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Stadttheater: Darf es ein wenig politisch sein?

Am kommenden Donnerstag findet im Zeughaus ein möglicherweise interessanter Vortrag des künftigen Augsburger Theaterintendanten statt. André Bücker wird über die politischen Möglichkeiten der Stadt- und Staatstheater sprechen.

André Bücker

André Bücker


Als die RAF noch mordete und Claus Peymann Schauspielintendant am Stuttgarter Staatstheater war, hatte ihn 1977 ein Bittschreiben der Mutter von Gudrun Ensslin erreicht und Peymann reagierte. Es ging darum, Geld für eine Zahnbehandlung der RAF-Terroristin zu spenden. Ensslin saß als “politisch Gefangene” in Stammheim. Peymann hing das Bittschreiben ans Schwarze Brett des Staatstheaters und spendete selbst 100 Mark. Die mediale Wirkung war enorm und und Peymann erhielt rund 600 Schmähbriefe und Morddrohungen. Film- und Theaterregisseur Werner Schroeter, kurz zuvor in Berlin mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet, wollte 1980 in Augsburg (!) die Oper „Salome“ von Richard Strauss inszenieren, doch zur Premiere kam es nicht, weil Schroeter in einem Interview mit der ZEIT spaßeshalber vorschlug, den damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß mit einem Weißwurstbömbchen zu füttern. “Geistiger Terrorismus” lautete der Vorwurf. 1985 verhinderte die Jüdische Gemeinde in Frankfurt die Premiere von Fassbinders “Der Müll, die Stadt und der Tod”: “subventionierter Antisemitismus” lautete der Vorwurf. Da den subventionierten Repräsentationsbühnen keine politische Agitation und somit keine Einmischung möglich war, bildete die Off-Szene immer deutlicher die notwendige Gegenöffentlichkeit ab. Stadt- und Staatstheater waren und sind mit ihren Programmen für eine spezielle bürgerliche Unterhaltungsform zuständig, auch wenn zwischendrin eine spektakuläre Destruktion auf der Tagesordnung steht.

Der künftige Augsburger Theaterintendant André Bücker soll nun am kommenden Donnerstag im Auftrag der Volkshochschule die ernstgemeinte Frage beantworten, wie politisch und wie widerständig ein Theater sein darf: “Darf ein Stadttheater in gesellschaftlichen Debatten einen expliziten eigenen Standpunkt vertreten oder beißt es damit die öffentliche Hand, die es füttert? Können Hochkultur und subversive Aktion unter einem Dach stattfinden? Und was hat eine Stadtgesellschaft davon?”

So die Fragen, die Bücker abarbeiten soll. André Bücker studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Geschichte und Philosophie in Bochum. Zuletzt (2009 – 2015) war er Generalintendant des Anhaltischen Theaters Dessau. Ab der Spielzeit 2017/18 ist André Bücker Intendant des Theater Augsburg. Sein Vortrag findet am Donnerstag, den 12.01.2017, ab 17.00 Uhr im Zeughaus (Filmsaal) statt. Eintritt: 5 Euro an der Abendkasse.



Toccaten und Tänze: Sinfoniekonzert mit slawischem Akzent

Unter der Leitung von Lancelot Fuhry und mit dem Solopianisten Severin von Eckardstein richteten die Philharmoniker im ersten Konzert des neuen Jahres ihren Blick in den slawischen  Osten

Von Halrun Reinholz

Lancelot Fuhry (c) Theater Augsburg

Etwas irreführend die Überschrift des Konzertabends: Toccaten und Tänze. Das ließe eher auf ein barockes Programm schließen, doch davon konnte beim ersten Konzertabend des neuen Jahres keine Rede sein. Namen wie Prokofjew und Dvorak  weisen eher auf Spätromantik bis Moderne, vor allem aber auf das östliche (slawische) Europa. Als Einführung kam jedoch ein eher unbekanntes Werk, die „Studie für Streichorchester“ von Pavel Haas. Auch dessen Vorname mutet nicht zufällig slawisch an. Das Orchesterwerk hat er im KZ Theresienstadt  geschrieben, wohin der tschechische Jude zusammen mit etlichen anderen Künstlern 1941 deportiert wurde. Nicht von ungefähr, denn in  diesem Vorzeige-KZ wurde  ein Kulturleben (Theateraufführungen, Konzerte usw.) von den Nazis zunächst geduldet und sogar gefördert. Schließlich entstand daraus ein Propagandafilm, der das „jüdische Siedlungsgebiet“ für die deutsche Bevölkerung als Idylle mit Kulturfreiheit inszenierte.  Die meisten der Künstler, auch Pavel Haas, kamen später nach Auschwitz und wurden dort getötet. Der Dirigent der Uraufführung, Karl Ancerl, war einer der wenigen KZ-Überlebenden. Er sorgte nach Kriegsende dafür, dass die „Studie für Streichorchester“ und andere Werke von Pavel Haas wieder rekonstruiert und aufgeführt werden konnten. Es ist unter den Umständen der Entstehung nicht verwunderlich, dass das Werk heimatliche (Volksmusik-)Töne mit Melancholie, aber auch dem Naturell des Komponisten entsprechenden Zukunftsoptimismus anklingen lässt.

Severin von Eckardstein (c) Irène Zandel

Für das dritte Violinkonzert von Sergei Prokofjew hatten die Augsburger Philharmoniker den Solopianisten Severin von Eckardstein eingeladen. Der Echo Klassik-Preisträger 2003 zählt zu den bedeutendsten Pianisten der jüngeren Generation (geboren 1978). Das russische Repertoire ist ihm nicht fremd, was er dem Augsburger Publikum eindrucksvoll bewies. Unaufgeregte Leichtigkeit gipfelten im Einklang  mit dem Orchester in einem temperamentvollen  Finale. Als Zugabe spielte der Pianist noch ein Stück aus Prokofjews Klaviersuite Romeo und Julia.

Im zweiten Teil des Konzerts widmete sich Lancelot Fuhry den böhmischen Klängen aus Dvoraks Sinfonie Nr. 6. Heiterkeit und Frohsinn versprühen die Werke dieser „slawischen Periode“ des Komponisten – wie die böhmischen Volks- und Tanzmelodien, die er dafür verwendet. Dies war wohl in der Zeit der aufkommenden nationalen Strömungen in der Donaumonarchie nicht immer unproblematisch, denn die in Wien mit den Wiener Philharmonikern geplante Uraufführung  wurde mit fadenscheinigen Begründungen verschoben und konnte erst im kommenden Jahr in Prag stattfinden. Rücksicht auf „antitschechische Tendenzen“ wird heute vermutet. Politisch korrekter Zeitgeist ist nichts Neues. Mit diesem Konzert trat der erste Kapellmeister Lancelot Fuhry zum neuen Jahr nach längerer Zeit wieder vor das Augsburger Konzertpublikum. Als „Platzhalter“ und Interims-Intendant in der Zeit der Intendantensuche hat er sich bei den Zuschauern mit seiner zurückhaltenden Art angenehm eingeprägt. Entsprechend herzlich und anhaltend war der Schlussapplaus für ihn.



„Damit Zusammleben gelingt!“ Vortrag von Christian Wulff

Im Rahmen der Reihe „Augsburger Reden zu Vielfalt und Frieden in der Stadtgesellschaft“ spricht Bundespräsident a. D. Christian Wulff am 25.01.2017 im Augsburger Rathaus.

Vom ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff ist der breiten Öffentlichkeit vor allem die reduzierte Aussage „Der Islam gehört zu Deutschland“ hängen geblieben. Vielfach wurde er dafür angefeindet. Nun kommt er auf Einladung des Friedensbüros nach Augsburg, um zu dem Thema „Demokratie braucht persönliche Bekenntnisse: Damit Zusammenleben gelingt!“ zu sprechen. Wulff hatte sich in seinen Ämtern als Ministerpräsident von Niedersachsen und später als Bundespräsident stets um Fragen der Integration und des Dialogs der Religionen bemüht. Für die vom Friedensbüro der Stadt Augsburg veranstaltete Reihe „Augsburger Reden zu Vielfalt und Frieden in der Stadtgesellschaft“ ist er deshalb Gast. Wulff wird über das Ringen um Frieden, Freiheit und Würde sprechen, das in einer sich radikal verändernden Welt und Gesellschaft immer wieder notwendig sei. Das Gespräch moderieren wird Prof. Dr. Matthias Rossi vom Lehrstuhl für Staats- und Verwaltungsrecht, Europarecht sowie Gesetzgebungslehre der Universität Augsburg.

Die Vortragsreihe »Augsburger Reden« widmet sich aktuellen Themen und soll  das Verständnis für aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen fördern und mögliche Handlungsoptionen beleuchten. Es sprachen im Rahmen der Reihe bisher u.a. Mark Terkessidis, Navid Kermani, Gesine Schwan, Wilhelm Heitmeyer, Ilya Trojanow und Armin Laschet. In diesem Jahr steht die Vortragsreihe im Zeichen des Reformationsjubiläums.

Demokratie braucht persönliche Bekenntnisse: Damit Zusammenleben gelingt! Vortrag und Gespräch mit Christian Wulff. Moderation: Prof. Dr. Matthias Rossi, Universität Augsburg. Datum/Uhrzeit: Mittwoch, 25.01.2017, 19.00 Uhr. Ort: Rathaus Augsburg, Goldener Saal. Karten: Abendkasse: 5/3 Euro (erm.), mit Vorlage des Kultursozialtickets 1 Euro.

Karten gibt es in der Bürgerinfo am Rathausplatz, im AnnaPunkt und im Taschenbuchladen Krüger (Färbergäßchen 1)





Stadtrat: Mehr Transparenz für Bürger

Im Januar 2017 soll das neue Bürgerinformationssystem der Stadt Augsburg online gehen. Für politisch interessierte Bürger stellt diese Änderung einen Quantensprung in Sachen Information dar.

Oliver Nowak

Oliver Nowak


Während sich früher interessierte Bürger persönlich zur Verwaltung des Ratsdienstes begeben mussten, um Unterlagen des Stadtrates einzusehen, genügt bald ein Klick im Internet. Bisher war lediglich die Tagesordnung der Stadtratssitzungen auf der Website der Stadt Augsburg einsehbar. Zukünftig steht die Informationsplattform ALLRIS allen Interessierten offen, die in die Unterlagen des Stadtrates noch vor den Sitzungen Einsicht nehmen wollen. Beschlussvorlagen mit Anlagen (d.h. sämtliche öffentliche Informationen, die auch den Stadträten zur Entscheidungsfindung vorliegen und die schriftlichen Anträge der Fraktionen und Stadträte) und Abstimmungsergebnisse sind ab sofort einsehbar. Auch die in nichtöffentlicher Sitzung gefassten Beschlüsse werden nun bekanntgegeben, sobald die Gründe für die Geheimhaltung weggefallen sind.

Zu diesen Neuerungen in Sachen Bürgernähe und Transparenz trug u.a. der Polit-WG-Stadtrat Oliver Nowak bei. Die Erhöhung der Transparenz von Verwaltungsabläufen war ein zentrales Wahlkampfziel der Polit-WG. Nowak sieht immer noch Luft nach oben: „Einen weiteren Schritt voran zu mehr Transparenz könnte der Stadtrat gehen, wenn er die Geheimhaltung bei Aufsichtsratssitzungen kommunaler Unternehmen abbauen würde.“ Laut Nowak werde hier unter Umständen städtische Geschäftspolitik verschleiert. Der rechtliche Rahmen lasse hier noch Spielraum für mehr Öffentlichkeit.





Augsburger Ausrufezeichen gegen Abschiebungen nach Afghanistan

Knapp 400 Menschen folgten am vergangenen Samstag dem Aufruf des Augsburger Flüchtlingsrats und protestierten trotz Eiseskälte gegen die Abschiebewelle nach Afghanistan. Der Augsburger Flüchtlingsrat forderte die Bundesregierung auf, Abschiebungen nach Afghanistan sofort zu stoppen und die internationalen Schutzverpflichtungen gegenüber Menschen, die vor Krieg und Terror geflohen sind, zu erfüllen.