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Hader kommt ins Thalia

Josef Hader – Regisseur und Hauptdarsteller stellt im Kinodreieck seinen Film „Wilde Maus“ vor.

Der möglicherweise beste Kabarettist im deutschsprachigen Raum, Josef Hader, kommt am morgigen Sonntag, den 12.3.2017 um 15.00 Uhr ins Augsburger Kinodreieck am Obstmarkt, um seinen ersten Spielfilm vorzustellen. „Hader spielt auch in „Wilde Maus“ Hader, so wie er es in seinem überragenden Kabarettprogramm getan hat. Dass er das erstmals als Schauspieler, Autor und Regisseur in Personalunion tut, fügt der Kunstfigur mit dem dunkelgründigen Blick kaum neue Facetten hinzu. Hader bleibt Hader, sein Publikum kann ohne die Gefahr einer Produktenttäuschung in die „Wilde Maus“ steigen“, so die FAZ über den Film, der am Donnerstag in Deutschland angelaufen ist. – Eintrittskarten gibt es ab sofort im Thalia zu den Kinoöffnungszeiten. Die Kinodreieck-Kinogutscheine gelten für diese Veranstaltung auch.



Brecht: Ändere das Festival, sonst stirbt es!

Eine „Maßnahme“, bei der der Chor zu einem Hintergrundrauschen verdonnert wurde, eine hölzerne Gender-Debatte und eine Trash-Revue, die den „Säulenheiligen Bertolt“ in ein Fass voll Lachgas taucht. Der letzte Vorhang ist noch nicht gefallen, doch bereits jetzt steht fest, dass sich das Brechtfestival selbst abzuschaffen droht.

Von Helge Busch

Einmal im Jahr zehn Tage Brecht – daraus wird in Augsburg langsam eine aufdringliche Langeweile gezimmert. Das gilt für die Nachgeborenen, die sich noch an den verfemten Dichter und Dramatiker erinnern, wie für die jüngeren Bildungsbürger-Generationen, für die ein Brecht-Wochenende genügte, würden innerhalb dieses Zeitraums „Der Mackie-Messer-Song“, „Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit“, das Gedicht „Erinnerung an die Marie A.“ von bekannten Brecht-Interpreten vorgetragen werden.

Vielleicht könnte man noch vom Berliner Ensemble die „Mutter Courage“ hinzufügen, aber dann ist es genug. Mehr ist fast schon ein Zuviel für die Brecht-Bürger – besonders für die traditionsbewussten Augsburger „Brechtkenner“. Denn kommt gar Unbekanntes oder Sperriges, ist’s schlecht bestellt um die lokale Brecht-Welt und um die wechselnden Festivalleiter in diesem jährlich aufgeplusterten Brechtfestival, das natürlich kein Festival ist, sondern seit vielen Jahren eine uneingelöste Versprechung bleibt.

Unter dem (Augsburger) Brecht-Himmel hat’s keiner leicht, der den Provokateur als Menschenfreund und Visionär vorstellen will. Ein echter Augsburger kennt seinen BB vom Plärrer oder sieht ihn gerne mit einem Lampignon von der Kahnfahrt „übern Rathausplatz“ trotten, aber nur, „wenn nur mehr Mond und Katz“ wachen. Das mag kleinteilig und provinziell klingen, ist es aber nicht, denn Brecht ist leicht verständlich und erstaunlich immun gegen das „Regisseurstheater“, wie es Gerhard Stadelmaier nennt, wenn Theatermacher etwas zurechtschnitzen – oder aus einem Werk ein Spruchlexikon tagesaktueller Weltschmerzen herausschälen.

Warum also von Jahr zu Jahr ein Brechtfestival vom Zaun brechen, wenn der berühmteste Sohn der Stadt damit zu Tode gepflegt wird? Brecht wusste – wie der weise Prediger Salomo, dass alles „eitel unter der Sonne ist“. Und natürlich ahnte er, dass seinem Werk die „Wirkungslosigkeit der Klassiker“ droht, wenn man es der Heiligsprechung (und dem Regietheater) preisgibt.

Das Augsburger Brechtfestival verharmlost und verhunzt Brecht von Jahr zu Jahr und trägt somit zur Provinzialisierung der Stadtgesellschaft in hohem Maße bei: Auch eine spöttische Trash-Revue verlangt zunächst eine tiefe Verbeugung – bevor man zu furzen beginnt.

Die gewählten und selbst ernannten Kulturverantwortlichen sollten jetzt die Maßnahme ergreifen und dem Brechtfestival eine Pause verordnen, um potentiellen Festivalmachern und Entdeckern die unbedingt notwendige Zeit zum Nachdenken zu geben, damit BB in seiner Vaterstadt auf angemessenem Niveau gefunden und verstanden werden kann.





Schiller stellt Luther vor

Mit Gedichten und Liedern unternehmen Sybille Schiller und Ellensint Brandmiller eine Annäherung an Luther.

„Der Reformator Martin Luther war aufgeregt, wütend, oft ungerecht und unnachgiebig. Er war traurig, fröhlich, barmherzig – aber das Wichtigste: Er blieb immer im Gespräch mit Gott“, wie es im Einladungstext heißt. Die Journalistin Sybille Schiller hat aus vielen Schriften, Liedern und Gedichten des Reformators Martin Luther solche ausgewählt, die seine Person nicht glorifizieren, ihn aber als einen Menschen vorstellen, der stets auf der Suche nach einem gerechten Gott war. Irrtümer inbegriffen. Rezitation: Sybille Schiller, Gesang: Ellensint Brandmiller, Orgel: Heinrich Schiller.

Der Eintritt ist frei. Ort: Goldschmiedekapelle (St. Anna) Im Annahof 2 – Zeit: Dienstag, 14. März um 19.30 Uhr.



FCA auf Schalke: Steht Weinzierl vor dem Aus?

Am morgigen Sonntag (15.30 Uhr) vertritt der FCA in der 24. Runde der Fußballbundesliga die Farben der Stadt Augsburg auf Schalke.

Zuletzt überzeugte der FCA zu Hause gegen den Tabellenzweiten aus Leipzig mit einem 2:2 Unentschieden, während Schalke 04 unter der Woche gegen Gladbach in der Europa League zu einem 1:1 in der heimischen Arena kam. Der FCA befindet sich also mit seinem neuen Trainer Manuel Baum im Aufwärtstrend, während Schalke mit Markus Weinzierl auf der Stelle tritt und in der Bundesligatabelle mit einem Punkt hinter dem FCA weit hinter seinen eigenen Ansprüchen platziert ist. Sollte der FCA morgen erstmalig auf Schalke einen Dreier holen, würden sich die Augsburger mit 31 Punkten an das Mittelfeld anflanschen und zugleich die Schalker in den vergifteten Fluss des Abstiegskampfes stoßen.

Sollte es tatsächlich so kommen, wären die Tage von Weinzierl in Gelsenkirchen gezählt. Der FCA ist für Schalke stets ein unbequemer Gegner gewesen; ein Gegner, der in den letzten beiden Bundesligapartien gegen die Knappen vier Punkte erspielte.

Es ist gut möglich, dass FCA-Trainer Baum der gegen Leipzig erstmals eingesetzten Dreier-Abwehrkette erneut vertraut und Verhaegh, der diese Woche wieder voll trainieren konnte, auf der Bank bleibt. Denkbar ist aber auch, dass Augsburgs Trainer wieder zur Viererkette zurückkehrt und mit Verhaegh und Gouweleeuw (ebenfalls wieder fit) beginnt. Letzterer könnte in diesem Fall Danso ersetzen, der mit einer tadellosen Leistung gegen Leipzig die Fachwelt überraschte. Hinter Moravek (Achillessehnenprobleme) steht ein dickes Fragezeichen. Sollte Moravek nicht spielen, könnte Moritz Leitner sein Startelf-Debüt geben.

"Schaaaaalke"-Fan Edgar Mathe: "Weinzierl ist in Schalke nie angekommen". (Archivbild).

"Schaaaaalke"-Fan Edgar Mathe: "Weinzierl ist in Schalke nie angekommen". (Archivbild).


Zurück zum gebeutelten Weinzierl auf Schalke: Markus Weinzierl muss damit leben, den schlechtesten Punkteschnitt aller Schalke-Trainer der letzten 23 Jahre eingefahren zu haben. Nur 1,2 Punkte pro Spiel sind nicht nur für den Schalker Anhang inakzeptabel. Schließlich kam Markus Weinzierl sogar beim FCA auf 1,3 Punkte pro Spiel. Es ist unter den aktuellen Voraussetzungen nicht unwahrscheinlich, dass der FCA zum ersten Mal auf Schalke voll punktet. Damit wäre die Welt, die zwischen dem FC Augsburg und Schalke 04 normalerweise liegt, auf den Kopf gestellt.

Als der FC Augsburg im Frühsommer 2016 nach einem quälend langen Verhandlungsmarathon seinen damaligen Trainer Markus Weinzierl nach Gelsenkirchen ziehen lassen musste, wurden in der Brechtstadt Wetten darüber abgeschlossen, ob Weinzierl auf Schalke vor oder nach Weihnachten gefeuert wird. Dass es anders kommen sollte, konnte man damals nicht ahnen: Nicht Weinzierl auf Schalke, sondern Dirk Schuster in Augsburg wurde gefeuert – vor Weihnachten. Bei einem FCA-Sieg am Sonntag werden in Augsburg wohl die ersten Wetten darüber abgeschlossen werden, wer spätestens an Ostern auf Schalke als neuer Trainer Auferstehung feiert.



Bluespots beim Brechtfestival: Svendborger Gedichte zweisprachig

Auch in diesem Jahr war die Gruppe Bluespots Productions wieder dabei beim Brechtfestival. Und auch diesmal hatten sie etwas Besonderes im Gepäck: Brechts Svendborger Gedichte in Kooperation mit dem dänischen Baggardtteatret in zwei Sprachen.

Von Halrun Reinholz

Leif Eric Young, Sören Huss, Jens Gotthelf (c) bluespot productions

Im märchenhaften Ambiente des Parktheaters singen sie von Heimatlosigkeit und Krieg: Zunächst rezitiert der Augsburger Schauspieler Leif Eric Young ein Brecht-Gedicht, das von Jens Gotthelf auf dänisch wiederholt wird. Doch es bleibt nicht dabei, der Däne kommentiert, statt das übersetzte Gedicht zu sprechen, das Publikum erfährt durch die Übertitel die Reflexionen zu Krieg, Emigration und die aktuellen politischen Bezüge.

Es ist ein einzigartiges Projekt, das sich der Bluespot-Leitern Petra Leonie Pichler bot und das sie mit großer Ernsthaftigkeit anging. Bei einer Erkundungsreise nach Svendbvorg, Brechts Exilort in Dänemark, nahmen die Künstler die Atmosphäre des Ortes und des strohgedeckten Hauses auf, in dem Brecht sechs Jahre verbrachte (ohne übrigens Dänisch zu lernen!) und von wo er bang die Nachrichten aus Deutschland aufnahm und darüber Verse schrieb, politische Kommentare zu den „finsteren Zeiten“, zum Leben in der Diktatur und Befürchtungen zum nahenden Krieg.

Die Svendborger Gedichte wurden 1939 in Dänemark veröffentlicht – auf Deutsch. Durch die Zusammenarbeit mit dem dänischen Baggardteatret („Hinterhoftheater“) ergab sich die Chance, die Gedichte ins Dänische zu übersetzen und szenisch auf die Bühne zu bringen. Die Brecht-Erben erlaubten Zwischentexte und der Däne Sören Huss vertonte einige der Gedichte. Dieser Mix wurde mal deutsch, mal dänisch, mit oder auch ohne Übertitel auf die Bühne gebracht. Die daraus generierte Dichte ist zu einem ganz wesentlichen Teil auch der Lichttechnik zu verdanken: effektvoll, ohne sich aufzudrängen, verlieh sie den Wörtern und Tönen Nachdruck. Das hätte man sich allerdings auch für die Tontechnik gewünscht: Trotz Mikro waren die Texte oft nur schlecht zu verstehen. Dennoch: Ein Highlight des Brechtfestivals.



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