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Uraufführung im Hoffmannkeller: “Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche”

Im Hoffmannkeller steht eine vielversprechende Uraufführung auf dem Programm.

Rosalinda Kalganova ist Tatarin. Als ihre Tochter Sulfia ihr mitteilt, sie sei schwanger, ohne zu wissen von wem, achtet Rosalinda vor allem auf ihre Haltung – hält den Rücken gerade und legt die Hände würdevoll in ihren Schoß. Der von Rosalinda beschlossene Abtreibungsversuch scheitert und Aminat, ihre Enkelin, wird geboren. Doch Rosalinda liebt Aminat. Sie liebt sie mehr als die eigene Tochter, die sie für dumm, einfältig und schwach hält. Die mütterliche Leidenschaft, mit der Rosalinda ihrer Enkelin begegnet, führt ständig zu erbitterten Kämpfen zwischen Mutter und Tochter um das heranwachsende Mädchen. Alina Bronsky hat mit „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“ eine Familiengeschichte über drei Generationen geschrieben, in der die Männer sich dem unwiderstehlichen Matriarchat unterordnen müssen. Dabei geht es weniger um die tatarische Küche, als vielmehr um die Schärfe, die das Leben bereithält – angefangen beim ärmlichen Leben in der Mangelwirtschaft Russlands bis hin zur Auswanderung ins heutige Deutschland. Ute Fiedler, Kerstin König und Gregor Trakis spielen in der Uraufführung des Stückes, Premiere ist am Donnerstag, 16. Juni um 20 Uhr im Hoffmannkeller.



„Anna, ich hab Angst um dich“

Dokufilm über Augsburger Antifaschistin

Anna Pröll (Foto: Kinodreieck).

Anna Pröll (Foto: Kinodreieck).


„Mitten im Ersten Weltkrieg bin ich geboren“, erzählt Anna Pröll. „Als ich das Laufen lernte war immer noch kein Frieden. Und als ich Nachdenken lernte, sprach man wieder vom Krieg. 1939 habe ich selbst erfahren, was Krieg für die Menschen bedeutet. Und im hohen Alter bin ich wieder eine von denen, die gegen den Krieg auftreten. Den Krieg wollten wir damals verhindern.“

Am kommenden Sonntag, 12. Juli um 11 Uhr zeigt das Thalia-Kino (Obstmarkt 5) den Dokumentarfilm „Anna, ich hab Angst um dich“. Veranstalter der Kino-Matinee ist der VVN-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten. Anlass ist der 100. Geburtstag von Anna Pröll. Sie wuchs in einer Augsburger Arbeiterfamilie auf, die Mutter war Weberin, der Vater Webmeister. Wegen seiner politischen Tätigkeit für die Kommunistische Partei Deutschlands wurde er mehrmals verhaftet, die Mutter in „Sippenhaft“ genommen. Beide verloren ihren Arbeitsplatz und ihre Werkswohnung. Anna machte eine Lehre als Verkäuferin und schloss sich als Sechzehnjährige dem Kommunistischen Jugendverband (KJVD) an. Mit ihrer Gruppe leistete sie als „die Seele des Ganzen“ aktiven Widerstand gegen das NS-Regime. Wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ wurde sie als Jugendliche verhaftet und verurteilt. Sie kam zuerst fünf Monate ins Gefängnis, dann 21 Monate in  Einzelhaft ins Frauengefängnis Aichach und 1936 ins Frauenkonzentrationslager Mohringen. Dank der Unterstützung durch ältere gefangene Frauen konnte sie die schrecklichen Haftbedingungen überleben und wurde 1937 entlassen. „Ich war damals recht menschenscheu und hatte außerdem nichts anzuziehen. Ich wurde schließlich schon mit siebzehn verhaftet. Und als ich dann mit einundzwanzig entlassen wurde, hatte ich immer noch dieselben Kleidungsstücke an, von damals zu Hause.“ Geboren 1916, erlebte Anna Pröll die Premiere des Film über sie 2002 mit 86 Jahren 2006 starb sie mit fast 90 Jahren.



Neue Musik im Kleinen Goldenen Saal mit Salomé Kammer

Neue Musik im Kleinen Goldenen Saal

Am kommenden Samstag, 12. Juni kann man Ju(mb)le um 17.00 Uhr im Kleinen Goldenen Saal mit einem ganz besonderen Konzert hören

JU[MB]LE, das Jugendensemble für Neue Musik Bayern wurde 2015 in München gegründet, um jungen und besonders begabten Nachwuchsmusikerinnen und -musikern aus Bayern eine Plattform für die Beschäftigung mit der Musik unserer Zeit bieten zu können. In regelmäßig stattfindenden Probenphasen sollen die jungen Musiker unter Anleitung kompetenter Dozenten, Komponisten und Solisten mit der Spezifik der Aufführungspraxis Neuer Musik vertraut gemacht und auf die Konzertprogramme vorbereitet werden. Am kommenden Samstag, 12. Juni kann man Ju(mb)le um 17.00 Uhr im Kleinen Goldenen Saal mit einem ganz besonderen Konzert hören: Für seinen vokalen Schwerpunkt konnte das Ensemble die Sängerin und Schauspielerin Salomé Kammer gewinnen. Unter dem Titel „Folk Songs“ hat JU[MB]LE mit Salomé Kammer dem Dirigenten Johannes X. Schachtner unter anderem Luciano Berios Folk Songs für Mezzosopran und 7 Instrumente (1964) erarbeitet. As Ensemble präsentiert sich in Sinfonietta-Besetzung, aber auch in kleineren kammermusikalischen Formationen. Eingebunden sind auch junge Musikerinnen und Musiker im Alter von 14 bis 23 Jahren, die (noch) keine Vollstudierenden an einer Hochschule für Musik sind.



Programm


Luciano Berio (1925-2003): Folk Songs | für Mezzosopran und 7 Instrumente (1964),

Dieter Dolezel (*1977): 5 Duettini | für 2 Violinen (1999).

Stephanie Haensler (*1986): dann und wann | für Ensemble (2014/15),

Jan Müller-Wieland (*1966): Buenos Aires | für Gesang und 12 Instrumentalisten (2016).  Karten zu 12 € (ermäßigt 8 €) gibt es an der Tageskasse. Reservierung unter info@jetztmusik-augsburg.de

———–Foto: Das Ensemble Jumble (Foto von Stefan Heigl).



FCA: Schuster verabschiedet sich mit Offenem Brief von den Lilien

Weder für den neuen Schalke-Trainer Markus Weinzierl noch für Darmstadts Ex-Trainer Dirk Schuster gab es Gelegenheit, sich von den Fans ihrer ehemaligen Vereine zu verabschieden.

Dem neuen FCA-Trainer Dirk Schuster schien der grußlose Abschied aus Darmstadt wohl zu schäbig, weshalb er sich heute zusammen mit Sascha Franz und Frank Steinmetz mittels eines Offenen Briefes von den Fans und dem Verein verabschiedete. Schuster und sein Team hätten erst nach dem letzten Spiel ein Angebot erhalten. Der Abschied sei während der Saison nie ein Thema gewesen und wegen der unglaublichen gemeinsamen Erlebnisse der vergangenen Jahre sei dem Trainer-Team der Abschied aus Darmstadt sehr schwer gefallen. Zusammen habe man nämlich etwas geschaffen. worauf man sehr stolz sein könne. Der Offene Brief im Wortlaut:

Liebe Fans,

als Trainerteam möchten wir uns ganz herzlich für Eure Unterstützung in den vergangenen Jahren bedanken. Zusammen haben wir etwas geschafft, worauf wir alle für immer stolz sein können.


Die furiose Drittliga-Saison nachdem wir eigentlich abgestiegen waren, das unfassbare Relegationsspiel in Bielefeld, der Durchmarsch in die Bundesliga, der sensationelle Klassenerhalt vor wenigen Wochen: Wir werden so viele unglaublich schöne Momente mit Euch in Erinnerung behalten. Nicht zuletzt deshalb ist uns der Abschied aus Darmstadt jetzt sehr schwer gefallen.

Wir können verstehen, dass einige Fans enttäuscht sind. Wir möchten Euch aber zumindest sagen, dass ein Abschied während der gesamten Saison nie ein Thema für uns gewesen ist. Nach dem erreichten Klassenerhalt in Berlin haben wir sofort mit der Planung für die kommende Saison begonnen – erst nach dem letzten Spiel kam die Anfrage und in der Folge unser Entschluss, diese neue Herausforderung annehmen zu wollen. An dieser Stelle möchten wir auch Rüdiger Fritsch und dem gesamten Präsidium danken, die diesem Anliegen nachgekommen sind.

Unser Dank richtet sich ebenso an alle Mitarbeiter der Geschäftsstelle, an die Betreuer und die medizinische Abteilung, dazu an die vielen ehrenamtlichen Helfer, die den SV Darmstadt 98 so besonders machen. Wir sind stolz, bei diesem tollen Verein mit seiner 118 Jahre langen Geschichte ein Stück weit mitgewirkt zu haben.  – Wir werden diese Zeit nie vergessen und wünschen den Lilien von Herzen das Beste.



Dirk Schuster, Sascha Franz und Frank Steinmetz