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Unwort “Gutmensch”

Das Unwort des Jahres 2015 ist “Gutmensch”. Das gab die Darmstädter Jury „Sprachkritische Aktion“ am Dienstag in Darmstadt bekannt.

Mit dem Begriff werde das Engagement für Flüchtlinge pauschal diffamiert, also insbesondere diejenigen verunglimpft, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen, so die Darmstädter Jury, die aus vier Sprachwissenschaftlern verschiedener Universitäten und einem Journalisten besteht. In diesem Jahr wurde sie durch den Kabarettisten Georg Schramm komplettiert. Mit dem Vorwurf “Gutmensch” würden ebenso wie mit den Begriffen “Gutbürger” oder “Gutmenschentum” Toleranz und Hilfsbereitschaft “pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom oder moralischer Imperialismus diffamiert”, wie die Jury ihre Entscheidung weiter begründete. Der Begriff “Gutmensch” werde, so die Wissenschaftler, längst nicht mehr nur im rechtspopulistischen Lager als Kampfbegriff” verwendet, sondern werde auch von Leitmedien als Stilisierung eines  Lebensgefühls (“Konformismus des Guten”) benutzt. Die Verwendung des Ausdrucks verhindere, so die Jury, einen demokratischen Diskurs in der Flüchtlingsproblematik.