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FCA schrammt bei Hertha knapp an einem Sieg vorbei

Der FC Augsburg erzielte zum Rückrundenauftakt im Berliner Olympiastadion gegen Hertha BSC vor 35.196 Zuschauern ein 0:0-Unentschieden. Aufgrund einer überragenden Leistung im Spiel gegen den Ball und den deutlicheren Torchancen sowie einer überzeugenden Gesamtvorstellung in der zweiten Halbzeit hätte der FCA als verdienter Sieger vom Platz gehen können, hätte Bobadilla in der 51. Minute nicht eine 100-prozentige Chance vergeben.



Von Siegfried Zagler


Gegen Hertha BSC Berlin startet der FCA in den Iden des August in seine 5. Bundesligasaison

Gegen Hertha BSC Berlin startet der FCA in den Iden des August in seine 5. Bundesligasaison


FCA-Trainer Markus Weinzierl vertraute in Berlin fast der gleichen Elf, die im letzten Spiel der Hinrunde den Hamburger SV 1:0 niederhalten konnte. Nur Dominik Kohr rückte nach verbüßter Gelbsperre für Markus Feulner in die Anfangsformation.

In der 14. Minute leitete Salomon Kalou mit einem Schuss von der linken Seite eine starke Phase der Herthaner ein, die in Halbzeit eins zwar hin und wieder bedrohlich in den Strafraum der Augsburger eindrangen, aber dabei zu wenig Präzision und Durchschlagskraft zeigten. Der FCA überließ den Berlinern das Mittelfeld, um nach Balleroberung zügige Angriffe vorzutragen. Die beste Szene der Partie hatte der FCA in der 23. Minute, als Esswein nach einer direkten Ballstaffage auf der rechten Seite freigespielt wurde und den Ball mustergültig in den Rücken der Abwehr auf Caiuby flankte, der aber Berlins Torhüter Jarstein anköpfte. Nach einer guten halben Stunde legte Caiuby links am Strafraumeck für Daniel Baier auf, dessen Schuss knapp übers Kreuzeck streifte. (31.)

Vedad Ibisevic hatte dann für Berlin in der 38. Minute die letzte Möglichkeit vor der Pause im eisigen Olympiastadion, wo der FCA von zirka 800 mitgereisten Fans unterstützt wurde.

Die größte Chance des Spiels gab es für den FCA kurz nach Wiederanpfiff: Raul Bobadilla lief nach einem Befreiungsschlag alleine aufs Tor der Berliner zu, schüttelte mit einem klugen Trick seinen Verfolger ab und hatte freie Schussbahn, schob aber den Ball fahrig neben das Tor (51.). Kurz darauf köpfte Baier knapp am gegnerischen Gehäuse vorbei (55.). Die Augsburger zeigten die gesamte zweite Halbzeit ein intensives Pressing, indem sie die Berliner sehr schnell und sehr tief in deren Hälfte anliefen. Dagegen fanden die Berliner kaum ein Mittel und brachten nicht zuletzt deshalb nach der Pause kaum noch Bälle in die Nähe von FCA-Torhüter Marwin Hitz. In der Schlussphase einer durchschnittlichen Bundesligapartie fügten sich beide Mannschaften in das Unentschieden.

Am kommenden Samstag trifft der FCA in der WWK Arena auf Frankfurt (15.30 Uhr).

FCA: M. Hitz; – P. Verhaegh; R. Klavan; J. Hong; P. Max; – D. Baier; A. Esswein; D. Kohr; D. Ji; F. Caiuby; – R. Bobadilla;

Eingewechselt: M. Feulner (90.); J. Moravek (71.); T. Matavz (90.);

Ausgewechselt: A. Esswein (90.); D. Ji (71.); R. Bobadilla (90.); –

Auswechselbank: A. Manninger (TW); J. Gouweleeuw; H. Altintop; P. Trochowski;



Theaterbesucher spenden über 20.000 Euro für Flüchtlinge

Über 20.000 Euro haben Ensemblemitglieder des Theater Augsburg im Zeitraum November bis Ende Dezember 2015 im Anschluss an die Vorstellungen gesammelt.

Die Spenden der Theaterbesucher soll insbesondere Kindern, die durch die Organisation „Übergepäck eines Flüchtlings e.V.“ betreut werden, zu Gute kommen. “Wir freuen uns über den hohen Betrag und bedanken uns bei unseren Besuchern recht herzlich für die großzügige Unterstützung”, so die Theaterleitung via Pressemitteilung.



Man muss der AfD auf entschiedene Weise begegnen

Wie man in Augsburg die AfD stark macht

Kommentar von Siegfried Zagler



Die AfD ist eine Partei, die es gar nicht mehr geben dürfte, da sie sich bereits nach ihrem Essener Parteitag im Juli 2015 zersplittert und gespalten im unbedeutenden politischen Raum befand.

Dann folgte die Zäsur, die die Republik mit der Flüchtlingskrise erfuhr, folgte ein Umbruch, der noch lange nicht abgeschlossen ist und womöglich die gesellschaftlich bedeutsamste Veränderung der Bundesrepublik Deutschland nach dem Fall der Mauer zur Folge hat. Dieser Umbruch „mobilisiert nicht nur ungeahnte Hilfsbereitschaft gegenüber den Flüchtlingen und unvoreingenommene Offenheit für das Neue, sondern er weckt zugleich Zukunftsangst, Desorientierung und Aggression. Eine Partei, die diese Stimmungen aufnimmt und verschärft, wird ihren Platz im politischen Gefüge der Republik finden“, wie Matthias Geis in einem brillanten Essay über die populistische nationalkonservative AfD in der aktuellen ZEIT schreibt.

Ob es aber der AfD tatsächlich gelingt, die politische Kultur der Republik in ihrem Sinne zu verändern, hänge weniger am Auftritt der AfD als an der Haltung der etablierten Politik, so Geis, der den bürgerlichen Parteien rät, nicht in Hysterie zu verfallen, sondern auf den Populismus gegenüber den Populisten zu verzichten, auch wenn es in der angespannten Flüchtlingssituation schwer erträglich sei, wenn nun die Rechte Stimmung in den Parlamenten mache, wovon nach den kommenden Kommunalwahlen in Hessen und den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland Pfalz und Sachsen-Anhalt auszugehen ist. „Wer wie die meisten politischen Akteure der Ansicht ist, dass die Propaganda der AfD unanständig, ihre Weltsicht borniert und ihre Vorschläge untauglich sind, sollte sich zutrauen, der Partei auf nüchtern-entschiedene Weise begegnen zu können.“

Man ist versucht, den Essay mit der aufklärerischen Empfehlung zu verlinken, dass alle Augsburger Politiker ihn lesen mögen, um ein demokratisches Verhaltenskompendium zu einer Partei zu erhalten, die in ihrer Entfaltung eine größere Gefahr für die Zukunft der Republik bedeuten würde, als der Fortgang der Flüchtlingskrise in der bisherigen Dimension.

Alexander Süßmair und anderen Demokraten soll also gesagt sein, dass sie nicht vor dem Niedergang demokratischer Errungenschaften warnen müssen, indem sie diese selbst mit Füßen treten, wenn sie ausgrenzen und mit den gleichen Mitteln der Populisten eben diese bekämpfen wollen. Die AfD kann man nur auf der Ebene der Demokratie schlagen, indem man zum Beispiel gemeinsam für eine offensive Lösung der Flüchtlingskrise zusammensteht.

In Augsburg aber fordert Landrat Martin Sailer (CSU)  den Rücktritt von Angela Merkel (!), weil ihre Flüchtlingspolitik versagt habe: „Ich halte diese Aussage und das Festhalten an dem Satz ‘Wir schaffen das!’ für desaströs. Sie schadet unserem Land, das ist eindeutig. Die Stimmung kippt im Land, nicht erst seit den Ereignissen in Köln. Sondern weil die Menschen vor Ort immer mehr verunsichert sind ob der schieren Masse an Asylbewerbern, die zu uns kommen.”

In Augsburg soll sich die CSU zusammen mit Oberbürgermeister Kurt Gribl und Finanzreferentin Eva Weber in der zurückliegenden Fraktionssitzung der Stadtratsfraktion darauf verständigt haben, dass sie ihr gebrochenes Wahlversprechen, weder die Grundsteuer noch die Gewerbesteuer zu erhöhen, mit den Kosten rechtfertigen werden, die die Flüchtlingskrise verursache. Steuererhöhung in Zeiten hoher Steuereinnahmen wegen der Flüchtlingssituation: Man mag kaum glauben, dass sich Gribl und Weber auf eine dergestalt irrwitzige Begründungsformel für ihr gebrochenes Wahlversprechen verständigt haben sollen. Damit treibt man Wähler in Scharen in die Arme der AfD, die auch in Bayern, also in dem Bundesland, in dem sich “Landesvater” Horst Seehofer an Angela Merkel wie kein Zweiter abarbeitet, im gleichen Maß wie in anderen Ländern an Prozentpunkten zulegt.

In Augsburg wollen ausgerechnet die Linken, die in Bayern lange Zeit selbst wie Aussätzige behandelt wurden, der AfD den Zugang zum Rathaus verwehren, weil sie mit dem Auftritt von Frauke Petry die heiligen Hallen der Demokratie beschmutzt sehen: So macht man in Augsburg und anderswo eine Partei stark, die nicht viel mehr als eine Handvoll Sprüche zu bieten hat.



Neujahrsempfang: Schwere Gefechte zwischen Linken und AfD wegen Gastrednerin Petry

Das Rathaus dürfe keine Plattform für rechtspopulistische Propaganda sein, so die Kernaussage der beiden Linken Stadträte Alexander Süßmair und Otto Hutter, die ihre Auffassung, dass weder die AfD noch ihre Bundesvorsitzende Frauke Petry im Rathaus etwas zu suchen hätten, mit den politischen Inhalten und der politischen Sprache der AfD begründen. Der Augsburger AfD-Vorsitzende Markus Bayerbach bezeichnete die Stellungnahme der Linkspopulisten” als billige Hetze“.



Alexander Süßmair nimmt die AfD unter Beschuss und ...

Alexander Süßmair nimmt die AfD unter Beschuss und ...


Am 12. Februar 2016 ist Frauke Petry, die Bundesvorsitzende der AfD, auf dem Neujahrsempfang der Augsburger AfD im Rathaus zu Gast. „Frau Petry und ihre Ansichten sind wohl reichlich bekannt: Sie wettert und hetzt gegen Gleichberechtigung, gegen Migranten und Flüchtlinge, gegen Homosexuelle, sie ist für die traditionelle Rolle der Frau und hat ein reaktionäres Familienbild“, so die beiden Linken Stadträte Süßmair und Hutter in einer Pressemitteilung.

„Diese Frau und Vorsitzende der AfD soll nun den Oberen Fletz des Rathauses als Plattform für ihre Selbstdarstellung und die der AfD bekommen. Gerade dort, wo die Stadträte die Nachhaltigkeits- und Antidiskriminierungsrichtlinien beschließen, soll nun dagegen Front gemacht werden. Ein befremdlicher Gedanke“, so Stadtrat Alexander Süßmair, der Petry faschistoide Denkweisen unterstelllt: „Die AfD versteht sich laut ihrer Bundessprecherin Frauke Petry als „Familienpartei“, die laut Wahlprogramm zur Landtagswahl in Sachsen einer “menschenfeindlichen Ideologie wie dem verqueren Genderismus (…), der uns mit aller Macht aufgezwungen werden soll”, entgegentreten will. Sie spricht des Weiteren offen von Familienpolitik als “Bevölkerungspolitik”. Solche Schlagworte und Denkweisen erinnern an eine Politik, von der man eigentlich gehofft hatte, dass es diese nach 1945 nie mehr geben dürfe!”

Die Stadt Augsburg bekenne sich klar zur Gleichstellung und gegen Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Geschlecht, Behinderungen oder sexuellen Orientierung. „Dazu gibt es einen Prozess des Gender Mainstreaming sowie die Zukunftsleitlinien, die der Stadtrat gerade erst beschlossen hat! Augsburg hat eine offene und vielschichtige Stadtgesellschaft mit hohem Migrationsanteil. Hier haben krude völkische Thesen, anti-emanzipatorische Thesen und reaktionäre Frauenbilder nichts zu suchen”, so Süßmair.

Die AfD-Stadträte Thorsten Kunze und Markus Bayerbach zeigten sich über die Pressemitteilung der

Markus Bayerbach

... Markus Bayerbach schießt zurück


Linken entsetzt: „Offenbar setzt sich in gewissen politischen Kreisen immer mehr die Ansicht durch, Demokratie ertrage keine unterschiedlichen Meinungen und deshalb sollte jeder Andersdenkende ausgegrenzt werden. Zum Glück entscheiden darüber die Bürger und nicht die Links-Populisten”, so der Augsburger AfD-Chef Markus Bayerbach auf Anfrage. Frau Petry zu unterstellen, sie hetze gegen Migranten und Flüchtlinge, sei eine infame Unterstellung. „Die AfD ist nicht gegen Flüchtlinge, aber sie hat dazu eine realistische und differenzierte Einstellung. Das traditionelle Familienbild als Leitbild zu haben, muss man nicht gut finden, aber der AfD für die über Jahrhunderte bewährte Lebensweise Rechtspopulismus zu unterstellen, schießt weit über das Ziel hinaus”, so Bayerbach. Einige Passagen der Süßmair Stellungnahme zeugten, laut Bayerbach, von „undifferenzierter, billiger Hetze, genau von der Art, die Süßmair beklagt”. Markus Bayerbach vertritt darüber hinaus die Auffassung, dass sich Süßmair selbst widerspreche, indem er eine offene, vielschichtige Gesellschaft fordere und selbst andere Meinungen nicht akzeptiere und sogar ausgrenzen wolle.