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Sternstunden: Ballettgala und Operngala mit Diana Damrau zum Ausklang der Spielzeit

Die letzte Spielzeit von Juliane Votteler soll nicht ganz sang- und klanglos im Chaos der Räumung des Großen Hauses untergehen und auch Ballettdirektor Robert Conn will sich gebührend vom Augsburger Publikum verabschieden. Darum gibt es zum Ende der Spielzeit die Ballettgala nach bewährtem Muster und als Glanzpunkt eine Operngala mit Diana Damrau und Nicolas Testé.

Von Halrun Reinholz

Robert Conn (c) Theater Augsburg

Auf einiges musste das Theaterpublikum in dieser Spielzeit verzichten, nicht nur auf die gewohnten Standards bei den Vorstellungen, sondern auch auf die besonderen Ereignisse, die Höhepunkte der Saison wie zum Beispiel den Opernball, der ohne das Große Haus und den nötigen Vorlauf auch woanders nicht zu machen war. Selbst die jährliche Ballettgala, ein Publikumsrenner mit tanzenden Gästen aus der ganzen Welt, hatte man bereits abgeschrieben. Doch nun verkündete das Theater in einem eigens angesetzten Pressegespräch Erfreuliches: Sie kommt doch. Und als weiteres Highlight noch das auch schon verloren geglaubte Benefizkonzert mit Diana Damrau und ihrem Partner Nicolas Testé.

Ballett Augsburg

Möglich wurde dies, weil durch die gegebene Raumsituation geplante Produktionen abgespeckt werden müssen. „Kaspar Hauser“ kann nur konzertant im TIM aufgeführt werden und „Pension Schöller“ wandert vom Großen Haus in die Brechtbühne. Gleichzeitig gibt es dadurch auch weniger Aufführungen und es entsteht ein gewisser Leerlauf zu Lasten des Publikums. Da war man, wie die Intendantin meinte, den treuen Zuschauern doch noch ein paar „Zuckerl“ schuldig. Oder doch besser: ein paar Sterne. Deswegen hat Robert Conn nun alle Hebel in Bewegung gesetzt, um doch noch eine Ballettgala mit zwei Terminen (27. Mai, 19.30 Uhr und 28. Mai, 14.30 Uhr) auf die Beine stellen zu können. Wer von den anvisierten Gästen von Stuttgart bis Holland, von New York bis Moskau, der Einladung so kurzfristig Folge leisten kann, ist noch nicht ganz klar, aber Conn baut auf sein gutes Netzwerk, das auch bisher immer die Basis für die stets hochkarätige Bestückung der Ballettgala war. Nach 10 Jahren ist diese Ballettgala außerdem Conns letzte, deshalb wird er sie gleichzeitig zu einer Art Abschiedsveranstaltung gestalten und die hauseigene Compagnie besonders in den Fokus stellen. Veranstaltungsort wird die Messehalle sein, wo man auch mit dem Nussknacker gute Erfahrungen gemacht hat und die im Vergleich zur Kongresshalle bessere Sichtlinien bietet. Nach guter Tradition haben Abonnenten ein Vorzeichnungsrecht bis zum 17.2., erst am 25.2. beginnt der allgemeine Vorverkauf.

Diana Damrau (c) www.diana-damrau.com

Ja, und auch Diana Damrau wird kommen. Das Benefizkonzert, zusammen mit ihrem Mann, dem Bassbariton Nicolas Testé, war längst geplant, als die Schließung des Großen Hauses jedoch alle Pläne zunichte machte. Doch selbst ein Weltstar wie Diana Damrau zeigte Flexibilität und Entgegenkommen und so kann am 9. Juli in der Kongresshalle die Benefizgala zugunsten der Eva Luise und Horst Köhler Stiftung für Menschen mit seltenen Erkrankungen doch noch stattfinden. Die Schirmherrschaft hat Oberbürgermeister Gribl übernommen  und das Ehepaar Köhler wird ebenfalls anwesend sein. Die Augsburger Philharmoniker unter der Leitung von Pavel Baleff begleiten Diana Damrau und Nicolas Testé bei Arien und Duetten von Verdi, Bellini und Meyerbeer. Karten für die sicherlich sehr begehrte Veranstaltung gibt es ab dem 18. Februar.



Verwaltungsgerichtshof: Eine schallende Ohrfeige für Kurt Gribl

Warum OB Kurt Gribl und der Augsburger Stadtrat der Bürgerschaft eine Entschuldigung schulden

Kommentar von Siegfried Zagler

Am 12. Juli 2015 untersagte die Augsburger Bürgerschaft eine angestrebte Fusion zwischen der Energiesparte der Stadtwerke Augsburg und Erdgas Schwaben. 72 Prozent der abgegeben Stimmen verhinderten ein energiepolitisches Vorhaben, für das sich Augsburgs Oberbürgermeister dergestalt ins Zeug legte, dass sich in Augsburg die ironische Haltung verfestigte, der studierte Jurist Kurt Gribl könne den Energiemarkt der Zukunft vorhersehen.

Dem Vorwurf, dass Kurt Gribl mehr seinen Beratern vertraue, die fast ausschließlich aus einer Werbeagentur und deren Umfeld kommen, als einem komplexen politischen Abwägungs- und Entscheidungsprozess, war OB Kurt Gribl von Beginn an ausgesetzt. Diese Einschätzung kam in der Vergangenheit nicht nur vom politischen Gegner, sondern auch von der CSU: persönliches Image-Marketing statt politischer Debatte. Zum Image-Marketing gehört es zum Beispiel auch, dass man Gegner eines Projekts zu Feinden einer „absolut notwendigen Sache“ erklärt. Und absolut notwendig ist etwas, das in der Person von Kurt Gribl verinnerlicht wurde und wird. Die Vorgänge im Zusammenhang mit dem Bürgerbegehren der Theatersanierung bestätigten diese Geisteshaltung.

Das Modell des Leviathan, also der vollkommenen Figur, die das Gemeinwohl verinnerlicht und repräsentiert, ist im Sommer 2015 zu Grabe getragen worden. Und nun hat Kurt Gribl und fast der gesamte Augsburger Stadtrat nachträglich vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof für die Auffassung der eigenen Vollkommenheit, aus der sich die Arroganz der Macht speist, eine schallende Ohrfeige erhalten.

Die geplante Fusion im unsichtbaren Raum der unpolitischen Gestaltung abwickeln zu wollen, sie quasi zu einem ökonomischen Sachzwang zu definieren, um sie dann als zu komplex für einen Bürgerentscheid zu erklären sowie die gesamte Kommunikation mit der Bürgerinitiative waren politische Granatenfehler, die allein auf das Konto des OB gingen. Die persönliche Einschätzung Gribls, die er kurz nach Start des ersten Bürgerbegehrens abgab, nämlich dass dessen Fragestellung juristisch nicht zulässig sei, hat gestern der Bayerische Verwaltungsgerichtshof mit seiner Urteilsbegründung pulverisiert.

Seit gestern darf man also schlussfolgern, dass die Fraktion der Augsburger Grünen mit ihrem Antrag im Novemberstadtrat, eine unabhängige Behörde solle erst die juristische Zulässigkeit der Fragestellung eines Bürgerbegehrens prüfen, bevor eine Initiative Unterschriften sammelt, auf dem richtigen Weg gewesen wäre. Die Grünen wurden von den meisten Stadträten wegen ihres Antrags verlacht.

Dass Kurt Gribl mit seinem Gestaltungseifer und seinem Vollkommenheitsanspruch ein taktisches Verhältnis zu bedeutsamen öffentlichen Entscheidungsprozessen entwickelt hat, ist eine Erkenntnis, die man aus dem Kommentar des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs ableiten kann. Politischen Bewegungen aus der Bürgerschaft muss man die Hürde zur Entscheidungspartizipation so niedrig wie möglich hängen. Zielführender als politisches Image-Marketing und das damit verbundene taktische Verhindern eines Bürgerentscheids sind Respekt und Demut bezüglich dieses Instruments des Bürgerwillens.

Das sind die Botschaften des höchsten Bayerischen Verwaltungsgerichts an Kurt Gribl und den Augsburger Stadtrat. Sie sollten sich vor der heutigen Sitzung des Augsburger Stadtrats Asche aufs Haupt streuen und sich bei den betroffenen Bürgern für ihr undemokratisches Vorgehen entschuldigen.