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Abschiebungen nach Afghanistan: Pouya vor der Rückreise?

Die Schauburg, das mit den Münchner Kammerspielen und der Otto-Falckenberg-Schule assoziierte Kinder- und Jugendtheater der Stadt München, hat Ahmad Shakib Pouya die Hauptrolle des Ali in einer Neuproduktion von Rainer Werner Fassbinders „Angst essen Seele auf“ angeboten.

Pouya in Kabul

Pouya in Kabul - Foto: privat


Ein Arbeitsvertrag könnte dem „Augsburger Vorzeigeflüchtling“, wie die Augsburger Allgemeine titelte, die Rückkehr nach Deutschland ermöglichen. Der Projektvertrag sei bereits unterschrieben und werde nun an die deutsche Botschaft in Kabul weitergeleitet, wie der Pouya-Unterstützerkreis heute bekannt gab. Es wäre möglich, dass Pouya dauerhaftes Bleiberecht erhalte, schließlich habe er zwei Angebote für feste Arbeitsverhältnisse in der Tasche: bei der Flüchtlingsberatung der IG Metall in Frankfurt sowie das Engagement am Staatstheater am Gärtnerplatz.

Letzteres würde durch den Projektvertrag mit der Schauburg zeitlich nach hinten rücken. Rainer Werner Fassbinders Film und Theaterstück „Angst essen Seele auf“ ist ein frühes Kunstwerk in Sachen Integration. Pouya soll in der Neuinszenierung des Schauburg-Intendanten George Podt nicht nur den Ali spielen, sondern auch die Musik zum Stück komponieren. Die bekannte Münchner Film- und Theaterschauspielerin Ilona Grandke übernimmt die Rolle der Emmi. Die Ausstattung besorgt der renommierte Bühnenbildner und Regisseur Peer Boysen. George Podt und die Schauburg-Dramaturgin Dagmar Schmidt wollen mit der Neuinszenierung ein Zeichen in unruhigen Zeiten setzen. Auf Pouya waren sie durch die Berichterstattung in den Medien aufmerksam geworden.



Gersthofen: Shame on you!

Die Strasser-Villa im Stadtzentrum Gersthofens kann abgerissen werden und weicht damit einem Gewerbezentrum. Das ist das Ergebnis eines beschämenden Bürgerentscheids.

Kommentar von Marcus Ertle

Gersthofen mag für manches stehen, für architektonische Meisterwerke jedweder Sorte aber gewiss nicht. Noch bedauerlicher ist, dass die Stadt scheinbar alles daran setzt, dass es so bleibt. Kürzlich fand ein Bürgerentscheid statt, bei dem es um die Frage ging, ob das schönste und älteste Gebäude der Stadt, die Strasser-Villa, abgerissen werden dürfe, auf dass an dessen Stelle ein Gewerbekomplex entstehe. Die Mehrheit der abstimmenden Gersthofer entschied sich für den Abriss. Vielleicht weil der Bauherr, der die Villa vernichten will, verkündet hat, dass er sich dem demokratischen Votum der Bürger keinesfalls beugen will. Stattdessen drohte er damit, das gesamte Areal, von dem nur ein ganz kleines Stück das Villa-Grundstück ist, einfach als riesige Baugrube stehen zu lassen und auf die nächste Abstimmung zu warten, und zwar so lange, bis die Gersthofer so abstimmten, bis das Ergebnis passend ist.

Unsere nördlichen Nachbarn haben sich vom lokalen Terror der Ökonomie über den Tisch ziehen lassen und aus Kleinmut und Gedankenlosigkeit den winzigen Rest an historischer Schönheit der Abrissbirne überlassen, während sie es andererseits seit Jahrzehnten nicht hinbekommen, den örtlichen Dritte-Welt-Bahnhof auf den Stand der Zeit zu bringen. Shame on you.



FDP: Katrin Michaelis als Kreisvorsitzende bestätigt

Die Augsburger Freien Demokraten haben ihre Kreisvorsitzende Katrin Michaelis für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt.

Katrin Michaelis

Katrin Michaelis


Auf der Kreishauptversammlung der Augsburger Liberalen entfielen auf Michaelis 88 Prozent der Stimmen. Verlängert wurden auch die Amtszeiten von Michaelis‘ Stellvertretern, Guido Immler (94,8%) und Steffen Evers (73,7%). Für den dritten Stellvertreter, Fridolin Fluhr, der nicht wieder angetreten war, rückt Stadtrat Markus Arnold (78,9%) in den Vorstand auf.

Arnold hatte sein Amt Ende 2014 an Michaelis abgegeben. „Markus ist als einziger FDP-Stadtrat Mitglied der CSU-Fraktion,“ so Michaelis, die sich über die Rückkehr in den Vorstand von FDP-Stadtrat Markus Arnold freut: „In der Medienberichterstattung über die schwarz-rot-grüne Stadtratsmehrheit bleiben wir Freie Demokraten deswegen öfters gerne mal unerwähnt. Ich halte es deshalb für ein starkes Zeichen, dass Markus deutlich zeigt, für welche Politik er steht.“

Neu in den Vorstand gewählt wurde Dietrich von Krosigk (95,2%), der dem FDP-Bundestagskandidaten Maximilian Funke-Kaiser als Schatzmeister folgt. Offenbar sehr einverstanden zeigten sich die Augsburger Liberalen mit der Arbeit ihrer Schriftführerin Jessica Schreyer, die mit 100% der Stimmen wiedergewählt wurde.



Umfrage: SPD legt weiter zu

Der Schulz-Effekt sorgt in allen Umfragen für SPD-Rekordwerte. Am besten schneidet die SPD bei Emnid ab.

Die SPD hat in der aktuellen Sonntagstrend-Frage der „Bild am Sonntag“ die Union überholt. In der Emnid-Umfrage verbesserte sich die SPD im Vergleich zur Vorwoche um ein Prozent und überflügelte die CDU/CSU, die bei 32 Prozent liegen. Damit liegt die SPD im „Sonntagstrend“ erstmals seit zehn Jahren wieder vor der Union. Unverändert dagegen die Umfragewerte der Linken (acht Prozent) und der Grünen (sieben Prozent). Ein rot-rot-grünes Bündnis käme damit auf eine knappe Mehrheit im Bund.

Die FDP kam wieder auf sechs Prozent. Die AfD bewegt sich nach unten (neun Prozent). Alle anderen Parteien kommen insgesamt auf fünf Prozent und liegen somit weit unter der Fünfprozentklausel. – Verantwortlich für den Stimmungsumschwung ist die Ernennung des ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz zum SPD-Kanzlerkandidaten.