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Fehler behoben: Silberbusse wieder im Einsatz

Die Mercedes-Citaro Busse der Stadtwerke Augsburg sind ab Samstag, den 1. April wieder im Regelbetrieb unterwegs. Am Freitag wurde das Update der Türsteuerungssoftware durch die Firma EvoBus freigegeben.

Die swa prüften im Anschluss noch einmal die fehlerfreie Funktion im Betrieb ohne Fahrgäste. „Ich bin froh, dass der Fehler in kurzer Zeit behoben wurde und ich danke unseren Fahrgästen für ihr Verständnis und ihre Geduld in dieser ungewöhnlichen Situation“, so Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Walter Casazza, „ich muss allerdings wirklich hervorheben, dass Werkstätten und Fahrbetrieb eine Meisterleistung vollbracht haben, die Kunden in der Zeit ohne die neuen silbernen Busse optimal zu versorgen.“

Die swa hatten sich nach der europaweiten Rückrufaktion der Baureihe Mercedes Citaro zwölf Busse ausgeliehen und mit eigenen Reservefahrzeugen sowie diversen Sondereinsätzen in den Werkstätten dafür gesorgt, dass jede im Fahrplan vorgesehene Fahrt eingehalten und auch der Niederflurstandard der Busflotte eingehalten werden konnte.



Damit macht sich ein Ordnungsreferent lächerlich

Mit dem sprechenden Sommerwohnzimmer nimmt die geistige Vermüllung der Innenstadt zu

Kommentar von Siegfried Zagler

Es ist an dieser Stelle schon öfter darauf hingewiesen worden, dass es zu den Pflichten der Daseinsfürsorge einer Kommune gehört, dass zum Beispiel die Bürger einer Stadt nachts schlafen können – selbst dann, wenn sie im Augsburger Stadtzentrum in der Nähe der Maximilianstraße wohnen. Es ist ebenfalls unermüdlich darauf hingewiesen worden, dass die bisherigen städtischen Maßnahmen in Sachen Lärmemission und Nachtruhe lediglich schnell vorübergehende Erleichterung schafften.

Bereits 2009 sprach der gute Geist der Stadt vergebens zu seinen Bürger

Bereits 2009 sprach der gute Geist der Stadt vergebens zu seinen Bürgern


Das so genannte „Dönerverbot“ wurde vom zuständigen Verwaltungsgericht kassiert, eine Sperrzeitverlängerung für die Innenstadtgastronomie wurde nur halbherzig und mutlos ins Auge gefasst, das erlassene Tempo-20-Limit auf der Maxstraße zu wenig kontrolliert. Das Gleiche gilt für das so genannte „Wildpinklerverbot“. Jeder Ordnungsreferent in den vergangenen 15 Jahren gab an, den innerstädtischen Ordnungsdienst verstärkt zu haben. Von Kirchner über Böhm zu Ullrich und Wurm war immer die Rede von „umfangreichen Maßnahmepaketen“. Planungswerkstätten arbeiteten Konzepte aus. Nichts sollte Wirkung zeigen: Die Partymeile zwischen Ulrich und Rathaus mit all ihren Auswüchsen wurde von der Stadt nicht wirksam bekämpft, sondern eher noch mit den so genannten Maxfesten und den Nachfolgeveranstaltungen verstärkt.

Nichts hat bisher nachhaltig funktioniert. Und als bereits 2009 die Stadtverwaltung auf die aberwitzige Idee kam, dass die Stadt selbst, also der „gute Geist“ der Straßen, Plätze und Gebäude in Form von Bodenaufschriften zu ihren Bürgern sprechen lassen will, dokumentierten Gribl, Böhm und Co. mit Textbausteinen aus dem Poesiealbum der Verwaltung nicht nur ihre bescheidenen lyrischen Fähigkeiten, sondern auch ihre Hilflosigkeit gegenüber einer Problemlage, die im Grunde mit schlichten ordnungspolitischen Maßnahmen und deren hartnäckiger Umsetzung aus der Welt zu schaffen gewesen wären.

Nachhaltige Ordnungspolitik hätte nichts mit „law und order“ zu tun, sondern mit einer notwendigen städtischen Politik, die zu dem Spagat fähig ist, der beides ermöglicht: hohe innerstädtische Aufenthaltsqualität (zu der auch Nachtruhe gehört) und spontane Handlungsspielräume. Handlungsspielräume, die auch launige Partystimmung ermöglichen. Das Changieren zwischen Sichern von Ruhe und Ordnung und dem Sichern eines liberalen Grundgefühls, das Spontanität und Lebensfreude generiert, beinhaltet keine politischen Widersprüchlichkeiten, sondern gehört zum Handwerkszeug der Innenpolitik, also zu einem staatstragenden Handwerk, das in Kommunen „Ordnungspolitik“ heißt. Dazu bräuchte man allerdings einen fähigen Ordnungsreferenten. Zu bedauern ist an dieser Stelle, dass sich Volker Ullrich zu früh in den Bundestag hat wegloben lassen. Er wollte sich an diesem Spagat messen lassen. Dirk Wurm hat sich nun, wie einst Walter Böhm, dem gespenstischen Nonsens einer sprechenden Stadt unterworfen. Damit macht sich ein Ordnungsreferent lächerlich.

Wenn nun der gute Geist des Rathausplatzes, wie „Bernd das Brot“ zu seinen „Nutzern“ spricht, dann ist das in der Sache nicht nur unwirksam, sondern inhaltlich beinahe so unerträglich wie das Gegröle und Gepöbel des Partymobs. „Ähnliches heilt ähnliches“ ist ein Grundsatz der Homöopathie, den sich die Stadt nicht zum Lehrsatz ihres politischen Denkens machen darf. Der geistigen Vermüllung der Augsburger Innenstadt wird jedenfalls mit dem sprechenden Sommerwohnzimmer Vorschub geleistet.



Stadt spricht von „Ordnungsmaßnahmen“ und startet eine Saubermann-Kampagne

Mit verschiedenen Maßnahmen plant die Stadt vorausschauend gegen „Vermüllung, Alkoholmissbrauch und Pöbeleien“ vorzugehen.

Jetzt spricht er wieder, "unser Rathausplatz", der sich für ein paar Wochen "Sommerwohnzimmer" nennt

Jetzt spricht er wieder, "unser Rathausplatz", der sich nun "Sommerwohnzimmer" nennt


„Aufgrund der aktuellen Entwicklung zu Beginn des Frühjahrs will die Stadt möglichen Auswüchsen frühzeitig präventiv begegnen. Mit einer verstärkten Präsenz des Ordnungsdienstes will sie vor allem ihr Hausrecht auf dem Rathausplatz und am Rathausportal gegen Vermüllung, Alkoholmissbrauch und Pöbeleien gegen Passanten durchsetzen“, wie es in einer städtischen Pressemitteilung heißt.

„Unser Rathausplatz ist dazu da, sich zu treffen, in der Sonne zu sitzen und Freude an der Stadt zu haben“, so Oberbürgermeister Kurt Gribl. Dazu habe bislang nicht unwesentlich beigetragen, dass bereits seit vergangenem Jahr der städtische Ordnungsdienst verstärkt worden sei. „Diese Bemühungen haben Wirkung gezeigt. Gleichzeitig sollen alle Augsburgerinnen und Augsburger, die die schönen Plätze der Stadt in Ruhe genießen wollen und sich angemessen verhalten, wissen, dass sie willkommen sind“, wie Ordnungsreferent Dirk Wurm im gleichen Schriftstück hinzufügt.

Zusätzlich setzt die Stadt auf die bereits eingeführte „Kommunikationsstrategie der sprechenden Stadt, die „auf das Wir- und Identitätsgefühl“ der Besucher des Sommerwohnzimmers abzielt, wie die Stadt den Rathausplatz bezeichnet. Das „Sommerwohnzimmer“ steht vermutlich als Metapher für „das einzigartige Lebensgefühl in der Stadt und ein sympathisches Miteinander ohne Law and Order.“

Mit dieser Art von „Nettiquette“ wollen OB Gribl und Ordnungsreferent Dirk Wurm für „angemessenes Benehmen“ auf öffentlichen Plätzen in der Stadt werben. Wie Pressesprecher Richard Goerlich ausführt, seien Respekt, Alkohol, Müll und Vandalismus thematische Schwerpunkte, über die der Rathausplatz selbst zu seinen Bürgerinnen und Bürgern spricht. „Es geht darum, diejenigen zu ermutigen, die den Platz mögen, die Spaß haben und sich zu benehmen wissen“, so Goerlich. In Absprache mit allen beteiligten Referaten sollen demnächst auch zielgruppenorientierte Streetwork-Programme aktiviert werden. Auch an eine Kooperation mit der Polizei für Schulungen im Bereich Zivilcourage ist dabei gedacht.

In Kürze werden für die Dauer von vier bis sechs Wochen rund um den Rathausplatz unterschiedlichste Botschaften auftauchen. Auch auf allen städtischen Kanälen im Bereich der sozialen Medien werden Motive gepostet, die an die Solidarisierung der „Sommerwohnzimmer-Nutzer“ appellieren.



Brechtfestival: Wengenroth darf weitermachen

Auf seiner heutigen Sitzung hat der Stadtrat beschlossen, dass Patrick Wengenroth ein weiteres Jahr dem Augsburger Brechtfestival als künstlerischer Leiter vorsteht.

Dem im Kulturausschuss vorgestellten Brechtfestival-Konzept 2018 und dem dafür von der Verwaltung ausgearbeiteten Vertrag stimmte der Stadtrat heute einstimmig zu. Damit steht fest, dass Patrick Wengenroth nach 2017 auch das kommende Brechtfestival leiten wird. Darüber hinaus hat der Stadtrat in den Raum gestellt, auch das Brechtfestival 2019 unter der künstlerischen Leitung von Wengenroth in Angriff zu nehmen. Danach solle eine andere Persönlichkeit diesen Job übernehmen. „Damit würden wir zu dem ursprünglich angedachten Triennale-Konzept zurückkehren“, so Kulturreferent Thomas Weitzel auf Anfrage. Wengenroth solle nun relativ zeitnah ein Konzept für 2019 vorlegen, wofür die Verwaltung dann einen Werkvertrag auszuarbeiten habe.



Es brennt, es brennt!

Alles ist gut und wird besser

Von Helge Busch

Personalisierte Schlagzeilen in der Zeitung sorgen garantiert für Zündstoff. Und wenn über ein Feuer auf einem Flachdach in Pfersee der OB beunruhigt war, fühlt sich der Augsburger AZ-Leser im Nachhinein wieder beruhigt. Ist es nicht schön zu wissen, dass selbst Brände, die dem obersten Feuerwehrmann der Stadt gefährlich erscheinen, ruck zuck mit Löschschaum zu beseitigen sind?

Was aber, wenn sich der Bürger einen Brand wünscht, zum Beispiel sichtbares Feuer unter dem Dach der Stadtregierung? Ohne Kritik keine Gefahr der Selbsterhöhung, ohne Kritik kein Feuer, kein Brand, kein Löschzug, sondern nur eins: Theaternebel. Alle CSU-Referenten geben ihr Bestes und sich selbst gute Noten! Keiner schneidet in der Selbstein- beziehungsweise -überschätzung schlechter als „gut“ ab. Das sollte Schule in der Schule machen: Nach der längst überfälligen G9 Reform-Reform dürfen alle Schüler sich selbst benoten und das nicht nur für das laufende, sondern auch für das kommende Schuljahr.

Und die Moral von der Geschicht‘? In Augsburg gibt es weder Kritik noch einen politischen Flächenbrand! Alles ist gut und wird besser. Allerdings ist auf den neu gestalteten öffentlichen Plätzen die Brandgefahr größer geworden, weil dort unbeeindruckte Trinker ihren Brand ohne Feuerwehreinsatz mit Leichtfahrzeugen und Drehleitern selbst löschen. Ob das unseren OB weniger beunruhigt als der Rauch auf dem Flachdach in Pfersee?



Ökologisch und funktional

Neues Umweltbildungs­zentrum im Botanischen Garten geplant

Ein Preisgericht aus Architekten, Stadträten, Mitarbeitern des Botanischen Gartens, des Hochbauamts und der Umweltstation, der Handwerkskammer für Schwaben und der Universität Augsburg hat aus 25 Wettbewerbs­entwürfen aus ganz Deutschland einen Sieger gekürt.



Visualisierung des Sieger-Entwurfs (Quelle: Christoph Keiner)

Der mit einem Preisgeld von 14.000 Euro dotierte Siegerentwurf des Architekten­wettbewerbs stammt vom Hamburger Architekten Christoph Keiner. Auf Platz 2 und 3 kamen die mit 9.000 Euro bzw. 6.000 Euro dotierten Entwürfe des Büros Hess/Talhof/Kusmierz (München) sowie Gies Architekten (Freiburg). (mehr …)



FCA: Ajeti bleibt in St. Gallen

Der derzeit bis zum Saisonende vom FC Augsburg an den Schweizer Erstligisten FC St. Gallen ausgeliehene Albian Ajeti wird nach der Saison nicht nach Augsburg zurückkehren.

Der FCA, der Spieler und der FC St. Gallen haben sich über einen Transfer des Stürmers verständigt. Der 20-Jährige erhält in St. Gallen einen Vertrag bis zum 30. Juni 2021. Über die Ablösemodalitäten haben beide Vereine Stillschweigen vereinbart. – „Ich danke dem FC Augsburg für das Vertrauen, das der Verein in mich als jungen Stürmer hatte. Ich denke gerne an die Zeit beim FCA, die mich enorm weiter gebracht hat, aber der Schritt in die Schweiz ist für mich momentan der richtige“, so begründet Albian Ajeti die Situation.

Albian Ajeti konnte sich in unserer Mannschaft nicht auf Anhieb durchsetzen. In St. Gallen hat er nun Spielpraxis bekommen und Tore erzielt. Es war sein Wunsch, seine Entwicklung beim FC St. Gallen fortzusetzen. Dem haben wir nun entsprochen und wünschen ihm alles erdenklich Gute für seinen weiteren Weg“, so FCA-Geschäftsführer Sport Stefan Reuter.





Präsident der IHK Schwaben, Andreas Kopton in den DIHK-Vorstand berufen

Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben, wurde für zwei Jahre in den Vorstand des Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) berufen.

Dem Vorstand obliegt die Leitung des DIHK, sowie die Bestimmung der wirtschaftspolitischen Ausrichtung der IHK-Organisation. Zudem berät der DIHK-Vorstand den Präsidenten. „Ich bin überzeugt, dass die IHK-Organisation von unserem Know-how profitieren wird – insbesondere von unserer Arbeit für kleinere und mittlere Unternehmen, die das Rückgrat unserer bayerisch-schwäbischen Wirtschaft sind. Ihre Interessen auf Bundesebene zu vertreten, ist für mich eine der Herausforderungen im DIHK Vorstand“, so Kopton, der die IHK Schwaben als Spitzenorganisation in den Vordergrund stellt: „Gerade auch den start up-Unternehmen, die durch die Digitalisierung unserer Arbeitswelt vermehrt in Produktionshochburgen wie Schwaben entstehen werden, eine Stimme zu verleihen und bestmöglich zu unterstützen, ist eine wichtige Aufgabe der IHK Schwaben. Unsere Arbeit im Bereich der Aus- und Weiterbildung sowie der Integration von Flüchtlingen in Ausbildung ist bundesweit top, so dass die IHK-Organisation von dieser Expertise profitieren wird.“

Der DIHK vertritt in allen Fragen, die das Gesamtinteresse der gewerblichen Wirtschaft betreffen, den gemeinsamen Standpunkt der IHKs auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene gegenüber der Politik, der Verwaltung, den Gerichten und der Öffentlichkeit. Zu den Kernaufgaben des DIHK gehört es, das Wissen der Organisation zu bündeln.



Fußballcamps: FCA kooperiert mit Regio

Fußball und Familienfreizeit, FCA und Fuggerei: Der FC Augsburg und Regio Augsburg Tourismus überraschen mit einem neuen Konzept.

Fußballschule für den Nachwuchs, Fuggereibesuch für die Familie – das könnte der Beginn einer Profikarriere sein. Ab 2017 bietet der FC Augsburg in Kooperation mit der Regio Augsburg Tourismus Ferientage in und bei Augsburg an. Zusätzlich zur Tagesbetreuung in der Fußballschule des Bundesligisten organisiert die Regio Augsburg Tourismus GmbH die Übernachtung für die ganze Familie und das Freizeitangebot für Eltern und Geschwister. Die Idee dahinter: Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren lernen von 10 bis 16 Uhr bei Trainingseinheiten im Fußballcamp von den Tricks und Techniken der Bundesliga-Stars. Professionelles und individuelles Traininig, Mittagessen und Betreuung zwischen den Übungszeiten und ein persönliches Trainingsoutfit des Ausrüsters NIKE sowie ein paar Überraschungen warten auf Nachwuchsfußballer der Jahrgänge 2005 bis 2010.

Der größte Anreiz für potenzielle Fußballprofis ist natürlich die Chance auf ein Probetraining in einer der Jahrgangsmannschaften des FC Augsburg. Die Erwachsenen (oder auch die Geschwister) haben an diesen Tagen derweil die Möglichkeit, in aller Ruhe Augsburg und die Region zu erkunden. Für sie steht Freizeit statt Fußballcamp – also Fuggerei statt Freistoß, Brechthaus statt Ballkontakt und Puppenkiste statt Pressing auf dem Programm. Mehr Information zur Ferienfußballschule des FC Augsburg erhält man auf der Website des FC Augsburg www.fcaugsburg.de/ferienfussballschule beziehungsweise bei Markus Kesternich, Telefon 08 21/4 55 36 30, E-Mail: fussballschule@fcaugsburg.de.



Wie ein wilder Stier

Raul Bobadilla trainiert wieder voll im Mannschaftstraining des FCA. Für die kommenden Wochen der Wahrheit ist Bobadilla der wichtigste Spieler des FC Augsburg.

Von Siegfried Zagler

Raul Bobadilla ist eine außergewöhnliche Erscheinung, ein „Typ“ mit der Aura eines ehemaligen Boxweltmeisters. In der durchgestylten Welt der Anpassungskünstler ist Augsburgs Bobadilla ein Profifußballer mit einer wohltuenden Begabung fürs Unberechenbare.

Raul Bobadilla in der Anfield Road (c) Siegfried Kerpf

Raul Bobadilla in der Anfield Road (c) Siegfried Kerpf


Die Geschichte vom Aufstieg und Fall des Boxers Jake LaMotta gehört zu den großen Mythen des Boxsports. Die Verfilmung dieser Lebensgeschichte brachte Regisseur Martin Scorcese 1980 Weltruhm und Robert de Niro einen Oscar. „Raging Bull“ nannte man Jake LaMotta zu seinen besten Zeiten Ende der 40er Jahre. Mit dem FCA hat das insofern zu tun, dass LaMotta ein fernes Abbild von Raul Bobadilla sein könnte. Bobadilla hat Nehmerqualitäten, ist ein robuster Kämpfertyp, der immer an den Lucky Punch glaubt und zugleich ein feiner Techniker, der an einem guten Tag den Unterschied ausmacht. Will man wissen, ob der FCA nach neun weiteren Ligaspielen weiterhin der Bundesliga angehören wird – beziehungsweise zwei Relegationsspiele zu gestalten hat oder nicht, muss man nur auf Raul Bobadilla schauen.

Dem FCA steht mit Hitz, Hinteregger, Baier und eben Bobadilla eine starke Achse zur Verfügung, deren Qualität sich sofort pulverisiert, wenn Bobadilla fehlt oder an Formschwäche leidet. Mit Bobadilla steht und fällt das Angriffsspiel des FCA. Bobadilla ist Zielspieler, Passgeber und Vollstrecker. Er kann lange Bälle auf engstem Raum verarbeiten, mit dem Ball am Fuß Tempo aufnehmen und mit großen Erfolgsaussichten ins Dribbling gehen, aus der zweiten Reihe schießen und im Strafraum Kopfball-Duelle gewinnen. Kurzum: ein grandioser Stürmer.

Wäre Bobadilla nicht Jake LaMotta, könnte er also beherrschter und disziplinierter sich dem Spielfluss anpassen, nachhaltiger taktische Anweisungen umsetzen und mehr Teamspirit an den Tag legen und weniger Torchancen versieben, gehörte er zu den wertvollsten Spielern der Bundesliga und wäre somit für den FCA unerschwinglich.

Seien wir also froh, dass Jake LaMotta alias Raul Bobadilla so ist, wie er ist. Im Fokussieren ist Augsburgs Publikumsliebling nämlich ein Riese. Wenn er sich in ein Spiel hineinarbeitet, dann mit Haut und Haar und ohne Rücksicht auf Verluste. Wünschen wir dem wilden Stier also Hochform und einen Lauf. Mit „uns BobaMotta“ sollte der FCA dem Abstieg auch dieses Jahr entkommen.

Sollte Bobadilla in den kommenden Begegnungen aber schwächeln, muss man für den FCA das Schlimmste befürchten.