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Stadtwerke: Neuer Rekord bei Fahrgastzahlen

Noch nie waren so viele Menschen mit den Bussen und Straßenbahnen der Stadtwerke Augsburg (swa) unterwegs. Mit über 59,3 Millionen Fahrgästen im Jahr 2015 nähern sich die swa der 60-Millionen-Marke.

„Wir haben für 2015 zwar mit einer deutlichen Zunahme der Fahrgastzahlen gerechnet, dass sie so hoch ausfällt hat uns aber positiv überrascht“, so swa-Geschäftsführer Dr. Walter Casazza. – Gut zwei Millionen Fahrgäste mehr konnten die swa 2015 gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Das ist ein Plus von 3,7 Prozent und deutlich mehr als die bundesweite Fahrgaststeigerung im Nahverkehr von 0,5 Prozent. „Das Ergebnis zeigt, dass die Bürger den Nahverkehr verstärkt nutzen, wenn das Angebot stimmt“, so Casazza. Der Nahverkehr in Augsburg sei attraktiv und die Steigerung der Fahrgastzahlen bedeute eine Anerkennung für unsere Bemühungen, das Angebot noch attraktiver zu machen, wie Geschäftsführer Casazza feststellt.

Der Stadtwerke-Chef führt die Zunahme unter anderem auf die Verlängerung des dichteren Straßenbahn-Taktes in den Abendstunden zurück. So fahren die Trams seit 2015 bis 20:15 Uhr im 7,5-Minuten-Takt, statt wie vorher nach dem Fünf-Minuten-Takt bereits ab 18:00 Uhr alle 15 Minuten. Dass dafür der Takt am Vormittag von Fünf- auf 7,5-Minuten verlängert wurde, blieb ohne Auswirkungen. „Wir haben auch große Anstrengungen für mehr Pünktlichkeit und die Sicherung von Anschlüssen unternommen“, so Casazza. Mit um die 90 Prozent sei die Pünktlichkeit bei den Straßenbahnen mittlerweile sehr hoch. Und seit Juni garantieren die swa ihren Fahrgästen an etlichen Umsteige-Haltestellen die Anschlüsse von der Tram auf den Bus.

Freies WLAN in den Fahrzeugen, der neue Königsplatz, der bei Dunkelheit die Abfahrt der Straßenbahnen signalisiert, die Erweiterung des Mobilitätsangebots mit Carsharing oder die Bemühungen für mehr Sauberkeit in den Fahrzeugen und an Haltestellen: „All das trägt dazu bei, das Angebot für die Fahrgäste attraktiver zu machen. Und wir sind mit kontinuierlichem Qualitätsmanagement dabei, unsere Leistungen stetig zu verbessern“, so Casazza.

Was die unterschiedlichen Tickets angeht, so waren 2015 Wochen- und Monatskarten mit Steigerungen von 11 und 17 Prozent deutlich stärker gefragt als im Jahr zuvor. Aber auch Tageskarten hatten ein Plus von acht Prozent. Zugelegt haben auch Tickets für Schüler mit drei Prozent und Studenten mit fünf Prozent. Einen positiven Beitrag zu den Fahrgastzahlen leistet sicherlich auch der neue Kö. „Das Umsteigedreieck bewährt sich jeden Tag aufs Neue ganz hervorragend“, so Casazza. Einen zusätzlichen Schub wird der Nahverkehr in Zukunft vor allem durch den Umbau des Hauptbahnhofs sowie die neue Straßenbahnlinie 5 zum Klinikum und die Verlängerung der Linie 3 nach Königsbrunn erfahren. „Das sind die Meilensteine, die die Attraktivität und Leistungsfähigkeit des öffentlichen Nahverkehrs in Augsburg und der Region weiter deutlich steigern werden.“ Die Zuwächse, die mit dem neuen Sozialticket in Verbindung zu bringen wären, sind bei der gestern via Pressemiteilung vorgestellten Statistik nicht aufgeführt.

(Foto: swa/Thomas Hosemann)



FCA: Man konnte sehen, wie sehr Werner fehlte

Anmerkungen zu Liverpool – und Hannover

Am morgigen Sonntag spielt der FC Augsburg in der 22. Runde der Fußballbundesliga auswärts gegen Hannover 96. Das torlose Heimspiel in der Europa League gegen den FC Liverpool gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus.

Von Siegfried Zagler

Sollten die Augsburger beim Tabellenletzten verlieren, würden sie, sollte Bremen in Ingolstadt siegreich sein, auf einen Tabellenplatz zurückfallen, der über die Relegation in die Zweite Liga führen könnte. Doch selbst das wäre noch kein Beinbruch, da der FCA einen Kader hat, der stark genug ist, um sich im darauf folgenden Abstiegskampf behaupten zu können. Hannover hat die letzten sieben Ligaspiele allesamt verloren und in diesen sieben Spielen nur zwei Tore geschossen. Diese scheinbar trostlose Serie relativiert sich allerdings, wenn man auf die Gegner schaut: Bayern, Dortmund, Schalke, Leverkusen. Gegen die beiden Topklubs der Liga gab es jeweils nur eine 0:1 Niederlage, womit gesagt sein soll, dass sich die beiden Teams in zweierlei Hinsicht ähneln: Beide sind besser als ihr Tabellenstand vermuten lässt und beide tun sich im Toremachen schwer.

Gegen Liverpool zeigte FCA-Trainer Markus Weinzierl Mut zum Risiko und setzte ohne Not mit Altintop und Werner zwei Spieler ein, die wegen Formschwäche (Altintop) beziehungsweise Verletzung (Werner) seit Monaten ohne Spielpraxis und Rhythmus in der zweiten Reihe standen. Das Experiment hat nicht wirklich funktioniert, da die Liverpooler ihre Großchancen in der zweiten Halbzeit über Werners Seite generierten, die zur Einflugschneise der Reds wurde, weil die Abstimmung mit Stafylidis sich phasenweise in Auflösung befand und Werner zusehend an Kraft verlor. Warum er von Weinzierl so spät ausgewechselt wurde, versteht ohnehin nur Weinzierl selbst. Das Gleiche gilt für Bobadilla, der mit einer Muskelverletzung am Oberschenkel 15 Minuten übers Feld traben durfte.

Unabhängig davon, zeigte der Einsatz von Werner, wie sehr ein Spieler wie er dem FC Augsburg fehlte. Im Gegensatz zu Ji ist Werner in der Lage, sich so anzubieten, dass er erstens risikolos anspielbar ist und zweitens kann Werner einen Angriff mit Verstand an die Grundlinie oder in den Strafraum führen und wird dabei klug von Altintop unterstützt. Im Gegensatz zu Ji oder Trochowski sind Altintop (in Form) und Werner Spieler, die sich in ein Match hineinarbeiten können. Sie sind in der Lage ein laufendes Spiel zu lesen und sich als Akteur dementsprechend zu verhalten, während man zum Beispiel bei Ji den Eindruck hat, dass er gar nicht verstehen würde, was gemeint wäre, würde man ihm sagen, er müsse den Verlauf des Spiels in sein Agieren mit einbauen. In Hannover liegen morgen die Gewinnchancen der Augsburger über 50 Prozent, am kommenden Donnerstag in Liverpool deutlich unter 50 Prozent. Das erste Spiel, soweit kann man sich festlegen, wird ein knappes Ergebnis bringen. In Liverpool ist für den FCA auch eine höhere Niederlage drin, was nicht darauf zurückzuführen ist, dass der FC Liverpool sich allzu deutlich in der Qualität abhebt, sondern darauf, dass bei einem 0:1 Rückstand der FCA aufmachen müsste und somit anfällig für weitere Tore wäre.

Am Schluss noch zwei Fragen. Die erste ließe sich schnell und einfach beantworten: Was ist mit Bobadilla? Die zweite ist unbeantwortbar: Hätte sich Bobadilla die Verletzung auch dann zugezogen, hätte er am Sonntag gegen die Bayern nicht durchgespielt?



Fleischhalle mit Fototapete

Die neue Fleischhalle sorgte für Kritik bei der Kundschaft. Es gebe zu wenig normale Sitzgelegenheiten an normalen Tischen. Marktamtsleiter Werner Kaufmann reagierte: Die Anzahl der Sitz-Stühle wird auf insgesamt zwölf erhöht werden. Dass damit nicht alle Mängel der insgesamt gelungenen Sanierung behoben sind, soll der folgende Text offenlegen.

Von Siegfried Zagler

Die Feststellung, dass das Neue das Alte „nur“ wegen der funktionalen Verbesserung ersetzt, ist keine tiefschürfende Erkenntnis. Ästhetisch scheint das Neue dem Alten nämlich unterlegen. Im Lauf der Zeit aber, wenn sich das Neue vom Alten durch den gewöhnlichen Gang der Dinge entfernt und nicht mehr so unbenutzt glänzt und somit nicht mehr auf unnatürliche Weise Aufmerksamkeit verbraucht, sondern sich in die vertraute Grammatik des selektiven Wahrnehmens eingereiht hat, also nicht mehr neu ist, verschwindet langsam die Erinnerung daran, was vor dem Neuen einmal so vertraut war. Mit dem Vertrauten verschwindet jedoch etwas Gewachsenes und in unausgesprochenen Vereinbarungen über Generationen hinweg tief Verankertes, das in unzähligen menschlichen Bewusstseinsebenen als etwas existierte, das mit dem Begriff „Heimat“ eine kulturelle Entsprechung fand. Heimat – und nun verlassen wir die sprachliche Abfolge von Allgemeinplätzen – ist nämlich kein unveränderbarer Ort, sondern eine launische Diva der Erinnerung, die sich gern der romantischen Verklärung für das Vergangene hingibt. Meistens spricht man über Heimat im Kontext von Verlust.

Die alte Fleischhalle war und ist ein speziell erinnertes Stück Heimat, das (wie der gesamte Stadtmarkt) einem steten Wandel ausgesetzt war und ist und zugleich dem Lauf der Zeit zu trotzen verstand, was mit einigen Beschickern in Verbindung zu bringen ist, also mit den Imbissbetreibern, die seit vielen Generationen die gleichen Gerichte zur Mittagszeit verkaufen und somit die flüchtigste aller Welten konservieren: den Geruch. – Zu Beginn ihrer Zeit war die Fleischhalle, man mag es kaum glauben, ein Ort, wo Fleisch verkauft wurde. Mehr als 50 Metzger boten dort kontrollierte Fleisch- und Wurstwaren aus der Region an. Heute ist die Augsburger Fleischhalle ein Ort des eiligen Verzehrs, also eine Ansammlung von Imbissbuden. Man kann in der Fleischhalle längst asiatische Nudelgerichte, Pizzateile und Döner verspeisen und selbstverständlich leben die zwei übriggeblieben Metzger in der Fleischhalle auch von der Hauptkundschaft, den Schnellessern zur Mittagszeit.

Die Augsburger Fleischhalle litt zuletzt daran, dass sie von ihren Imbissbuden-Betreibern möbliert wurde. Plastikstühle, Bistro-Tische und Holzbänke stimmten über die gesamte Länge der weiß gekachelten Halle eine Parodie auf den Begriff der Gemütlichkeit an. Die Fleischhalle, die man seit Kurzem „alte Fleischhalle“ nennen darf, evozierte mit ihrem unkoordinierten Nebeneinander einfachster „Tellerabstellgelegenheiten“ nahezu asiatische Funktionalität, und zwar gerade wegen des Durcheinanders von Gerüchen, Geschirr und Gartenmöbeln. Der freie Blick auf das gesamte Buden-Tableau mit bodenständigen Rezepturen erzeugte eine Atmosphäre zwischen Geschäftigkeit und Kontemplation, die von der Tiefe des Raumes umschlossen und somit auf schlichte Art erhöht wurde. Gegen gewachsene Strukturen und Raumtiefe steht jedes architektonische Gegenkonzept auf verlorenem Posten, weshalb Innenarchitektin Margarete Kolb die Brechung des Raum kontrolliert vornahm, sodass die Tiefe der Halle zwar gebrochen wurde, aber dennoch erhalten blieb. Kolb hat die Halle in eine Aneinanderreihung von Essquartieren verwandelt, die den Aufenthalt der Schnellesser „vergesellschaftet“. Das Industriedesign mit der von oben nach unten verfeinerten Farbdramaturgie bringt einen angenehmen Hauch Freundlichkeit in die ehemalige Funktionshalle, deren ehemaliger Schlachthaus-Charme die „Wahrheit der Fleischware“ erkenntlich machte. Innenarchitektin Margarete Kolb hat mit ihrem Platz-Konzept nicht nur den Raum freundlicher und kommunikativer gemacht, sondern auch hervorgehoben, dass Essen ein soziales Ereignis sein sollte. Der dezent-funktionale Zwei-Personen-Tratsch um die eckige Säulen herum musste einem gemeinsamen Mahl weichen. Um es einfach zu sagen: Margarete Kolb hat an den Bedürfnissen der Einheimischen vorbei geplant und kommunikative Essecken geschaffen, die in Düsseldorf oder Köln für weniger Irritationen sorgen würden. Und damit ist nicht gemeint, dass angeblich am Bedarf vorbei geplant wurde, weil es zu wenig Sitzplätze geben soll.

So gesehen, ist die neue Fleischhalle ein kühner Wurf, weil sie gegen die Kommunikationsgewohnheiten ihrer Kundschaft gebürstet ist. Es mag ironisch klingen, ist aber ernst gemeint, dass es sich gerade deshalb um eine gelungene Sanierung handelt, die man richtig gut finden könnte, hätte die Innenarchitektin auf die aufgeschnittenen Blech-Container verzichtet, die die Geschirrwagen der Betreiber beherbergen und worst-case-artig auch noch mit großflächigen Fotos beklebt wurden, die im historischen Braunton eben den historischen Stadtmarkt zeigen. Der Fleischhallen-Besucher kann sich somit vergewissern, dass es früher nicht besser, sondern anders war. Dieses museale Fototapeten-Desaster ist ein Gestaltungsabdruck, der in eine trostlose Zwischenwelt führt, die vom Hintergrundrauschen tiefster Provinzialität gezeichnet ist. Hätte man auf diesen Historien-Kitsch verzichtet, könnte man die Sanierung der Fleischhalle als gelungen bezeichnen.