DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
DAZ-Archiv - www.daz-augsburg.de

Aufbruch ohne Ausblick: Daniel Biskups Bilder im Schaezlerpalais

Der in Neusäss lebende Fotograf Daniel Biskup hat die Perestroika und danach den Putsch in der damaligen Sowjetunion mit beeindruckenden Fotos dokumentiert. Ausstellung und Bildband zeigen die Aufbruchsstimmung nach Jahrzehnten der Repression bis hin zu Putins erster Präsidentschaft, jedoch ohne Kommentar zur weiteren Entwicklung.

Von Halrun Reinholz

Moskau / Moscow1992 : Militär - Veteranen demonstrieren am Jahrestag des ersten Putsches / Army - veterants at a demonstration at the first anniversary of the coup © Daniel Biskup/BOEHMEDIA.de

Moskau 1992 : Militär-Veteranen demonstrieren am Jahrestag des ersten Putsches © Daniel Biskup/BOEHMEDIA.de


Drei junge Männer in Uniformen tragen rote Kissen mit Verdienstmedaillen vor sich her. Das Foto zeigt die Trauerfeier für die Opfer des Putsches, mit dem die Sowjetunion wieder hergestellt und die Liberalisierungen der Perestrojka rückgängig gemacht werden sollten. Die Welt hielt damals den Atem an, genauso wie sie davor ungläubig zusah, wie der neue Generalsekretär der KPdSU Michail Gorbatschow, ein vergleichsweise „junger“ Mann in dieser Funktion, den Sowjetbürgern „Transparenz“ (Glasnost) und eben die Umstrukturierungen der Perestrojka zugestand. Erinnerungen an den Prager Frühling wurden wach und ebenso groß war die Gefahr, dass die neuen Hoffnungen wieder von Panzern plattgemacht würden.

Daniel Biskup war damals Student der Politik und verfolgte die Ereignisse gebannt. Kein anderes Land hatte die Repression und Unfreiheit der kommunistischen Diktaturen länger ertragen müssen als die große, zu einem Einheitsblock zwangsvereinigte Sowjetunion. Sie war tonangebend im Ostblock und schon deshalb waren die Geschehnisse in dem Riesenreich mit großer Aufmerksamkeit zu verfolgen. Biskup spürte den Atem der Geschichte und fuhr mit seiner Kamera in die sich auflösende Sowjetunion – immer wieder. Die Bilder des Umbruchs von 1988 bis zum Amtsantritt Präsident Putins am Silvestertag 1999 sind mit Sicherheit eine der umfangreichsten und prägendsten Dokumentationen dieser historischen Ereignisse.

Moskau: junge Frauen und Soldat © Daniel Biskup/BOEHMEDIA.de

Moskau: junge Frauen und Soldat © Daniel Biskup/BOEHMEDIA.de


Die Bilder sprechen weitgehend für sich. Doch selbst Zeugen der damaligen Geschehnisse tun sich schwer, sich diese heute noch in Erinnerung zu rufen. Biskup hat die Ausstellung so aufgebaut, dass die Dinge chronologisch erzählt und somit als Gedächtnisstütze nachvollziehbar werden. Die konkreten Ereignisse bilden das Raster für Schnappschüsse aus dem Alltag der Menschen in Russland: Staunende Gesichter, Lachen, Erleichterung, Trauer, Entsetzen. Und dann: Leere Geschäfte, Schwarzhandel, Panzer, Drogen, Demonstrationen. Menschen, die neue Erfahrungen machen. Die darüber mehr oder weniger erfreut sind. Insgesamt jedoch: Aufbruchsstimmung. Und Angst. Und Entschlossenheit. Und wieder Aufbruchsstimmung. Minutiös lässt der Fotograf die Jahre von 1988 bis 2000 Revue passieren.

Die Ausstellung ist dreisprachig konzipiert – deutsch, englisch und russisch – und daher geeignet, an verschiedenen Orten gezeigt zu werden. Die Augsburger Kunstsammlungen haben dafür den zweiten Stock des Schaezlerpalais zur Verfügung gestellt. Vielleicht etwas zu versteckt, um viele Besucher anzuziehen. Doch der Aufwand lohnt sich, die Bilder nehmen einen gefangen.

Zum Nachschmökern gibt es auch noch den ebenfalls dreisprachigen Bildband, der dem Aufbau der Ausstellung genau entspricht. Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder hat das Vorwort dazu geschrieben. Er stellt dabei zutreffend fest, wie wichtig das Wissen um diese Neuorientierungsjahre ist, um die gegenwärtige Situation in Russland und den Nachfolgestaaten zu verstehen. Doch die Dokumentation endet mit dem Amtsantritt Putins, sicher damals ein Hoffnungsträger für viele seiner Landsleute. Daniel Biskup war der erste deutsche Fotograf, der Putin fotografieren durfte, als Kai Diekmann ihn damals für die Welt am Sonntag interviewte. Seither sind allerdings mehr Jahre ins Land gegangen, als die Dokumentation der Übergangszeit erfasst, und von Aufbruchsstimmung ist man heute in Russland weit entfernt. Die „Sehnsucht nach Stabilität“ hat leider dazu geführt, dass Repression wieder salonfähig wurde.

Die Kluft zwischen Reich und Arm ist enorm, Glasnost und Perestrojka sind auf dem Abfallhaufen der Geschichte gelandet. Freie Meinungsäußerung wird wieder unterdrückt in Putins „Demokratur“, alte und neue Feindbilder sind erwacht. Biskups Bilder eignen sich hervorragend zum historischen Mahnmal. Sie zeigen, dass eine Gesellschaft den Mut aufbringen kann zu Neuem. Sie muss nur gelegentlich daran erinnert werden, denn das Neue ist für viele auch unbequem.

Spannend wäre natürlich eine Fortsetzung der Dokumentation. Da dies im gegebenen Rahmen nicht möglich ist, hätte sich zumindest ein weiterführender Ausblick angeboten. Doch auch der 2016 erschienene Bildband enthält zur politischen und gesellschaftlichen Entwicklung in Putins Russland seit dem Jahr 2000 nicht einmal die Spur eines Kommentars.



Bundesliga: Entlastung für den FCA , Wolfsburg feuert Ismael

Nachdem die härteste Konkurrenz im Kampf gegen den Abstieg ihre Spiele verloren hat, darf man den FC Augsburg und Werder Bremen als Gewinner des Spieltags bezeichnen.

Von Siegfried Zagler

FCA: Run auf die Bundesligatickts, Bewegung auf dem Transfermarkt

FCA: Gibt es gegen Leipzig erneut primitive Auswüchse?


Ein echter Verlierer des Spieltages ist Wolfsburgs Trainer Valerien Ismael, der seit heute Abend nicht mehr Cheftrainer der Wölfe ist. Nach der Heimniederlage gegen Bremen zogen die Verantwortlichen des VfL Wolfsburg die Reißleine und stellten Valerien Ismael frei. Ismael hatte erst im Oktober 2016 das Zepter von Dieter Hecking übernommen. Wer neuer Cheftrainer in Wolfsburg wird, steht derzeit noch nicht fest. Der FC Augsburg könnte jedenfalls eine Menge Geld sparen, kämen die VfL-Verantwortlichen auf die Idee, dass den Wölfen ein gewisser Dirk Schuster weiterhelfen könnte.

Große Sieger des Spieltages sind die Bremer und die Augsburger. Beide Klubs gewannen ihre Auswärtsspiele bei Mitabstiegskandidaten. Bremen konnte mit einem glücklichen Sieg in Wolfsburg den Relegationsplatz mit dem HSV tauschen, der in München mit 0:8 unterging. Der FCA gewann nach einem Spiel auf unterem Zweitliganiveau in Darmstadt mit 2:1. – Ingolstadt verlor heute zu Hause gegen Gladbach mit 0:2 und im heutigen Abendspiel kam Schalke gegen Hoffenheim über ein 1:1-Unentschieden nicht hinaus.

Tabelle nach dem 22.Spieltag

Tabelle nach dem 22.Spieltag


Gut zwei Drittel der Saison sind gespielt und bevor es für den FCA auf eine schwierige Zielgerade geht, hat er sich gegenüber Darmstadt und Ingolstadt ein Polster angelegt, das für die restlichen zwölf Spiele ausreichen sollte, eben diese beiden Vereine auf Distanz zu halten. Ehe es am 27. Spieltag zu Hause gegen Ingolstadt geht, müssen die Augsburger gegen Leipzig (H), Schalke (A), Freiburg (H) und Bayern (A) antreten. Drei Punkte aus dem Vorprogramm und ein Sieg gegen Ingolstadt, und dem FCA würde zum sicheren Ufer nur noch ein Ruderschlag fehlen.

Mit 13 Punkten aus acht Spielen liegt Augsburgs Trainer Manuel Baum gegenüber Dirk Schuster (14 Punkte aus 14 Spielen) ohnehin gut im Rennen. Doch nun soll es im Laufe dieser Woche darum gehen, sich gegen bärenstarke Leipziger gut vorzubereiten.

Damit sind auch die Augsburger Ultras gemeint, die sich zum Beispiel als erwachsene Bürger einer Friedensstadt begreifen könnten. Schließlich haben beide Klubs gemeinsam, dass sie ohne die Investitionen von zwei schrulligen Millionären auf dem Radar des Profifußballs nicht erschienen wären.

Es wäre jedenfalls wohltuend, wenn das Augsburger Publikum – nach den primitiven Auswüchsen in Dortmund und anderswo – die jungen Spieler von RB Leipzig mit Willkommens-Spruchbändern begrüßen würde.



Architektur und Jazz: Hommage an Zaha Hadid

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Architekturfilm und Jazz” im Thalia Kino Am Obstmarkt in Augsburg wird am Montag, den 6. März 2017 ab 19 Uhr der Dokumentarfilm “Löwin unter Löwen” gezeigt.

Horst Brandenburgs Film über die im vergangenen Jahr verstorbene Star-Architektin Zaha Hadid ist eine tiefe Verbeugung vor dem Werk und der charismatischen Persönlichkeit einer Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt an die Spitze setzte und die Geschichte der Moderne mitschrieb. Ab 20.30 Uhr gibt es Bar-Jazz im Thalia Kaffeehaus mit dem Theo Kollross Trio.

Zaha Hadid wurde 1950 in Bagdad geboren. 2004 wurde sie als erste Frau mit dem renommierten Pritzker-Preis ausgezeichnet – dem “Nobelpreis der Architektur”. Am 31. März 2016 ist Zaha Hadid in Miami Florida gestorben – sie wurde nur 65 Jahre alt. Brandenburgs Film zeigt die Geschichte ihrer ästhetischen Genese, die die Architektur der Moderne beeinflusst hat wie kein anderes Werk. “Löwin unter Löwen” ist auch auf youtube zu sehen.



FCA holt in Darmstadt drei Punkte

Der FC Augsburg gewinnt in Darmstadt 98 mit 2:1 und verschafft sich mit diesem Auswärtssieg wieder Luft im Abstiegskampf. Darmstadt 98 ging durch Marcel Heller (48.) in Führung. FCA-Kapitän Paul Verhaegh (55./Foulelfmeter) und Raúl Bobadilla (85.) erzielten die Tore für den FCA.

Von Siegfried Zagler

Augsburgs Coach Manuel Baum stellte seine halbe Startelf nach der Heimniederlage gegen Leverkusen um und setzte auf Stafylidis, Kacar, Moravek, Halil Altintop und Ji, die für Janker, Max, Teigl, Usami und den verletzten Baier (Adduktorenprobleme) aufliefen. Ein besonderes Spiel für Halil Altintop, der bei den Lilien seinem Bruder begegnete.

Beide Mannschaften spielten Destruktionsfußball, weshalb es bis zur 32. Minute dauern sollte, bis sich die erste Torchance ereignete: Bobadilla und Halil Altintop spielten das Leder mit einem Doppelpass in den Strafraum, aber Darmstadts Keeper Michael Esser war einen Tick schneller am Ball als Bobadilla. Mehr gibt es zu der vermutlich schlechtesten ersten Halbzeit dieser Bundesligasaison nicht zu vermelden. Die Hausherren waren nicht in der Lage, zu einem einzigen Abschluss zu kommen. Geordnete Spielzüge gab es nicht, alles blieb Stückwerk und hilfloses Gebolze nach vorne.

Kurz nach Wiederanpfiff musste man für den FCA das Schlimmste befürchten: Nach einem Einwurf für Darmstadt in der FCA-Hälfte sprang Stafylidis am Ball vorbei, dann stellten sich bei Verteidigung Hinteregger und Verhaegh an, so dass Marcel Heller freistehend den Ball stoppen konnte, um ihn mühelos einzunetzen (48.). Doch die Replik der Augsburger kam postwendend. In der 54. Minute foulte Alexander Milosevic Dominik Kohr im Sechzehner elfmeterreif und Paul Verhaegh verwandelte sicher zum 1:1-Ausgleich.

Die Partie wurde nun von beiden Mannschaften mutiger geführt, aber an spielerischer Klasse und Strafraumszenen mangelte es weiterhin. Die Augsburger zeigten sich einen Tick besser als die Hausherren, die nach vorne noch harmloser agierten als die Brechtstädter. Als in der 65. Minute der Augsburger Altintop ohne Tempo aufzunehmen den Ball nach vorne führte, hatte er gefühlt 4 Sekunden Zeit, den mitlaufenden Bobadilla mitzunehmen oder in den Raum zu schicken, doch Altintop spielte das Leder erst dann zu Bobadilla, als dieser im Abseits stand und sich Darmstadt in der Mitte wieder formiert hatte. Diese irrwitzige Szene soll deshalb protokolliert sein, weil sie symptomatisch für das kopflose Spiel der Augsburger war.

In der 77. Minute bekam schließlich der eingewechselte Moritz Leitner via Zufall eine Schusschance, doch Leitner wurde unkorrekt an einem kontrollierten Schuss gehindert. Ein überlegter Heber des schön freigespielten Bobadilla über Esser hinweg entschied schließlich das Spiel in der Schlussphase (85.).

Bereits am Freitag treffen die Augsburger in der WWK Arena (20.30 Uhr) auf RB Leipzig.

FCA: M. Hitz; – P. Verhaegh; M. Hinteregger; G. Kacar; K. Stafylidis; – J. Koo; D. Ji; J. Moravek; H. Altintop; D. Kohr; – R. Bobadilla;

Eingewechselt: R. Framberger (90.); M. Leitner (77.); J. Günther-Schmidt (89.);

Ausgewechselt: J. Koo (90.); J. Moravek (77.); R. Bobadilla (89.); –

Auswechselbank: I. Gelios (TW); C. Janker; P. Max; T. Usami;

Tore:

0:1 Marcel Heller (48.),

1:1 Paul Verhaegh (55.) Elfmeter,

2:1 Raúl Bobadilla (85.).





FCA: Hinter dem Böllenfalltor kommt der Abgrund

Der FC Augsburg gastiert am heutigen Samstag (15.30 Uhr) in Darmstadt. Sollte der FCA beim Tabellenletzten verlieren, stehen die Augsburger wieder bis zur Hüfte im Abstiegskampf.

Von Siegfried Zagler

Die Ausgangssituation ist schnell beschrieben: Am Tabellenende haben alle Mannschaften zugelegt und ihren Modus im Abstiegskampf gefunden, während die Augsburger nach zwei Niederlagen in Folge offenlegten, dass sie auf der Stelle treten und der Trainerwechsel nach dem 14. Spieltag nicht viel Gutes bewirkt hat.

Man kann den Augsburgern attestieren, dass sie unter Manuel Baum stets bemüht sind, ihre Angriffssituation zu Ende zu spielen. Daraus entstehen aus dem Spiel heraus mehr Torchancen, die zwar zu selten genutzt werden, aber immerhin ist diesbezüglich ein Fortschritt zu erkennen.

Allerdings: Der Abstieg ist mit anderen Mitteln zu bekämpfen. War unter Dirk Schuster in den ersten 14 Spielen die Augsburger Abwehr eine sichere Bank, ist sie unter Manuel Baum zu einem Sorgenkind geworden: Sieben Gegentore in drei Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Viel zu oft werden in Ballbesitz leichte Bälle verloren und allzu oft ist dabei Augsburgs Linksverteidiger Max verstrickt, der zur festen Stammformation gehört. Paul Verhaegh, seines Zeichens Rechtsverteidiger, befindet sich seit vielen Spielen in einem “Fehlervermeidungsmodus”. Nach vorne gehen vom FCA-Kapitän kaum noch Impulse aus und gegen den Ball ist sein Spiel ebenfalls zu zögerlich geworden. Daniel Baier, lange Zeit ein unverzichtbarer “Supersechser”, befindet sich in einer Formkrise und ist derzeit mehr Belastung denn Verstärkung. Spielt Gouweleeuw nicht, wirkt der grundsolide auftretende Martin Hinteregger im Abwehrzentrum zuweilen überlastet, da Janker die Handlungsgeschwindigkeit fehlt, die Gouweleeuw auszeichnet.

Moraveks Verletzungsanfälligkeit ist in Augsburg sprichwörtlich geworden und Usami, der links außen für offensive Spielkultur sorgen sollte, ist nicht konstant und mit geringer Durchsetzungsfähigkeit geschlagen. Mit Caiuby und Finnbogason sind zwei als Stammspieler vorgesehene Offensivspieler langzeitverletzt und der zuletzt formstarke Bobadilla ist immer noch verrückt genug, um sich in unnötige Zweikämpfe zu begeben, die nichts außer Verletzungsgefahr bringen.

Augsburgs Winterzugang fehlt bisher der Nachweis, dass er der Bundesligahärte gewachsen ist. Moritz Leitner ist wohl eher eine Option für die Zukunft als eine konkrete Hilfe im Abstiegskampf.

Trotz der aufgezählten Baustellen muss festgehalten werden, dass der Augsburger Kader stark genug sein sollte, um einen direkten Abstiegsplatz vermeiden zu können. Auf mehr darf man nicht hoffen: Bremen (22 Punkte) kommt auf, Hamburg (20) wird von Spiel zu stärker und Wolfsburg (22) kommt sicher auch noch in Tritt. Außerdem ist in dieser Saison nicht damit zu rechnen, dass ein Klub, der aktuell vor dem FCA (24 Punkte, Platz 13) in der Tabelle steht, die Kontrolle verliert und sich selbst erschießt, wie das bei den Stuttgartern in der vergangenen Saison der Fall der war: Am 21. Spieltag stand der VfB damals mit 27 Punkten im Mittelfeld. Nach dem 34. Spieltag stiegen die Schwaben mit 33 Punkten ab.

Sollte der FCA also heute gegen 17.18 Uhr das Darmstädter Böllenfalltor als Verlierer verlassen, ginge in Augsburg nach drei Niederlagen in Folge das Wort “Krise” um. Schließlich ist nicht damit zu rechnen, dass man das nachfolgende Heimspiel gegen den bärenstarken Tabellenzweiten Leipzig gewinnt. Am 24. Spieltag müssen die Augsburger auf Schalke die Klingen kreuzen. Gut möglich, dass der FCA nach diesem Spieltag bereits am Abgrund steht, würde er heute bei den Darmstädter Lilien verlieren.

In Darmstadt zählt für den FCA also nur ein Sieg. Dass das gegen die Lilien machbar ist, muss an dieser Stelle nicht erklärt werden.



Fahrradstadt 2020 – Eine Ortsbegehung

Das Ziel ist eindeutig: Augsburg wird Fahrradstadt. Dies hatte der Stadtrat auf Anregung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) und des Fachforums Verkehr der Lokalen Agenda im Jahr 2012 einstimmig beschlossen.

Von Bernhard Schiller



Foto: Kleeblatt-Film

F
ünf Jahre sind seit der Entscheidung im Rathaus vergangen, gerade einmal drei Jahre bleiben bis zum angepeilten Abschluss im Jahr2020. Dieser Zeitplan kann wohl nicht eingehalten werden. Wo steht das Projekt? Was wurde erreicht, woran hakt es noch? Wird überhaupt spürbar daran gearbeitet? Auf Einladung der Stadtratsfraktion der Grünen konnten vergangenen Freitag interessierte Bürgerinnen und Bürger diese Fragen im Vortragssaal der Stadtbücherei mit den Verantwortlichen diskutieren. Das war informativ, bisweilen amüsant. Vor allem aber enttäuschend. Nach diesem Abend muss die eigentliche Frage lauten: „Ist Augsburg leidenschaftlich genug für eine Fahrradstadt?“ Ein Kampf auf offener Straße

Zunächst muss anerkennend festgehalten werden: Weder den anwesenden Fahrradaktivisten, noch den anwesenden Verantwortlichen aus der Stadtregierung mangelt es am Willen, Augsburg in eine „fahrradfreundliche Kommune“ zu verwandeln, wie es in der Beschlussvorlage aus dem Tiefbauamt heißt. Die Geister scheiden sich allerdings schnell an der Frage, was „fahrradfreundlich“ bedeutet. Klar ist, dass ein Umbau zur Fahrradstadt nur mittels Zurückdrängung des Kraftverkehrs zu haben ist, insbesondere durch die Aufhebung von Fahrspuren und das Wegfallen von Parkplätzen. Umweltreferent Rainer Erben nutzt beim Radfahren bereits jetzt den ihm rechtmäßig zur Verfügung stehenden Platz. Er bekennt sich als “Vollradler” und spricht wörtlich von einem „ewigen Kampf“ der Rad- gegen die Autofahrer auf offener Straße. Seiner Partei geht es naturgemäß darum, den „globalen Klimawandel zu stoppen.“ Ein ambitioniertes Vorhaben, wenn man bedenkt, wo überall auf dem Globus bis 2020 Fahrradstädte entstehen müssten. Ein, zwei Jahre hin oder her können also nicht Rechtfertigung für einen polemisierten Diskurs sein.

Gesellschaftlicher Strukturwandel erfordert neuen Städtebau

Es existieren denn auch andere, bemerkenswerte und triftige Gründe, die für eine fahrradfreundliche Umgestaltung von Verkehrswegen und Plätzen sprechen. Dr. Ralf Kaulen, renommierter Chefplaner der Fahrradstadt, machte in seinem Vortrag auf den allgemeinen gesellschaftlichen Strukturwandel aufmerksam. Städte würden zunehmend kulturisiert, die Bedeutung von Aufenthaltsorten außerhalb von Wohnung und Arbeitsstelle (Third Places) nehme deshalb zu. Die allgemeine Lebenserwartung steige (Stichwort: Silver Society). Faktoren, die zum Wunsch nach einer entschleunigten Mobilität führen und, so Kaulen, die Gestaltung „schöner Räume und Plätze“ verlangen. Das klingt nach Lebenskunst, locker, sinnstiftend. Und macht einen gänzlich anderen Eindruck, als die auf seinen Vortrag folgende Diskussion.

Einseitige Debatte um schnelle Verbindungen

Die drehte sich vornehmlich um Fahrradschnellwege, Hauptverkehrsachsen und Duschen, die fahrradfreundliche Arbeitgeber ihren verschwitzten (weil abgehetzten?) Mitarbeitern zur Verfügung stellen sollten. Kaulen selbst gab diesen Algorithmus vor. Wer eine Fahrradstadt haben wolle, dürfe sich nicht mehr fragen, wie er möglichst viele Kraftfahrzeuge pro Stunde, sondern wie er möglichst viele Menschen pro Stunde von A nach B bekäme. Folgerichtig beschweren sich auch die anwesenden Fahrradaktivisten über zu lange Wartezeiten an Ampeln und auf den ersten Blick unsinnige Druckknöpfe, die von einer in ihren Augen lahmen Verwaltung aus reiner Ignoranz installiert würden. In diesem Moment entsteht der Eindruck, als sei der komplette Fahrradstadtdiskurs einer rationalistischen Effizienzlogik unterworfen. Kein Wunder also, dass das anvisierte Ziel, bis zum Jahr 2020 den Fahrradverkehrsanteil von 15 Prozent auf mindestens 25 Prozent erhöht zu haben, negativen Stress hervorruft. Vor allem, wenn der dafür so erforderliche Bewusstseinswandel in den Hirnen der Kraftfahrer und ihrer verstockten Rathauslobby einfach nicht stattfinden will. Sozialtechnologe Kaulen ergründet deshalb nicht nur asphaltierte, sondern auch neuronale Netze. „Wie denken Menschen?“ – „Wie verhalten sich Menschen?“, so sollte das erkenntnisleitende Interesse lauten, an dem sich Stadtplanung auszurichten habe. Insbesondere dann, wenn große Veränderungen erreicht werden sollen. Wie, so der Ingenieur sinngemäß, sei es zu schaffen, „dass die Bürger den Nutzen der Fahrradstadt erkennen“?

Noch keine Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer

Falschparker Grottenau. Foto: B. Schiller

Falschparker Grottenau. Foto: B. Schiller


Der Glaube, Menschen würden ihr gewohntes Verhalten freiwillig ändern, wenn sie nur die richtigen Argumente hörten, ist naiv. Es ist auch vollkommen egal, ob einzelne gegenüber den Mobilitätsentscheidungen anderer Verständnis aufbringen, oder nicht. Als Bürger und Mitglied eines Rechtssystems hat jeder die Rechte der anderen schlicht zu achten, auch entgegen der eigenen Räson. Es ist erklärtes Planungsziel der Fahrradstadt 2020, dass Radverkehr und Kraftverkehr gleichberechtigt sind. Es wäre also Aufgabe von Ordnungsdienst und Polizei – auch das ein Wunsch aus der Bürgerschaft und des ADFC – die Rechte des strukturell unterlegenen Radverkehrs verstärkt geltend zu machen, etwa bei der konsequenten Ahndung von Parkverstößen auf markierten Radwegen (siehe Bild). Die Vertreterin des städtischen Ordnungsdienstes meinte allerdings, dass Verwarnungen hier nichts brächten, da das jeweilige Auto ja trotzdem weiterhin im Weg stünde. Mit einem derartigen Rechtsverständnis kann der Ordnungsdienst seine Tätigkeit auch ganz einstellen. Dem entgegen wird in einem Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG v. 04.07.1967) zum „Charakter der gebührenpflichtigen Verwarnung als Verwaltungsakt“ eindeutig die präventive Wirkung von Verwarnungen zur „Aufrechterhaltung der Verkehrsdisziplin“ festgestellt. Für Drahtesel-Moralisten sei angemerkt, dass die gebührenpflichtige Verwarnung laut BVG-Urteil „keinen ethischen Schuldvorwurf“ beinhaltet. Dies umfasst auch den Aspekt der „negativen Generalprävention“, also der Wirkung auf andere Verkehrsteilnehmer.

Der fehlende Flächenbrand

Bewusstseinsbildende Maßnahme: Erste städtische "Radlernacht"

Bewusstseinsbildende Maßnahme: Erste städtische "Radlernacht"


Auch braucht niemand mehr eine politische Begründung für die fahrradfreundliche Stadt. Ein demokratisch legitimiertes Gremium – der Stadtrat – hat die Umsetzung in der letzten Amtsperiode einstimmig beschlossen. Grundlage der Entscheidung war laut Beschlussvorlage vom 11.10.2012 die Förderung einer „stadt- und umweltverträglichen Mobilität (…) in besonderem Maße und mit hoher Priorität“. Daran müssen sich alle an der heutigen Stadtregierung beteiligten Parteien und die Verwaltung messen lassen. Leichter fiele das zumindest den Angestellten der Verwaltung – allen voran dem Fahrradbeauftragten Thomas Hertha, wenn eine freundliche Anerkennung der Fortschritte durch die Bürger den Diskurs mitbestimmte. Insbesondere müssen sich freilich die an der aktuellen Stadtregierung beteiligten Grünen verantworten, deren Kerngeschäft die Umweltpolitik ist. Schließlich sind die Grünen ein Teil der Stadtregierung, weshalb sie auch den Umweltreferenten stellen.

“Wir sind Autostadt”

Tatsächlich wurde einiges spürbar zum Positiven verändert: Selbst im schlimmsten Hagelunwetter wäre es bis vor einiger Zeit noch undenkbar gewesen, mit dem Fahrrad in die Tram einzusteigen, ohne umgehend mit Augsburg zu kollidieren. Trotzdem trifft der von ADFC-Vorstand Janos Korda vorgebrachte Vorwurf sicher zu: Die Entwicklung zur Fahrradstadt nimmt in den Haushaltsplanungen und in der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt lange nicht den Stellenwert ein, der dem vollmundigen Titel „Fahrradstadt“ angemessen wäre. Großformatige Blechtafeln werben in Pink und anderen Farben beispielsweise an der B17 mit dem Slogan: „Die neue Innenstadt. Bequem ins Zentrum.“ Das heißt übersetzt: „Wir sind Autostadt.“

Auch eine fahrradaffine Werbeagentur könnte ein nicht vorhandenes Konzept herbeikommunizieren

Dem tut es dann auch keinen Abbruch, wenn derselbe Kommunikationsdesigner den Mauszeiger en passant nochmal ins Pink tunkt, um die Augsburger Radlnacht zu bewerben. Selbst eine fahrradaffine Werbeagentur könnte nicht herbeikommunizieren, was als Vision, oder wenigstens Konzept, nicht vorhanden ist. Weiße Linien entlang der Hauptverkehrsachsen und die Zielvorgabe von 25 Prozent Fahrradverkehrsanteil machen noch keine Fahrradstadt. Um dem Label gerecht zu werden, müsste eine deutliche Bevorzugung des Fahrradverkehrs im Sinne einer politisch gewollten Fahrradkultur stattfinden. Chefplaner Kaulen präsentierte zwar phantastische Bilder aus anderen Städten, anhand derer er mehrfach das Motto „Think Big!“ ausgab und sprach von einem „Flächenbrand“, der in Augsburg entfacht werden müsse. Bloß wie, wenn nicht einmal die zirka 80 Teilnehmer an diesem Abend den Vortragssaal der Stadtbücherei zu entflammen wissen?



Welt im Umbruch: Aufregende Ausstellung im Schaezlerpalais

Daniel Biskup: Russland – Perestroika bis Putin

Ein Soldat während des Putsches vor dem Weißen Haus, dem Regierungsgebäude der Russischen Föderation, Moskau, Oktober 1993, © Daniel Biskup


Über elf Jahre hat Daniel Biskup die Gesellschaft in Zeiten des Wandels und der radikalen Umbrüche von der Sowjetunion zur Russischen Föderation dokumentiert. Bereits 1988 erkannte der damals 25-jährige Politik- und Geschichtsstudent, dass diese historisch einmalige Phase in Bildern festgehalten werden muss. Er begleitete Menschen bei mehr oder minder alltäglichen Begebenheiten auf der Straße, in Wohnungen oder bei der Arbeit. Entstanden ist ein Kaleidoskop der gesellschaftlichen Unsicherheiten und Veränderungen, die sich in Blicken und Gesten, in absurden, erschreckenden und anrührenden Situationen manifestieren. Eine Auswahl von rund 80 Aufnahmen aus dem im Augsburger Verlag Salz und Silber erschienenen Fotobuch präsentieren nun die Kunstsammlungen und Museen Augsburg vom 22. Februar bis 7. Mai 2017 im Schaezlerpalais.

Eine spezielle Würdigung des fotografischen Werkes des Dokumentaristen Daniel Biskup fand gestern Abend in der Katharinenkirche statt.

Amüsante Plauderstunde: Kai Diekmann, Gerd Horseling, Daniel Biskup, Theo Waigel (v.l).

Amüsante Plauderstunde: Kai Diekmann, Gerd Horseling, Daniel Biskup, Theo Waigel (v.l). © DAZ


Am gestrigen Dienstag fand im Rahmen der Ausstellungseröffnung zu Daniel Biskup “Russland – Perestroika bis Putin” in der Katharinenkirche/Schaezlerpalais eine beeindruckende Respektbezeugung bezüglich des neuen Biskup-Bildbandes statt. In der überfüllten Kirche lauschte das Publikum den Anekdoten von Daniel Biskup, Kai Diekmann und Theo Waigel. Moderiert wurde die amüsante Plauderstunde von Gerd Horseling. Diekmann erzählte auf jugendhafte Weise von seiner Begegnung mit Putin, der Diekmann eine seiner Badehosen lieh, um mit ihm Jet-Ski zu fahren. Nicht weniger amüsant war die Anekdote Waigels, der von einem Saunagang mit Kohl und Jelzin erzählte. “Mit diesem Foto wären wir reich geworden, Herr Biskup”.

Nach dem Zusammenbruch des Sowjetreiches dachte der ehemalige Bundesfinanzminister Waigel, es sei nun die Zeit des Friedens angebrochen. Er habe sich zwar getäuscht, so Waigel, aber dennoch sei man diesbezüglich heute weiter als vor 35 Jahren. Eine ausführliche Besprechung des Bildbandes und der Ausstellung folgt.

Daniel Biskup: „Russland – Perestroika bis Putin”, mit einem Vorwort von Gerhard Schröder, Verlag Salz und Silber, 44,50 Euro (Ausstellung zum Thema ab 22. Februar bis 7. Mai 2017 im Schaezlerpalais Augsburg).

Das Buch ist der zweite Bildband einer Trilogie über den Umbruch in Osteuropa. Band 1 erschien im Herbst 2015: „Budapest – Berlin. Mein Weg zur Einheit” (Er zeigt rund 250 Bilder – von den DDR-Flüchtlingen in Ungarn über Mauerfall und Montagsdemos bis zur Wiedervereinigung. Verlag Salz und Silber, 44,50 Euro).

Derzeit in Arbeit ist Band 3 über den Wandel der Gesellschaft 1990 bis 1995: Nachwendezeit und Umbruch in Ostdeutschland, Polen, Ungarn, Tschechien und Rumänien.



Tropische Schmetterlinge im Botanischen Garten

Wie in jedem Jahr schwirren derzeit noch bis zum 2. April die tropischen Schmetterlinge durch den Pavillon der Schmetterlinge im Botanischen Garten.

Das Besondere dieser “Ausstellung” ist, dass man die Schmetterlinge nicht nur sehen und beobachten, sondern hautnah erleben kann – ohne trennendes Netz oder Glasscheibe. Von manchen Besuchern fühlen sich die Falter fast magisch angezogen und lassen sich auf Haaren und Kleidung nieder. Und zwar so begeistert, dass die Besucher beim Verlassen des Glashauses darauf achten müssen, die filigranen tropischen Gäste nicht aus ihrem warmen Paradies zu entführen.

Schmetterling: Weiße Baumnymphe

Schmetterling: Weiße Baumnymphe


Bereits seit 2004 rüstet der Botanische Garten Augsburg einmal im Jahr einen Teil der Pflanzenwelt unter Glas zum Pavillon der Schmetterlinge um. Dazu wird über die Metallträger des alten Victoria-Regia-Hauses ein Netz gespannt und das Haus mit allem bestückt, was die Falter im Laufe ihrer Entwicklung brauchen: eine Station zum Ausschlüpfen der Schmetterlinge (Puppenstube), Futterpflanzen für die Raupen, Nektarpflanzen der Falter und eine Futterstation mit frischem Obst für die Falter, die sich von Säften ernähren. Eine Luftfeuchtigkeit von ungefähr 90 Prozent und Temperaturen um die 25 Grad bieten den tropischen Schönheiten die idealen Lebensbedingungen.

Die Schmetterlinge werden nicht der Natur entnommen, sondern in ihren tropischen Heimatländern in speziellen Schmetterlingsfarmen gezüchtet! Als braune, grüne oder golden schillernde Puppen werden die Tiere verschickt. Nach 7 bis 14 Tagen Puppenruhe schlüpfen die Schmetterlinge dann direkt vor Ort. Mit etwas Glück können die Besucher beobachten, wie sie aus ihrer engen Puppenhülle schlüpfen und nach und nach ihre Flügel auffalten.

Publikumsliebling ist der Himmelsfalter. Neben dem Himmelsfalter begeistern rund 50 weitere Arten durch ihre prächtige oder ungewöhnliche Färbung. Der größte Gast ist der Atlas-Seidenspinner mit rund 25 Zentimetern Flügelspannweite.

Rund 30.000 Besucher locken die Falter jährlich an. Da sich immer nur eine begrenzte Besucheranzahl gleichzeitig im Pavillon der Schmetterlinge aufhalten kann, kommt es bei großem Andrang gelegentlich zu Wartezeiten.

Ergänzend wird gleichzeitig im Seminarraum, der direkt an die Pflanzenwelt unter Glas angrenzt, eine Foto- und Informationsausstellung über heimische (und tropische) Schmetterlinge des Schmetterlingsexperten Ernst Jung gezeigt.

Die Schmetterlingsausstellung im Pavillon der Schmetterlinge ist täglich von 9 bis 17 Uhr, ab dem 1. März bis 18 Uhr und ab dem 1. April bis 19 Uhr geöffnet und kostet 2 Euro zusätzlich für jeden Besucher ab 3 Jahren. Für den Besuch von Schulklassen und Kindergartengruppen ist eine vorherige telefonische Anmeldung unter Tel. 0821 324 6038 erforderlich.

Fotografieren ist erlaubt, allerdings ohne Blitzlicht und Stativ.

Faltblatt zur Ausstellung



Der Wrangelschrank: Ein Hauptwerk der Augsburger Intarsienmöbel

Im Maximilianmuseum findet am kommenden Donnerstag, den 23. Februar ein Vortrag mit folgendem Titel statt: „Der Wrangelschrank und die Augsburger Intarsienmöbel der Spätrenaissance“.

Zu den Spezialitäten der Augsburger Kunstschreiner der Spätrenaissance zählten Intarsienmöbel mit detailliert ausgearbeiteten, dünnen Furnierbildern. Sie sind heute äußerst selten. Die Ernst von Siemens-Kunststiftung München hat ein bedeutendes Augsburger Schreibkabinett aus der Zeit um 1570 erworben und stellt es dem Maximilianmuseum, das bislang kein derartiges Werk besaß, als Dauerleihgabe zur Verfügung. Anlässlich der Übergabe des Möbels hält Dr. Angelika Lorenz vom LWL-Museum Münster einen Vortrag über den sogenannten Wrangelschrank von 1566, einem Hauptwerk der Augsburger Intarsienmöbel. Der Eintritt ist frei.

Zeit: Donnerstag, 23. Februar, 19 Uhr. Ort: Maximilianmuseum, Felicitassaal (2. OG).



“Nazi ist doch nicht gleich Nazi!”

„Werner Egk bleibt lebendig“. Ja geht’s noch?!

Glosse von Helge Busch

„Wer suchet, der findet“, so heißt es in der Bibel. Wer ernsthaft nach Erkenntnis sucht, muss in der Vergangenheit suchen, um ans Licht zu bringen, was meistens eh bekannt ist. In Friedberg war’s das Wernher-von-Braun-Gymnasium, das (zu Recht) in die braune Ecke gerückt wurde und deshalb in Staatliches Gymnasium Friedberg umbenannt wurde. In Augsburg denkt man jetzt mit dem Komponistennamen Werner Egk, um die Egk(ck)e. Warum nur fällt allen Verantwortlichen erst jetzt auf, dass die Grundschule in Oberhausen mit dem Namen “Werner-Egk-Grundschule” einen braunen Schatten haben könnte?  Auf der Schulhomepage lesen wir obendrein: „Werner Egk bleibt lebendig“. Ja geht’s noch?!

So ein Pech aber auch, dass der Komponist den Zeitpunkt seiner Geburt nicht besser gewählt hatte. Was macht man nun? Ein neuer Name muss her. Am besten einer aus längst vergangener Zeit, da sind Schandflecke nicht mehr so gut erkennbar (oder vielleicht doch?). Was für Egk gilt, passt übrigens auch zu Carl Orff! Der hat ja nur aus Versehen für die Olympischen Spiele 1936 den „Einzug und Reigen der Kinder“ komponiert. Kein Problem bei der ach so beliebten Carl-Orff-Erziehung? Das Theater Augsburg hat Egk und Orff übrigens im Juni 2016 im Stück „Schnick Schnack Schnuck“ auflaufen lassen, nur kapiert hat’s kaum einer. Apropos Olympische Spiele 1936: Richard Strauss komponierte hierfür die Eröffnungsmusik. Und bei dem braun eingefärbten Strauss fällt mir Garmisch-Partenkirchen und das dortige Richard-Strauss-Institut ein – der Richard-Strauss-Ring und zu allem Überfluss die Richard-Strauss-Straße.

Namensänderung? Ja, wer denkt denn daran? Das hieße ja, auf einen ganz besonderen Namen verzichten zu müssen. Nazi ist doch nicht gleich Nazi!

Gut, dass Augsburg in Sachen „Namensänderungen“ jetzt die bayerische Vorzeigerolle einnimmt! Aber bitte: Die Richard-Wagner-Straße in Göggingen muss nicht umbenannt werden. Wagner hat ja vor der Nazi-Herrschaft gelebt. Das gilt zum Glück auch für Martin Luther, obwohl der Reformator in seiner Judenhetze dazu aufgefordert hatte, die Synagogen niederzubrennen. Doch der Martin-Luther-Platz in Augsburg bleibt bei seinem Namen.

Warum eigentlich? Luther hat zu seiner Zeit sehr genau auf den Mainstream geachtet, genauso wie Egk, Orff und Strauss zu ihrer Nazi-Zeit.