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Apropos FCA

Trainerwechsel, Zuschauerrückgang und eine überalterte Mannschaft sind Vorboten des Niedergangs

Kommentar von Siegfried Zagler

Der FC Augsburg hat gestern Abend wieder ein Heimspiel verloren, sein fünftes in dieser Saison. Von elf Heimspielen gewannen die Augsburger nur drei und erzielten drei Unentschieden. Weniger Heimspiel-Siege hat in der laufenden Saison nur Ingolstadt zu verbuchen. Aber es kommt noch schlimmer: Die Heimunentschieden gegen Berlin, Schalke und Frankfurt waren Gewürge, die beiden Heimsiege gegen Darmstadt und Gladbach auch. Nur gegen Bremen gab es ein Spektakel, das mit einem glücklichen FCA-Sieg endete. Man darf sich also nicht wundern, wenn die Zuschauer nicht mehr so willig in das stimmungsvolle Augsburger Stadion pilgern.

Eine überalterte Mannschaft und Zuschauerrückgang sind die ersten Vorboten des Niedergangs – unabhängig vom Tabellenstand. Schlechter als in den ersten beiden Saisons, als das Stadion immer knapp mit 30.000 Zuschauern gefüllt war, spielt der FCA derzeit sicher nicht, viel besser allerdings auch nicht. Gestern zeigte der FCA trotz der deutlichen Niederlage sein bestes Heimspiel in dieser Saison. Obwohl phasenweise schwach verteidigt wurde und alle Bayer-Tore nach schweren Abwehrfehlern fielen, muss festgehalten werden, dass das gestrige Spiel ein klasse Spiel war. Ein Sachverhalt, der von der ergebnisorientierten Sportpresse nicht angemessen gewürdigt wird. Hätte Koo in der ersten Halbzeit seine Torchancen verwertet, würde man das Spiel mit anderen Augen sehen, nämlich so: Trotz der starken Bayer-Offensive hielt der FCA dagegen und zeigte sehenswerte und zu Ende gespielte Kombinationen. Zählt man das Tor dazu, dann hatte der FCA fünf Top-Chancen und zeigte somit mehr Torgefährlichkeit und Abschlusswillen als in den zehn Heimspielen davor. Andererseits blieb der FCA bis zum dritten Tor der Werkself nur deshalb im Spiel, weil ein überragender Hitz die Top-Chancen der Gäste reihenweise entschärfte.

Die Schwächen des FCA sind schnell ausgemacht: Max und Baier gaben zu viele leichte Bälle ab. Ohne Gouweleew, der wegen Rückenproblemen fehlte, wirkte Hinteregger überlastet. Janker konnte den Niederländer in der Innenverteidigung nicht adäquat ersetzen, obwohl Paul Verhaegh mehr in der Innenverteidigung agierte als erlaubt ist. Der Augsburger Kapitän und Daniel Baier waren über viele Jahre in ihrer Leistung konstant und auf ihren Positionen unersetzlich. Diese Zeit ist vorbei. Teigl ist technisch zwar limitiert, aber er hält die Außenposition und marschiert, weshalb das Angriffsspiel des FCA breit blieb, wovon zum Beispiel Bobadilla und Koo profitierten, die klug in die Räume gingen. Auf der linken Seite ist das Spiel mit Max zu statisch. Was Usami mit seinem gestrigen Einsatz leider nur andeuten konnte, sollte zum Zukunftsprogramm der Augsburger gehören: variantenreiches Tempospiel über die Flügel. Mit Max und Verhaegh wird das nichts.

Daniel Baier ist als echter Zehner eine Zumutung, war er aber im Grunde schon immer, weil er eine zu geringe Handlungsschnelligkeit für finale Pässe und torgefährliche Aktionen hat. Wenn man aus einer doppelten Viererkette heraus den Angriff mit kontrollierten langen Bällen bedienen will, dann ist Baier mit seiner Ruhe und Ballsicherheit immer noch ein sogenannter „Unersetzlicher“. Will man aber intensiv auf Balleroberung und schnelles Umschaltspiel setzen, sind Baier, Verhaegh und Max tödlicher Sand im Getriebe.

Wenn man beim FCA aufgrund der vergangenen drei Partien ein System erkennen will, muss man sehr viel Fantasie haben. FCA-Trainer Baum lässt offensiver spielen als sein Vorgänger, so viel steht fest. Insgesamt muss man jedoch annehmen, dass dem jungen Trainer nicht der Mut, aber die Spieler für ein konsequentes Offensivsystem fehlen.





FCA: Fluch der Freitagsspiele

Auch gegen die Werkself aus Leverkusen vermochte der FCA den Fluch der Freitagsspiele nicht zu vertreiben. Vor der Minuskulisse von 25.000 Zuschauern ging der FCA in der heimischen WWK Arena am 21. Spieltag im Dauerregen mit 1:3 baden. Damit setzte es im Kampf um den Klassenerhalt unter dem neuen Trainer Manuel Baum erstmals zwei  Niederlagen in Folge.

Von Udo Legner

Nach dem desolaten Auftritt in Mainz hatte Manuel Baum sein Team auf fünf Positionen umgebaut. Christoph Janker, Dominik Kohr, Ja-Cheol Koo, Geog Teigl und Takashi Usami standen in der Startelf und Moritz Leitner saß erstmals auf der Bank.

Wettlauf um das Jubiläumstor

Als ginge es darum, möglichst schnell in die Annalen der Fußball-Bundesliga einzugehen, legten beide Teams los wie die Feuerwehr. Schon in der Anfangsphase wurden hüben wie drüben so viele hochkarätige Chancen kreiert, wie sie üblicherweise für ein ganzes Spiel ausreichen. Bereits nach 35 Sekunden gab es die erste Ecke für den FCA und in der sechsten Minute hätte der FCA früh in Führung gehen können. Nach einem schönen Flachpass des Südkoreaners Koo kam Georg Teigl zum Abschluss, doch sein Schuss aus sechs Metern zischte knapp am linken Pfosten vorbei. Im Gegenzug fand sich Youngster Kai Harvertz nach feinem Anspiel von Nationalspieler Karim Bellarabi allein vor FCA-Keeper Marwin Hitz, der seine Mannschaft mit einer Glanzparade vor einem frühen Rückstand bewahrte. Bei der anschließenden Ecke deutete der Mexikaner Chicharito erstmals an, dass mit ihm an diesem Abend zu rechnen war, auch wenn sein Kopfball (8.) einen halben Meter über das Tor strich. Auch die nächste Torchance (12.) gehörte dem Mexikaner, dessen Distanzschuss aus 18 Metern von Marwin Hitz pariert werden konnte. Mehr und mehr dominierten die kombinationssichereren Leverkusener in dieser Phase das Spielgeschehen.

Doch in der 18. Minute hätte der FCA in Führung gehen können. Nach einem Einwurf setzte sich Raul Bobadilla eindrucksvoll in Szene. Mit der Hacke tunnelte er seinen Gegenspieler und spielte damit Koo frei, dessen Schuss auf‘s lange Eck jedoch ganz knapp am rechten Pfosten vorbei rauschte.

In der 23. Minute machte Bayer Leverkusen ernst und bereitete dem Wettlauf um das Jubiläumstor ein jähes Ende. Routinier Karim Bellarabi erzielte nach Zuspiel des 17jährigen Supertalents Kai Havertz aus 8 Metern das 50.000 Bundesliga-Tor, an dem – auch wenn dies nur ein schwacher Trost sein mag – die Augsburger Abwehr ihren gehörigen Anteil hatte.

FCA Abwehr als neues Sorgenkind

Der Führungstreffer der Leverkusener hinterließ beim FCA prompt seine Spuren: zerfahren und ungenau wurde das Umschalt- und Konterspiel, und vor allem in die Augsburger Defensive schlichen sich zahlreiche Fehler ein. Selbst der gewöhnlich als Garant für Zuverlässigkeit geltende Martin Hinteregger begann zu patzen und generierte mit unverständlichem Ballverlust an den Torschützen Belllarabi im eigenen Strafraum höchste Gefahr.

In der 30. und 34. Minute bot sich Koo zweimal die Chance zum schnellen Ausgleichstor, doch der Augsburger Stürmer scheiterte einmal mehr an Torhüter Leno und an sich selbst.

So kam es, wie es bestimmt nicht kommen musste: In der 40. Minute gelang es Chicharito die Leverkusener Führung auszubauen. Nach einer Bayer-Ecke war es wiederum Max, der einen bereits geklärten Ball verdattelte. Und so verwertete der Mexikaner das Zuspiel von Lars Bender mit seinem neunten Saisontor souverän zum 2:0 Halbzeitstand für die Gäste.

Fazit zur Halbzeit: Angesichts der zahlreichen Chancen ein unglücklicher Rückstand gegen die Werkself aus Leverkusen, die das Spiel nach der Führung durch Bellarabi dominierte und aus den (viel zu) vielen Fehlpässen der Augsburger Kapital zu schlagen wusste.

Mit neuem Schwung kam der FCA aus der Kabine und versuchte mit beherztem Angriffsfußball dem Spiel eine Wende zu geben. In der 51. Minute war es erneut Unglücksrabe Koo, der mit einem Flachschuss an Torhüter Leno scheiterte.

Wenig später stellte Daniel Baier mit einem Distanzschuss aus 25 Metern einmal mehr unter Beweis, dass mit ihm auch in Zukunft nicht als Torschützen zu rechnen ist. Die Drangphase des FCAs gipfelte in einer hundertprozentigen Torchance von Raul Bobadilla, der nach Zuspiel von Dominik Kohr allein auf Leno zulief. Dass dem Augsburger Goalgetter in dieser Situation die Nerven versagten und er kläglich an dem Leverkusener Keeper scheiterte, gehört zu den vielen Ungereimtheiten dieses Freitagsspiels. Drei Minuten später flackerte bei den FCA Fans noch einmal Hoffnung auf, als dem Ex-Leverkusener Dominik Kohr nach schöner Kombination der 1:2 Anschlusstreffer gelang. Doch nur wenig später versetzte Chicharito mit seinem 10. Saisontor dem FCA einen Niederschlag, der das Spiel entscheiden sollte (65.). Nach einem weiten Abschlag von Leno und einem schweren Janker-Fehler brachte Havertz Chicharito in Stellung, und der Mexikaner ließ Marwin Hitz keine Chance.

Die Einwechslungen von Ji (71. Min. für Teigl) und Moritz Leitner (88. Min. für Kohr) konnten dem Spiel keine Wende mehr bringen. Zu limitiert und fehlerhaft war nach dem erneuten Rückschlag das Offensivspiel der Augsburger. In der Spielanalyse des FCA-Trainers vermisste man den Hinweis auf die vielen Fehlpässe (insbesondere von Max und Baier), mit denen sich der FCA immer wieder selbst schwächte. Ansonsten freilich ist den Worten von Manuel Baum wenig hinzuzufügen: „Die Niederlage ist nur schwer zu akzeptieren, weil wir einige Großchancen hatten. Da müssen wir einfach cleverer sein.“

Für Leverkusen geht es bereits am Dienstag im Champions-League Duell gegen Atletico Madrid darum, den Aufwärtstrend fortzusetzen. Der FCA tritt am nächsten Samstag (Anstoß 15.30 Uhr) zum Duell der Kellerkinder beim wiedererstarkten Schlusslicht in Darmstadt an.

FCA: M. Hitz; – P. Verhaegh; C. Janker; M. Hinteregger; P. Max; – D. Baier; G. Teigl; T. Usami; D. Kohr; J. Koo; – R. Bobadilla;

Eingewechselt: M. Leitner (87.); D. Ji (71.); –

Ausgewechselt: G. Teigl (71.); D. Kohr (87.); –

Auswechselbank: A. Luthe (TW); H. Altintop; G. Kacar; R. Framberger; T. Rieder;

Tore:

0:1 Karim Bellarabi (23.);

0:2 Chicharito (40.);

1:2 Dominik Kohr (60.);

1:3 Chicharito (65.).



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