DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
DAZ-Archiv - www.daz-augsburg.de

Barocke Pracht: Mehr als nur ein Katalog für die Sammlung im Schaezlerpalais

Schon als Gebäude ist das Schaezlerpalais ein imposanter Blickfang. Die städtischen Kunstsammlungen zeigen hier vor allem Gemälde des Barock, die mit der Inneneinrichtung stimmig harmonieren. Nun gibt es seit kurzem auch einen prächtigen und umfangreichen Katalog für die „Deutsche Barockgalerie im Schaezlerpalais“

Von Halrun Reinholz

In bester städtischer Lage befindet sich das Rokokopalais, das der Stadt von der Familie Schaezler mit der Auflage kultureller Nutzung gestiftet wurde. So haben die städtischen Kunstsammlungen nun schon seit mehreren Jahrzehnten einen stilvollen Rahmen für die Unterbringung einer der bedeutendsten Sammlungen deutscher Barockmalerei in Bayern. Passender Rahmen dafür ist die  gut 100 Meter lange Zimmerflucht des sich weit nach hinten ziehenden Gebäudes, die im ersten Stock auf den grandiosen Rokoko-Festsaal zuläuft.

Ein zeitgemäßer Katalog des Bestandes war längst überfällig. Der letzte war in einer überarbeiteten Fassung 1984 erschienen und dokumentierte auf kleinem Format die Situation Anfang der  1980er Jahre mit Schwarz-Weiß-Bildern auf dem technischen Stand der Zeit. Der neue, über 400 Seiten starke großformatige Katalog zeigt nun die derzeit ausgestellten Werke nicht nur vollständig, sondern auch ansprechend präsentiert und mit detaillierten fachlichen Erläuterungen. Zu jedem Werk gibt es eine Dokumentation der Provenienz, eine Auflistung von Literaturangaben und einen umfangreichen Beschreibungstext.

Selbstportraits J. U. Mayr (c) Bea Breunig

Über diesen reinen Katalogtext hinaus haben sich die Herausgeber (Christof Trepesch, der Leiter der städtischen Kunstsammlungen mit seinen Mitarbeitern) die Chance zunutze gemacht, auch das bemerkenswerte Gebäude und dessen Historie zu dokumentieren. Handelt es sich doch um „das bedeutendste und am besten erhaltene private Wohn- und Geschäftshaus des 18. Jahrhunderts in Augsburg“, das auch über einen bemerkenswerten und als Geheimtipp gern besuchten Stadtgarten verfügt. Der Silberhändler und Bankier Benedikt Adam Liebert, Edler von Liebenhofen, war einige Jahre vor der Errichtung seines Stradtpalais  in den Reichsadelsstand und damit auch ins Augsburger Patriziat erhoben worden. Diesem Status entsprechend sparte er weder Kosten noch Mühe, um seine Bedeutung im Stadtbild sichtbar zu machen. Das Sulzersche Haus am Weinmarkt, Geburtshaus der Philippine Welser, hatte die ideale Lage dafür, es wurde sorgsam (unter teilweiser Bewahrung der Vorgängerbauten) von namhaften Künstlern der Baubranche  neu gestaltet. Baron von Liebenhofen hatte gute Kontakte zum Münchner Hof und beschäftigte die besten Kräfte für die repräsentative Prachtentfaltung an seinem Palais.  Der beauftragte Architekt Karl Albert von Lespillez war ein Schüler des Münchner Stararchitekten  Francois Cuvillés. Mit der Ausstattung wurden namhafte Künstler beauftragt: Gregorio Guglielmi (der auch in Schönbrunn gearbeitet hat) für die Deckenfresken, die Brüder Franz Xaver und Simpert Feichtmayr für den Stuck, der Bildhauer Placidus Verhelst für die Schnitzarbeiten und dessen Schwager Joseph Christ für die Supraporten. Als besonderen PR-Gag ließ der ehrgeizige Baron den repräsentativen Rokoko-Festsaal von einem prominenten Gast einweihen: Marie Antoinette, Tochter der Kaiserin Maria Theresia, machte auf ihrer Brautfahrt von Wien nach Paris in Augsburg Station und nahm an einem eigens für sie ausgerichteten Festbankett im eilends fertiggestellten Festsaal  des Palais Liebenhofen teil.  Christof Trepesch widmet der Geschichte des Schaezlerpalais  und dessen Nutzung eine ausführliche Dokumentation mit historischem Bildmaterial.

Speisesaal Schaezlerpalais (c) Bea Breunig

Ein eigener Artikel von Julia Klein gilt den auffälligen Supraporten, die ja gleichzeitig auch Teile der Ausstellung sind. Entsprechend der höfischen Mode der Zeit,  sind Zeichen einer Raumdekoration, die den neuen Adelsstand des Bauherren demonstrieren sollten. Im ersten Stock sind Szenen aus Ovids „Metamorphosen“ dargestellt, im zweiten Stock Ereignisse aus der Augsburger Stadtgeschichte.  Technisch sind die Supraporten als „Ton-in-Ton-Malerei“ gefertigt, wobei die Farben an die jeweilige Raumfarbe angepasst sind. Sie schmücken den Platz über den Türen und inszenieren gleichzeitig den Blick in die Raumflucht.

Portrait Jakobine Barbara Mayer (c) Bea Breunig

Mit fundierten kunsthistorischen „Anmerkungen zur deutschen Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts“ ergänzt Josef Strasser den Textteil des Katalogs. Dass sich dieser zeitliche Schwerpunkt für die Augsburger Kunstsammlungen ergab, hat mit dem Vermächtnis des Hofrats Sigmund Röhrer zu tun, der dem Museum 1924 eine bedeutende Anzahl Kunstwerke hinterließ. Durch Ankäufe, Stiftungen und Leihgaben wurde die Sammlung ergänzt. Schwerpunkt ist Malerei aus Augsburg, doch war im 17. Jahrhundert Augsburg eines der wichtigen Zentren der bildenden Kunst in Süddeutschland mit weiter Ausstrahlung und Rezeption der Strömungen der Zeit. Insofern bietet die Sammlung einen repräsentativen Einblick in die Malkunst des 17. Und 18. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich.

Außer dem aktuellen Stand dokumentiert der Band auch alle Ausstellungen, die in dem Haus im seit 1945  zu sehen waren. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis, ein Abbildungs- und ein Personenregister erleichtern die Orientierung in dem in jeder Hinsicht gewichtigen Buch. Doch vor allem hält man einen wunderbaren Bildband in hervorragender Druckqualität in Händen, der schon beim Durchblättern Lust auf die Originale der Kunstsammlungen macht.

Christof Trepesch (Hrsg.): Die Deutsche Barockgalerie im Schaezlerpalais. Meisterwerke der Augsburger Sammlung. Deutscher Kunstverlag Berlin München 2016. 416 Seiten, 58,00 €