspielten sich die Schalker einen auch in dieser Höhe verdienten Sieg, der in keiner Minute der Begegnung gefährdet war. Die Tore der Schalker erzielten Burgstaller (4./29.) und Caligiuri (34.). FCA-Kapitän Paul Verhaegh vergab in der 32. Minute einen Strafstoß.

Viel mehr gibt es aus Augsburger Sicht nicht zu sagen, da der FCA eine fahrige Partie ablieferte, über die man vom Beginn bis zum Ende nur den Kopf schütteln konnte. Mit Altintop und Kapitän Verhaegh sowie Leitner und Schmid begannen die Augsburger das Spiel. Framberger (Meniskus-OP), Moravek (Achillessehnenprobleme), Ji und Danso (beide Bank) waren nicht in der Startelf vertreten.

Schalke riss mit einem Blitzstart die Partie an sich: Nach einer Ecke, der eine Abseitsstellung von Choupo-Moting vorausging, konnte Burgstaller nach einer FCA-Fehlerkette am langen Pfosten zur frühen Führung eindrücken (4.). Der FCA zeigte sich von nun an von seiner schwächsten Seite und überließ den Schalkern das Spiel: Nach 20 Minuten vermeldeten die Statistiker über 70 Prozent Ballbesitz für die Königsblauen.

 Manuel Baum (Foto: Kerpf))

Manuel Baum (Foto: Kerpf)


Erst ab der 20. Minute konnten die Augsburger die Begegnung auf Augenhöhe gestalten, doch dann überschlugen sich ab der 29. Minute die Ereignisse und binnen 5 Minuten waren die Augsburger geschlagen: Zuerst startete Choupo-Moting ein Solo, indem er an Verhaegh und Schmid vorbeilief und in aller Ruhe auf Burgstaller zurückpasste, der wiederum keine Mühe hatte, das Leder zum 2:0 einzunetzen (29.). In der 30. Minute hielt Höwedes den gestreckten Schlappen über einen Bobadilla-Schuss: Elfmeter! Bobadilla verletzte sich bei der Aktion, Verhaegh vergab den Elfmeter (32.). Und beinahe im Anschluss sorgte Caligiuri für die Vorentscheidung nach Vorarbeit von Kolasinac, der wiederum auf der Verhaeg-Seite mühelos hinter die FCA-Abwehr marschierte (34.).

Mit dem höchsten Halbzeitrückstand seit Bundesligazugehörigkeit schlichen die angezählten Augsburger in die Pause. In der zweiten Halbzeit wollte FCA-Trainer Manuel Baum nicht mehr viel riskieren und Schalke baute auf Verwalten und Nadelstiche. Nach insgesamt katastrophalen 90 Minuten konnte sich der FCA glücklich schätzen, gegen einen keinesfalls starken FC Schalke 04 nicht höher verloren zu haben.

Bemerkenswert sind die unterirdischen Leistungen von allen FCA-Spielern der Defensive. Herausragend dabei Verhaegh und Schmid, die die rechte FCA-Seite zu einem Haus der offenen Tür erklärten. Völlig wirkungslos ohne Bande zum Spiel und bestenfalls im Modus eines Mitläufers: Moritz Leitner, sehr fehleranfällig auch Kacar und Kohr, die kaum in die Zweikämpfe kamen. “Wir waren nicht kompakt gestanden und haben schlecht verteidigt. Das werden wir analysieren und besser machen. Wir dürfen uns jetzt auch von einem Ausreißer nach unten nicht irritieren lassen, sondern müssen unsere Kräfte bündeln”, so kommentierte FCA-Trainer Manuel Baum das Spiel.

Die Abstiegszone der Bundesliga beginnt nach diesem Spieltag beim FCA (28 Punkte). Schalke hat sich dagegen ans Mittelfeld herangewanzt und darf nun verschämt mit 30 Punkten ein wenig nach oben spitzeln. Am kommenden Samstag empfängt der FCA in der heimischen WWK Arena den SC Freiburg.

FCA: M. Hitz; – P. Verhaegh; G. Kacar; M. Hinteregger; K. Stafylidis; – M. Leitner; D. Kohr; J. Schmid; J. Koo; – R. Bobadilla; H. Altintop.

Eingewechselt: G. Teigl (46.); P. Max (77.); D. Ji (40.); – Ausgewechselt: J. Schmid (46.); R. Bobadilla (40.); H. Altintop (77.).

Auswechselbank: A. Luthe (TW); T. Rieder; T. Usami; K. Danso.

Tore : 0:1 Guido Burgstaller (4.) 0:2 Guido Burgstaller (29.) 0:3 Daniel Caligiuri (34.).



Brechtfestival: Brecht quält Benjamin

Mit „Krise ist immer“ beschreibt das Künstlerensemble um Regisseurin Friederike Heller die langjährige Freundschaft von Bertolt Brecht und Walter Benjamin als narzisstische Beziehung zwischen Zerstörung und Selbstzerstörung. Aufhänger sind Dokumente der zwischen Benjamin und Brecht geführten Debatten aus der Entstehungszeit des 1931 gescheiterten Zeitschriftenprojekts „Krise und Kritik“.

Von Bernhard Schiller

Peter Thiessen, Philipp Hochmair, Henry Rabe, Friederike Heller (v.l.), Foto: Christian Menkel

Peter Thiessen, Philipp Hochmair, Henry Rabe, Friederike Heller (v.l.) (c) Christian Menkel (Brechtfestival)


Was wäre geschehen, hätte Brecht die Pfingstrose angenommen, die ihm Walter Benjamin unmittelbar aus dem Paradies herüberreichte? Brecht lehnt die innig gebrochene Blume feixend ab und trampelt fortan voller Hohn und Missachtung auf Benjamin herum. Der Zuschauer muss eine Stunde lang mitansehen und (mehr oder weniger) aushalten, wie Brecht einen von ihm angezogenen – in den Bann gezogenen – Benjamin verspottet, mit dem Finger auf ihn zeigt, ihn demütigt und dieser dem nichts entgegenzusetzen hat, als leise geäußerte, intellektuelle Zweifel am Konzept der revolutionären Vernichtung. Heller als Benjamin verschwindet dabei gegenüber der dreifach dröhnenden Männerübermacht Brecht (Philipp Hochmair, Peter Thiessen, Henry Rabe) nicht nur akustisch. Musiker Thiessen baut starke, atmosphärische Kulissen, die das Publikum tief hineinführen in Benjamins Innerlichkeit. Eine zärtlich-nichtlineare, aber eben auch bedrückende Welt, in welcher der Lobpreis der Engel für den Gott, der das Paradies schuf, vom Lärm des Dampfhammers am Berliner Alexanderplatz unterdrückt wird.

Der Fortschritt stampft und marschiert zum Ende der Geschichte, für Brecht wird der langsame, auf feinsinnigen Umwegen wandelnde Benjamin dabei zum „schlimmsten Feind, den der Arbeiter hat“, der „Feind in seinen eigenen Reihen“. Singend spielt das Ensemble damit auch den scheinbar so friedfertigen Tucholsky sarkastisch gegen den Strich beziehungsweise gegen Benjamin. Bei Benjamin hört der Spaß auf, der für die orthodoxe Brechtaura dringend notwendige Eisler-Sound wird zur ganz bitteren Pille.

Und dann gibt es jenen einen Moment der Irritation in dieser an Verfremdungen reichen Inszenierung: Brecht und Benjamin sitzen nach ergebnisloser Diskussion uneins auf dem Sofa. Brecht bläst maskulin posend Zigarrenqualm ins Halbdunkel, als der „Engel der Verzweiflung“ sich düster und lautstark (Thiessens Arrangement) der Szene bemächtigt. Plötzlich scheint Brecht derjenige zu sein, dem Verzweiflung, ja bereits verloren geglaubte Empfindsamkeit innewohnt. Leider bleibt es bei einer Täuschung und das ist es auch, woraus Hellers „theatralische Versuchsanordung“ zugleich Wucht gewinnt und verliert.

Weder werden die verletzlichen Seiten Brechts, noch die kraftvollen Benjamins nachhaltig in den Raum möglicher Auch-Realtitäten geholt. Es gefriert der harte dialektische Gegensatz vom pragmatischen Revolutionsmacher Brecht auf der einen, und dem feinfühligen Patienten Benjamin auf der anderen Seite. Auf die Spitze getrieben durch einen nietzscheanisch tobenden Menschaffen, der die Welt in Trümmer legt, während der von Engeln einst berührte Walter Benjamin „in tiefe Abwesenheit“ verfällt.

Was wäre geschehen, hätte sich Brecht Benjamins Blume zu Herzen genommen? Was wäre geschehen, hätte Benjamin Brecht weniger Raum für aggressive Abschaffungsphantasien gewährt? Wäre der messianische Moment entstanden, von dem Benjamin so gerne sprach? Mangels Beleuchtung dieses so elementaren Motivs im Denken Walter Benjamins, das die Idee einer Alternative zu Ideologie und Nihilismus auch in die Gegenwart transportieren könnte, bleibt am Ende der Aufführung ein düsteres Bild hoffnungsloser Gegensätze stehen, das den Zuschauer weder mit Brecht, noch mit der Welt versöhnt.

Das ist im Sinne der von Patrick Wengenroth beschworenen Multiperspektivität freilich hervorragend. Wengenroth hat sich vorgenommen, Brecht zu „zertrümmern“, um neue Perspektiven freizulegen. Oder, um es mit einem Zitat Heiner Müllers aus „Krise ist immer“ zu sagen: „Die erste Gestalt der Hoffnung ist die Furcht. Die erste Erscheinung des Neuen ist der Schrecken. Damit etwas kommt, muss etwas gehen.“

In diesem theatralen Format zwischen Reenactment der historischen Gesprächsprotokolle und dem Abgleich mit der aktuellen Realität psychologisiert sich der Konflikt zwischen Benjamin und Brecht, verdichtete sich die Grausamkeit der Welt in eine dramatische Projektion, die einen intellektuellen Dissens einer bedeutsamen Freundschaft auf die Möglichkeiten des Theaters reduziert, um in dieser Reduktion den Schrecken der Geschichte abzubilden.

Großartiges Theater in der leider nicht ausverkauften Probebühne I des Stadttheaters.

Ohne das wissenschaftliche Material von Prof. Dr. Erdmut Wizisla, der im Programmheft als “dramaturgisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter” angeführt wird, wäre das Projekt nicht denkbar gewesen. Deshalb an dieser Stelle der Verweis auf das Grundlagenmaterial: Benjamin und Brecht. Die Geschichte einer Freundschaft. Mit einer Chronik und den Gesprächsprotokollen des Zeitschriftenprojekts ›Krise und Kritik‹. Von Erdmut Wizisla, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2004, 396 S., 13 Euro.