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Prognose: Der Schulz-Effekt wirkt auch in Augsburg

Die Frage, ob das Hoch der Bundes-SPD von 33 Prozent auch für die Augsburger SPD gilt, wären am kommenden Sonntag Kommunalwahlen, lässt sich mit einem eindeutigen „Ja“ beantworten.

Von Siegfried Zagler

Wahlergebnisse der Augsburger SPD und der Bundes-SPD im Vergleich (c) DAZ

Wahlergebnisse der Augsburger SPD und der Bundes-SPD im Vergleich (c) DAZ


Die politische Großwetterlage bildete sich stets bei den Augsburger Kommunalwahlen ab. In den 70er Jahren lag die Bundes-SPD zwischen 45 und 42 Prozent. In den 80er Jahren ging es nach der Schmidt-Ära mit der SPD deutschlandweit rapide abwärts. Bei den ersten gesamtdeutschen Wahlen 1990 landete sie bei 33,5 Prozent. Ein Wert, der heute als Hoch bewertet wird, galt damals als politisches Erdbeben. In zehn Jahren verlor die deutsche Sozialdemokratie fast zehn Prozent ihrer Stammwählerschaft.

Dieser Negativtrend bildete sich eins zu eins in Augsburg ab: Die SPD erhielt in den fünf Stadtratswahlen von 1966 bis 1990 46,5 Prozent (1966), 46,5 Prozent (1972), 44,5 Prozent (1978), 44,9 Prozent (1984) und 28,7 Prozent im Katastrophenjahr 1990. Mit diesem Wert lag die Augsburger SPD erstmals deutlich unter dem Bundestrend und überließ als einzige bayerische Großstadt das Amt des Oberbürgermeisters der CSU.

In den 90er Jahren stabilisierte sich die Bundes-SPD in der Opposition und erreichte mit ihrem Hoffnungsträger Gerhard Schröder bei der Bundestagswahl 1998 40,9 Prozent. Schröder wurde Bundeskanzler und es ging wieder bergab mit der SPD: Bei den Wahlen 2002 kam sie mit einem amtierenden Bundeskanzler auf 38,5 Prozent, bei der Wahl 2005 auf 35,2 Prozent. Schröder wurde 2005 aus dem Amt gewählt. Die Ära Merkel sollte beginnen.

Auch dieser Trend spiegelte sich in Augsburg exakt wider. Erreichte die SPD bei der Kommunalwahl 1996 nur schwache 29,4 Prozent, so schoss sie 2002 mit Paul Wengert als OB-Kandidat auf 36,4 Prozent hoch. SPD-Mann Wengert wurde Oberbürgermeister in Augsburg.

In Berlin begann die Zeit der Großen Koalitionen und die SPD sollte sich darin verlieren. Bei der Wahl 2009 sank sie auf das Rekordtief von 23 Prozent, wovon sie sich nicht ernsthaft erholen sollte: 2013 erzielten Gabriel und Co. 25,7 Prozent.

In Augsburg das Gleiche, aber in Slow-Motion: Bundestagswahlen finden in einem vierjährigen Turnus statt, die Kommunalwahlen in Bayern in einem sechsjährigen. Bei der Augsburger Kommunalwahl 2008 verlor die SPD trotz ihres amtierenden Oberbürgermeisters 6,3 Prozentpunkte und kam „nur“ auf 30,1 Prozent Wählerstimmenanteil. Kurt Gribl (CSU) kegelte Paul Wengert aus dem Amt. Bei der Kommunalwahl 2014 unterbot die Augsburger SPD das Bundesergebnis und erreichte ihr historisches Rekordtief von 22,4 Prozent.

Es lässt sich anhand dieser Rückschau erkennen, dass sich in Augsburg der Bundestrend verzögert abbildet. Meistens verschärft im negativen Sinn, was wohl mit der personellen Situation der örtlichen SPD zu tun hat. Dennoch ist es plausibel, an der Prognose festzuhalten, dass der bundesweite Trend selbst bei der von Querelen gezeichneten Augsburger SPD aufschlagen würde, wären am kommenden Sonntag Kommunalwahlen.



Bundesliga: Leipzig bleibt Verfolger der Bayern

Durch einen 2:1 Auswärtserfolg unterstrich RB Leipzig seine Rolle als Verfolger der Münchner Bayern, die mit einem 1:1 Unentschieden bei der Berliner Hertha für Wirbel sorgten. Der HSV remisierte, Ingolstadt und Bremen gewannen ihre Partien, weshalb der FCA am kommenden Samstag in Darmstadt unter Druck steht.

Von Siegfried Zagler

Was wäre die Bundesliga ohne RB Leipzig? Die Hasenhüttl-Schützlinge spielen derzeit auf zwei grandiosen Bühnen: Sie nehmen eine Art Sündenbock-Rolle ein und befinden sich zugleich in der Position des Bayern-Verfolgers. Es ist gut möglich, dass der sportliche Erfolg der Leipziger die Hasstiraden diverser Ultra-Gruppierungen verstärkt hat und somit doppelt hässlich erscheinen lässt.

Wenn es zu einem unverzichtbaren Merkmal der sogenannten Traditionsvereine gehören sollte, dass sie sich mit Neonazis und anderen gewaltbereiten Schwachköpfen herumschlagen müssen, dann sollte die Frage erlaubt sein, ob man Traditionsvereinen, die ewig Gestrigen seit vielen Jahren eine Bühne bieten, die Lizenz entziehen soll, wenn sie dieses Problem nicht in den Griff bekommen. Kollektives Stadionverbot ist jedenfalls kein probates Mittel, wenn es nachhaltig darum gehen soll, die Würde und die Gesundheit der Gästefans zu schützen.

Zurück zum Sport: Wie stets in den vergangenen Jahren darf man davon ausgehen, dass die Bayern bereits weit vor dem 34. Spieltag als Meister feststehen. Es sind zwar noch 13 Spieltage, aber der Münchner Kader hat zu viel Qualität, um in größere Schwierigkeiten zu kommen. Spannend wie noch nie ist dagegen der Kampf um die Platzierungen, die für die internationalen Wettbewerbe qualifizieren. Selbst Schalke auf Platz zehn sollte man noch nicht abschreiben.

Bis zur letzten Sekunde spannend wird wohl auch der Kampf gegen den Abstieg. Der Verlierer der Bundesliga-Abstiegsregion war an diesem Wochenende der FC Augsburg, da die Konkurrenz punktete. Seit Samstag ist der FCA von einem direkten Abstiegsplatz nur noch sechs Punkte entfernt. Ein Vorsprung, der schnell dahin ist, wenn man mitten in der Saison das Spielsystem umstellt und plötzlich nicht mehr weiß, wer man ist – und so wechselhaft spielt wie der FCA. Als mahnendes Beispiel soll der VfB Stuttgart dienen, der in der vergangenen Saison am 21. Spieltag 27 Punkte auf dem Konto hatte und am Ende mit 33 Punkten direkt abstieg. Die Abstiegszone beginnt beim FCA, weshalb man in Augsburg auf halbseidene Systemdebatten verzichten sollte, damit man sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren kann: Abstiegskampf.

Es sind noch 39 Punkte zu vergeben, weshalb die kommende Partie in Darmstadt noch kein Spiel mit finalem Charakter ist. Beim Hinspiel agierten in der WWK Arena beide Mannschaften jedoch dergestalt holprig, dass man damals trotz des Augsburger Sieges mit den schlimmsten Befürchtungen das Stadion verließ. „Hoffentlich kommt es nicht so schlimm, wie es jetzt schon ist“, so würdigte ein FCA- und Karl Valentin Kenner auf der Tribüne das damalige Geschehen.



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