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Qualität der Bildungsregion ist jetzt besiegelt

Festliche Verleihung des Qualitätssiegels durch Bildungsminister Spaenle

Von Halrun Reinholz

Dr. Kurt Gribl, Dr. Ludwig Spaenle, Hermann Köhler, Dr. Stefan Kiefer (v.l.)

Dr. Kurt Gribl, Dr. Ludwig Spaenle, Hermann Köhler, Dr. Stefan Kiefer (v.l.)


Die ganzheitliche Bildungsentwicklung stand im Vordergrund, als die Stadt Augsburg sich für das Qualitätssiegel „Bildungsregion in Bayern“ bewarb. Das hatte Bildungsreferent Hermann Köhler von Anfang an klar gemacht und die Bewerbung auf eine umfangreiche Grundlage gestützt. Mit im Boot war das Sozialreferat mit seinem Referenten Stefan Kiefer, die wissenschaftliche Begleitung erfolgte am Lehrstuhl für Schulpädagogik der Universität unter der Leitung des erfahrenen Schulpädagogen Werner Wiater.  Denn, so lautete das Credo des Bildungsreferenten, nur durch Vernetzung aller Akteure der Stadtgesellschaft und aller Aspekte des Bildungsbegriffs können tragfähige Ergebnisse im Sinne einer echten Bildungsregion erzielt werden.

Alle Akteure im Dialog

Grundlage für den Weg zur ganzheitlichen Bildungsentwicklung  war zunächst der zweite Bildungsbericht der Stadt Augsburg im Jahr 2012 und damit ein Ist-Zustand.  Am Lehrstuhl für Schulpädagogik an der Universität wurde eine Steuerungsgruppe ins Leben gerufen, die Erfahrungen der Stadtteilarbeitskreise wurden eingebracht. In einem ersten Dialogforum im Mai 2013 wurde die bestehende Situation mit Lehrkräften aller Schularten sowie mit Vertretern der Schulaufsicht, der Jugendhilfe, der Jugendarbeit, der Kindertagesstätten, der Stadtteilarbeitskreise, der Bildungsinstitutionen, der Universität und anderer Betroffenen die Situation vor Ort analysiert. Damit war sichergestellt, dass alle Aspekte des Themas Berücksichtigung fanden, das „Engagement der Menschen vor Ort“, das nach der Überzeugung Köhlers die Bildungsregion erst mit Leben füllt.

Dem Dialogforum folgte eine intensive Arbeitsphase mit verschiedenen Projekten, die entlang der Säulen der Bildungsregion initiiert und durchgeführt wurden und die sich auch in Veranstaltungen (u.a. eine Veranstaltungsreihe zur Leseförderung) niederschlugen. Die Erkenntnisse daraus landeten in der Zukunftswerkstatt „Bildungsregion Augsburg“ im März 2015. Damit folgte man der Einsicht, dass viele der in Angriff genommenen Themenfelder Aufgaben für die Zukunft darstellten, da auch weiterhin in der Bildungsregion planvolles Vorgehen und ein konstruktives Miteinander aller Akteure, die im weitesten Sinn mit Bildung befasst sind, erforderlich ist. Um dafür eine Grundlage zu schaffen, fand in der IHK im Juli 2015 das 2. Dialogforum Bildungsregion Stadt Augsburg statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung überreichten die Vertreter der Stadt Augsburg die Bewerbungsschrift für das Qualitätssiegel „Bildungsregion in Bayern“ dem Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kunst Hubert Lepperdinger. Mit dem 2. Dialogforum hatte der Prozess einen formalen Abschluss gefunden, es ging hier im wesentlichen um Bilanz und Rückschau auf die bisherige Arbeit. Vorgestellt wurden die aus der Zukunftswerkstatt gewonnenen Leitbilder  für die Bildungsentwicklung – eine Ausgangslage für die weitere Gestaltung der Bildungsregion.

Dass mit dieser soliden Vorarbeit beste Voraussetzungen für die Verleihung des Qualitätssiegels bestanden, liegt auf der Hand. Bildungsreferent Köhler sieht sich bestätigt in seinem Bemühen, zusammen mit allen Mitbeteiligten „gemeinsame Lösungen aus der Region für die Region“ zu finden.

Datenbasiertes Bildungsmanagement

Doch die Arbeit geht weiter. Als nächstes Ziel steht ein datenbasiertes Bildungsmanagement auf der Agenda der Stadt. Zu diesem Zweck hat sie sich für das Bundesprogramm „Bildung integriert“ beworben, mit dessen Hilfe die bereits eingeschlagene Richtung weiter ausgebaut werden soll. Das umfassende Bildungsmanagement wird vom Bildungs- und vom Sozialreferat gemeinsam verantwortet und bezieht alle Partner der Jugend- und Bildungsarbeit, aber auch der Wirtschaft, mit ein. Damit wird der Bildungsbericht fortgeschrieben, unter besonderer Berücksichtigung von Aspekten wie außerschulische Bildung, Sprachbildung, Teilhabe und Förderung der Integration. Über das Bildungsmanagement können auch die Angebote der Bildungsträger angepasst und  optimiert werden.

Handbuch als umfassende Dokumentation

Als Ergebnis des Dialogs im Bewerbungsprozess liegt eine umfassende Dokumentation der vielfältigen Bildungslandschaft Augsburg unter dem Titel „Bildungsregion Augsburg 2015“ als Handbuch vor. Sie enthält einen Überblick über Projekte der Bildung und Angebote für Jugendliche unter 21 Jahren  und ist für alle, die im Bildungsbereich im weitesten Sinne mit Jugendlichen arbeiten, ein zuverlässiger Wegweiser.



FCA vs. FCB 1:3

Nach der 1:2 Pleite in Ingolstadt verliert der FCA auch das zweite bayerische Derby gegen die Münchner Bayern in der ausverkauften WWK Arena mit 1:3. Garanten des Münchner Erfolgs waren die Top-Torjäger Lewandowski (Doppelpack in der 15. und 62. Minute)  und Thomas Müller ( 78. Min.). Raul Bobadilla  (86. Min.) gelang in der Schlussphase mit seinem 4. Saisontor wenigstens noch der Ehrentreffer für die nur in kämpferischer Hinsicht überzeugenden Augsburger.

Von Udo Legner

Im Vergleich zum Spiel in Ingolstadt stellte FCA-Coach Markus Weinzierl sein Team gleich auf drei Positionen um. Für Stafylidis, Esswein und Ji rückten Max, Trochowski und Neuzugang  Gouweleeuw in die Anfangsformation. – Für beide Teams stand dieses Derby unter besonderen Vorzeichen: Für die Bayern war es das erste Spiel nach dem Saison-Aus für Holger Badstuber, für die Augsburger war es der Auftakt zur Schicksalswoche mit dem Europaliga Auftritt gegen den FC Liverpool am Donnerstag und dem Auswärtsspiel beim Bundesliga Schlusslicht Hannover 96 am Sonntag.

Mit einem Badstuber-Shirt, mit dem sich die Bayern beim Einlaufen in die WWK-Arena zeigten, und der neu formierten Viererkette mit Lahm-Kimmich, Alaba und Bernat trugen die Bayern  der Besonderheit dieses Derbys Rechnung.

Auch die Augsburger zeigten sich in den Anfangsminuten von ihrer besten Seite und legten los, als ginge es darum, allen Spähern und Scouts aus Liverpool deutlich zu machen, was sie am Donnerstag an der schwäbischen Anfield Road erwartet. Angepeitscht von den Gesängen aus den Fanblocks wirbelte sich der FCA couragiert und ohne Respekt vor den großen Bayern ein ums andere Mal bis vor das Tor von Manuel Neuer. Dass diese Anfangsoffensive des FCA Strohfeuer blieb, lag zum einen an der Qualität der gegnerischen Abwehrreihe und zum anderen an der mangelnden Präzision und Cleverness der Augsburger. So hatte Bayern Verteidiger Vidal nach schönem Doppelpass zwischen Paul Verhaegh und Trochowski (2. Min.) keine Probleme, die Flanke des Augsburger Kapitäns zu klären. Zwei Minuten später erreichte Klavans klasse Zuspiel Raul Bobadilla, der diese Möglichkeit durch einen unpräzisen Pass auf Koo vergab anstatt selbst den Abschluss zu suchen,

Bereits nach acht Minuten war es aber mit der Augsburger Herrlichkeit vorbei.

Die Bayern kamen nun ein ums andere Mal gefährlich vor das Gehäuse von Marwin Hitz. Lahm und Thiago schossen den Augsburger Keeper langsam warm (8. und 9. Min.), bevor der FCA nach engagierter Balleroberung von Max gegen Arjen Robben zu seiner ersten richtigen Torchance kam. Nach beeindruckender Annahme des Diagonalpasses mit der Brust brachte Bobadilla den Ball aber nicht mehr aufs Bayern Tor.

In der 15. Minute lässt Robert Lewandowski der indisponierten FCA Verteidigung nur das Nachsehen und erzielt nach einer Flanke von Thomas Müller und einer raffinierten Drehung um die eigene Achse mit seinem 20. Saisontor die Führung für die Gäste.

Glaubt man der Statistik, so war dieses bayerische Derby nach genau einer Viertelstunde so gut wie entschieden. 18 Mal ging der FC Bayern in dieser Saison in Führung, sämtliche 18 Spiele gewann Guardiolas Team. Umgekehrt schaffte es die Weinzierl-Elf nur ein einziges Mal in dieser Saison (am 11. Spieltag beim 3:3 gegen Mainz) nach Rückstand einen Punkt zu holen.

Ob es an der Macht des Faktischen lag, dass es dann kam, wie es kommen musste? Mit Sicherheit trug

Tabelle nach dem 21. Spieltag

Tabelle nach dem 21. Spieltag


neben der individuellen Klasse der Bayernspieler und dem an allen Ecken und Enden fehlenden Daniel Baier das alte Manko des FCA zur Niederlage bei – der Mangel an Kreativität im Mittelfeld, der sich in zu vielen Quer- und Rückpassen niederschlug. Schnelle und überraschende Pässe in die Schnittstelle – Fehlanzeige! Hinzu kam, dass Koo auf der rechten Seite fast ein Totalausfall war und Kohr nach vorne zu wenig brachte. – Bis zur Halbzeit konnte der FCA durch aufopferungsvolle Abwehrarbeit – nicht zuletzt dank der Leistung von Kapitän Paul Verhaegh und den Paraden von Marwin Hitz – wenigstens der Offensive der Bayern Paroli bieten und einen höheren Rückstand verhindern.



N
achdem auch die ersten zehn Minuten nach Seitenwechsel dem FC Bayern gehörten, reagierte Markus Weinzierl und versuchte mit dem Doppelwechsel von Jan Moravek (54. Min. für Pjotr Trochowski) und Alexander Esswein (55. Min. für Ja-Cheol Koo) das Umschalt- und Offensivspiel der Augsburger zu beleben, was auch zu gelingen schien, doch nachdem sich der FCA angeschickte, sein Angriffsspiel  neu zu ordnen, fiel nach einem Traumpass von Thiago die 2:0 Führung für die Bayern. Wieder war es Lewandowski, der allein in den Strafraum ziehen konnte – und den Ball souverän im langen Eck versenkte.



D
er Rest der Partie ist schnell erzählt: Nach einer weiteren verletzungsbedingten Auswechslung beim FCA – für Hong kam Geburtstagskind Christoph Janker (72. Min.) – und einem Fast-Kopfballtor durch Caiuby (73. Min.) gelang Thomas Müller in der 78. Minute das 3:0 für die Münchner. Vier Minuten vor Spielende erzielte Raul Bobadilla nach schöner Vorarbeit von Verhaegh und Esswein den Ehrentreffer zum 1:3 Endstand.

Bereits am Donnerstag geht es für den FCA darum, sich im Heimspiel gegen den FC Liverpool eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel an der Anfield Road zu verschaffen. Im nächsten Bundesligaspiel muss der FCA am kommenden Sonntag zum Tabellenschlusslicht Hannover, wo es um nicht weniger als um das nackte Überleben geht.

Die Aufstellung des FC Augsburg:

Hitz – Verhaegh, Hong (71. Janker), Klavan, Max – Gouweleeuw, Kohr, Koo (54. Esswein), Caiuby, Trochowski (54. Moravek) – Bobadilla.

Tore:

0:1 Robert Lewandowski (15. Min.)

0:2 Robert Lewandowski (62.Min.)

0:3 Thomas Müller (78. Min.)

1:3 Raul Bobadilla (86. Min.)



Die vielen Facetten des Bertolt Brecht

Zu Brechts Geburtstag las Corinna Harfouch aus Berichten von Zeitgenossen

Von Halrun Reinholz

Corinna Harfouch

Corinna Harfouch


Normalerweise ist Brechts Geburtstag immer in das Brechtfestival integriert, der Augsburger Dichter wird mit einer Gala oder mit unterschiedlichen Darbietungen aus seinem Werk gefeiert. Diesmal kommt das Brechtfestival erst später – kein Grund, den Geburtstag zu ignorieren. Der rührige Brecht-Freund Kurt Idrizovic hat sich da was einfallen lassen und gleich ein publikumswirksames Zugpferd dafür engagiert: Die charismatische Schauspielrein Corinna Harfouch reiste aus Zürich an, um Brecht an seinem Ehrentag gebührend zu würdigen. Zwar gilt Corinna Harfouch nicht unbedingt als Brecht-Spezialistin, aber selbstverständlich hat auch sie – zumal in der DDR sozialisiert – immer wieder in Brecht-Stücken gespielt. Doch bei dieser Geburtstagsfeier ging es gar nicht darum, Brecht mit seinen eigenen Werken zu feiern. Vielmehr entstand ein Eindruck von dem (Mit-)Menschen Brecht im Spiegel von Aussagen diverser Zeitgenossen über ihn. Frauen, die ihn ja in den verschiedensten Rollen stets umgaben, aber auch Kollegen, Freunde, Widersacher, Kritiker. Die Geburtstagslesung greift einige davon heraus aus einem Buch, das Erdmut Wizisla im Leipziger Lehmstedt-Verlag unter dem Titel „Begegnungen mit Brecht“ herausgegeben hat.

Erdmut Wizisla und Corinna Harfouch im Theaterfoyer

Erdmut Wizisla und Corinna Harfouch im Theaterfoyer


Der Herausgeber saß selbst mit Corinna Harfouch auf dem Podium des Theaterfoyers und moderierte kenntnisreich, was die Schauspielerin ausdrucksstark und mit viel Humor zum besten gab. Hauptsächlich Anekdotisches, wie die Erinnerungen der Dora Mannheim, die von dem selbstbewussten jungen  Dichter genauso überrumpelt wurde wie viele andere Frauen (soweit man das aus seiner Biographie weiß), deren Erinnerung an die kurze Affäre sich jedoch recht postiv anhört. Köstlich die Erinnerungen der Schauspielerin Shelley Winters an den schlecht rasierten „Hausmeister“ im grünen Overall, der einen starken deutschen Akzent hatte und den sie deshalb zu ihren deutsch sprechenden jüdischen Eltern einlud, worauf er als „Mr. Brechtstein“ mit ihrem Vater regelmäßig Binokel spielte. Die wahre Identität des Schriftstellers erschloss sich der Schauspielerin erst sehr viel später. Diese amüsanten Begegnungen ließen den Geburtstagsabend für das Publikum kurzweilig werden. Das bereits 2009 erschienene Buch, aus dem die Lesung erfolgte, bietet dagegen viel mehr, durchaus Widersprüchliches und nicht nur Schmeichelhaftes, über Bertolt Brecht. Da die Restauflage vollständig an die Buchhandlung am Obstmarkt ging, ist es nun exklusiv in Augsburg zu haben. „Begegnungen mit Brecht“ ist aber auch Teil einer Reihe des Herausgebers Wizisla, die neueste Erscheinung daraus widmet sich Begegnungen mit Walter Benjamin. Deshalb las Corinna Harfouch zu Beginn der Veranstaltung Texte zu Benjamin – unter anderem auch von Bertolt Brecht, in dessen Buch sich umgekehrt auch Äußerungen von Walter Benjamin finden lassen. Wenn es Intention des Abends war, zum 118. Geburtstag des Dichters die Neugier auf ihn wach zu halten, dann ist das mit dem überraschenden Blickwinkel des Gegenübers durchaus gelungen. So ganz nebenbei zelebrierte Gastgeberin Juliane Votteler ihre Verbundenheit (und die ihres Hauses) mit Kurt Idrizovic, den sie „gerne hier hat“. Ein kleiner Seitenhieb auf den Sanierungskritiker? Den Brechtfreunden und „Geburtstagsgästen“ im ausverkauften Foyer war das egal, sie genossen den Abend.



FCA harmlos, Bayern stark

Vor 30.660 Zuschauern in der in dieser Saison erstmals ausverkauften WWK Arena verlor der FC Augsburg gegen den FC Bayern München mit 1:3. Die Tore der Münchner schossen Lewandowsky (15./62.) und T. Müller (78.). Den Ehrentreffer des FCA erzielte Bobadilla (86.).

Aus Sicht der Augsburger verlief die 21. Runde der Fußballbundesliga frustrierend, da sie nur in den Anfangsminuten Zugriff auf das Spiel bekamen und somit nicht den Hauch einer Chance hatten, das Spiel auf Augenhöhe zu gestalten. Allein mit dem Ergebnis können die Augsburger zufrieden sein, was aber auch damit zu tun hatte, dass die Bayern nicht auf einen hohen Sieg aus waren, sondern sich nach der schnellen Führung mit Ergebnisverwaltung begnügten. Auch gegen Bayern München zeigten die Augsburger eklatante Schwächen in der Spieleröffnung, wie zuletzt gegen Frankfurt und Ingolstadt. Ein differenzierter Spielbericht von Udo Legner folgt im Lauf des Tages.