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Causa Förster: „In frühestens einer Woche ist mit einer Erklärung zu rechnen“

Der Fall Förster bleibt im Spekulationsmodus. Der SPD-Landtagsabgeordnete Linus Förster blieb am Dienstag der Fraktionssitzung der Landtags-SPD fern und hat sich auch nicht weiter zur Sache der gegen ihn im Raum stehenden Vorwürfe geäußert.

Dr. Linus Förster

Dr. Linus Förster


Gegen Förster ermittelt die Augsburger Staatsanwaltschaft. Er soll laut Augsburger Allgemeine bei einem Besuch bei einer Prostituierten heimlich Filmaufnahmen gemacht haben. Als die Frau dies bemerkte, soll es zu einem „Gerangel“ gekommen sein. Die Frau erstattete Anzeige gegen den Augsburger Landtagsabgeordneten. Mehr als diese wenig plausible Geschichte der Augsburger Allgemeinen ist derzeit in der Sache nicht bekannt. Und dennoch wird Linus Förster, wie sein Anwalt Walter Rubach der DAZ erklärte, keine Stellungnahme abgeben, bevor nicht feststehe, was ihm denn genau vorgeworfen werde. Er werde erst die Aktenlage studieren und dann zusammen mit Förster beraten, was zu sagen sei, so Rubach, der sich immerhin zeitlich festlegte: „In frühestens einer Woche, es könnten aber auch zehn Tage sein, kann man mit einer Erklärung Försters rechnen.“ Försters Partei sieht dieser Stellungnahme mit Ungeduld entgegen. Bayerns SPD-Chef Florian Pronold äußerte sich bereits vergangene Woche gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass er von Förster eine zeitnahe Erklärung erwarte: “Die Partei erwartet eine schnelle und umfassende Aufklärung. Bis zum Ende des Ermittlungsverfahrens kann das nicht warten”, so Pronold.

Die Augsburger SPD-Bezirksvorsitzendende Ulrike Bahr (MdB) äußerte sich gegenüber der DAZ ähnlich. Sie befände sich in einem Dilemma, da es zwar ihre Aufgabe sei, Schaden von der Partei fernzuhalten, es aber andererseits noch nicht gesichert sei, ob Linus Förster etwas strafrechtlich Relevantes unternommen habe. Sie wolle einer Vorverurteilung entgegenwirken, aber politisch sei festzuhalten, dass ein vermuteter Rotlicht-Eskapismus nicht in den Wertekanon der SPD passe.

Auf Anfrage erklärte Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai, dass man keine Prognosen darüber abgeben könne, wann mit einer Entscheidung zu rechnen sei und ob gegen Förster Anklage erhoben werde oder nicht. In dieser Sache spielten zu viele Faktoren eine Rolle, um Zeitspekulationen mit Erfahrungswerten zu plausibilisieren. Man könne aber nicht verneinen, dass das Prozedere weit ins kommende Jahr hineinreichen könnte.

"Natürlich wäre ich bereit": Potentielle Förster-Nachrückerin Ilona Deckwerth

 Ilona Deckwerth


Bezüglich der politischen Zukunft des Landtagsabgeordneten Linus Förster lässt sich dagegen eine sehr genaue Prognose abgeben. „Diese Angelegenheit wird Försters Karriere als Politiker beenden“, so der klare Bewertungskanon der politischen Beobachter in Augsburg. Försters Chancen, im kommenden Frühjahr ein viertes Mal auf einem aussichtsreichen Listenplatz für die Augsburger SPD in den Bayerischen Landtag einzuziehen, stehen bei null. Spannend bleibt auf der politischen Ebene somit nur die Frage, ob Förster sein Landtagsmandat vor Ablauf der Legislaturperiode (Herbst 2018) niederlegen wird oder nicht. Müsste Förster dem Druck der Partei und der Öffentlichkeit Tribut zollen, würde die Füssener SPD-Frau Ilona Deckwerth für den Stimmkreis Kempten/Oberallgäu in den Landtag einziehen. Ilona Deckwerth ist als erste Nachrückerin auf der schwäbischen SPD-Liste zur Landtagswahl 2013 platziert. „Natürlich wäre ich dafür bereit, deshalb habe ich mich ja aufstellen und wählen lassen“, so Deckwerth zur DAZ auf Anfrage.



FDP fordert drogenpolitisches Konzept für Augsburg

Die Augsburger FDP fordert ein Gesamtkonzept zur Sucht- und Drogenpolitik in Augsburg und Umgebung.

Katrin Michaelis

Katrin Michaelis


Nach Vorstellungen der Augsburger Liberalen sollte dieses Konzept “sämtliche Aktivitäten im Bereich der Prävention, der Beratung und Therapie bündeln und diese mit anderen Politikfeldern wie Wohnungsbau und Sicherheit abstimmen”. Anlass für die Forderung sind Pläne von Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD), im Stadtteil Oberhausen eine betreute Tagesstätte für Alkoholkranke einzurichten. Pläne, die seitens der CSU abgelehnt werden.

„Wir beobachten in der Augsburger Kommunalpolitik seit vielen Jahren dasselbe Spiel“, so die Vorsitzende des örtlichen FDP-Kreisverbandes, Katrin Michaelis. „Immer wenn es einen Drogentoten zu beklagen gibt oder es wie im Mai zu einer Messerstecherei im Milieu am Oberhauser Bahnhof kommt, fordert die CSU ein hartes Durchgreifen. Aber wenn dann konkrete Maßnahmen vorgeschlagen werden, um die Ursachen des Problems anzugehen, reagiert die CSU-Stadtratsfraktion fast reflexhaft mit Ablehnung.“

Nach Auffassung der Augsburger FDP sollte die Stadtverwaltung ein Maßnahmenpaket schnüren, das sowohl sicherheitspolitische Erwägungen als auch Hilfsangebote für Suchtkranke beinhaltet. Es fehle allerdings der politische Konsens darüber, wie sich diese verschiedenen Bausteine zu einer einheitlichen Sucht- und Drogenpolitik zusammensetzen sollen, so Michaelis. Aus Sicht der Liberalen ließen sich viele scheinbare Widersprüche in einem Gesamtkonzept auflösen. „Wenn es Konsens in Augsburg ist, dass alle Bürger ein Recht darauf haben, sich auf öffentlichen Plätzen sicher zu fühlen, dann gehört dies ins Konzept.“ Gleichzeitig müsse aber daran erinnert werden, dass schwere Alkohol- wie Drogenabhängigkeit von der Weltgesundheitsorganisation WHO als psychische Erkrankungen eingestuft werde. „Wir haben es also mit Kranken zu tun, nicht mit Verbrechern“, stellt Michaelis fest. Aus der Abwägung beider Interessen ergebe sich die Arbeitsteilung, die an Brennpunkten wie dem Oberhauser Bahnhof zwischen Polizei einerseits und Sozialarbeitern und Therapeuten anderseits gefahren werden sollte, eigentlich von selbst.

Teil eines sucht- und drogenpolitischen Gesamtkonzepts muss nach Auffassung der Freien Demokraten auch eine beständige Qualitätskontrolle aller stattfinden Maßnahmen sein. „Nur wenn wir wissen, was gut und was schlecht läuft, können wir unsere knappen Mittel richtig einsetzen.“ Außerdem solle die Stadt Defizite im Umgang mit Suchtkranken klar benennen und Strategien entwickeln, wie diese zu beheben wären.

Der Bundestagskandidat der Augsburger FDP, Maximilian Funke-Kaiser, verweist auf ein weiteres Manko, das der Stadt mittelfristig auf die Füße zu fallen droht: In Augsburg werden 600 drogenabhängige Patienten von lediglich 10 Ärzten versorgt. Fünf dieser Ärzte, die über eine Qualifikation für Substitutionsmedizin verfügen, scheiden in den kommenden Jahren aus Altersgründen aus dem Beruf aus. „In keinem anderen Bundesland gehen Staatsanwaltschaften und Bezirksregierungen mit solcher Vehemenz auf Grundlage wissenschaftlich veralteter Tatbestände gegen Ärzte in der Substitutionsmedizin vor“, so Funke-Kaiser. „Die CSU schafft durch ihre Politik auf Landesebene also quasi die Zustände wie am Oberhauser Bahnhof, die die CSU-Kommunalpolitiker in Augsburg dann beklagen.“



Kammerkonzert: Quartett für das Ende der Zeit

Am Sonntag, 27. November 2016 um 11 Uhr findet im MAN-Museum das 2. Kammerkonzert der Augsburger Philharmoniker statt. Auf dem Programm steht das “Quartett für das Ende der Zeit” (“Quatuor pur la fin du temps”) von Olivier Messiaen.

Im Juni 1940, als Kriegsgefangener der Deutschen auf einem Feld bei Toul, komponierte Olivier Messiaen (1908-1992) ein Solowerk für Klarinette, Abgrund der Vögel. Wenig später, im Kriegsgefangenenlager in Görlitz, fügte er weitere Sätze hinzu und schuf so das Quartett für das Ende der Zeit. Im Erstdruck erläutert er den Titel durch eine Widmung an „jenen Engel der Offenbarung, der, die Hände zum Himmel erhoben, das Ende jeglicher Zeit verkündet“, und konkretisierte im Vorwort den Zusammenhang der Komposition: „Die musikalische Sprache ist im Wesentlichen körperlos, geistig, katholisch. Die thematischen Motive, die melodisch und harmonisch eine Art tonale Allgegenwart ergeben, bringen den Hörer der Ewigkeit in Raum und Unendlichkeit näher. Besondere Rhythmen tragen nachdrücklich dazu bei, das Zeitliche in die Ferne zu rücken.“ Die Vögel, die über dem Abgrund kreisen, bevor der Engel auftritt, symbolisieren laut Messiaen „das Gegenteil der Zeit“, sie sind „unser Verlangen nach Licht, nach den Sternen und Regenbögen!“

Mitwirkende: Bettina Aust (Klarinette), Geeta Abad (Violine), Inken Dwars (Violoncello) und Piotr Kaczmarczyk (Klavier).



Autogrammstunde mit den drei Panthern erst morgen

Die Autogrammstunde am Curt-Frenzel-Eisstadion mit den drei Panther-Spielern Brady Lamb, Scott Valentine und Adrian Grygiel anlässlich der neuen Stadtwerke-Busse findet laut swa nun erst morgen, Donnerstag von 16 bis 17.30 Uhr statt (am Vorplatz Ost an der Blauen Kappe).



“Leichte Sprache” jetzt auch in der Stadtbücherei

„Leichte Sprache“ ist eine speziell geregelte sprachliche Ausdrucksweise des Deutschen, die auf besonders leichte Verständlichkeit abzielt.

Die Leichte Sprache soll Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen über eine geringe Kompetenz in der deutschen Sprache verfügen, das Verstehen von Texten erleichtern. Sie dient damit auch der Barrierefreiheit. – Seit einiger Zeit hat die Stadtbücherei einen Bestand in „Leichter Sprache“ aufgebaut. Am Montag, 28. November, wird im ersten Stock der Stadtbücherei dieses Segment um 13 Uhr offiziell eröffnet und steht dann allen Interessierten zur Verfügung.



Kulturelle Bildung im Aufwind

Eine Erfolgsgeschichte: KS:AUG wird zehn Jahre alt

Von Peter Bommas

just kids

„Just Kids – Vielfalt in urbanen Jugendkulturen“ (Foto: DAZ-Archiv)


Der Kultur & Schulservice Augsburg (KS:AUG) mit seiner erfolgreich etablierten Kreativ- und Vermittlungsplattform funktioniert als Motor für kreative kulturelle Bildung, Teilhabe im Öffnungsprozess der Schulen und Labor für innovative Workshop-Projekte mit außerschulischen Partnern. Ermöglicht hat diese Erfolgsgeschichte das große finanzielle Engagement der SPARDA Bank, die Improvisations- und Basisarbeit beim Projektpartner Junges Theater, die Einrichtung der Fachstelle für Jugend und Bildung beim Bildungsreferat und die finanzielle Ausstattung des Förderprogramms „Schule+“.

Von Sieghard Schramm 2007 in kurzen Entscheidungswegen auf die Schiene gebracht, hat sein Nachfolger Hermann Köhler das Projekt abgesichert und weiter entwickelt. Aktuell wird KS:AUG zehn Jahre alt und steht vor einem konzeptionellen „Relaunch“. Auf der Jahrestagung im November diskutierten über 50 Teilnehmer aus der Augsburger Kultur- und Bildungslandschaft im Beisein des Bildungsreferenten zur Zukunft der Plattform und zu den Aktivitäten im Jubiläumsjahr.

Die Perspektiven

Unbestrittener Ausgangspunkt aller Diskussionen zur Zukunft der Kulturellen Bildung in Augsburg ist die in der praktischen Alltagsarbeit von KS:AUG immer wieder eingeforderte Maxime, Kulturelle Bildung als Querschnittsaufgabe von Bildung, (Inter)Kultur und Soziales langfristig zu etablieren, als kommunale Aufgabe mit finanziellen Ressourcen zu definieren und diesen Prozess endlich auch politisch voranzubringen. Im Mittelpunkt steht dabei die Institutionalisierung der Vernetzungstätigkeiten über eine Zusammenführung aller Träger und Akteure unter dem Dach eines „Zentrums für kulturelle Bildung“ mit Konkretisierung einer übergeordneten kommunalen Plattform. In Anlehnung an die bundesweit aktive Plattform „Musenkuss“ (z.B. Köln, Düsseldorf, München) soll in den kommenden Monaten von den Fachstellen des  Bildungs- und Kulturreferats ein eigenständiges „Augsburger Modell“ entwickelt und möglichst zum Schuljahresbeginn 2017/18 an den Start gebracht werden.

Die Forderungen

Auf der Diskursebene der Akteure – Theater-, Tanz-, Musik-  und MuseumspädagogInnen bzw. SzeneexpertIinnen für Jugendkultur und WorkshopleiterIinnen „Urbane Kulturen“ – wird dieses Thema schon seit mehreren Jahren intensiv diskutiert und von allen Seiten eine mittelfristige Perspektive eingefordert. Mit der Schaffung einer Fachstelle für Kulturelle Bildung, angedockt am Kulturamt, und der Aufwertung einer entsprechenden Fachstelle beim Bildungsreferat sind jetzt die Voraussetzungen geschaffen, der konzeptionelle Input aus Kreisen der aktiven Kulturakteure ist jederzeit abrufbar und der politische Wille der Stadtregierung ist in Äußerungen von Bildungsreferent Köhler und Kulturreferent Weitzel auch spürbar. Es schaut also so aus, als würde aus einem aus der (finanziellen) Not der Stadt geborenen, schlank aufgestellten, mit viel Enthusiasmus engagiert organisierten Outsorcing-Projekt ein kommunales, breit aufgestelltes und durchfinanziertes kulturelles Bildungsportal. Ein programmatisches Konzept, das über Schule hinausweist, jugendliche Lebenswelten ebenso abbildet wie die Freizeitentwürfe postmoderner Familien.

Die Praxis

Ganz praktische Unterstützung für einen solch großen Schritt kommt von den Kooperationspartnern, aus Schulen und der außerschulischen freien Kunst- und Kulturszene. Im Jubiläumsjahr des „Kultur & Schulservice Augsburg“ soll noch einmal die herausragende Bedeutung der Kulturellen Bildungsangebote für den Öffnungs- und Teilhabeprozess der Schulen gezeigt werden. Das partizipative Festival „Just Kids – Vielfalt in urbanen Jugendkulturen“ und die „Kreativtage der Schulen“ als Präsentationsplattformen und kulturelle Lernwerkstätten in der Augsburger Kultur- und Schullandschaft werden im Jubiläumsjahr 2017 zusammengelegt.

Vom 10. bis 14.07.2017 gibt es im Kulturhaus Abraxas und Kulturpark West eine geballte Ladung Kreativprojekte zu sehen, zu hören und zu spüren: Präsentationen von schulart- und jahrgangsübergreifenden Klassenprojekten aus den Bereichen Theater und Tanz, Livekonzerte mit Nachwuchsbands, Lesungen junger Autoren, Filme, Ausstellung und Modenschau zu 50 Jahre Szenekultur – von Schülern für Schüler, moderiert von SzeneexpertInnen nach der Philosophie des Do It Yourself und Learning By Doing!

Als Beitrag der Stadtpolitik zu diesem Jubiläum würde die Präsentation der neuen, größeren und besser ausgestatteten Kreativplattform passen sowie ihre Einbettung in die aktuelle Bildungs- und Kulturlandschaft. Man darf gespannt sein auf Stellenwert und Bedeutung der Kulturellen Bildung für die Zukunft unserer Stadtgesellschaft.





Vortrag: Woher kommt Brechts Idee des epischen Theaters?

„Liegen die Wurzeln von Brechts epischem Theater im Mittelalter?“ Dieser Frage geht Prof. Dr.  Klaus Wolf am Freitag, den 25. November um 19.00 Uhr im Brechthaus (Auf dem Rain 7) nach.

Prof. Dr. Klaus Wolf

Prof. Dr. Klaus Wolf


Der Augsburger Dichter Bert Brecht revolutionierte mit seinem epischen Theater die Bühnen des 20. Jahrhunderts. Brecht erwies sich dabei nicht nur als erfolgssicherer Bühnenpraktiker, sondern ebenso als versierter Theatertheoretiker. Der Vortrag von Prof. Dr. Klaus Wolf geht Brechts epischem Theater in Theorie und Praxis nach und nimmt dabei besonders Bezug auf die von Brecht angesprochenen mittelalterlichen Wurzeln.

Prof. Dr. Klaus Wolf ist Professor für Deutsche Literatur und Sprache des Mittelalters und der Frühen Neuzeit mit dem Schwerpunkt Bayern der Universität Augsburg

Der Eintritt beträgt 3,-€ pro Person. Um Anmeldung unter Telefon 0821/ 4540815 wird gebeten.