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Bundesliga: Sitzen die 18 besten Trainer im Karussell der Träume?

Der FC Bayern München hat sich Trainer geleistet, die man als „Irrtum” bezeichnen muss. Louis van Gaal und Pep Guardiola zum Beispiel wurden nicht geholt, um die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen. Ob sich mit Carlo Ancelotti der dritte Welttrainer zu höheren Weihen aufschwingt, wird sich zeigen. Bei den Münchnern steht jeder Trainer sehr lange auf einem hohen Schild. Das ist nicht überall so.

Von Siegfried Zagler

Frauenländerspiel 1957 im Rosenausstadion

Frauenländerspiel 1957 im Rosenaustadion


Das leicht in die Irre führende Kompositum „Trainerkarussell“ löst bei vielen Freunden des Fußballsports eine postfaktische Vorstellung aus. Dass Trainer innerhalb der Bundesliga die Vereine wechseln wie Kinder die Karussell-Figuren ist nämlich längst passé. Der langjährige Bundesligatrainer Dieter Hecking wird vom VfL Wolfsburg freigestellt und ist wenige Tage später Cheftrainer in Mönchengladbach. Bruno Labbadia wird beim HSV von Markus Gisdol ersetzt: Klassische Vorgänge auf der Vorstellungsebene „Trainerkarussel“ sind in der Bundesliga Ereignisse mit Seltenheitswert geworden. Von den sieben Trainerwechseln der laufenden Saison folgen nur diese beiden dem klassischen Muster.

Das könnte möglicherweise damit zu tun haben, dass der deutsche Fußball einen Quantensprung vollzog, indem er neben der Physis die taktische Schulung zur Hauptsache entwickelt hat. Diese Relevanzverschiebung hat dafür gesorgt, dass sich das Anforderungsprofil der deutschen Spitzentrainer dramatisch verändert hat. Den jüngeren Trainern, frisch geschult und im Jugendbereich erfolgreich tätig, traut man in Sachen Taktik offenbar mehr zu als respektablen Persönlichkeiten, die seit vielen Jahren im Geschäft sind und mit der Redundanz ihrer Plattitüden nicht mehr den Eindruck hinterlassen, als besäßen sie jene  Erkenntnistiefen, die ihre Millionengehälter rechtfertigen würden.

Das führte dazu, dass sich das Karussell der Trainer von Jahr zu Jahr schneller drehte, sodass zahlreiche “Alttrainer” hinausgeschleudert wurden, ohne dass sie die Chance bekamen, wieder ins Karussell zurückzuspringen: Daum, Vogts, Klinsmann, Skibbe, Magath, Rapolder, Babbel, Slomka, Stanislawski, Zorniger, Veh, Breitenreiter, Schaaf, Keller, Skripnik u.v.m. sind ehemalige Trainerpersönlichkeiten, für die das Bundesliga-Karussell nicht mehr zugänglich ist. Seit gut zwei Wochen sollte auch feststehen, dass Dirk Schuster, immerhin Trainer des Jahres 2016, das Karussell der Träume für immer verlassen hat.

Die Trainer der Bundesliga rotieren längst nicht mehr auf der höchsten Ebene des Systems: Die neuen Trainer kommen aus dem Nichts der zweiten oder dritten Reihe. Newcomer wie Walpurgis, Nouri, Ismael, Dardai, Kovac, Nagelsmann, Stöger, Streich, Martin und Roger Schmidt und schließlich Manuel Baum und Thorsten Frings sind Trainer, die von ihren aktuellen Vereinen zu Bundesligatrainern gemacht wurden, obwohl es auf dem Markt viele erfahrene Bundesligatrainer gegeben hätte. Es mag herzlos klingen, aber das ist ein bedeutsamer Fortschritt. Der Entwicklungssprung des deutschen Fußballs hat u.a. damit zu tun, dass immer besser ausgebildete Trainer das Bundesligageschäft prägen – und der deutsche Fußball sich deshalb in taktischer Hinsicht in den vergangenen Jahren nicht nur im Jugendbereich weiterentwickelte.

Das mag eine steile These sein, die sich aber nur widerlegen ließe, würden plötzlich Magath und Co. zurückkehren – und Erfolge generieren. Trainer sind das Hirn und das Gesicht eines Vereins. Und dennoch sind sie die schwächste Stelle in einem System, das vom Gewinnen und Verlieren lebt, aber zugleich die Illusion hochhält, dass sportliche Erfolge jenseits der Etats mit dem Auswechseln der Trainer zu steuern wären. Der Fußball lebt von Illusionen und schreibt dabei Geschichten, die nicht alle zu verstehen sind. Eine Illusion besteht zum Beispiel darin, dass die besten 18 Trainer derzeit im höchsten Trainerkarussell die Plätze besetzen. Nehmen wir uns zum Jahreswechsel also ein wenig Zeit, um den Trainern der 18 Bundesligaklubs ein paar Sätze zu widmen.

1. FC Bayern München (39 Pkt.): Welttrainer Carlo Ancelotti fordere von seinen Spielern zu wenig, heißt es. Das wird sich in der heißen Phase der Champions League ändern. Carlo Ancelotti ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger der richtige Mann für den FC Bayern.

2. RB Leipzig (36): Ralf Hasenhüttl könnte der nächste Trainer des Jahres sein. Leipzig begeistert mit Hochgeschwindigkeitsfußball. Hasenhüttl ist ein aufregender Impulsgeber für die Liga.

3. Hertha BSC Berlin (30): Einer der wenigen Trainingsanzugstrainer mit Format und hoher Akzeptanz. Seit Pal Dardai für Hertha verantwortlich ist, befindet sich die alte Dame am oberen Limit.

4. Eintracht Frankfurt (29): Nico Kovac hat aus einem Abstiegskandidaten eine formstabile Truppe geschaffen. Mit der zweitbesten Abwehr und einer passablen Angriffsleistung darf man in Frankfurt von Europa träumen. Der akribische Kovac scheint an einem Wunder zu basteln.

5. TSG Hoffenheim (28): Julian Nagelsmann: Neben Hasenhüttl ebenfalls Anwärter auf den Titel „Trainer des Jahres“. Ein Attribut allerdings, das für den 29-jährigen eher eine Herabsetzung darstellen würde: Eine Sensation, ein Hammer, eine neue Welt. In Sinsheim liegt der Nabel des europäischen Fußballs.

6. Borussia Dortmund (27): Tuchel ist in Dortmund nicht beliebt, was erstens damit zu tun hat, dass der Trainingsanzugstrainer Tuchel bei Schalke anheuern wollte und zweitens damit, dass Tuchel an der Pep-Krankheit leidet und eine junge Mannschaft mit irrwitzigen Umstellungen im Lauf des Spiels traktiert. Sollte die Champions League wegbrechen, weht für Tuchel in Dortmund ein eisiger Wind.

7. 1.FC Köln (25): Peter Stöger ist ein Trainer-Riese, der aus einer Fahrstuhlmannschaft eine verschworene Gemeinschaft geformt hat. Köln ist in der Bundesliga wieder eine Hausnummer – dank Stöger, dessen taktische Marschrouten genau auf die Möglichkeiten des Kaders abgezirkelt sind.

8. FC Freiburg (23): Christian Streich gehört zu den großen Dialektsprechern der Republik und wäre dennoch ein Segen für jeden Topverein. Ein leidenschaftlicher Trainer-Riese, der über den Tellerrand denkt.

9. Bayer Leverkusen (21): Nicht Roger Schmidt ist das Problem bei Bayer, sondern Rudi Völler.

10. Mainz 05 (20): Martin Schmidt. Ein richtig guter Trainingsanzugstrainer mit erstklassigen Lesefähigkeiten. Könnte auch bei Real Madrid eine gute Figur abgeben.

11. Schalke 04 (18): Der brave Schwiegersohn-Typ Markus Weinzierl passt zu Schalke wie Markus Lanz zu einer Trash Metal-Band, nämlich gar nicht.

12. FC Augsburg (18): Mit Manuel Baum leistet sich der FCA nach dem teuren wie rätselhaften Schuster-Rauswurf einen kostengünstigen Trainer, der noch keine bewertbare Signatur in der Bundesliga hinterlassen hat. Gegen Gladbach gewann der FCA glücklich, gegen Dortmund standen die Augsburger in den ersten 15 Minuten der zweiten Halbzeit ohne Ordnung auf dem Platz. Dass sie nicht abgeschossen wurden, lag allein an den Dortmundern, die Großchance um Großchance vergaben.

13. VfL Wolfsburg (16): Man wird sich den Namen des aktuellen Trainers nur vorübergehend merken müssen: Valerien Ismael.

14. Borussia Mönchengladbach (16): Dieter Hecking passt zu Gladbach wie die Faust aufs Auge von Dirk Schuster: Ein Volltreffer!

15. Werder Bremen (16): Alexander Nouri. Ein Mann ohne Eigenschaften, wenn man davon absehen könnte, dass er einen Trainerschein hat.

16. Hamburger SV (13): Markus Gisdol hat den Charme eines verschlissenen Turnschuhs und passt gerade deshalb ganz gut zum BL-Dino HSV, der auch in diesem Jahr die Klasse halten wird.

17. FC Ingolstadt (12): Maik Walpurgis ist eine sensationelle Entdeckung und ein Handwerker der Vernunft. Nach Hasenhüttl und Kauczinski der dritte Trainer-Riese bei den Schanzern.

18. SV Darmstadt 98 (8): Die todgeweihten Lilien haben nach einem Griff ins Klo mit Thorsten Frings plötzlich einen Trainer-Gladiator in der Arena. Eine Verzweiflungstat, die den Abstieg nicht verhindern wird.



Vom Räuspern und Lächeln: Max Goldt liest in der Brechtbühne

Seine Kolumnen im Satiremagazin „Titanic“ sind Kult, viele davon finden ihren Weg zwischen Buchdeckel. Mit seinem ausdrucksvollen Vortrag löst der Satiriker beim Augsburger Publikum beschwingte Heiterkeit aus.

Von Halrun Reinholz

Max Goldt (c) Axel Martens

Max Goldt macht nicht viel Aufhebens, er setzt sich hin und liest. Konzentriert und ausdrucksvoll.  Von der Reise nach Katar, auf die er einen Journalisten an Stelle von dessen Ehefrau begleitet. Ein bearbeiteter Text von früher, als Katar den meisten noch kein Begriff war. Präzise Beobachtungen sprachlich meisterhaft formuliert – das zeichnet den Kolumnisten aus und er hält das Niveau durchgehend. Der Schriftsteller liest aus seinem neuesten Buch: „Lippen abwischen und lächeln“, das Texte der Jahre 2003 bis 2014 versammelt. Auf dem Büchertisch fehlt es, das Weihnachtsgeschäft war besser als erwartet. Abwechselnd dazu Texte aus „Räusper“, gelesene Comics, „Dramolette“ , die an Loriot erinnern. Zum Beispiel der Text der Berufsberatung, der junge Frauen vom Medizinstudium abhalten soll. Max Goldts verhaltene Bühnenpräsenz ist es, die die Wirkung seiner Worte noch verstärkt. Die Zuschauer sind mehrheitlich Eingeweihte, kennen die Texte und hören sie gern immer wieder. Doch Max Goldt hat auch Überraschungen parat, neue Texte,  die er geschickt einstreut und seinen Fans präsentiert. Zum Beispiel als Zugabe, die „24 Stunden Radieschen Diät“ – jede Stunde ein Radieschen, doch um 5 Uhr „nur ein halbes, das ist der Trick, denn sonst wird man ganz schön dick“. Satirisch und doch nicht überspannt  – das kann nicht jeder. Max Goldt schon.



Der Maler und Szeneaktivist Siegfried Stiller ist gestern verstorben

Ein Nachruf

Er hat bis zuletzt gekämpft, immer im Bewusstsein, dass er nicht mehr allzu lange in seinem geliebten Atelier arbeiten wird. Seit gestern dringt kein Sound mehr aus seinem Raum, der Geruch nach frischer Farbe fehlt. Am Tag nach Weihnachten ist der Maler und Szeneaktivist Siegfried Stiller, Mann der ersten Stunde im Kulturpark West, politisch engagierter Künstler, enfant terrible der freien Szene, von uns gegangen. Ganz leise, fast unbemerkt hat er am 27.12.2016 aufgehört zu leben – im starken Kontrast zu seinem immer lauten, direkten, unbekümmerten, sich selbst nicht schonenden Einsatz für die freie Kunst und ihre gesellschaftliche Beachtung!

Siggi – Du hinterläßt eine schmerzliche Lücke! Wir werden Dich in Erinnerung behalten als einen von dem man sagt: Er hat alles gegeben. Und wir werden an Deinem Vermächtnis fest halten. (Peter Bommas)

Das Foto zeigt Siegfried Stiller. (Foto: Christian Menkel)



FCA: Baum bleibt Cheftrainer

Interimstrainer Baum ist ab sofort FCA-Cheftrainer

Manuel Baum (Foto: Kerpf))

Manuel Baum (Foto: Kerpf))


Der FC Augsburg stellt die Weichen für die sportliche Zukunft und hat eine Entscheidung in der Trainerfrage getroffen: Manuel Baum, der einen langfristigen Vertrag beim FCA besitzt, ist ab sofort Cheftrainer der Lizenzmannschaft. Zumindest bis zum Saisonende wird dem 37-Jährigen Alexander Frankenberger, der ebenfalls einen langfristigen Vertrag beim FCA besitzt, als Co-Trainer zur Seite stehen.

Wir sind überzeugt, dass Manuel Baum der richtige Trainer ist, um die Philosophie des FC Augsburg im Sinne des Vereins umzusetzen und weiterzuentwickeln”, sagt Stefan Reuter, Geschäftsführer Sport. “Daher wollen wir langfristig mit Manuel Baum zusammenarbeiten. Für das Amt des Cheftrainers benötigt er keine Eingewöhnungszeit, weil er bereits seit zweieinhalb Jahren für den FCA arbeitet und die FCA-Philosophie im Nachwuchs erfolgreich implementiert hat. Auch in den ersten Tagen als Cheftrainer hat er die Mannschaft in den Spielen gegen Mönchengladbach und Dortmund sehr akribisch und gut vorbereitet.”

Ich freue mich sehr über das Vertrauen der FCA-Verantwortlichen. Die Arbeit mit der Mannschaft war in den wenigen Tagen vor der Winterpause sehr intensiv, hat mir aber unheimlich viel Spaß gemacht. Daher freue ich mich, diese gemeinsame Arbeit als Cheftrainer fortsetzen zu können”, sagt Manuel Baum.



Luftminen-Weihnacht 2016: Ein Hoch auf die Bürger der Stadt Augsburg

Den Bürgern der Augsburger Innenstadt wird das Weihnachtsfest 2016 für immer in Erinnerung bleiben. Eine Entschärfung einer Luftmine im Herzen der Stadt konnte erfolgreich durchgeführt werden. Die Erleichterung darüber ist groß, doch es gibt noch etwas zu vermelden, das sich genauso großartig anfühlt.

Kommentar von Siegfried Zagler

Wenn es an diesem 25. Dezember etwas zu meckern gab, dann lediglich über die Marginalie, dass mit der Entschärfung verspätet begonnen werden musste, da mehr Personen als geplant die Transportdienste in Anspruch nahmen. Erst um 15.15 Uhr sollte daher das Handwerk der Entschärfung beginnen. 3,5 Stunden später meldeten die Sprengmeister „Vollzug“ und die Rückkehr der evakuierten Bürger verlief genauso geordnet wie die Evakuierung selbst.

Die größte logistische Herausforderung in Sachen Schutzmaßnahmen seit 1945 ist von der Stadt und ihren 4.000 Helfern mit Bravour bewältigt worden. Neben der Erleichterung bezüglich der gelungenen Entschärfung soll an dieser Stelle hervorgehoben werden, dass nur zirka 900 Bürger die städtischen Notunterkünfte aufsuchten. Die überwiegende Mehrheit der Augsburger organisierte demnach ihre Evakuierung innerhalb ihres gewohnten sozialen Umfelds und verbrachte den 1.Weihnachtsfeiertag eben etwas länger und unbestimmter bei Freunden, Verwandten und Bekannten. Ein Indiz dafür, dass das Miteinander und die Solidarität innerhalb der Augsburger Stadtgesellschaft an diesem Weihnachtsfest auf gelassene und ausgelassene Weise gelebt wurde, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres. Die Bürger der Stadt sind dieses Jahr zur Weihnachtszeit näher zusammen gerückt, haben sich Geschichten der Alten über die Bombennächte angehört, sich ausgetauscht und sich gegenseitig Solidarität versichert und Hilfe angeboten.

Die Vorgänge dieses Sonntags in Augsburg sollten sich als universale weihnachtliche Botschaft festhalten lassen: Die Welt ist ein besserer Ort, wenn sich Respekt und Hilfsbereitschaft zu Kategorien der menschlichen Begegnung erheben und zum Ton des täglichen Miteinanders gehören. Jenseits der Phrasen zur Weihnachtszeit hat sich in den vergangenen Tagen in Augsburg die Botschaft der Nächstenliebe von den Worthülsen der Sonntagsreden und Predigten gelöst. Die Stadt Augsburg und ihre Bürger dürfen mit Stolz und Demut auf das Weihnachten 2016 zurückblicken.



Augsburger Fliegerbombe erfolgreich entschärft

Die Augsburger Fliegerbombe ist seit 18.30 Uhr entschärft. Die Evakuierung von zirka 50.000 Menschen seit 19 Uhr beendet. Die Menschen kehren wieder in ihre Häuser zurück. Das Leben in der Augsburger Innenstadt nimmt wieder Fahrt auf.

Maximilianstraße, 10.35 Uhr: Eine menschenleere Prachtstraße. Augsburgs Innenstadt glich am 1.Weihnachtsfeierstadt fast 9 Stunden einer Geisterstadt.

Maximilianstraße, 10.35 Uhr: Eine menschenleere Prachtstraße. Augsburgs Innenstadt glich am 1.Weihnachtsfeierstadt fast 9 Stunden einer Geisterstadt (Foto: Andrea Huber)


Die am vergangenen Dienstag bei Bauarbeiten in der Jakoberwallstraße gefundene Fliegerbombe ist erfolgreich entschärft. Die Polizei konnte die gesamte Schutzzone seit 19 Uhr wieder freigeben. Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl dankte den 4000 Menschen, die am heutigen Weihnachtsfeiertag im Einsatz waren, aber auch den betroffenen Bürgern für ihre Mithilfe bei der Evakuierung sowie allen Augsburgern für ihre gegenseitige Unterstützung. „Diese hilfsbereite Grundhaltung der Augsburger in dieser besonderen Situation macht mich als Oberbürgermeister stolz. Ich danke auch den Medien für die Unterstützung bei der Information der Bevölkerung und den eingesetzten Kräften der Sicherheitsbehörden und Hilfsorganisationen.“

Diese stießen bei der Evakuierung auf große Akzeptanz. Die Räumung der Schutzzone erfolgte nach Angaben der Polizei friedlich, geordnet und im Zeitplan. Die meisten der 54.000 Augsburger sind wohl bei Freunden und Verwandten oder anderen gastfreundlichen Augsburgern untergekommen, die zu sich eingeladen hatten. „Dieser Verlauf zeigt uns, dass es eine gute Entscheidung war, den Entschärfungstermin auf den 1. Weihnachtsfeiertag zu legen“, so der OB Gribl. Das Angebot, sich während der Evakuierung in den von der Stadt bereitgestellten Notunterkünften aufzuhalten, nahmen  zirka 900 Menschen an.

Der öffentliche Nahverkehr fährt seit 19 Uhr mit Nachtbuslinien im 30-Minuten-Takt

Am Kesselmarkt gegen 10 Uhr (Foto: Volker Ullrich)

Am Kesselmarkt (Foto: Volker Ullrich)


Nach der erfolgreichen Entschärfung der Fliegerbombe in der Augsburger Innenstadt können die Bürger mit den Bussen der Stadtwerke Augsburg wieder kostenlos zurückfahren. Das kostenlose Fahrangebot gilt selbstverständlich auch für die mitgebrachten Haustiere. Dazu werden schnellstmöglich nach Freigabe der Schutzzone Busse auf den Strecken der Nachbuslinien 90 bis 94 im 30-Minuten-Takt verkehren. Die ersten Busse starten jeweils von den Endhaltestellen Richtung Königsplatz. Die halbstündigen Abfahrtszeiten an den jeweiligen Haltestellen sind dem Notfahrplan zu entnehmen. Informationen im Internet unter www.sw-augsburg.de. Die Abfahrtszeiten werden auch an den elektronischen Anzeigetafeln der Haltestellen angezeigt. Zusatzfahrten werden flexibel je nach Bedarf eingesetzt. Ab 1:00 Uhr gilt der reguläre Stundentakt der Nachtbuslinien. Wegen des notwendigen Vorlaufs ist die Aufnahme des regulären Linienverkehrs mit Straßenbahnen leider nicht möglich. Am 2. Weihnachtsfeiertag, Montag, den 26. Dezember, gilt wieder der reguläre Feiertags-Fahrplan.

Rücktransport durch Hilfsorganisationen

Die Hilfsorganisationen haben sich auch auf den Rücktransport der Patienten und hilfsbedürftigen Anwohner vorbereitet. Wer am 25. Dezember abgeholt wurde, wird nach aktuellem Stand nach der Entschärfung wieder in seine Wohnung oder in das Altenheim gebracht werden. Eine Anmeldung bei der Integrierten Leitstelle ist nicht notwendig. Die vorab evakuierten Patienten sollen ab dem zweiten Weihnachtsfeiertag zurückverlegt werden. Auch hierzu führt die Integrierte Leitstelle eine Übersicht. Zwei zusätzliche Transportkontingente mit 45 Krankentransport- und Rettungswagen wurden dementsprechend überregional angefordert. Auch die Arbeitsgemeinschaft der Augsburger Hilfsorganisationen sowie private Rettungsdienste werden ihre Kapazitäten aufstocken. Bis 14.38 Uhr waren alleine am 1. Weihnachtsfeiertag 560 Patienten und hilfsbedürftige Menschen mit Krankentransport- und Rettungswagen außerhalb der Schutzzone in entsprechenden Unterkünften untergebracht worden. Weitere 300 Patienten waren bereits am Heiligen Abend aus Altenheimen und der Klinik Vincentinum abgeholt worden.



Bombenalarm: Evakuierung läuft

Die Zahlen und Fakten der Evakuierung stellen sich folgendermaßen dar

Seit 8 Uhr läuft die Räumung der Schutzzone rund um den Fundort. Vertreter von Stadt, Stadtwerken, Polizei, Feuerwehr und Hilfskräften sitzen mit 13 Fachkräften seit 8 Uhr im Krisenstab zusammen. Thema ist derzeit vor allem der Abtransport auf Anforderungen. Rund 480 Transporte laufen seit heute Morgen um 8 Uhr. 70 sind bereits abgeschlossen. Die Hilfsorganisationen haben 200 Fahrzeuge im Einsatz. Nachdrückliche Bitte um Anmeldung bettlägeriger Menschen unter 0821/19222.



Bombenalarm: Der Zeitplan

Entschärfung startet zwischen 14 und 15 Uhr

Mit der Entschärfung der Augsburger Luftmine soll zwischen 14 und 15 Uhr begonnen werden. Es ist davon auszugehen, dass die Schutzzone bereits gegen 17 Uhr aufgelöst wird. Bis in der Augsburger Innenstadt der Normalzustand wieder hergestellt ist, wird die hohe Präsenz der Polizei aufrecht erhalten.



Bombenentschärfung: Die Macht eines höchst unwahrscheinlichen Ereignisses

Am heutigen Sonntag wird am frühen Nachmittag höchstwahrscheinlich alles vorbei sein. „Bombenentschärfen ist sicherer als Fliegen“, so Augsburgs Feuerwehrchef Frank Habermaier im Vorfeld eines Ereignisses, das die Stadt Augsburg in den Ausnahmezustand versetzt.

Von Siegfried Zagler

Der Count down läuft: Die "Augsburger Luftmine" wird an der Fundstelle entschärft

Der Count down läuft: Die "Augsburger Luftmine" wird an der Fundstelle entschärft


Der Fund einer sogenannten „Luftmine“ ist nichts Seltenes. Von 1943 bis 1945 wurden von den Alliierten schwere Luftangriffe gegen Nazideutschland geflogen und dabei Millionen von Bomben abgeworfen. Allein in Bayern wurden 1,2 Millionen Tonnen Bomben gestreut, davon sind geschätzt zwischen 120.000 und 240.000 als sogenannte „Blindgänger“ gelandet. „Luftmine“ mag harmlos klingen, doch sie ist das Gegenteil davon: 1,8 Tonnen wiegt die in der Augsburger Innenstadt gefundene Luftmine. Sie hat das gleiche Gewicht und die gleiche Sprengkraft wie der im Jahre 2011 in Koblenz gefundene „Blockbuster“. Es handelt sich dabei um eine Brachialwaffe, die meist mit einem Aufschlagzünder versehene ist. Eine Bombe, die mit ihrer Sprengkraft Häuser abdecken sollte, damit die folgenden Phosphorbomben ihre Hitze entfalten konnten. Dieser Bombentypus wurde dafür entwickelt, weiträumig Häuser aufzureißen, damit die folgenden Brandbomben ihr tödliches Handwerk besser verrichten können. 60 Jahre mussten vergehen, bis diese Form der Menschenvernichtung als Kriegsverbrechen klassifiziert wurde.

Zirka 5.500 gefährliche Bomben werden jährlich im gesamten Bundesgebiet gefunden und entschärft. Im Durchschnitt 15 am Tag. Dennoch ist bei diesem explosiven Handwerk verhältnismäßig wenig passiert. Die Zahl der fehlgeschlagenen Entschärfungen ist unterhalb der statistischen Ermittlung, die Zahl der unkontrollierten Explosionen kann man mit einer Hand abzählen. Sie geschehen meistens, wenn ein Bagger auf einen ehemaligen Blindgänger stößt. 336 Luftminen sorgten allein in Augsburg im Winter 1944 für Tod und Zerstörung. Würde die Entschärfung, die am Fundort (Nähe Jakobertor) vorgenommen wird, fehlschlagen und die Bombe detonieren, bestünde in der Stadt Augsburg der Notstand: Im Umkreis von 150 Metern wären Überlebenschancen wegen der starken Druckwelle kaum gegeben. Da die Augsburger Bombe von Häusern umstellt ist, darf man davon ausgehen, dass die Splitter nicht so weit fliegen, wie es in Koblenz angenommen wurde. Dennoch hat der Augsburger Krisenstab für die Schutzzone den gleichen Radius gezogen, der seinerzeit in Koblenz für die Evakuierung von 45.000 Menschen gesorgt hat. In Koblenz gaben sich die Behörden in Sachen „Worst Case“ nicht so bedeckt wie das aktuell in Augsburg der Fall ist. Damals ging man im Vorfeld der Entschärfung davon aus, dass Gebäude in einem Radius von mindestens 1400 Metern um die Bombe beschädigt werden.

Die Stadt Augsburg muss bis heute Vormittag 10 Uhr dafür sorgen, dass 54.000 Menschen die Schutzzone verlassen haben. Eine größeres Präventiv-Szenario hat es bisher in der Nachkriegsgeschichte nicht gegeben. Insgesamt 4.000 Einsatzkräfte stehen dafür zur Verfügungen. Darunter 900 Polizeibeamte, die erstens dafür sorgen sollen, dass die Menschen auch tatsächlich ihre Häuser verlassen und zweitens dafür sorgen sollen, dass Plünderer und Diebe fernbleiben. Bisher verbreitet die Stadt den Eindruck, dass sie der logistischen Aufgabe gewachsen ist. Für den höchst unwahrscheinlichen GAU allerdings sind noch keine detaillierten Pläne bekannt.

„Bombenentschärfen ist sicherer als Fliegen“, so Augsburgs Feuerwehrchef, der das Amt für Katastrophenschutz leitet. Wäre das Undenkbare aber der Fall, bestünde in der Stadt ein Ausnahmezustand. Immerhin kämen die Versicherungen für die Schäden an den Häusern auf, wie heute der Süddeutschen Zeitung zu entnehmen war.

Die Bürger der Stadt Augsburg nehmen die unvermeidliche Störung ihrer Weihnachtsfeierlichkeiten jedenfalls sehr gelassen zur Kenntnis. Zahlreiche Einladungen an Bekannte und Unbekannte wurden über soziale Netzwerke ausgesprochen, viele sind ohnehin verreist, andere kündigten an, ihre Verwandten außerhalb der Schutzzone bereits zum Frühstück „heimzusuchen“ und nur wenige Bürger wollten sich der Macht des höchst unwahrscheinlichen Ereignisses nicht beugen und ließen mit schwäbischem Starrsinn verlauten, der Anordnung der Stadt nicht zu folgen. 1.000 Euro Bußgeld würden sie dafür in Kauf nehmen.

Zahlreiche Journalisten und überregionale Fernsehteams werden berichten. Im Kongress am Park ist ein Pressezentrum eingerichtet. Die BBC hat sich angemeldet. Schließlich könnte nach dem Brexit die zweite große Explosion made in Great Britain folgen.



Evakuierung: Informationen zur Erreichbarkeit der Stadt Augsburg

Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Evakuierung von rund 54.000 Menschen aus der Innenstadt am 25. Dezember 2016 (1. Weihnachtsfeiertag) bleibt die Stadt Augsburg auch an Heilig Abend und weiterhin über verschiedene Kanäle für die Bürgerinnen und Bürger aktuell erreichbar. Dazu zählen:

Das Bürgertelefon:

Das Bürgertelefon ist bis zum Ende der Maßnahme rund um die Uhr geschaltet: Telefonnummer: 0821 324 4444.

Die städtische Webseite

Auf www.augsburg.de/evakuierung werden alle Infos ständig aktualisiert.

Die soziale Medien:

Die Stadt informiert gemeinsam mit der Polizei ständig aktuell über die sozialen Medien www.facebook.de/augsburg, www.twitter.com/augsburgcity und WhatsApp www.augsburg.de/whatsApp.