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Verdacht auf Verletzung des höchst­persönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen: Staatsanwalt ermittelt gegen Linus Förster

Linus Förster, der Landtagsabgeordnete der Augsburger SPD, steht im Fokus der Staatsanwaltschaft. Gegen Förster liegt eine Anzeige vor. Ermittelt wird wegen Verdacht auf Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen (StGB §201a) und vorsätzliche Körperverletzung.



Dr. Linus Förster

Dr. Linus Förster


Am gestrigen Vormittag bekam der Augsburger SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Linus Förster Besuch von der Staatsanwaltschaft. Die Beamten durchsuchten die Wohnung und die Büroräume des SPD-Landtagsabgeordneten nach belastbarem Material. Linus Förster bestätigte am frühen Dienstagabend den Sachverhalt, dass gegen ihn ermittelt wird. „Es handelt sich um eine private Sache, die nichts mit meiner Tätigkeit als Politiker zu hat“, so Förster zur DAZ. Förster wollte sich inhaltlich nicht zur Sache äußern und betonte, dass er die Angelegenheit relativ gelassen sehe und bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft kooperiere. Nach Informationen der DAZ wurde Försters Immunität bereits aufgehoben. Dr. Linus Förster sitzt seit 2003 für die Augsburger SPD im Bayerischen Landtag und ist seit 2014 Bezirksvorsitzender der SPD in Schwaben. Ob die Beschlagnahmungsbeschlüsse der Augsburger Staatsanwaltschaft zu politischen Konsequenzen führen, könnte sich bereits heute entscheiden. Förster informiert am Vormittag die Parteispitze der Augsburger SPD darüber, welche Vorwürfe gegen ihn erhoben wurden.



Stadt startet Initiative zur Renaturierung der Stadtwald-Bäche

Die Bäche im Stadtwald werden durch wasserbauliche Maßnahmen naturnäher gestaltet. Bereits am heutigen Mittwoch, den 16. November, wird mit der Umsetzung begonnen. Die Maßnahmen führt die Forstverwaltung der Stadt Augsburg in Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt und dem Landschaftspflegeverband der Stadt Augsburg durch.

Die Bäche im Stadtwald sollen strukturreicher werden - Bilderrechte: Forstverwaltung/Stadt Augsburg

Die Bäche im Stadtwald sollen strukturreicher werden - Bildrechte: Forstverwaltung/Stadt Augsburg


„Als Naherholungsgebiet hat der Siebentischwald eine lange Tradition für die Augsburger Bevölkerung. Aber auch die ökologische Bedeutung des Stadtwaldes als eine der letzten erhaltenen, naturnahen Landschaften des Lechs gilt es zu schützen“, so Bürgermeisterin Eva Weber, in deren Zuständigkeit als Finanz- und Wirtschaftsreferentin auch die Forsten fallen. „Die Stadtwaldbäche sind mit einer Gesamtlänge von rund 70 Kilometern Teil eines einzigartigen historischen wasserwirtschaftlichen Systems in der Stadt Augsburg“, so Forstreferentin Eva Weber.

An einem Teilabschnitt des Alten Floßgraben wird der Uferbereich erweitert. Bei starker Wasserführung des Grabens soll der bachbegleitende Erlenbestand damit wieder regelmäßig vernässt werden. Am Brunnenbach werden die monotonen Uferlinien durch die Schaffung kleiner Buchten bereichert. Dies dient, wie das Einbringen von Totholz und Kies in beiden Bachabschnitten, der Schaffung neuer Lebensräume. „Zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten sind auf diese Strukturen im Wasser angewiesen“, so Jürgen Kircher, Leiter der städtischen Forstverwaltung. Die ökologische Aufwertung der Bäche im Stadtwald ist eine Art Modellversuch. „Der Erfolg der Maßnahmen soll in den Folgejahren genau beobachtet werden“, so Kircher.

Die Stadt reagiert mit dieser Maßnahme zum Teil auf die Forderungen einer Lechallianz, die sich aus mächtigen Verbänden wie dem Bund Naturschutz, dem Landesbund für Vogelschutz, dem Deutschen Alpenverein und dem Fischerverband Schwaben zusammensetzt. Die Naturschützer übten Druck auf die Stadt aus, da „neben den Lechheiden und lichten Kiefernwälder die zahlreichen Bäche zu den prägenden Lebensräumen im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“ gehören“, und für diese Maßnahme Fördersätze bis zu 90 Prozent möglich seien. „In den vergangenen drei Jahren hat sich der Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg (LPVA) intensiv mit den Bächen auseinandergesetzt. Ergebnis ist ein Konzept mit zahlreichen Maßnahmenvorschlägen“, so Günther Groß im Namen der Lechallianz.

Handlungsbedarf bestehe nach Auffassung der Lechallianz auch am Lochbach. Er führe Wasser aus der Lechstaustufe 22 in die Stadt, wo es von Kraftwerkbetreibern genutzt werde. Außerdem speise der Lochbach über drei Ausleitungen die Stadtwaldbäche mit Lechwasser. Doch aus dem Lochbach versickere zu viel Wasser in den Untergrund. Außerdem sei er auf der rund 3,3 km langen Strecke zwischen der Ausleitung und der Ortsverbindungsstraße zwischen Mering und Königsbrunn in einem sehr sanierungsbedürftigen Zustand. – Den Naturschützern schwebt vor, die anstehenden Hausaufgaben, die es für die Stadt an den Stadtwaldbächen zu erfüllen gibt, über ein europäisches Förderprojekt, ein sogenanntes Life-Projekt, abzuwickeln. Gleichzeitig ließen sich die Stadtwaldbäche über das Projekt wieder an den Lech anbinden. Damit wäre ein wichtiges Ziel aus dem Licca-liber-Projekt realisiert. Der Fördersatz bei diesem europäischen Förderinstrument beträgt 60%. Weitere 30% könnte der Freistaat zuschießen. Das bayerische Umweltministerium hat in Aussicht gestellt, die Stadt bei der Antragstellung zu unterstützen.

„Aus unserer Sicht wäre ein solches Projekt für den Stadtwald ein großer Fortschritt und eine gewinnbringende Ergänzung zu Licca liber. Bei geschickter Antragstellung könnte die Stadt sogar Geld sparen. Auch in Hinblick auf die UNESCO-Welterbe-Bewerbung birgt ein solches Projekt großes Potenzial. Das wäre eine klassische win-win-Situation“, ist Günther Groß, Sprecher der Lechallianz überzeugt.



Feuer im Übergangswohnheim Pfersee

Ein Brand im Übergangswohnheim in der Johannes-Rösle-Straße führte gestern Abend zu einem Großeinsatz der Augsburger Feuerwehr. Sechs Personen wurden mittelschwer verletzt und mit Verdacht auf Rauchgasvergiftungen in die Krankenhäuser gebracht. Insgesamt befanden sich 40 Feuerwehrleute im Einsatz.

Großeinsatz der Feuerwehr in Pfersee

Großeinsatz der Feuerwehr in Pfersee


Kurz nach 21.30 Uhr wurden am gestrigen Dienstag die Berufsfeuerwehr Augsburg (Hauptfeuerwache und Südfeuerwache) und die Freiwillige Feuerwehr Pfersee zum Übergangswohnheim in die Johannes-Rösle-Straße gerufen. Beim Eintreffen der ersten Rettungskräfte am Einsatzort war fast das komplette Erdgeschoss/Wohngebäude stark mit Brandrauch beaufschlagt. 7 Personen wurden von der Feuerwehr mit der Drehleiter und tragbaren Leitern gerettet. Weitere 32 Personen wurden durch die Feuerwehr über den Treppenraum in Sicherheit gebracht. 40 Feuerwehrleute befanden sich im Einsatz, 13 Feuerwehrfahrzeuge befanden sich vor Ort. Sechs Personen wurden mit mittelschweren Verletzungen (u.a. Verdacht auf Rauchgasvergiftung) in die Krankenhäuser gebracht. 33 leicht verletzte Personen wurden vor Ort von Notärzten und Rettungsdienstlern im Großraumrettungswagen sowie einem Stadtwerkebus untersucht. Eine Ausbreitung des Feuers auf weitere Zimmer sowie ein Flammenüberschlag auf das darüber liegende Obergeschoss konnte durch den Einsatz der Feuerwehr verhindert werden.

„Das komplette Übergangswohnheim wurde mit Hochleistungslüfter vom Brandrauch befreit“, wie es in einer Pressemitteilung der Augsburger Feuerwehr heißt. Zur Brandursachenermittlung hat die Kriminalpolizei die Ermittlungsarbeit aufgenommen.



Zauberkreis der Nacht: Bezauberndes Ersatzprogramm beim 2. Sinfoniekonzert

Nur wenige Zuschauer folgten dem Ruf der Augsburger Philharmoniker in die Stadthalle Gersthofen. Diejenigen, die sich vom spröden Charme der Stadthalle nicht angezogen fühlten, verpassten ein hochkarätiges Programm.

Von Halrun Reinholz

Domonkos Héja

Domonkos Héja


Eigentlich wäre, passend zur Jahreszeit, Verdis Requiem auf dem Programm des 2. Sinfoniekonzerts gewesen. Mit großem Chor und Orchester, deshalb ungeeignet für die Ersatzspielstätte in der Stadthalle Gersthofen. Wieso diese nötig war, erschließt sich nicht, waren doch für die Sinfoniekonzerte immer Termine in der Kongresshalle gebucht und deshalb dürften sie vom Umbau nicht tangiert sein. Das Publikum jedenfalls fand die Idee nicht gut und blieb weitgehend weg. – Das hatte das gebotene Programm nicht verdient. Domonkos Héja dirigierte im ersten Teil Schuberts Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“ in einer Bearbeitung für Streichorchester. Diese hatte, mit viel Einfühlungsvermögen in das Originalwerk, kein Geringerer als Gustav Mahler vorgenommen.

Damit war das Thema der Nacht und des Todes („Sollst sanft in meinen Armen schlafen“) aufgemacht. Nach der Pause folgten drei der Wesendonck-Lieder von Richard Wagner – benannt nach der Dichterin Mathilde Wesendonck, einer engen Vertrauten des Komponisten. Sally du Randt intonierte mit ihrem wohlbekannt angenehmen Timbre. Ferrucio Busonis  „Nocturne symphonique“ war der sinfonische Puffer zu einem weiteren Liederzyklus, diesmal von Richard Strauss  nach Texten von Hesse und Eichendorff. Eine Zugabe aus Mahlers 2. Sinfonie schloss den thematischen Kreis. Passend zum Thema (wenn auch bei der Programmplanung wahrscheinlich nicht bedacht) war am Konzertabend ein außergewöhnlich großer Vollmond als astronomisches Ereignis am Himmel zu sehen. Und auch passend, dass Domonkos Héja die beiden Konzerte dem Andenken seines Freundes, des kürzlich verstorbenen Pianisten Zoltan Kocsis, widmete.

Bei allem ehrlichen Applaus des Publikums angesichts eines ungewöhnlichen und hochkarätigen Programms bleibt der Eindruck, dass die Ersatzspielstätte vielen die Lust am Konzertbesuch genommen hatte. Schlechtes Omen für die vielen Ersatzspielstätten, die das Theater in den nächsten Jahren bespielen muss. Ein harter Kern an Zuschauern macht alles brav mit, doch die in den letzten Jahren unter Kaftan mit illustren Gastauftritten verwöhnten Konzertbesucher haben auch hohe Erwartungen, die diese (Konzert-) Spielzeit bisher nicht wirklich erfüllen konnte.