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Theatersanierung: Stadtrat soll über Zeitpunkt der Schließung des Großen Hauses entscheiden

Über den Zeitpunkt der Schließung des Großen Hauses und den Zeitpunkt der Beendigung des Theaterspielbetriebs entscheidet der Stadtrat in seiner April-Sitzung.  Für die ab Februar im Großen Haus geplanten Inszenierungen gilt ab heute die Sprachregelung, dass sie “unter Vorbehalt stehen”. Augsburgs Kulturreferent Thomas Weitzel bedauert die städtische Kommunikationspanne. So lässt sich der aktuelle Stand in Sachen Sanierungsbeginn zusammenfassen.



Bei den kulturfachlichen Prüfungen zur Frage, wann und wie der Spielbetrieb am besten einzustellen ist, habe sich gezeigt, dass eine Fortführung der Spielzeit im Großen Haus bis zum Beginn der Freilichtbühnensaison im Juli aus mehreren Gründen vorteilhaft wäre. Dazu würden Kosteneinnahmen fürs Theater genauso, wie ein fortlaufender Spielbetrieb ohne Unterbrechung und Umzüge sowie ein reibungsloser Wechsel zur neuen Intendanz gehören, wie es in einer städtischen Pressemitteilung heißt, die vor wenigen Minuten verschickt wurde.

“Im Großen Haus müssen langfristige Brandschutzmängel im Zuge der Generalsanierung behoben werden. Kurz- und mittelfristig zu behebende Mängel werden bereits laufend angegangen. Vor diesem Hintergrund ist laut Aussage des Brandschutzes auch eine kurzzeitige Fortführung des Spielbetriebs bis zum Ende der Spielzeit 2016/17 möglich”, wie es im gleichen Schreiben weiter heißt. Damit würden die kulturfachlichen wie auch die brandschutztechnischen Überlegungen in eine Richtung gehen. „Dass diese Option nicht klar kommuniziert worden ist, ist unglücklich und bedauerlich“, so Kulturreferent Thomas Weitzel. Bislang wurde weder im Stadtrat noch in seinen Ausschüssen ein Beschluss zur terminlichen Beendigung des Spielbetriebs im Großen Haus gefasst. Da die Entscheidung des Stadtrats abzuwarten bleibt, stehen die Aufführungen im Großen Haus ab Februar 2017 unter Vorbehalt.

Auf die festgelegten Haushaltsansätze 2016/17 habe das Votum des Stadtrats keine Auswirkungen. “Bei den Beträgen handelt es sich um Planungs- und Gutachterkosten”, wie es in der städtischen Stellungnahme heißt.



Theatersanierung: Stadt reagiert auf Kritik

Die Kritik der Medien zeigt Wirkung: Die von Kulturreferent Thomas Weitzel am 22. März en passant verkündete Verschiebung des Sanierungsbeginns des Augsburger Stadttheaters soll am heutigen Mittwoch mittels Fakten referatsübergreifend von der Stadt erklärt werden.

Thomas Weitzel war in die Kritik geraten, weil er sich widersprüchlich in Sachen Sanierungsbeginn äußerte. Mit der Sanierung des Großen Hauses soll nicht (wie ursprünglich geplant) nach dem Opernball im Januar 2017 begonnen werden, sondern erst nach der Spielzeit 2017. Die Frage, wann diese Umplanung von wem und warum beschlossen wurde, ist bisher nicht beantwortet worden. Für Juliane Votteler, die das Augsburger Stadttheater 2017 in die letzte Spielzeit vor der Sanierung führt, sagt, dass dies bereits seit September/Oktober 2015 bekannt gewesen sei, was wohl nur für die Theaterwelt gilt: Weder Presse noch Stadtrat wurden von der Terminverschiebung informiert.

Wer diese Kommunikationspanne zu verantworten hat, ist mindestens genauso spannend wie die Erklärung zur Diskrepanz zwischen Sanierungsbeginn und Finanzierungsplan: 2016 wurden für die Theatersanierung 9 Millionen Euro für Hochbaumaßnahmen in den städtischen Haushalt gestellt. 2017 sollen 14 Millionen Euro für die Theatersanierung verwendet werden. Wofür diese Mittel abgeholt werden sollen, wenn bis Sommer 2017 im Großen Haus Theater gespielt wird, ist eine der brennenden Fragen, die die Stadt heute in einer Stellungnahme beantworten will.

—–Foto: Stadt Augsburg



FCA: Es ist zu schaffen!

Tabelle nach dem 27. Spieltag

Tabelle nach dem 27. Spieltag


Am kommenden Samstag geht die Bundesliga in die Schlussrunde. Sollte Dortmund weiter so stabil spielen und die Münchner zum Schluss schwächeln, könnte sogar die Meisterschaft noch spannend werden. In den Abstiegskampf sind noch neun Mannschaften verwickelt. Der FCA ist eine davon und befindet sich nur dank des besseren Torverhältnisses nicht auf einem Abstiegsplatz. Die Situation ist für alle Mannschaften dramatisch und wird es wohl bis zum letzten Spieltag bleiben. Das gilt natürlich besonders für den FCA, der zu den spielerisch stärksten Mannschaften zählt, die in den vergangenen Jahren gegen den Abstieg zu kämpfen hatten. So sieht das Restprogramm der Gefährdeten aus:

9. Platz: 1. FC Köln (33 Punkte), spielt noch gegen Hoffenheim (A), Leverkusen (H), Mainz (A), Darmstadt (H), Augsburg (A), Bremen (H), Dortmund (A).

10. Platz: FC Ingolstadt (33 Punkte), spielt noch gegen Schalke (H),Gladbach (H), Darmstadt (A), Hannover (H), Hoffenheim (A), Bayern München (H), Leverkusen (A).

11. Platz: VfB Stuttgart (32 Punkte), spielt noch gegen Darmstadt (A), Bayern München (H), Augsburg (A), Dortmund (H), Bremen (A), Mainz (H), Wolfsburg (A).

12. Platz: Hamburger SV (31 Punkte), spielt noch gegen Hannover (A), Darmstadt (H), Dortmund (A), Bremen (H), Mainz (A), Wolfsburg (H), Augsburg (A).

13. Platz: SV Darmstadt 98 (28 Punkte),spielt noch gegen Stuttgart (H), Hamburg (A), Ingolstadt (H), Köln (A), Frankfurt (H), Hertha (A), Gladbach (H).

14. Platz: Werder Bremen (28 Punkte), spielt noch gegen Dortmund (A), Augsburg (H), Wolfsburg (H), Hamburg (A), Stuttgart (H), Köln (A), Frankfurt (H).

15. Platz: FC Augsburg (27 Punkte) spielt noch gegen Mainz (A), Bremen (A), Stuttgart (H), Wolfsburg (A), Köln (H), Schalke (A), Hamburg (H).

16. Platz: TSG Hoffenheim (27 Punkte), spielt noch gegen Köln (H), Frankfurt (A), Hertha (H), Gladbach (A), Ingolstadt (H), Hannover (A), Schalke (H).

17. Platz: Eintracht Frankfurt (27 Punkte), spielt noch gegen Bayern (A), Hoffenheim (H), Leverkusen (A), Mainz (H), Darmstadt (A), Dortmund (H), Bremen (A).

18. Platz: Hannover 96 (17 Punkte), spielt noch gegen Hamburg (H), Hertha (A), Gladbach (H), Ingolstadt (A), Schalke (H), Hoffenheim (H), Bayern (A).



FCA: Lame Duck Weinzierl könnte man sofort gehen lassen

Warum der FCA keinen Schaden nehmen würde, würde man Markus Weinzierl sofort freistellen

Kommentar von Siegfried Zagler

Die Zeichen stehen auf Abschied, wenn man jenem Journalisten Glauben schenken darf, der mit Mannschaft und Trainer den nächsten und vertrautesten Kontakt pflegt, nämlich Dennis Amedovski. „Markus Weinzierl wird sich nach dieser Saison als FCA-Trainer verabschieden“, so  titelt Amedovski in der aktuellen Sonntagspresse. Dann folgt ein bisschen Konjunktiv-Gezwitscher, doch die Kernaussage gleicht einem Bild.de-Artikel, der bereits im Februar Weinzierls Abschied aus Augsburg ankündigte. Interesse an Weinzierl würden Leipzig, Schalke, Gladbach und Stuttgart zeigen. Weinzierl habe zwar noch einen Vertrag bis 2019, doch die FCA-Verantwortlichen müssten sich auf seinen Abschied gefasst machen.

Damit hätte weder der FCA noch die Augsburger Fangemeinde ein Problem. Markus Weinzierl führt nämlich nach einem internen DAZ-Ranking der überschätzten Trainer das Feld mit großem Vorsprung an. Der Erfolg des FCA in der Bundesliga hat damit zu tun, dass der FCA unter Weinzierl vom Kader her stets vollumfänglich bundesligatauglich war. Im ersten Jahr unter Weinzierl gilt das zwar mit Abstrichen, aber die prekäre Situation, in der sich der FCA in dieser Saison befand, hatte vornehmlich mit der Unerfahrenheit von Weinzierl zu tun, dessen Mannschaft sich damals langsam stabilisierte, als der FCA-Trainer mit dem neuen Manager Stefan Reuter auch in sportlicher Hinsicht gestützt wurde. Was folgte, spiegelte die Möglichkeiten des Kaders angemessen wider. Die große Leistung des Duos Weinzierl/Reuter bestand darin, dass sie schwierige und nicht teamfähige Spieler relativ schnell aussortieren und ein glückliches Händchen für Neuzugänge hatten.

Das galt bis zum Beginn dieser Saison, in der es der FCA bisher kein einziges Mal geschafft hat, ein Spiel von Anfang bis zum Schluss durchzuspielen, ohne dabei phasenweise komplett den Faden zu verlieren. Caiuby ist zwar drauf und dran, sich zu einem starken Bundesligaspieler zu entwickeln, doch die Neuzugänge Max und Stafylidis sind im Verhältnis zu den Abgängen Ostrzolek und Baba auf der linken Seite keine Verstärkung. Auf der rechten Seite des FCA passiert nach vorne immer noch viel zu wenig. Geschuldet ist das FCA-Kapitän Paul Verhaegh, der nach vorne zu verhalten spielt und beinahe jede Angriffsmöglichkeit in Ballsicherung verwandelt. Winterneuzugang Alfred Finnbogason ist in der Mitte eine Alternative, falls Bobadilla ausfällt. Wenn Bobadilla jedoch fit ist und zusammen mit Caiuby spielt, ist für einen Mittelstürmer klassischer Prägung beim FCA kein Platz. Weinzierl hat das bisher nicht erkannt, ließ sogar immer wieder Ji auf der Neun spielen, wo er noch wirkungsloser war, als auf allen anderen Positionen. Zuletzt sorgte Markus Weinzierl mit seinen Einwechslungen selbst in der Fankurve für Geraune. Trotz all dieser Defizite und trotz der Formschwäche von Daniel Baier, der bis zur seiner Verletzung nicht viel riss, sondern eher in der Hauptsache zur großen Konzeptschwäche des FCA beitrug (gemeint ist das Spiel nach vorne), hat der FCA von allen Mannschaften, die derzeit in den Abstiegskampf verstrickt sind, den wohl besten Kader. Aber er hat von allen Mannschaften, die in den  Abstiegskampf verstrickt sind (zusammen mit dem HSV) den schwächsten Trainer. In der Geldtabelle der Bundesliga liegt der FCA wegen des Baba-Transfers und des „Fernsehgeldes“ der vergangenen Saison auf Platz neun, knapp hinter Mainz. In der sportlichen Rückrundentabelle belegt der FCA aktuell den vorletzten Platz. Dass die Augsburger nicht zusammen mit Hannover abgeschlagen das Tabellenende zieren, haben sie einem Zwischenspurt im letzten Hinrunden-Drittel zu verdanken. „Wir wollten zuviel“, erklärte Markus Weinzierl lapidar den dramatisch schlechten Beginn der Hinrunde.

Dass die Augsburger Mannschaft trotz eines gewachsenen und starken Kaders in diesem Jahr in großen Schwierigkeiten steckt, hat sie ihrem Trainer zu verdanken. Die Mannschaft ist oft zu ungenau auf den Gegner eingestellt und verliert deshalb leicht ihre Ordnung. Wenn man mit kühlem Kopf alles zusammenzählt, wäre es klug gewesen, Markus Weinzierl vor der Länderspielpause freizustellen. Dann hätte der neue Trainer Zeit gehabt, die Mannschaft auf den Abstiegskampf einzustellen. Immer wenn die Mannschaft ohne Wettbewerb zu lange unter Weinzierl trainierte, wirkte sie anschließend verunsichert. Am kommenden Samstag müssen die Augsburger nach Mainz, dann folgt  das Auswärtsspiel in Bremen.- Gerade weil der FCA im Spiel gegen Dortmund über weite Strecken eine sehr gute Leistung gezeigt hat, ist damit zu rechnen, dass er gegen die vermeintlich schwächeren Gegner nichts reißt. Es ist nämlich ein klassisches Merkmal des FCA, dass er gegen Gegner, die er auf Augenhöhe (oder darunter) wähnt, nicht die richtige Einstellung findet. Dieser Sachverhalt zeigt an, dass der FCA bereits in der vergangenen Saison ein Trainerproblem hatte.

Wenn also die Verantwortlichen des FCA denken, dass man mit einem Trainer, der sich bereits gedanklich bei Leipzig oder anderswo befindet, eine spielerisch starke Mannschaft am Ende der Saison auf Abstiegskampf umpolen kann, dann denken sie falsch.



Theatersanierung: Terminverschiebung steht wohl seit Sommer 2015 fest

Das Rätselraten, wer, wann und warum den Beginn der Theatersanierung um ein halbes Jahr verschoben hat, scheint gelöst.

Der DAZ-Artikel „Terminverschiebung bringt Stadtregierung in Erklärungsnot“ brachte einen Leser dazu, seinen Informationsstand der Redaktion mitzuteilen: Dass das Große Haus erst im Spätsommer 2017 schließen wird, stand wohl bereits im Juli 2015 fest, als seitens der Stadt die Nichtverlängerung von Theaterintendantin Juliane Votteler beschlossen wurde, die damals mit Kulturreferent Thomas Weitzel ausgehandelt habe, dass sie dann wenigstens bis zum Ende ihrer Intendanz das Große Haus bespielen dürfe. Diese Information kommt aus dem näheren beruflichen Umfeld von Juliane Votteler und liegt der DAZ schriftlich vor. Juliane Votteler und Thomas Weitzel waren während der Osterfeiertage bezüglich einer Bestätigung dieser Aussage nicht zu erreichen. – Bis zur Sonderkulturausschusssitzung am 22. März war die Öffentlichkeit dergestalt informiert, dass die Theatersanierung bereits im Januar/Februar 2017 beginnen solle. Auf der Sondersitzung überraschte Thomas Weitzel die Presse und wohl auch einige Mitglieder des Kulturausschusses mit dem “neuen” Termin, der von Weitzel mit dem laufenden Bürgerbeteiligungsverfahren begründet wurde.



Theatersanierung: Terminverschiebung bringt Stadtregierung in Erklärungsnot

Die Verschiebung des Beginns der Sanierung des Großen Hauses des Augsburger Stadttheaters sorgt in der politischen Stadt für Irritationen und bringt die Augsburger Stadtregierung in Erklärungsnot.



Von Siegfried Zagler


Die von Kulturreferent Thomas Weitzel am 22. März en passant verkündete Verschiebung des Sanierungsbeginns des Augsburger Stadttheaters zeigt Wirkung: Es steht nicht viel weniger als die Glaubwürdigkeit der Stadtregierung auf dem Spiel. Wie Thomas Weitzel im Sonderkulturausschuss am 22. März beiläufig erwähnte, soll mit der Sanierung des Großen Hauses nicht (wie ursprünglich geplant) nach dem Opernball im Januar 2017 begonnen werden, sondern erst nach der Spielzeit 2017, also im Herbst 2017. Die Frage, wann diese Umplanung beschlossen wurde, lässt sich grob erfassen: Die Erstellung eines Spielplans setzt für die Theaterleitung eine langfristige Planungssicherheit voraus, sodass davon auszugehen ist, dass die zeitliche Umplanung der Theatersanierung bereits vor vielen Monaten beschlossen wurde.

Als Grund für diese Umplanung wurde vom Augsburger Kulturreferenten Thomas Weitzel in der Hauptsache der laufende Bürgerbeteiligungsprozess in Sachen „Zukunft der Theaterlandschaft“ genannt. Ein vorgeschobenes Argument, wie politische Beobachter und Stadträte aus den Reihen der Opposition vermuten, da in diesem Bürgerbeteiligungsprozess weder der Brandschutz noch die statische Ertüchtigung des Großen Hauses eine Rolle spielen. Diese Sanierungsmaßnahmen wurden von der Stadtregierung zuletzt als „alternativlos“ dargestellt. Wahrscheinlicher sei es, dass das zuständige Kulturreferat mit der Einrichtung und Planung der Interimsspielstätten in Schwierigkeiten gekommen sei. Dies sei eher der Anlass dafür, dass der Sanierungsbeginn verschoben wurde. In einer Anfrage an Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl will nun die Fraktion von Pro Augsburg wissen, warum weder der Kulturausschuss noch die Öffentlichkeit über diesen Aufschub informiert wurden: „Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, wie können Sie den Verdacht entkräften, dass hier (wieder einmal) in der Kultur Hinterzimmerpolitik betrieben wurde?“ So endet die Anfrage Pro Augsburgs, die „nur“ die defizitäre Öffentlichkeitsarbeit der Stadtregierung thematisiert, aber nicht nach den Gründen der Verschiebung fragt.

Auch Stadtrat Volker Schafitel vermutet, dass das Problem wohl bei der unbefriedigenden Interimssituation zu verorten ist, verweist aber auf Anfrage auf eine andere Schwachstelle: „Ich erkenne als Architekt nicht, dass der Brandschutz im Großen Haus derart auf Kante liegt, dass deshalb eine sofortige Schließung beziehungsweise eine Generalsanierung erfolgen muss. Meine Einschätzung wird dadurch bestätigt, dass mir OB Gribl die Antwort auf meine Anfrage im Januar 2016 zu den Brandschutzanforderungen und die dafür kalkulierte Kosten bis heute schuldig geblieben ist.“ Schafitel sieht in Sachen Brandschutz nicht zuletzt deshalb keinen überbordenden Handlungsbedarf, weil ihn die Vermutung plagt, dass „es noch gar kein Brandschutzgutachten gibt.“

Schafitels ungeprüfte Denkungsart wurde vom obersten Brandschützer der Stadt, Frank Habermaier, nicht entkräftet. Bei der Komödie, so Habermaier in einem Gespräch mit der DAZ, habe sich die Brandschutzbehörde über einen sehr langen Zeitraum immer wieder auf halbjährige Verschiebungsfristen eingelassen, bis schließlich nach zirka zehn Jahren das Ende der Fahnenstange erreicht worden sei und das Haus wegen nicht erfüllten Brandschutzauflagen geschlossen werden musste. Natürlich gebe es im Großen Haus auch unerfüllte Brandschutzauflagen, die Mängel seien aber längst nicht so gravierend wie seinerzeit in der Komödie. Die erneute Aufschiebung des Sanierungsbeginns sei deshalb nicht so dramatisch zu bewerten, so Habermaier zur DAZ auf Anfrage.

Schwer erfüllbare Brandschutzauflagen waren der Anlass für die Generalsanierung des Augsburger Stadttheaters. Stets wurde von der Stadtregierung angeführt, dass die Schließung des Theaters durch die Brandschutzbehörde ohnehin käme, würde man das Haus zum Zwecke der Sanierung nicht im Januar/Februar 2017 schließen. Im Grundsatzbeschluss zur „Generalsanierung und Neukonzeption des Theaterstandortes Augsburg“ heißt es hierzu: „Der Spielbetrieb kann derzeit nur noch mit erheblichen organisatorischen Sicherheitsmaßnahmen aufrecht erhalten werden, die seitens der Aufsichtsbehörden nur noch begrenzt bis zur einer Instandsetzungsmaßnahme geduldet und mitgetragen werden. Somit droht die Schließung des Großen Hauses.“

Aus dem Flurfunk der Verwaltung war zu erfahren, dass Sanierungsarchitekt Walter Achatz Anfragen von OB Gribl abzuarbeiten hatte. Sogar ein Treffen soll anberaumt worden sein. Kontakte zwischen Baureferent Gerd Merkle und Walter Achatz hätten nicht die Bedeutungsschwere wie ein Treffen Achatz/Gribl, weshalb man vermuten könne, dass möglicherweise größere Umplanungen in der Schwebe seien. Genaues aber wisse man nicht.

Die Antwort auf die Frage, wer die Verschiebung der Theatersanierung wann und aus welchem Grund beschlossen hat, ist entgegen allen Transparenzversprechungen auf der Homepage der Stadt nicht aufgeführt. Stadtrat Volker Schafitel reagierte auf diesen Hinweis mit Fatalismus: „Auch eine mögliche Begründung mit dem Bürgerbeteiligungsverfahren müsste man nicht glauben, da es ja das Große Haus gar nicht einschließt und laut OB Gribl ein derartiges Beteiligungsverfahren immer schon geplant war.“

—— Grafik: Stadt Augsburg



Stadtwerke testen Fahrradmitnahme

In den langen Straßenbahnen und neuen Bussen der Stadtwerke Augsburg (swa) kann ab sofort auch das Fahrrad mitgenommen werden.


„Wir wollen damit einen Beitrag zum städtischen Projekt Fahrradstadt 2020 leisten“, so swa-Geschäftsführer Dr. Walter Casazza. Dazu haben die swa jetzt einen Testbetrieb gestartet. „Über einige Monate hinweg wollen wir Erfahrungen in der täglichen Praxis sammeln“, so Casazza.

Die Mitnahme ist außerhalb der Hauptverkehrszeiten von 9 bis 15 Uhr und ab 18.30 Uhr in Straßenbahnen des Typs Combino und Cityflex sowie in den neuen Mercedes-Bussen möglich, allerdings nur, wenn es die Situation erlaubt und genügend Platz für das Fahrrad vorhanden ist.

Rollstühle, Rollatoren oder Kinderwagen haben ebenso wie Fahrgäste immer Vorrang vor Fahrrädern. Ist also der Stellplatz bereits belegt oder lässt es der Platz wegen großen Fahrgastaufkommens nicht zu, kann das Fahrrad nicht mitgenommen werden. Und im Bedarfsfall muss der Fahrradfahrer mit seinem Zweirad Platz machen und das Fahrzeug verlassen. Auch Sonderlinien wie der Stadion- oder der Messe-Linie sind Fahrräder tabu. Der Zustieg mit Fahrrad ist nur an den mit einem blauen Fahrrad-Symbol gekennzeichneten Türen möglich – in den Straßenbahnen an der vierten Türe und bei den Mercedes-Bussen an der zweiten Türe. Die Räder müssen dort mit den angebrachten Halteriemen gesichert werden. In allen anderen Bahnen und Bussen können Fahrräder wegen der begrenzten Stellfläche nicht mitgenommen werden.

Die Fahrradmitnahme gilt nur für Fahrräder normaler Bauart und Größe, nicht also für Tandems, Fahrradanhänger, Liege- oder Lieferräder. Und auch das Fahrrad braucht einen gültigen Fahrschein, zusätzlich zum Ticket für den Fahrgast. Als Fahrrad-Tageskarte gilt ein Zwei-Zonen-Ticket für Kinder zum Preis von 1,70 Euro. Eine eigene Fahrradkarte gibt es nicht. Auch die Fahrradkarten der Deutschen Bahn gelten nicht.



Aufruf zur Teilnahme am Augsburger Ostermarsch

Wie jedes Jahr zur Ostern finden auch in Augsburg die traditionellen Ostermärsche statt. Am Ostersamstag, 26. März 2016, geht es um 11.30 Uhr am Königsplatz los.

Ihren Ursprung hat die Ostermarsch-Bewegung in den 50er Jahren in Großbritannien und in Deutschland als der Eiinsatz strategischer Nuklearraketen zur Militärdoktrin wurde. Seither gehen jedes Jahr zu Ostern in zahlreichen Ländern Menschen auf die Straße, um für Frieden und Verständigung zu demonstrieren.

Verschiedene Augsburger Initiativen rufen auch dieses Jahr dazu auf, am Ostermarsch in Augsburg teilzunehmen. Der aktuelle Aufruf ist hier.



Brechtfestival: Stadt nimmt Langs Ausstieg zur Kenntnis

Die Stadt Augsburg nimmt den Ausstieg des bisherigen Brechtfestivalleiters Joachim Lang zur Kenntnis, ohne seine in der Augsburger Allgemeinen geäußerten Behauptung zu kommentieren.

In einer Pressemitteilung nimmt die Stadt zu dem öffentlichkeitswirksam zelebrierten Ausstieg von Joachim Lang Stellung: „Der bisherige Leiter, Dr. Joachim Lang, hat seine Bewerbung um eine Verlängerung seines Vertrags für das Jahr 2017 zurückgezogen. Dies teilte er Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl und Kulturreferent Thomas Weitzel gestern telefonisch mit“, wie es in der kurzen städtischen Pressemitteilung lapidar heißt. Kulturreferent Thomas Weitzel wird dabei mit einem Satz zitiert: „Ich nehme dies mit Respekt und Dank für die geleistete Arbeit zur Kenntnis. Nun werden die Weichen für die inhaltliche und personelle Zukunft des Brechtfestivals gestellt.“

In einer Sondersitzung am heutigen Dienstag, 22. März 2016, ab 18 Uhr, berät der Kulturausschuss die künftige Leitung und das Konzept des Brechtfestivals.



Kulturausschuss bringt neues Brechtfestival auf den Weg

Mit 12:1 Stimmen beschloss der Augsburger Kulturausschuss auf seiner gestrigen Sondersitzung, dass das von Patrick Wengenroth entwickelte Brechtfestival-Konzept realisiert werden soll.

Damit steht fest, dass Patrick Wengenroth das 2017er Brechtfestival prägen  wird. Der Berliner Regisseur und Schauspieler wird die an der Biographie Brechts angelehnte Festivalreihe Langs nicht fortführen, sondern “verstärkt die Auseinandersetzung mit der politischen Gedankenwelt sowie der ästhetischen Praxis Brechts suchen”, wie es im Konzeptpapier Wengenroths heißt. Es sei darüber hinaus notwendig, “eine sich stärker am Mehrwert des Brechtschen Werkes orientierende Beschäftigung im Hinblick auf uns gegenwärtig umtreibende brennende politische, kulturelle und ästhetische Fragen zu erreichen”, wie Wengenroth schreibt. Hierzu soll es zwei wissenschaftlich-edukative Brecht-Werkstätten im Rahmen des Festivals geben. Für das Brechtfestival 2017 sollen diese beiden Themenschwerpunkte zum einen die Freundschaft und Arbeitsbeziehung von Bertolt Brecht und Walter Benjamin zum anderen die Analyse von Chauvinismus und Feminismus im Werk Brechts herausarbeiten.

Um die überregionale Relevanz und Strahlkraft des Festivals zu erhöhen, soll es ein Gastspiel eines Theaters aus dem europäischen Ausland geben sowie eines von einem relevanten bundesdeutschen Theater. Außerdem strebt Wengenroth an, “das Brechtfestival auch als Produzent eigener Produktionen zu profilieren, statt nur einzuladen und zu kompilieren”, die Augsburger Kulturszene noch aktiver und inhaltlich-dramaturgisch fundierter einzubinden “und nicht nur Almosen in Form von Geldern und Auftrittsmöglichkeiten zu verteilen”, wie es wohl nach Auffassung Wengenroth und Weitzel unter der Ägide Lang geschehen ist.

Es soll im 2017er Festival eine praxisorientiertere Beziehung zu Brechts schriftstellerischem Schaffen angestrebt werden. Zum einen soll es eine mehrwöchige von einem Theaterautor angeleitete Schüler-Schreibwerkstatt geben, an deren Ende eine Bühnenpräsentation der Ergebnisse steht. Und es steht ein  eintägiger Literaturschwerpunkt auf der Agenda, “der nach Brechts literarischen Nachfahren der Gegenwart forscht und Autoren präsentiert, die mit ihren aktuellen Dramen und Prosatexten einen politischen und kulturkritischen Standpunkt beziehen”.

Der Sachverhalt, dass der bisherige Brechtfestivalleiter Joachim Lang seine Bewerbung aus terminlichen Gründen zurücknahm, erleichterte den 13 Stadträten des Kulturausschusses die Entscheidungsfindung. Mit 12:1 stimmten sie für das Wengenroth-Konzept. Die Gegenstimme kam von Benedikt Lika (CSU).

—- Foto: Patrick Wengenroth