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Theater- und Schulsanierungen: Söder kommt

Markus Söder, Bayerns Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, kommt am kommenden Donnerstag nach Augsburg.

Söder trifft sich mit der Stadtspitze, um sich über die Entwicklung des vom Freistaat finanziell unterstützen Kultur- und Bildungsförderprogramms zu informieren. Gemeinsam mit Bildungsreferent Hermann Köhler, Kulturreferent Thomas Weitzel und Projektleiter Norbert Reinfuss wird Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl dem Minister den Stand der geplanten Theatersanierung wie auch Maßnahmen zur Schulhausmodernisierung und zum Ganztagsausbau vorstellen. Söders Visite dauert zirka 45 Minuten. Im Anschluss an den Besuch des Finanzministers findet die reguläre Stadtratspressekonferenz statt. OB Dr. Kurt Gribl erläutert auf diesen obligatorischen Pressekonferenzen den anwesenden Journalisten Tagesordnungspunkte der am Nachmittag folgenden Stadtratssitzung und steht für Fragen zur Verfügung



Städtische Bürgerversammlung in Werner-Egk-Schule

Am Montag, den 28. November, um 19.30 Uhr, lädt Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Augsburg in die Aula der „Werner-Egk-Grundschule“, Hirblinger Str. 2a, zu einer gesamtstädtischen Bürgerversammlung ein.

Bürgerversammlungen bieten als demokratisches Forum sowohl Bürgerinnen und Bürgern als auch dem Oberbürgermeister und der Verwaltung eine gute Möglichkeit, auf die Stadt bezogenen Probleme und Fragen zu diskutieren und Argumente auszutauschen. Nach Artikel 18 der Gemeindeordnung für den Freistaat Bayern können grundsätzlich nur Gemeindebürger, also alle wahlberechtigten Gemeindeangehörigen, das Wort erhalten. Ausnahmen kann die Bürgerversammlung beschließen. Bürger können auch Anträge stellen, die von der Verwaltung zu bearbeiten sind, falls sie in der Bürgerversammlung beschlossen werden sollten. Seit Kurt Gribl das Amt des Oberbürgermeisters innehat, sind bei den städtischen Bürgerversammlungen auch alle Referenten zugegen.



„Die Reise mit Vater“ im Liliom: Die 68er aus zwei Perspektiven

Ein preisgekrönter Spielfilm der in Dachau lebenden Regisseurin Anca Miruna Lazarescu läuft derzeit im Liliom. Regiegespräch am Sonntag, 27.11. nach der Vorführung um 19 Uhr

Von Halrun Reinholz

(c) Movienet

Ein bewegender, unglaublich komischer aber letztlich auch tragischer Film (c) Movienet

Eine Familie aus Rumänien reist im Sommer 1968 ins sozialistische Bruderland DDR. Unterwegs begegnen sie den Panzern, die in die Tschechoslowakei einrollen, als sich dort junge Leute den „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ erstreiten wollten. Die Familie gerät, mit vielen anderen Touristen, in den Strudel der Zeitgeschichte und lernt in dem 68er-bewegten Westdeutschland auch die andere Perspektive auf den „sozialistischen“ Kampf gegen den Kapitalismus kennen.

Das ist, in Kurzfassung, der Hintergrund des bewegenden, unglaublich komischen aber letztlich auch tragischen Films der jungen Regisseurin Anca Miruna Lazarescu, die als Kind mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland kam. Die Folie für den Stoff lieferte die Geschichte ihres eigenen Vaters, der als Jugendlicher mit seinen Eltern genau diese Situation erlebt hatte. Dass hier politischer Zündstoff der jüngeren Zeitgeschichte liegt, war ihr klar. Mit guter Recherchearbeit ging sie daran, die Ereignisse weiter zu fassen. Sie gibt der Familie im Film einen rumäniendeutschen Hintergrund und arbeitet auch die Position der westdeutschen „1968er“ mit ein, was bei einer Begegnung zu einem Kulturschock auf beiden Seiten führt. Doch bei aller Schilderung der politischen Begleitumstände geht es um das Lebensgefühl von jungen Leuten, die auf die Zeitphänomene reagieren und sie gestalten wollen. Wiegt Repression mehr als Heimatverbundenheit? Halten die Werte der Realität stand? Und natürlich gibt es Verstrickungen durch Gefühle.

Eine wichtige Rolle spielt auch die Musik – gerade in Zeiten der Diktatur und Normierung Vehikel der Rebellion. Als die in Prag (!) gekaufte Beatles-LP von den DDR-Grenzern konfisziert werden soll, rechtfertigt sich der junge Beatles-Fan: „Das ist eine sozialistische Gruppe, sie singen von Erdbeerfeldern. Für mich singen sie von einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft.“ Entsprechend aussagekräftig ist auch die Filmmusik, die beiden Brüder haben eine Gitarre dabei und geben auch in der Münchner Kommune Lieder zum besten, etwa „Kalinka Maja“ mit einem subversiv-antistalinistischen rumänischen Text.

Diese detailreiche und sehr menschliche Gegenüberstellung ohne Polarisierung und erst recht ohne erhobenen Zeigefinger macht den Film auch für die sehenswert, die nur eine abstrakte Vorstellung von den damaligen Ereignissen haben. Der Film zeigt, wie junge Leute mit Idealismus, Enthusiasmus, aber auch Naivität, nach neuen Wegen aus verkrusteten Verhältnissen suchen. Auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs. Und deren Lebensgefühl war hüben und drüben gar nicht so verschieden.

Am Sonntag, 27.11.2016 wird Regisseurin Anca Miruna Lazarescu der Vorführung um 19 Uhr im Liliom beiwohnen und sich danach dem Gespräch mit dem Publikum stellen.



Pünktchen und Anton begeistern die Augsburger Kinder

Das Kinderstück des Theaters Augsburg zeigt Erich Kästners zeitlosen Klassiker in einer flotten Inszenierung

Von Halrun Reinholz

Pünktchen und Anton am Theater Augsburg. Foto: A.T. Schaefer

Pünktchen und Anton am Theater Augsburg - Foto: A.T. Schaefer

Premiere um 10 Uhr vormittags: Im Publikum viele Schülergruppen, die mit Spannung darauf warten, was das Theater Augsburg in diesem Jahr als Weihnachtsstück zu bieten hat. Erich Kästner thematisiert in seinem  Kinderroman „Pünktchen und Anton“ die Schere zwischen Arm und Reich, wie sie sich zu seiner Zeit in den 1930er Jahren bemerkbar machte. Es ging ihm darum, zu zeigen, wie eine Kinderfreundschaft diese Hürden überwinden kann. Heute scheint die Thematik aktueller denn je. Und auch jetzt bringt das zeitlose Rezept von Kästner Hoffnung: „Lasst euch die Kindheit nicht austreiben“, schrieb Kästner den Schülern ins Poesiealbum. Die Kraft der vorurteilsfreien Sicht auf das Leben gewann auch mit der Inszenierung des Theaters Augsburg die Herzen der großen und kleinen Zuschauer.

Für das Kinderstück in der Weihnachtszeit hatte das Theater gerade noch rechtzeitig die Kongresshalle gebucht. Das garantiert zumindest eine Reihe von buchbaren Terminen. Einschränkungen der Bühnentechnik waren natürlich in Kauf zu nehmen. Martina Eitner-Acheampong inszenierte mit Hilfe ihrer Bühnenbildnerin Katrin Wittig ein praktisches „Karussell“, das sich mit ein paar Handgriffen in die verschiedenen Schauplätze der Handlung verwandeln lässt. Die fetzigen, fast etwas zu clownesken Kostüme (Valerie Hirschmann) sorgten für eine jugendgerechte Atmosphäre und kamen beim Publikum gut an. Dennoch widerstanden die Akteure der Versuchung, das Stück vollkommen dem aktuellen Zeitgeist anzupassen. Für die Allgemeingültigkeit des Inhalts sorgte dann auch die Musik, die Tilman Herpichböhm und Uli Fiedler beisteuerten, und die Songs mit Texten der Regisseurin.

Die Partizipation des Publikums war durch diese Schwungelemente und auch durch konkrete Fragen („Findet ihr das ungerecht?“)  mit einkalkuliert. Kerstin König als Pünktchen und Sebastian Baumgart als Anton gaben bravourös die Identifikationsfiguren des Stückes. In ihrem Umfeld waren bekannte Mitglieder des Ensembles (Gregor Trakis als Vater Pogge, Thomas Prazak als Bösewicht Robert und Erpresser Klepperbein) und noch mehr Gäste zu sehen (Josephine Ehlert, Magdalena Helmig, Doris Buchrucker) . Auch für Erwachsene ein herrlich undogmatisches Stück über zwischenmenschliche Beziehungen, Umgang miteinander und die unkomplizierte Sicht auf die Welt. Das zu vermitteln ist dieser Inszenierung hervorragend gelungen. Für die meisten folgenden Vorstellungen gibt es nur noch Restkarten.



Oper ohne Bühnenspiel: Idomeneo konzertant

Wegen der unerwartet frühen Schließung des Großen Hauses präsentieren sich die hochkarätigen Künstler ohne die Regie von Peter Konwitschny im Auditorium des LMZ.

Von Halrun Reinholz

Lancelot Fuhry

Lancelot Fuhry


Das Positive: Es ist ein schöner Konzertsaal, der an der Universität Augsburg den Studierenden der LMZ und ihrem Publikum zur Verfügung steht. Er ist auch gut zu erreichen, mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dennoch haben nur wenige der üblichen Premierengäste den Weg zur konzertanten Aufführung von Mozarts Jugendoper „Idomeneo“ gefunden. Peter Konwitschny, der in Augsburg bereits für besondere Inszenierungen (Jenufa, König Kandaules) gesorgt hat, wäre auch diesmal als Regisseur vorgesehen gewesen. Doch mangels Bühne traten Sänger, Chor und Orchester nun konzertant vor das Publikum. Schadensbegrenzung, aber dennoch ein Genuss für die, die gekommen waren.

Das lag vor allem an den hochkarätigen Akteuren der Produktion. Nur drei der Sänger sind feste Mitglieder des Augsburger Ensembles: Christopher Busietta (Arbace, leider etwas indisponiert), Giulio Alvise Caselli (Oberpriester) und die derzeit sehr gefragte Cathrin Lange. Letzterer kam denn auch mit ihrem hellen, schnörkellosen Sopran der gewichtige Part der Ilia zu. Ihre weibliche Gegenspielerin Elektra gab sehr emotional  Adréana Kraschewski, ebenfalls keine Unbekannte im Augsburger Theater (Aurora in Hoffmanns Erzählungen). Eric Laporte als Idomeneo und Theodore Brown als Idamante vervollständigten kongenial das Quartett der Hauptakteure. Dirigent Lancelot Fuhry, der Opernchor und die Symphoniker boten dem Publikum ein stimmiges und hochprofessionelles Musikerlebnis, das allen Beteiligten hohe Konzentration abverlangte. Dennoch vermisste man die Aktion – nicht nur das Publikum, das wie im Stummfilm die Texte und den Inhalt als Einblendung verfolgen konnte . Auch die Sänger „juckte“ es sichtlich, die Emotionen und die Handlung  der Oper zu zeigen. Auch wenn gar nicht besonders viel äußere Handlung stattfindet: Oper, das wird bei so einer Aufführung besonders klar,  ist als Ausdrucksvehikel großer Gefühle eben für die Bühne gemacht, nicht für den Konzertsaal. Es steht zu befürchten, dass das Augsburger Publikum sein Theater in den nächsten Jahren gerade bei solchen Aufführungen noch öfter schmerzlich vermissen wird.



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