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Theatersanierung: Stadtrat soll über Zeitpunkt der Schließung des Großen Hauses entscheiden

Über den Zeitpunkt der Schließung des Großen Hauses und den Zeitpunkt der Beendigung des Theaterspielbetriebs entscheidet der Stadtrat in seiner April-Sitzung.  Für die ab Februar im Großen Haus geplanten Inszenierungen gilt ab heute die Sprachregelung, dass sie “unter Vorbehalt stehen”. Augsburgs Kulturreferent Thomas Weitzel bedauert die städtische Kommunikationspanne. So lässt sich der aktuelle Stand in Sachen Sanierungsbeginn zusammenfassen.



Bei den kulturfachlichen Prüfungen zur Frage, wann und wie der Spielbetrieb am besten einzustellen ist, habe sich gezeigt, dass eine Fortführung der Spielzeit im Großen Haus bis zum Beginn der Freilichtbühnensaison im Juli aus mehreren Gründen vorteilhaft wäre. Dazu würden Kosteneinnahmen fürs Theater genauso, wie ein fortlaufender Spielbetrieb ohne Unterbrechung und Umzüge sowie ein reibungsloser Wechsel zur neuen Intendanz gehören, wie es in einer städtischen Pressemitteilung heißt, die vor wenigen Minuten verschickt wurde.

“Im Großen Haus müssen langfristige Brandschutzmängel im Zuge der Generalsanierung behoben werden. Kurz- und mittelfristig zu behebende Mängel werden bereits laufend angegangen. Vor diesem Hintergrund ist laut Aussage des Brandschutzes auch eine kurzzeitige Fortführung des Spielbetriebs bis zum Ende der Spielzeit 2016/17 möglich”, wie es im gleichen Schreiben weiter heißt. Damit würden die kulturfachlichen wie auch die brandschutztechnischen Überlegungen in eine Richtung gehen. „Dass diese Option nicht klar kommuniziert worden ist, ist unglücklich und bedauerlich“, so Kulturreferent Thomas Weitzel. Bislang wurde weder im Stadtrat noch in seinen Ausschüssen ein Beschluss zur terminlichen Beendigung des Spielbetriebs im Großen Haus gefasst. Da die Entscheidung des Stadtrats abzuwarten bleibt, stehen die Aufführungen im Großen Haus ab Februar 2017 unter Vorbehalt.

Auf die festgelegten Haushaltsansätze 2016/17 habe das Votum des Stadtrats keine Auswirkungen. “Bei den Beträgen handelt es sich um Planungs- und Gutachterkosten”, wie es in der städtischen Stellungnahme heißt.



Theatersanierung: Stadt reagiert auf Kritik

Die Kritik der Medien zeigt Wirkung: Die von Kulturreferent Thomas Weitzel am 22. März en passant verkündete Verschiebung des Sanierungsbeginns des Augsburger Stadttheaters soll am heutigen Mittwoch mittels Fakten referatsübergreifend von der Stadt erklärt werden.

Thomas Weitzel war in die Kritik geraten, weil er sich widersprüchlich in Sachen Sanierungsbeginn äußerte. Mit der Sanierung des Großen Hauses soll nicht (wie ursprünglich geplant) nach dem Opernball im Januar 2017 begonnen werden, sondern erst nach der Spielzeit 2017. Die Frage, wann diese Umplanung von wem und warum beschlossen wurde, ist bisher nicht beantwortet worden. Für Juliane Votteler, die das Augsburger Stadttheater 2017 in die letzte Spielzeit vor der Sanierung führt, sagt, dass dies bereits seit September/Oktober 2015 bekannt gewesen sei, was wohl nur für die Theaterwelt gilt: Weder Presse noch Stadtrat wurden von der Terminverschiebung informiert.

Wer diese Kommunikationspanne zu verantworten hat, ist mindestens genauso spannend wie die Erklärung zur Diskrepanz zwischen Sanierungsbeginn und Finanzierungsplan: 2016 wurden für die Theatersanierung 9 Millionen Euro für Hochbaumaßnahmen in den städtischen Haushalt gestellt. 2017 sollen 14 Millionen Euro für die Theatersanierung verwendet werden. Wofür diese Mittel abgeholt werden sollen, wenn bis Sommer 2017 im Großen Haus Theater gespielt wird, ist eine der brennenden Fragen, die die Stadt heute in einer Stellungnahme beantworten will.

—–Foto: Stadt Augsburg