DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
DAZ-Archiv - www.daz-augsburg.de

Augsburg: Natureisflächen sind nicht sicher

Die Augsburger Seen besitzen wegen der anhaltenden Kälteperiode alle eine Eisschicht, die aber nicht sicher trägt. Deshalb sind die Natureisflächen seitens der Stadt nicht zum Betreten freigegeben.

Winteridylle mit brüchigem Eis: Der Augsburger Kuhsee (c) Ruth Plössel/Stadt Augsburg

Winteridylle mit brüchigem Eis: Der Augsburger Kuhsee (c) Ruth Plössel/Stadt Augsburg


„Beim Betreten der Eisflächen besteht Lebensgefahr!“, so Marco Greiner, Pressesprecher und Einsatzleiter der Kreiswasserwacht Augsburg-Stadt. „Eine offizielle Freigabe kann nicht erfolgen, da eine stabile Eisdecke von vielen, nicht zuverlässig zu kalkulierenden Faktoren abhängt“, sagt der Experte. Bereits am Wochenende sei am Kuhsee eine Frau eingebrochen – zum Glück in knietiefes Wasser in Ufernähe, so dass sie sich selbst befreien konnte. Wer trotz offizieller Warnungen aufs Eis geht und einbricht, soll laut um Hilfe rufen und sich so wenig wie möglich bewegen, um nicht so schnell auszukühlen, so der Rat der Wasserwacht. Passanten, die einen Unfall beobachten, sollen sofort die Notrufnummer 112 währen und versuchen, die eingebrochene Person zu beruhigen. Wenn möglich, kann die eingebrochene Person auch mithilfe von Rettungsringen, Leitern, Ästen oder Abschleppseilen an Land gezogen werden.

Umweltreferent Reiner Erben warnt ebenfalls davor, die Minusgrade für einen Spaziergang auf dem Eis zu nutzen. „Ich appelliere an die Augsburger Bevölkerung, gerade wenn laut Wetterbericht die Temperaturen am Wochenende wieder ansteigen, die Eisflächen nicht zu betreten und vor allem auch Kinder und Jugendliche zu warnen“, so Erben.

Während der Eissaison sind die Wasserwachtstationen am Kuhsee, am Autobahnsee und am Bergheimer Baggersee samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr mit einer Eiswache besetzt. Wasserwacht-Sprecher Marco Greiner empfiehlt, ins Eisstadion oder auf künstlich angelegte Eisflächen zu gehen. In Augsburg stehen Kufensportler die Eishalle Haunstetten und die Bahn II des Curt-Frenzel-Stadions zur Verfügung.



Brechtfestival 2017: „Ändere die Welt, sie braucht es“

Die ganze Spielzeit schon bemüht sich das Theater um Schadensbegrenzung, erkundet Spielstätten, improvisiert, zaubert Möglichkeiten aus dem Nichts. Auch das Brechtfestival 2017, das vom 3. bis zum 12. März stattfindet, hatte eigentlich andere Prämissen, als der damals (zunächst für ein Jahr) designierte Leiter Patrick Wengenroth sein Programmkonzept erarbeitete. Nun ist alles anders, Kreativität ist gefordert und die wichtigste Kunst ist die der Improvisation.

Von Halrun Reinholz

...

Programmvorstellung: Patrick Wengenroth, Selcuk Cara, Thomas Weitzel (v.l) (c) DAZ


„Wir müssen jonglieren“, wird  der Festivalleiter in der AZ zitiert. Auf der Pressekonferenz zur Programmvorstellung des Festivals relativiert er diese Aussage mit positiver Gelassenheit: „Wir dürfen jonglieren.“ Denn bei allen Widrigkeiten sieht ein Künstler wie Patrick Wengenroth auch immer eine Chance. „Nie hätte ich so viele Orte in Augsburg kennengelernt, wenn das Große Haus verfügbar gewesen wäre.“ Auch wieder wahr. Entspannte Atmosphäre also bei der Vorstellung des Festivalprogramms, vielleicht auch den Räumlichkeiten geschuldet: Das sensemble-Theater steht für die freie Theaterszene und stellt mit seiner Bar den passenden Ort für die erste Pressekonferenz des neuen Brechtfestivals. Festivalleiter Wengenroth liegt sichtlich daran, die Zusammenarbeit mit den Akteuren der lokalen Kulturszene in den Vordergrund zu stellen. Er betont, dass es ein Festival der Augsburger sei und erst in zweiter Linie ein Magnet für Publikum von außen – zum Beispiel aus München. Eine wichtige Funktion solcher Festivals sieht er auch für die Künstler, die sich aus diesen  Anlässen begegnen, austauschen und vernetzen können.

„Maßnahme“ mit Bezug zur Aktualität

Nun, die Brecht-Prominenz, die man unter Joachim Langs Leitung in schöner Regelmäßigkeit in Augsburg begrüßen konnte, wird diesmal nicht da sein. Die Brecht-Revue ist eine Eigenproduktion des Theaters unter der Regie von Wengenroth, der nebenbei auch noch als Bühnenbildner und Darsteller fungiert. Eine weitere Eigenproduktion wird „Die Maßnahme“ sein, Bereits zweimal vor überschaubarer Zeit beim Brechtfestival Langs aufgeführt. Doch Regisseur Selcuk Cara erläutert überzeugend, warum er ausgerechnet dieses Stück machen wollte. Drei aktuelle Ereignisse sieht er als Anlass dafür, den Konflikt zwischen individuellem und globalem Interesse an einer Sache zu thematisieren: Da wäre erstens das Reformationsjubiläum, zweitens die Flüchtlingskrise und drittens Bertolt Brecht und seine politische Haltung. Alles Ansätze für die Veranschaulichung des Gedankens, wie er in der „Maßnahme“ durchgespielt wird – nämlich, dass die „große“ Sache Opfer fordert und das „kleine“ Mitleid mit Einzelschicksalen dem entgegen steht. Der ausgebildete Opernsänger und erfahrene Film- und Musiktheaterregisseur sieht in dieser Regiearbeit eine besondere Herausforderung.  „Wenn ich hier versage, versage ich nicht nur als Regisseur,  sondern als Mensch“, verkündet er etwas pathetisch. Man darf gespannt sein.

Schwerpunkte: Walter Benjamin und der Feminismus

Eine weitere Eigenproduktion fokussiert einen der thematischen Schwerpunkte des Brechtfestivals 2017: Brechts Verhältnis zu Walter Benjamin. Unter der wissenschaftlichen Beratung von Prof. Dr. Erdmut Wizisla, Leiter des Brecht- und des Benjamin-Archivs in Berlin, entstand in Kooperation mit der Akademie der Künste Berlin die „theatralische Versuchsanordnung“ auf den Spuren der beiden herausragenden Persönlichkeiten ihrer Zeit, die 1931 die gemeinsame Herausgabe der Zeitschrift „Krise und Kritik“ planten. Entsprechend heißt die musikalisch-theatralische Produktion. „Krise ist immer.“ Zum Thema Brecht und Benjamin bietet das Festival außerdem noch eine von Prof. Wizisla betreute Werkstatt unter dem Motto „Laboratorium der Vielseitigkeit“ im sensemble Theater an. Ein weiterer Themenschwerpunkt des Festivals ist die Auseinandersetzung mit dem Feminismus. Unter dem Motto „Feminismus ist für alle da“ wird sich ein Thementag am  5. März mit Lesungen,  Gesprächen und Performances  über „Feminismus und Chauvinismus, Frauen und Männer, Gender und Gesellschaft“ auslassen.

Brecht kommt selbst zu Wort

Leider war es ohne die entsprechende Spielstätte nicht möglich, große Theaterproduktionen als Gastspiele einzuladen. Dennoch hat der Festivalleiter einige interessante Kooperationsprojekte ins Programm gesetzt. Hervorzuheben ist die niederländische Produktion „Gas. Plädoyer einer verurteilten Mutter“. Eine Produktion, die mit deutschen Übertiteln aufgeführt wird. Und dann ein ungewöhnliches Projekt aus Berlin mit prominenten Gästen (Eva Mattes, Cornelia Kempers, Meriam Abbas): „Der gute Mensch von Downtown“. Kinder mit Down-Syndrom agieren auf der Bühne und erzählen eine Geschichte, die inspiriert ist von „Brecht und der Bibel, von alten Quellen und neuen Katastrophen“. Brecht im Orginal kann man auch bei den „Svendborger Gedichten“ erleben. Die Produktion der bluespots productions war mit diesem deutsch-dänischen Projekt schon in Dänemark sehr erfolgreich. Die Deutschlandpremiere erfolgt nun im Rahmen des Brechtfestivals. Auch im Gastspiel von Konstantin Wecker im Rahmen der langen Brechtnacht kommt der Dichter wohl im mehr oder  weniger selbst verfremdeten Original  zu Wort.

Präsenz zeigt bei dem Festival auch wieder die Brecht-Forschung: Die entsprechende Forschungsstätte in der Staatsbibliothek integriert die Feier ihres 25jährigen Jubiläums in Form einer Tagung  ins Programm des Brechtfestivals. Namhafte internationale Brechtforscher werden sich unter der Moderation von Prof. Dr. Andrea Bartl zwei Tage lang über „Brecht zwischen Tradition und Moderne“ austauschen. Publikumswirksamer könnte der von Prof. Dr. Joachim Lucchesi präsentierte Diskurs zur Dreigroschenoper ausfallen: „Damit die Spießer etwas Kühnes lesen“. Iris Marie Kotzian (Gesang) und Stephanie Knauer (Klavier) werden die Theorie mit Liedern aus der Dreigroschenoper begleiten.

Fazit: Neu und doch vertraut

Vertrautes wie die lange Brechtnacht gibt es auch in diesem Jahr wie gehabt, mit vielen Spannung verheißenden Programmpunkten an teilweise ungewohnten Orten. Das bringt das Improvisieren so mit sich, in dem Fall aber sicher nicht zum Nachteil des Festivals. Ein ergrauter Programmpunkt ist auch der Poetry Slam „Poetry- Dead or Alive?“, der, kuratiert von Lydia Daher und Girisha Fernando, in bekannter Manier als Wettbewerb zwischen fünf Slammern und fünf Schauspielern in historischen Rollen stattfinden. Für die Zielgruppe Kinder/Jugendliche gibt es spezifische Angebote, von einer Schüler-Schreibwerkstatt bis hin zum internationalen Jugendtheaterprojekt „Das Brot des Volkes“ zum Themas „Gerechtigkeit“, das im sensemble Theater realisiert wird. Was es diesmal nicht geben wird, ist eine „Festival-Zentrale“ im klassischen Sinn, doch für die Festivalzeit wird der Hoffmannkeller zum „Brechtkeller“, wo Premierenfeiern stattfinden oder man sich nach den Veranstaltungen zu Begegnungen und Gesprächen treffen kann.

Viel Neues an der Brechtfront,  doch Patrick Wengenroth ist eher behutsam mit dem gewohnten Format von Joachim Lang umgegangen. Das war klug, denn vieles hatte sich bewährt und die prekäre Raumsituation ist für ein revolutionäres Neukonzept auch eher wenig geeignet. Was sich der Festivalleiter für sein Publikum wünscht? Es soll nach dem Festival sagen: „Es war anstrengend, aber es hat mir was gebracht.“ Per aspera ad astra. Man darf gespannt sein.

Alle Informationen zum Brechtfestival 2017 vom 3.-12.3. 2017 und das komplette Programm unter www.brechtfestival.de



Friedensrede: Christian Wulff spricht über Demokratie

»Demokratie braucht persönliche Bekenntnisse: Damit Zusammenleben gelingt!« Unter dieser Prämisse spricht Christian Wulff – Bundespräsident a.D. – auf Einladung des Friedensbüros und Kooperationspartnern am Mittwoch, den 25.1.2017, im Rahmen der Reihe »Augsburger Reden zu Vielfalt und Frieden in der Stadtgesellschaft« im Augsburger Rathaus.

Christian Wulff (c) Laurence Chaperon

»Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.« Mit dieser Aussage in seiner Bremer Rede zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit sorgte Christian Wulff 2010 für kontroverse Diskussionen. Diskussionen, die bis in die Gegenwart nicht an Brisanz verloren haben. Wulff hatte sich in seinen Ämtern als Ministerpräsident von Niedersachsen und später als Bundespräsident stets um Fragen der Integration und des Dialogs der Religionen bemüht. Ein guter Grund, ihn in die Friedensstadt Augsburg einzuladen.

Als diesjähriger “Friedensredner” spricht der Alt-Bundespräsident über Demokratie und Zusammenleben. Die Moderation des Gesprächs übernimmt Prof. Dr. Matthias Rossi, Lehrstuhl für Staats- und Verwaltungsrecht, Europarecht sowie Gesetzgebungslehre der Universität Augsburg. »Wie können wir unser Zusammenleben in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt so gestalten, dass die Rechte aller gewahrt werden? Wie können wir mit Dynamiken umgehen, die unsere Gesellschaften radikal verändern, ohne Werte und Richtung zu verlieren? Frieden, Freiheit und die Möglichkeit zu einem Leben in Würde sind keine Selbstverständlichkeit. Sie müssen immer wieder aufs Neue errungen werden.« Um dieses Ringen, von dem Wulff hier spricht, wird es auch am 25. Januar im Augsburger Rathaus gehen.

Die Vortragsreihe »Augsburger Reden« widmet sich aktuellen Themen der Vielfalt in der Friedensstadt Augsburg. Die Vorträge möchten das Verständnis für aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen fördern und mögliche Handlungsoptionen beleuchten. Es sprachen im Rahmen der Reihe bisher u.a. Mark Terkessidis, Navid Kermani, Gesine Schwan, Wilhelm Heitmeyer, Ilya Trojanow und Armin Laschet. Im Reformationsjahr 2017 steht die Vortragsreihe gemeinsam mit weiteren Veranstaltungen und mehreren Partnern im Zeichen des Mottos „Mutig bekennen, friedlich streiten.“ Das Gesamt-Programm »500 Jahre Reformation« finden Sie unter www.reformation2017augsburg.de.

»Demokratie braucht persönliche Bekenntnisse: Damit Zusammenleben gelingt!« Vortrag und Gespräch mit Christian Wulff. Moderation: Prof. Dr. Matthias Rossi, Universität Augsburg. Mittwoch, 25.01.2017, 19.00 Uhr (Einlass 18.15 Uhr), Rathaus Goldener Saal. Karten (5/3 Euro) in der Bürgerinfo am Rathausplatz, im AnnaPunkt und im Taschenbuchladen Krüger (Färbergäßchen 1).



Niemand vergessen: Gedenkveranstaltung zum 27. Januar

Zum Gedenken an die Opfer des NS-Staats findet am kommenden Freitag, den 27.1.2017 im Oberen Fletz des Augsburger Rathauses um 18.00 Uhr eine öffentliche Veranstaltung statt.

Wie schon in den beiden vergangenen Jahren werden Schüler von Augsburger Schulen Lebensgeschichten von Menschen vorstellen, die von den nationalsozialistischen Machthabern verfolgt und ums Leben gebracht wurden. Diese Opfer-Biografien haben die Schülerinnen und Schüler sowie andere ehrenamtliche Autoren unter Anleitung der ErinnerungsWerkstatt erforscht und verfasst. Bürgermeisterin Eva Weber wird bei der Gedenkfeier dabei sein und ein Grußwort sprechen. Schüler des Gymnasiums bei St. Stephan werden die Feier musikalisch umrahmen.

Seit fünf Jahren arbeitet die ErinnerungsWerkstatt daran, die Lebensgeschichten von Opfern rassistischer Verfolgung wie Juden, Sinti und Roma, von Opfern aus dem politischen Widerstand und von Opfern der Euthanasie, medizinischer Experimente und Zwangssterilisation zu erforschen und  zu dokumentieren. Diese Biografien werden in einem Online-Gedenkbuch versammelt, und in diesem Jahr ist es nun soweit: Mit Hilfe von Spendern und großem ehrenamtlichen Einsatz ist das Online-Gedenkbuch für die Augsburger NS-Opfer erstellt worden, und nun kann es benutzt werden.

Gleichzeitig arbeitet die ErinnerungsWerkstatt mit anderen Initiativen und dem Kulturreferat daran, an die NS-Opfer auch mit Erinnerungszeichen im Stadtraum zu erinnern. In einem mehrjährigen Diskussionsprozess ist es gelungen, dafür einen Weg zu finden: Der „Augsburger Weg“ der Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes wurde mit vielen Beteiligten und Betroffenen entwickelt und ermöglicht es, neben den aus vielen Gemeinden bekannten „Stolpersteinen“ auch “Erinnerungsbänder” im öffentlichen Raum anzubringen. Die Stolpersteine werden im Boden verlegt, während bei den Erinnerungsbändern um bestehende Objekte im Straßenraum, wie z.B. Laternenmasten, beschriftete Metall-Manschetten gelegt werden.

Die systematische Ermordung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten verbindet sich mit keinem Ort so sehr wie dem Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Das Datum der Befreiung des Lagers durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 erklärten die Vereinten Nationen 2005 zum offiziellen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus.

Zum Abschluss der Veranstaltung werden für die NS-Opfer in der Gedenkstätte im Unteren Fletz des Rathauses Blumen niedergelegt. Die Veranstalter weisen darauf hin, dass Besucher zu diesem Zweck Blumen mitbringen können.