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FCA: Liverpool auf dem Weg in die WWK Arena

Vor wenigen Minuten hat der Liverpooler Tross das Steigenberger Hotel verlassen und befindet sich nun auf dem Weg ins Augsburger Stadion, wo in zirka 90 Minuten ein Spiel angepfiffen wird, das nicht nur für die Spieler des FCA, sondern auch für die ganze Stadt und die Region zu den großen Momenten in der Geschichte der Sportstadt Augsburg zählt.

Weinzierl will gegen die Engländer „eine gute Visitenkarte abgeben – dann werden sie schon wissen, wo Augsburg liegt und wie Augsburg spielt.“ Das Duell mit Liverpool ist für ihn der „gefühlte Höhepunkt der sehr tollen Entwicklung der letzten Jahre“ und eine „Belohnung für jeden Einzelnen.“ Dennoch bereite man sich genau so vor wie auf jedes Bundesligaspiel, so Weinzierl, der darauf Wert legt, dass das wichtige Bundesligaduell gegen Hannover am Sonntag heute keine Rolle spielen wird: „Ich bin der Einzige, der bis Sonntag denkt, die Jungs denken nur bis Donnerstag. Sie sollen das genießen, sich zerreißen und das leben“, so der FCA-Trainer.

Der FC Liverpool war in den 70er und 80er Jahren in England wie in Europa eine Macht. Dann mussten die Liverpooler ihre Vormachtstellung an Manchester United abgeben. Den letzten Meistertitel gewannen die Reds in der Saison 1989/90. Im Jahre 2005 sorgte Liverpool mit einem spektakulären Champions League-Titelgewinn für Schlagzeilen, als sie einen 3:0 Vorsprung des AC Mailand in einen Sieg zu drehen verstanden. Danach war Schluss mit den ganz großen Erfolgen.

Heute gehört der FC Liverpool eher zum guten Durchschnitt der englischen Mannschaften in der Premier League, ohne jede Chance noch in die laufende Meisterschaft eingreifen zu können. Die Sieg-Chancen der Augsburger beim heutigen Heimspiel der Play-Off-Phase der Europa League stehen dennoch nicht besonders hoch. Der FC Liverpool ist zwar nicht Bayern München, aber eine halbe Klasse besser als zum Beispiel Belgrad oder Bilbao, die sich in Augsburg in der Gruppenphase mit Siegen behaupten konnten. Das weiß auch Markus Weinzierl: „Ich hätte gerne vor sechs Wochen gegen Liverpool gespielt, wenn ich es mir hätte aussuchen können.“ Damals befand sich der FC Liverpool auf dem Höhepunkt seiner Verletztenmisere, die sich nun langsam ihrem Ende zuneigt. Beim FCA stehen Hong und Trochowski wegen Muskelbeschwerden auf der Kippe. Jan Moravek muss wegen einer Gehirnerschütterung pausieren. Baier und Callsen-Bracker zählen zu den Langzeitverletzten, was für Christian Küster vom FCA-Fanclub “Die Einzigartigen” keine Rolle spielt: “Wir gewinnen 2:1!”, so Küster der den FCA bereits in der nächsten Runde wähnt, da man in der Anfield Road auf ein Unentschieden bauen könne.

____________________________ (Foto: Orzuman Nurmukhamedoff)



Sinfoniekonzert: „Aufgepudert“, aber nicht verzopft

In einen Rokokosaal hätte das Programm besser gepasst, das sich die Augsburger Philharmoniker für ihr 5. Sinfoniekonzert ausgesucht haben. „Aufgepudert“ klingt aber auch ein bisschen nach Fasching und wenn der auch in diesem Jahr schon vorbei ist, so konnte man sich bei dem sehr reduzierten Orchester die gepuderten Perücken und galanten Roben der Barockzeit förmlich dazu denken.

Von Halrun Reinholz

Gastdirigent Konrad Junghänel hatte zwar auch keine Perücke auf, aber seine weiße Haarmähne passte dennoch irgendwie ins Bild. Die Überschrift des Programms weist eben auf eine Zeit, wo Musik in Salons gemacht wurde. Keine Einzelvirtousen beherrschten den Klang, sondern das Zusammenspiel gleichwertiger Instrumente stand im Fokus. Nicht zufällig waren die Eckpunkte des Programms, also Anfang und Ende, dem Publikum vertraut. Johann Sebastian Bach, der Großmeister des Barock, war mit seiner Orchestersuite Nr. 3 D-Dur, BWV 1068 vertreten. Bekannt daraus ist vor allem das Air, hier in einer authentisch unverkitschten Version an seinen Ursprung geführt. Dermaßen ins Thema gebracht, folgte man dem Italiener Pietro Locatelli und seinem Concerto grosso Nr. 8 um schließlich noch vor der Pause die Weiterentwicklung der Musik  beim Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel in seiner schon recht klassische anmutenden Sinfonie Nr. 1 zu verfolgen. Nach der Pause wurde es mit Georg Philipp Telemann wieder barocker,  lustvoll karikierte er in seiner Orchestersuite Nationaltypisches der Türken, der Schweizer, der „Moskowiten“, der Portugiesen um schließlich die „Lahmen“ und die „Läufer“ klanglich zu skizzieren.

Dass Wolfgang  Amadeus Mozart den Endpunkt eines Barockprogramms bildet, mag zunächst befremden. Vor allem Adagio und Fuge sind für sein Werk nicht eben kennzeichnend. Eher vertraut klingt die den Konzertabend abschließende Sinfonie Nr. 25 g moll KV 546. Gastdirigent Junghänel erläuterte im Interview, dass er das Programm mit Bedacht so zusammengestellt hat, um die rasante Musikentwicklung in der Umbruchszeit zwischen Barock und Klassik zu illustrieren. Zwischen Bachs Orchestersuite und Mozarts Sinfonie liegen nur 50 Jahre, in der sich die musikalische Formensprache deutlich gewandelt hat, ohne dass es zu krassen Brüchen gekommen sei. Die Kompositionen des Konzertabends zeigen im Gegenteil die Anleihen, Wechselwirkungen und Referenzen, die die jungen Komponisten bei den „Alten“ nahmen.  Mozarts Fuge entstand durch die Beschäftigung mit der Musik von Bach, die offenbar auch seiner Frau Konstanze gut gefiel. Weil er vor ihr zugeben musste, bisher selbst keine Fuge geschrieben  zu haben, „zanckte sie mich recht sehr daß ich eben das schönste und künstlerischste in der Musick nicht schreiben wollte“. So schließt sich die Klammer um ein nachvollziehbar ausgewähltes, vergnügliches und meisterhaft präsentiertes musikalisches Programm, das das Augsburger Publikum in der fast ausverkauften Kongresshalle mit enthusiastischem Applaus quittierte. Ein in jeder Hinsicht außergewöhnlicher Konzertabend mit der Aura von Sternenpuder.