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Brechtburg oder Friedensstadt?

Brechtfestival: Mit dem Stück „Stadtratssitzung“ zeigte das s`ensemble Theater eine überzeugende Realsatire

Von Halrun Reinholz

Stadtratssitzungen sind zwar in der Regel öffentlich, aber nur selten verirrt sich der gemeine Bürger auf die ihm vorbehaltenen Zuschauerplätze. Anders beim s`ensemble Theater, hier findet eine „Stadtratssitzung“ vor ausverkauftem Haus statt und es scheint, als hätte Sebastian Seidel sich doch das eine oder andere Mal in den echten Sitzungssaal des Rathauses begeben, um die reale Augsburger Debattierkultur zu studieren. Die Idee ist nicht neu, schon 2012 gab es zum Brechtfestival eine „Stadtratssitzung“, da wurde sie sogar tatsächlich im Sitzungssaal des Stadtrates gespielt. Damals wurde um den Bau der zweiten Theaterspielstätte gerungen. Schnee von gestern, wie wir heute wissen, die „Brechtbühne“ steht da, ein Container, der auch bald wieder Vergangenheit sein soll. Geändert hat sich nämlich im Grunde nichts in Augsburg: „lauter Baustellen“, über die im Stadtrat beraten werden muss. Eine dieser ewigen Baustellen ist immer schon der Umgang der Stadt mit Bertolt Brecht, dem ungezogenen Sohn, an dem man aber in dieser Stadt doch nicht vorbeikommt.

Das Brechtfestival (auch so eine Baustelle) bietet nun alljährlich Gelegenheit, sich mit dem Augsburger Dichter zu befassen. Durchaus kontrovers, wie die „Stadtratssitzung“ zeigt. Denn der Antrag, über den abgestimmt werden soll, ist die Umbenennung der Stadt in „Brechtburg“. Während die eine Stadtratsfraktion sich vehement dagegen ausspricht, eine Person zu ehren, die sich politisch kompromittiert hat (wenn auch die literarischen Fähigkeiten durchaus anerkannt werden), spricht sich die andere selbstverständlich dafür aus, die Stadt nach ihrem weltweit  bekannten Sohn zu benennen. Kenner der Szene konnten natürlich die „echten“ Stadträte dabei erkennen. Doch nicht diese (in Augsburg sattsam bekannte) Auseinandersetzung macht den Reiz des Stückes aus und schon gar nicht ging es um einzelne Politiker. Die Auseinandersetzung um Brecht ist nur die Folie für die satirische Zuspitzung politischer Debatten, der Verhaltensmuster und verbalen Entgleisungen (inklusive der Rufe aus dem Zuschauerraum), die die Komödie zur Realsatire werden lassen. Auch typisch: Der Name „Friedensstadt“ geistert als Alternative für „Brechtburg“ durch die Sitzung (von einer „Zuschauerin“ hartnäckig vertreten), obwohl er nicht unter den zur Abstimmung stehenden vier(!) Optionen steht.

Höhepunkt der Stadtratssitzung ist der Auftritt der Theaterintendantin Juliane Votteler (Lea Sophie Salfeld parodierte ihre Chefin meisterhaft), die mit schlagenden Argumenten für die Umbenennung plädiert. Der „Oberbürgermeister“ hört der Debatte eher hilflos zu, seine „Referenten“ sind gesichtslose Masken, die bei der Abstimmung einvernehmlich die Hand heben. Nur der Berichterstatter schlüpft aus seiner vorgegebenen Neutralität und gibt persönliche Statements ab.

Das ist großes Kabarett  – im Stil von Gerhard Polt „fast wie im richtigen Leben“. Entschieden wurde  – wen wundert`s? – letztlich nichts. Ein vergnügliches Lehrstück in bester Brechtscher Tradition, das viel mehr Augsburger Bürger sehen sollten. Die beiden Vorstellungen zum Brechtfestival waren an der Grenze ihrer Kapazitäten. Es ist nämlich zu befürchten, dass der Besuch einer echten Stadtratssitzung weniger Spaß macht.



FCA: Nach der Niederlage in Hoffenheim wird es wieder ernst

Der FC Augsburg bleibt in der Bundesliga in der Hoffenheimer Wirsol Rhein-Neckar-Arena sieglos. Mit 1:2 besiegten die „Nagelsmänner“ den FCA und machten somit weiter Boden im Abstiegskampf gut, während es die Augsburger erneut versäumten, ihren Abstand zu den prekären Rängen zu vergrößern. Kevin Volland (25.) und Mark Uth (81.) erzielten die Tore für die Sinsheimer. Paul Verhaegh sorgte in der 41. Minute vor 21.092 Zuschauern mit einem umstrittenen Handelfmeter für den zwischenzeitlichen Ausgleich des FCA, der das Abstiegsduell aufgrund einer schwachen zweiten Halbzeit „verdient“ verlor.

Von Siegfried Zagler

Gegen Hoffenheim änderte FCA-Trainer Markus Weinzierl seine Startelf auf mehreren Positionen. Konstantinos Stafylidis, Alexander Esswein und Ja-Cheol Koo begannen für Philipp Max, Raúl Bobadilla und Jan Moravek, der wegen einer Muskelverletzung in Sinsheim nicht im Kader war.

Die Sinsheimer starteten furios und hatten bereits nach 45 Sekunden ihre erste Großchance: Kevin Volland wurde von Patrick Ochs steil freigespielt, aber Volland schoss Marwin Hitz an, der den Winkel gedankenschnell verkürzte. In der 12. Minute hatte Finnbogason die Führung für Augsburg: vor Augen, scheiterte aber mit seinem Kopfball nach feiner Flanke von Esswein an dem glänzend reagierenden Sinsheim-Keeper Baumann (13.). Die Augsburger wie die Hoffenheimer strahlten in einem intensiven und spielerisch auf gutem Niveau eingependelten Spiel besonders über die Außen Gefahr aus, weshalb sich ein munteres Hin und Her entwickeln sollte, das in beiden Strafräumen Torszenen generierte.

Der Führungstreffer der Hoffenheimer wurde allerdings mit einem Weitschuss Eduardo Vargas eingeleitet, dessen Kunstschuss vom Posten zu Hitz prallte, der das Leder unfreiwillig zu Ochs ablenkte, der den Ball quer zu Volland passte, der promblemlos einnetzen konnte (25.). (mehr …)