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Der Wrangelschrank: Ein Hauptwerk der Augsburger Intarsienmöbel

Im Maximilianmuseum findet am kommenden Donnerstag, den 23. Februar ein Vortrag mit folgendem Titel statt: „Der Wrangelschrank und die Augsburger Intarsienmöbel der Spätrenaissance“.

Zu den Spezialitäten der Augsburger Kunstschreiner der Spätrenaissance zählten Intarsienmöbel mit detailliert ausgearbeiteten, dünnen Furnierbildern. Sie sind heute äußerst selten. Die Ernst von Siemens-Kunststiftung München hat ein bedeutendes Augsburger Schreibkabinett aus der Zeit um 1570 erworben und stellt es dem Maximilianmuseum, das bislang kein derartiges Werk besaß, als Dauerleihgabe zur Verfügung. Anlässlich der Übergabe des Möbels hält Dr. Angelika Lorenz vom LWL-Museum Münster einen Vortrag über den sogenannten Wrangelschrank von 1566, einem Hauptwerk der Augsburger Intarsienmöbel. Der Eintritt ist frei.

Zeit: Donnerstag, 23. Februar, 19 Uhr. Ort: Maximilianmuseum, Felicitassaal (2. OG).



“Nazi ist doch nicht gleich Nazi!”

„Werner Egk bleibt lebendig“. Ja geht’s noch?!

Glosse von Helge Busch

„Wer suchet, der findet“, so heißt es in der Bibel. Wer ernsthaft nach Erkenntnis sucht, muss in der Vergangenheit suchen, um ans Licht zu bringen, was meistens eh bekannt ist. In Friedberg war’s das Wernher-von-Braun-Gymnasium, das (zu Recht) in die braune Ecke gerückt wurde und deshalb in Staatliches Gymnasium Friedberg umbenannt wurde. In Augsburg denkt man jetzt mit dem Komponistennamen Werner Egk, um die Egk(ck)e. Warum nur fällt allen Verantwortlichen erst jetzt auf, dass die Grundschule in Oberhausen mit dem Namen “Werner-Egk-Grundschule” einen braunen Schatten haben könnte?  Auf der Schulhomepage lesen wir obendrein: „Werner Egk bleibt lebendig“. Ja geht’s noch?!

So ein Pech aber auch, dass der Komponist den Zeitpunkt seiner Geburt nicht besser gewählt hatte. Was macht man nun? Ein neuer Name muss her. Am besten einer aus längst vergangener Zeit, da sind Schandflecke nicht mehr so gut erkennbar (oder vielleicht doch?). Was für Egk gilt, passt übrigens auch zu Carl Orff! Der hat ja nur aus Versehen für die Olympischen Spiele 1936 den „Einzug und Reigen der Kinder“ komponiert. Kein Problem bei der ach so beliebten Carl-Orff-Erziehung? Das Theater Augsburg hat Egk und Orff übrigens im Juni 2016 im Stück „Schnick Schnack Schnuck“ auflaufen lassen, nur kapiert hat’s kaum einer. Apropos Olympische Spiele 1936: Richard Strauss komponierte hierfür die Eröffnungsmusik. Und bei dem braun eingefärbten Strauss fällt mir Garmisch-Partenkirchen und das dortige Richard-Strauss-Institut ein – der Richard-Strauss-Ring und zu allem Überfluss die Richard-Strauss-Straße.

Namensänderung? Ja, wer denkt denn daran? Das hieße ja, auf einen ganz besonderen Namen verzichten zu müssen. Nazi ist doch nicht gleich Nazi!

Gut, dass Augsburg in Sachen „Namensänderungen“ jetzt die bayerische Vorzeigerolle einnimmt! Aber bitte: Die Richard-Wagner-Straße in Göggingen muss nicht umbenannt werden. Wagner hat ja vor der Nazi-Herrschaft gelebt. Das gilt zum Glück auch für Martin Luther, obwohl der Reformator in seiner Judenhetze dazu aufgefordert hatte, die Synagogen niederzubrennen. Doch der Martin-Luther-Platz in Augsburg bleibt bei seinem Namen.

Warum eigentlich? Luther hat zu seiner Zeit sehr genau auf den Mainstream geachtet, genauso wie Egk, Orff und Strauss zu ihrer Nazi-Zeit.



Theatersanierung: Morgen werden zehn Bäume gefällt

Die ersten öffentlich wahrnehmbaren Vorbereitungsmaßnahmen der Theatersanierung beginnen am morgigen Mittwoch: Damit das Baufeld frei wird, werden auf dem Areal der Volkhartstraße zehn Bäume gefällt.

Mit den archäologischen Grabungen auf dem Areal zwischen Volkhartstraße und „Großem Haus“ starten voraussichtlich im April auch die äußerlich sichtbaren vorbereitenden Arbeiten zur Theatersanierung. Dort werden ein zweistöckiger Technikkeller und darüber der neue Orchesterprobensaal entstehen.

Für jeden gefällten Baum werden später mehrere Exemplare als Ersatz in der Umgebung gepflanzt. Die Arbeiten beginnen ab sieben Uhr morgens mit der Einrichtung des Baufeldes und dauern bis in den Nachmittag an. Zeitweise kann es durch die Arbeiten zu Einschränkungen für Fußgänger und Radfahrer kommen.

Die Anwohner und Unternehmer im Theaterviertel wurden bereits Ende vergangener Woche mit der zweiten Ausgabe der Infobroschüre „Theaterviertel Aktuell #2“ zu den anstehenden Arbeiten informiert. Am morgigen Mittwoch werden zudem Ansprechpartner von Stadt und Theater vor Ort sein.





Otello: Tragisch ohne würdigen Bühnen-Rahmen

Die zweite Opernpremiere der Spielzeit findet in der Kongresshalle nur teilweise überzeugende Bedingungen für das tragische Geschehen auf der Bühne

Von Halrun Reinholz

Bei den großen tragischen Opern, wie eben Otello, merkt man es leider sehr schmerzhaft, wenn der würdige Rahmen fehlt. Zwar war die Inszenierung bereits ein Ersatz für „Rusalka“, die man auf der Bühne der Kongresshalle wohl gar nicht hätte spielen können, doch auch die weniger personalintensive Verdi-Oper litt sichtlich an den beschränkten Möglichkeiten, die die Allzweckbühne im Kongress-Saal nun einmal bietet.
Regisseurin Michaela Dicu versuchte mit ihrem Team (Bühne und Kostüme: Okarina Peter und Timo Dentler), aus der Not eine Tugend zu machen und wählte als Grundelement des Bühnenbilds Matratzen, die auf einer schiefen Ebene und vor einer grauen Wand (ein angedeuteter schief hängender Vorhang) gestalterisch eingesetzt wurden. Was im ersten Teil noch witzig wirkte – Matratzen zunächst als „Schlaflager“, dann zur Hochzeitstafel gestapelt – erwies sich im zweiten Teil bei zunehmender Tragik des Geschehens nur noch als Krampf. Hier waren die Matratzen zu einem Turm aufgestapelt, über den die Darsteller unbeholfen staksten oder wo sie sich gepflegt zu wälzen hatten. Die Ernsthaftigkeit des Geschehens kam da nicht wirklich überzeugend an. Besonders albern die Szene, wo Otello sich hinter einer Matratze versteckt, um Jago im Gespräch mit Cassio zu belauschen – hier glitt die Inszenierung sichtbar ins Boulevardeske.
Da hätte man als Gegenpol zur depressiven Stimmung lieber mehr Farbe verwenden können. Nur Desdemona ist ein zart-unschuldiges Rosa vergönnt, Otello hat als Zeichen seiner Würde etwas Strass an seinem Kostüm. Alle anderen Gestalten kommen mehr oder weniger grau in grau daher und zeigen deshalb wenig Kontur – Jago wirkt nicht wirklich dämonisch und Cassio, der Jagos Eifersucht auslöst, wird (völlig unverständlich) als ständig schwankender Trunkenbold inszeniert, der jeden Verdacht Otellos von vornherein unplausibel macht.

Dennoch ein schöner Opernabend in der Kongresshalle. Domonkos Héja und die Philharmoniker mussten zwar auch diesmal wieder ebenerdig gegen die Sänger „anspielen“, doch nach einer etwas dominanten „Einwärmungsphase“ gelang das ganz gut. Dank der hervorragenden Sänger kam das Publikum in den Genuss wunderbarer Musik. Als Otello kam ein alter Bekannter als Gast nach Augsburg zurück: Der Georgier Zurab Zurabishvilli, der den „Mohren“, den Außenseiter ohne Selbstbewusstsein, der sich leicht manipulieren lässt, auch  ohne Blackfacing überzeugend verkörperte. Als Jago war in der Premiere der Koreaner Antonio Yang zu erleben, er wechselt sich in dieser Rolle mit dem Isländer Olafur Sigurdarson ab. Ji-Woon Kim torkelt als Cassio durch die Oper, ist aber stimmlich wie gewohnt überzeugend, ebenso wie Christopher Busietta als Rodrigo. Sally du Rand glänzt nuancenreich als Desdemona, flankiert von Kerstin Descher als Emilia. Gerade wegen dieses hervorragenden Hörerlebnisses tun die räumlichen und technischen Unzulänglichkeiten der Kongresshallenbühne richtig weh. Zumindest wird deutlich, wie wichtig gerade für Operninszenierungen eine hochwertige Theaterausstattung ist. Dem Augsburger Opernpublikum bleibt nichts anderes übrig, als die guten Darsteller zu schätzen und mit Fassung auf eine lange Durststrecke zu blicken.

Foto: Großartig: Zurab Zurabishvilli als Otello und Sally du Rand als Desdemona (c) A.T. Schaefer



Premiere: “Und alles war ihr Schlaf”

Die Augsburger Theatergruppe „theter ensemble“, die im Obergeschoss des City Club in der Konrad-Adenauer-Allee 9 residiert, startet am 25. Februar (20. 30 Uhr) mit der Premiere der Eigenproduktion „Und alles war ihr Schlaf“ die Eröffnung einer neuen Spielstätte der freien Theaterszene.

Das junge Ensemble bezeichnet seine Performance als „literarischen, musikalischen Abend im City Club“. Der Pressetext klingt weniger gemütlich:

„Wir bewegen uns, Tag um Tag, am Rande eines Wahnsinns. Wir sehen in Abgründe, umschiffen sie und gelangen an neue. Wir bangen vor dem Tod und hoffen auf ihn. Wir lieben und verachten, dann feiern wir, singen, tanzen, und trauern. Wir weinen, wir leben wegen eines Wahnsinns, durch und trotz des Wahnsinns? Und am Ende: Finden wir dann etwas?

Platon fragt nach dem Sinn des Sterbens und findet Hoffnung. Thomas Mann gondelt seinen Protagonisten in den klagevollen Siechtod. Rilke träumt von einem Dasein im Tod, von Unsterblichkeit. Was sagt ein Vampir zu Rilkes Unsterblichkeit? Den Tod ersehnen, wo er einen doch ohnehin ereilt?

Ach die theters und die graue Jahreszeit, und die Welt, die uns gerade so wenig anbieten mag. Wir wollen einen weiteren nichtsbedeutenden Beitrag kreieren, wir wahren die Wehmut und waren das Sein. Denn tot sind wir am Ende alle, weil wir leben, suchen, hoffen.“

Eintritt 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. Weitere Vorstellungen: Sonntag, 26. Februar um 18 Uhr. Dienstag, 28. Februar um 20.30 Uhr. Donnerstag, 2. März um 20.30 Uhr.