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FCA vs. Ingolstadt: Raul Bobadilla bringt FCA auf Siegerstraße

In einem über weite Strecken zerfahrenen Spiel setzte sich der FC Augsburg in der 10. Runde der Fußballbundesliga gegen den FC Ingolstadt mit 2:0 durch. Die Tore der Augsburger erzielten Raul Bobadilla (85.) und Halil Altintop (90.).

Vor 15.200 Zuschauern im ausverkauften Audi-Sportpark zeigten sich die Augsburger gegenüber den zurückliegenden Partien leicht verbessert, da in vielen Aktionen der Brechtstädter ein gewisser Zug zum Tor und somit Siegeswille zu erkennen war. Wie bisher fehlte allerdings beim letzten Pass beziehungsweise beim Torschuss die Genauigkeit bei den Angreifern des FCA. In einer in der Hauptsache über den Kampf geführten Begegnung zeigten sich die Augsburger im Spiel nach vorne einen Tick organisierter als die Ingolstädter, weshalb der Auswärtssieg der Augsburger als „glücklich aber verdient“ bezeichnet werden darf. Grandios der Kurzeinsatz von Raul Bobadilla, der nach 80 Minuten für Max eingewechselt wurde: Bobadilla versenkte in der 85. Minute einen Freistoß aus 19 Metern mitten ins Ingolstädter Tor zum 1:0 und bediente wenig später nach einem Dribbling in den Strafraum Halil Altintop mit einem mustergültigen Pass, den Altintop sicher zum 2:0 Endstand verwerten konnte (90.).

Udo Legners Bericht aus Ingolstadt folgt am morgigen Sonntag.



Die Kraft der ungeschriebenen Bücher: Helmut Meyers “Bademeister”

Bücher, die nicht geschrieben werden, sind dennoch irgendwie existent und entwickeln nicht selten eine wundersame Wirkung. Gäbe es eine ewige Bestsellerliste der ungeschriebenen Bücher, hätte Helmut Meyers nicht zu Ende gebrachtes Lebenswerk “Die Bademeister” einen Spitzenplatz inne.

Von Siegfried Zagler

Helmut Mayer

Helmut Meyer im "Cafe 18" - Foto: S.Zagler


In den achtziger Jahren hat sich Martin Walser, als Siegfried Unseld noch Chef bei Suhrkamp war, dafür eingesetzt, dass die Gedichte des Augsburger Autors Helmut Meyer ins Verlagsprogramm aufgenommen werden. Walser konnte Unseld nicht gänzlich davon überzeugen, dass Meyers Lyrik das ganz große Format habe, das Walser darin entdeckt haben wollte. – Diese Anekdote aus vergangener Zeit wäre nicht bemerkenswert, wenn eben jener wilde ungezügelte Lyriker Helmut Meyer nicht seit mehr als 25 Jahren von einem Roman mit dem Titel „Die Bademeister“ träumen würde. „Bademeister“, so Meyers kategorische Allegorie in Sachen Provinzialität, sind dort von gesellschaftlicher Bedeutung, wo man innerhalb eines Ortes mit anachronistischer Dominanz agieren müsse, weil die vorhandenen Regeln nicht universal Sinn stiften, sondern von der aktuellen Situation abhängen. Die Welt als Schwimmbad: Nicht von der Seite springen, leuchtet als Regel nicht ein, wenn sich niemand außer dem Bademeister daran stört. Meyer, der mit einer spärlichen Rente auskommt, hat nie wirklich konzeptionell verfolgt, was er tatsächlich hervorragend kann, nämlich schreiben. Meyer ist ein Schriftsteller, der nicht schreibt, aber dennoch wirkt, nicht unbedingt mit der Nachhaltigkeit eines Max Brod, aber eben auch mit Format. Unerwartet tauchte Meyer vor einigen Jahren beim Neujahrsempfang von Pro Augsburg auf, hörte Jan Knopfs Ausführungen zu Brecht zu und erzählte anschließend dem Verfasser dieser Zeilen, worin sich Knopf bei Brecht fundamental täusche. Am gestrigen Freitag erzählte Meyer den entzückten Gästen des Cafe 18 in der Ludwigstraße 18, was Tucholsky wenige Tage vor seinem Selbstmord in sein Tagebuch schrieb: “Ich werde mich sehr vermissen”. Diese Anekdote sollte dazu beitragen, die Frage zu klären, ob es denn für unabhängige Geister und Autoren möglich sei, intensive Freundschaften zu pflegen. Freundschaft sei auf der Suche nach der Wirklichkeit nicht von Relevanz, so Meyer.

Meyers Romanfragment „Die Bademeister“ wird ein ungeschriebenes Buch bleiben. Ehemalige „Provinzfürsten“ und Szenegänger, die darin persifliert werden sollten, dürfen sorglos davon ausgehen, dass Meyer seine Fragmente nie in Buchdeckel bringen wird. Hinter jedem geschriebenen Buch steht eine Bibliothek geschriebener Bücher, hinter ungeschriebenen Büchern steht womöglich ein gelebtes Leben. Meyer ist ein ungezügelter Autor, dessen Texte mitreißen. Impulsiv unkontrolliert und widersprüchlich treibt er seine Figuren in Balanceakte zwischen inszenierter Selbstdarstellung und Wirklichkeit. Die Handelnden in seinen Textminiaturen entwickeln keine stillen Pläne und Lebensziele, alles geschieht durch Begegnung und unmittelbare Wandlung. Einsicht entsteht bei Meyer nur dort, wo gedankenloses Dahintreiben auf unüberwindbare Grenzen stößt. In den wenig erhältlichen Textfragmenten des Gersthofener Literaturpreisträgers Helmut Meyer weht ein Wind, der zu einem Orkan hätte werden können. Meyers großartiges Lyrikbändchen „Lichtflossen“ ist übers Internet bestellbar.

Meyer, Helmut

Lichtflossen

Gedichte

Verlag: Rauner, Erwin

ISBN: 978-3-9804409-6-7



FCA in Ingolstadt: Ein Sieg wäre Gold wert

Am heutigen Samstag gastiert der FC Augsburg beim FC Ingolstadt (15.30 Uhr) mit dem Auftrag, nach fünf sieglosen Pflichtspielen wieder einen Dreier an den Lech zu holen.

Von Siegfried Zagler

Nach zwei Partien gegen die übermächtigen Bayern treffen die bayerischen Schwaben in Ingolstadt wieder auf einen Gegner, der sich auf Augenhöhe befindet. Da die Brechtstädter seit Wochen im Spiel nach vorne bestenfalls auf dem Niveau eines durchschnittlichen Zweitligisten agieren, sind mit dem möglichen Comeback von Raul Bobadilla große Hoffnungen verbunden. Bobadilla verletzte sich in der Partie gegen Darmstadt am 24. September an der Schulter, als der FCA seinen letzten Sieg (1:0) einfuhr. Der 29-jährige Argentinier hat diese Woche wieder trainiert und einen erstaunlich guten Eindruck hinterlassen.

Man werde mit Optimismus und Selbstvertrauen nach Ingolstadt fahren, so die Ansage von FCA-Trainer Dirk Schuster, dessen Statements sich von Woche zu Woche wiederholen, als hätte es der FCA immer mit dem gleichen Gegner zu tun. – Schuster sieht den FCI auf Augenhöhe. “Sie haben gegen den BVB eine überragende Leistung gebracht. Da kann man erahnen, was auf uns zurollt. Zumal Ingolstadt nur ein Sieg weiterhilft.” Die Schanzer hätten sich laut Schuster in verschiedenen Spielen unter Wert verkauft und fast immer gute Leistungen abgeliefert. “Defensiv wenig zulassen und mit Mut nach vorne spielen”, so die Schuster-Parole gegen Ingolstadt, die Schuster auch gegen die Münchner Bayern ausgab.

FCA-Trainer Dirk Schuster: (Foto: B. Weichlein))

FCA-Trainer Dirk Schuster: (Foto: B. Weichlein))


Es handelt sich um die letzte Begegnung vor der Länderspielpause, die “höchste Konzentration, maximale Einsatzbereitschaft, viel Leidenschaft, ein ganz großes Herz und dazu spielerische Qualität abverlangt”, so Dirk Schuster, dessen Forderungen an die Mannschaft sich schablonenartig wiederholen, als könnte der FCA-Trainer die Defizite des FCA mit Ansprachen aus der Welt schaffen. Defizite, die einfach zu beschreiben sind und die im Grunde jeder Zuschauer in der WWK Arena beklagt: Im Spiel nach vorne passiert nichts, was passieren müsste. Viel zu langsam formiert sich eine Angriffsstruktur, die eine rasche Spieleröffnung ermöglichen würde. In Ballbesitz besteht seitens der Augsburger kaum  Handlungsgeschwindigkeit, da der ballführende Spieler entweder lange mit dem Ball gehen oder einen langen und gefährlichen Pass spielen muss, da sich weder in der Mitte noch auf den Flügeln Anspieloptionen oder gar Überzahlsituationen ergeben. Daraus resultieren, wie gesagt, zu lange Passwege oder gar sehr lange Verlegenheitsbälle, die schwer zu verarbeiten sind – und beim FCA fast nie zu einer zweiten Welle führen. Spieler, die mit dem Ball hohes Tempo aufnehmen oder mit einem feinen Dribbling in den Strafraum eindringen können, gibt es dieses Jahr beim FCA nicht. Neuzugang Schmid scheint nur geradeaus laufen zu können, Altintop ist im Grunde selbst für die zweite Liga zu langsam und Finnbogason verstolpert jeden zweiten Ball.

“Was tun?”, könnte man mit Lenin fragen. Dirk Schuster ist für die prekäre Situation deshalb noch nicht in die Schusslinie geraten, weil er keinen Einfluss auf die Kaderzusammenstellung hatte. FCA-Manager Reuter muss sich aber fragen lassen, warum er soviel Zeit in den Weinzierl-Deal investierte – statt sich frühzeitig nach einem adäquaten Ersatz für Klavan umzusehen. Hinteregger überzeugt nämlich in der Zentrumsverteidigung nicht wirklich und auf den Außenverteidigerpositionen fehlt ein schneller Mann. Dem japanischen Neuzugang Usami scheint Dirk Schuster die Bundesligatauglichkeit abzusprechen und warum Schuster nicht mit drei passstarken Mittelfeldakteuren (Baier, Koo und Moravek) spielen lässt, lässt sich ebenfalls schwer nachvollziehen. Kohr und Kacar sind im Spielaufbau zu fehlerhaft, verlieren zu leicht und ohne Not ihre Bälle, und der ballsichere Koo ist auf der rechten Außenposition ähnlich deplatziert wie seinerzeit Daniel Baier, der unter Luhukay nicht selten auf der rechten Seite weit unter seinen Möglichkeiten agierte.

Funktionierende taktische Ideen oder eine gewisse Raffinesse in Sachen Spielkultur sind unter Schuster nicht zu erkennen. Das Spiel des FCA war bisher – gegen die Bayern wie gegen Darmstadt – von durchschlagender Rat- und Hilflosigkeit gezeichnet, wenn es darum ging, in Richtung des gegnerischen Tores zu marschieren. Schnelligkeit: Fehlanzeige! Stattdessen wird fast jeder Ball nach vorne nicht zielführend Richtung gegnerisches Tor gespielt, sondern gedrosselt, hinten herum gegepasst, um ihn schließlich weit nach vorne zu dreschen. Ob sich daran etwas ändern wird, hängt u.a. von der körperlichen Verfassung von Bobadilla ab – und auch davon, ob Ji seinen leichten Aufwärtstrend als Zentrumsstürmer fortsetzen kann. Der aktuell verletzte Alfred Finnbogason ist keine ernstzunehmende Option für die Zukunft, sondern ein weiterer Mosaikstein in der Reihe der untauglichen Augsburger Mittelstürmer.

Sollte der FCA die heutige Partie gegen Mitabstiegskandidat Ingolstadt nicht gewinnen, knabbert das Abstiegsgespenst verstärkt am ohnehin abgebissenen Hosenbein des FC Augsburg.