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Reise an die Orte des Grauens

Das Augsburger Stadttheater ist ein Ort, für den man sich als Augsburger schämen muss. Damit ist weniger die Kunst gemeint, als das marode Gebäude.

In der folgenden Reportage von Frank Heindl geht es nicht um die bekannten Probleme, sondern um die alltägliche Struktur der Arbeit, um Arbeitsplatz- und Produktionsbedingungen, die für alle Beteiligten im Prinzip eine unerträgliche Zumutung darstellen. „Hereinspaziert, Hereinspaziert“, so wirbt das Theater Jahr für Jahr für das neue Programm. Man sollte den gesamten Stadtrat ins Theater herein bitten und jedem Politiker, dem die Welt hinter der Bühne nicht die Schamesröte ins Gesicht treibt, ein Unwählbarkeits-Zeugnis ausstellen. – Markus Trabusch ist schon lange nicht mehr Schauspieldirektor und die Kellerkantine ist inzwischen zwar geruchsfrei, aber noch lange kein Ort, an dem man sich gerne aufhält. Ansonsten gilt für den folgenden Text das Gleiche wie für “Dinner for One”: Er ist zeitlos und könnte jedes Jahr neu aufgelegt werden. Mit der Neuauflage will die DAZ zu Beginn des neuen Jahres zum Ausdruck bringen, dass es mit dem Augsburger Stadttheater so nicht weiter gehen kann.





Frank Heindl im maroden Bauch des Stadttheaters



Zirka 120 Millionen soll es kosten, das Große Haus des Augsburger Stadttheaters grundlegend zu sanieren. Muss das denn wirklich sein? Ist Augsburgs Großes Haus wirklich so sanierungsbedürftig? Kann das nicht noch warten, bis die Zeiten besser werden? DAZ-Redakteur Frank Heindl ließ sich von Schauspieldirektor Markus Trabusch durchs Stadttheater führen. (mehr …)



„Wo sich Riesen-Tausendfüßer & Ur-Elefanten treffen“

Das Naturmuseum lädt zur am morgigen Sonntag zur Turnusführung ein.

Das Augsburger Naturmuseum bietet am Sonntag, den 3. Januar 2016, um 14 Uhr seine beliebte Turnusführung für die ganze Familie an. Dabei geht es auf eine Entdeckungstour durch alle Ausstellungsbereiche des Naturmuseums mit Blick auf die Geschichte unseres Planeten, insbesondere die jüngere Erdgeschichte unserer Heimat sowie auf die unglaubliche Vielfalt der Natur.

Auf der “Expedition” sollen Antworten auf Fragen gefunden werden wie: Was haben Elefanten, Krallentiere und Bärenhunde in Augsburg zu suchen? Kann man in Deutschland freilebende Geier beobachten? Wie giftig ist der Biss einer Vogelspinne? Oder, gibt es wirklich meterlange Tausendfüßer? Auf der Suche nach Antworten geht es auf eine Zeitreise von den eiszeitlichen Mammuts und bayrischen Ur-Elefanten über die Zeitalter der Dinosaurier und Riesen-Krabbeltiere durch zahlreiche Naturkatastrophen hindurch bis zur Entstehung des Lebens in der Ursuppe.

Die Führungen im Augsburger Naturmuseum zeichnen sich dadurch aus, dass alle Teilnehmenden aktiv einbezogen werden und spezielle Exponate auch zum “Begreifen“ dabei sind. Außerdem sorgen lebendige Tiere für wahrhaftige Belebung. Die persönliche Begegnung mit exotischen Krabbeltieren ist nicht nur pädagogisch wertvoll, sondern sie kann empfindsamen Menschen auch dabei helfen, ihre Berührungsängste gegenüber solchen Tieren zu vermindern.

Eintritt: Erwachsene 2 Euro, Jugendliche/ Kinder 1 Euro. Das Naturmuseum Augsburg befindet sich in der Ludwigstrasse 14, gegenüber der Grottenau, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr.



Theatersanierung: “Schätzungsweise fallen 50 Millionen so oder so an”

Zum ersten Mal wurde in der Öffentlichkeit eine Zahl in Sachen Theatersanierung genannt, die nicht zum bisherigen Kontext “Generalsanierung” gehört. Wenn man die Aussage von Dr. Kurt Gribl richtig deutet, wurde von Augsburgs Oberbürgermeister “Plan B” im Gefecht um die von der Stadt ins Auge gefasste Theatersanierung angedeutet.

Theatersanierung: Achatz-Vorentwurf mit Unverbindlichkeitscharakter. Stand:Februar 2015

Theatersanierung: Achatz-Vorentwurf mit Unverbindlichkeitscharakter. Stand: Februar 2015


Die Frage des großen Interviews der Augsburger Allgemeinen mit Oberbürgermeister Kurt Gribl zum Jahreswechsel, ob es politisch fragwürdig sei, wenn die Stadt 90 Millionen Euro bei angespannter Haushaltslage für eine Minderheit der Bürger ausgebe, „beantwortete“ OB Gribl mit zwei geschickten Gegenfragen: „Wollen Sie eine Stadt ohne Theater?“ Zweitens: „Wollen Sie die Leute, die im Theater arbeiten, auf die Straße setzen?“ Und schließlich stellte Kurt Gribl fest, dass man das Theatergebäude am Kennedy-Platz nun mal habe und jede Nutzung, die in Richtung einer Versammlungsstätte gehe, selbst eine theaterferne, dazu führen würde, dass man zirka 50 Millionen Euro für den Brandschutz ausgeben müsste. „Schätzungsweise 50 Millionen fallen so oder so an. Interessant wird es doch dadurch, dass wir für die Theatersanierung einen hohen Zuschuss vom Freistaat bekommen. Die Differenz zu den 90 Millionen zu bezahlen, lohnt sich – das ist ein gigantischer Hebel, um an die Förderung des Freistaats zu kommen“, so Augsburgs Oberbürgermeister in der Augsburger Allgemeinen.

Dieses politische OB-Statement ermunterte den Oppositionschef der sechsköpfigen Ausschussgemeinschaft, Volker Schafitel, zu einer Stellungnahme, der er eine einfache Frage voranstellte: „Woher hat OB Gribl plötzlich die Summe von 50 Millionen Euro?“ Die Rhetorik Gribls kopierend, schob Schafitel lakonisch eine zweite Frage hinterher: „Weshalb sollen nicht auch die alleine stehenden „Sowiesokosten“ in Höhe von 50 Millionen Euro gefördert werden, nachdem sie ja auch jetzt in der Gesamtförderung enthalten sind?“

Wäre es so, wie es Gribl in den Raum stelle, so Schafitel, dürfte der „gigantische Förderungshebel“ auch bei den Schulsanierungen nicht wirken, deren Hauptanteil die Brandschutzsanierung sei, so Schafitel in seiner Erläuterung. Das Förderprogramm heiße „Bildung und Kultur“ und für beide Bereiche würden die gleichen Regeln gelten, so Schafitel, der darüber hinaus feststellt, dass bei der Theatersanierung bisher „die Kosten des Brandschutzes für das Große Haus im denkmalgeschützten Bereich bis zur Bühne offen blieben“. – Nur die Kosten für die Brandschutzsanierung seien für die Weiterführung des Spielbetriebs relevant. „Nachdem aber bisher kein Brandschutzkonzept für diesen Teil des Gebäudes vorliegt, dürfte es auch keine Kostenschätzung dafür geben.“

Was Schafitel damit indirekt zur Sprache bringt, ist der Gedanke, dass man seitens der Stadt mit einer Investition von zirka 25 bis 30 Millionen Euro für den Brandschutz den Betrieb des Theaters mit seiner derzeitigen Struktur fortführen könnte. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass man auf die Sanierung des Bühnenturms verzichte, da dieser “durch seinen hohen statischen Sanierungsaufwand schon aus wirtschaftlichen Gründen aus der Sanierungspflicht des Denkmalrechts fällt.”



Wir schaffen das!

Der Deutsche Städtetag hat sich in Sachen Flüchtlingsproblematik zu Wort gemeldet. Die Situation ist kritisch, aber noch nicht ernst. So könnte man die Statements deutscher Oberbürgermeister in Sachen Flüchtlingsproblematik zusammenfassen.

Die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen der deutschen Kommunen sind in der Flüchtlingsfrage mit ihren Zustandsbeschreibungen und Analysen summarisch eine Art Seismograph, der anzeigt, was zu tun und zu lassen ist. Nach dem zurückliegenden Symposium veröffentlichte der Deutsche Städtetag ein Meinungsbild des Präsidiums, das sich im Kanon dem Bundeskanzlerin-Leitsatz („Wir schaffen das!“) anschließt. Zu schaffen sei es aber nur, wenn Bürgerkriegsflüchtlinge und politisch Verfolgte in die Gesellschaft integriert werden, die Akzeptanz in der Bevölkerung für Flüchtlinge erhalten bleibt und mehr bezahlbarer Wohnraum für alle Menschen mit niedrigen Einkommen geschaffen wird. Die bisherigen Erfolge seien kein Selbstläufer, sondern können nur aufrechterhalten werden, wenn „die Stadt die Integrationsaktivitäten fortführt und dabei von Bund und Land konzeptionell und finanziell unterstützt wird. Im wahrsten Sinne des Wortes fatal für die Akzeptanz der Bevölkerung wäre, wenn die Stadt gezwungen würde, den steigenden flüchtlingsbedingten Kosten bei anderen Angeboten für die Bürger hinterherzusparen.“ So Pit Clausen, Oberbürgermeister von Bielefeld. – Die DAZ veröffentlicht Zitate von Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeistern aus dem Präsidium des Deutschen Städtetages im O-Ton.

I

Frage: Wie ist nach Ihrem Eindruck die Einstellung der Bevölkerung in Ihrer Stadt gegenüber den Flüchtlingen? Wandelt sich die Einstellung, weil mehr Menschen kommen?

Oberbürgermeister Bertram Hilgen, Kassel: „Aktuell lässt sich glücklicherweise kein Einstellungswandel innerhalb der Bevölkerung erkennen, weil mehr Menschen kommen. Damit die gute Stimmung nicht kippt, muss man den Flüchtlingen und Asylbewerbern aber auch Gesetze, Regeln und Werte des Zusammenlebens aufzeigen und erklären. Zusätzliche Integrationskurse können

hier helfen.“

Oberbürgermeister Markus Lewe, Münster: „Es gibt unverändert enormes bürgerschaftliches Engagement für Flüchtlinge. Zugleich wird öfter die Sorge geäußert, dass die Infrastruktur der Stadt den kontinuierlich steigenden Zugängen nicht gewachsen ist.“

Oberbürgermeister Jochen Partsch, Darmstadt: „Wir erleben eine hohe Zustimmung der Bürgerschaft in Bezug auf die Aufnahme der geflüchteten Menschen und den Umgang der Verwaltung und der Politik mit dieser Herausforderung. Die Hilfsbereitschaft unter den Bürgerinnen und Bürgern ist in den letzten Monaten mit der steigenden Zahl an asylsuchenden Menschen in Darmstadt weiter gestiegen. Vereinzelt gibt es auch kritische Stimmen aus der Bürgerschaft, diese betreffen vor allem Fragen in Bezug auf die Sicherheit im Quartier, die ungleiche Verteilung der Flüchtlinge in der Stadt und Integrationsmöglichkeiten.“

II

Frage:Viele Städte stoßen bei der Unterbringung an Grenzen. Wie schätzen Sie die Möglichkeiten Ihrer Stadt ein, dennoch weitere Menschen aufzunehmen?

Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse, Ludwigshafen: „Wir müssen gegenwärtig davon ausgehen, dass in Ludwigshafen im März 2016 alle derzeit vorhandenen Unterbringungskapazitäten für Asylsuchende erschöpft sein werden. Frühestens im Mai 2016 stehen weitere feste Unterkünfte in Form von Schlichtwohnungen zur Verfügung. Es droht also trotz aller Bemühungen zumindest für einen Zeitraum von etwa sechs Wochen die tatsächliche Unmöglichkeit, weitere Asylbewerber vernünftig und angemessen unterzubringen. Damit die Stadt eine Atempause hat, bräuchten wir eigentlich einen Zuweisungsstopp des Landes. Wir gehen aber nicht davon aus, dass es einen solchen geben wird. Daneben bleiben zwei große Daueraufgaben: die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhalten und die Integration der Neuankömmlinge mit Bleibeperspektive voranzutreiben.“

Oberbürgermeisterin Barbara Bosch, Reutlingen: „Angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen werden die Flüchtlinge jetzt mehrheitlich in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Dieser in der Regel neu und vor allem schnell zu schaffende Wohnraum (Container, Modulelemente) verursacht sehr hohe Kosten. Hinzu kommen Ausgaben für Sozialbetreuung, Wohnbegleitung durch Hausmeister und Verwaltungskräfte sowie externe Sicherheitsdienste. Diese Kosten der städtischen Unterbringung werden den Städten derzeit nicht erstattet.“

Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, Augsburg: „Zuwächse wie in 2015 sind auf Dauer nicht zu verkraften. Wir sind gerüstet, was auch ein großer Verdienst meiner hoch motivierten Verwaltung ist, die die zusätzliche Arbeit hervorragend meistert. Auch ganz viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer haben dazu beigetragen, dass diese erste Phase der Unterbringung und Betreuung von Asylbewerbern funktioniert hat. Doch auf Dauer ist das nicht tragfähig.“

Oberbürgermeister Burkhard Jung, Leipzig: „Eine Atempause täte wohl allen Städten gut. Es ist nicht so sehr das Problem der großen Zahl an Menschen, die kommen. Es ist die Geschwindigkeit, mit der sie kommen. Wir brauchen längere Vorlaufzeiten, um die Unterbringung menschlich und auch im Einklang mit den Nachbarn und der Stadtgesellschaft organisieren zu können. Wir sind weiter bestrebt, so viele Flüchtlinge wie möglich nach einer Eingewöhnungsphase in Wohnungen unterzubringen – aber unter den gegebenen Umständen wird das immer seltener möglich sein. Vor einem halben Jahr hätte ich es mir nicht vorstellen können, aber an den Anblick von Zelt-Dörfern werden wir uns vorerst gewöhnen müssen.“

Oberbürgermeister Frank Klingebiel, Salzgitter: „Das oberste Ziel in Salzgitter ist es, den sozialen Frieden zu wahren. Zelte und Turnhallen brauchten wir in Salzgitter noch nicht in Anspruch nehmen, allerdings mussten wir kurzfristig einen Kinder- und Jugendtreff für die Unterbringung von Flüchtlingen zweckentfremden.“

III

Frage: Worin sehen Sie für das Jahr 2016 die größte Herausforderung im Hinblick auf Flüchtlinge in Ihrer Stadt?

Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, Nürnberg: „Am schwierigsten fällt uns vermutlich die Bereitstellung von Wohnraum. Schaffen müssen wir auch die Vermittlung in Sprache, Bildung und Beruf im gesamten Lebenslauf: Kindergartenplätze, Beschulung, Sprach- und Integrationskurse für die Erwachsenen, Integration in Arbeit über direkte Vermittlung, Anerkennung vorhandener Qualifikationen und Nachqualifizierung.“

Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon, Freiburg im Breisgau: „Nicht nur die Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen stellen große Herausforderungen für die Verwaltung und die ganze Bürgerschaft dar. Die größere Aufgabe liegt darin, die Menschen in die Stadtgesellschaft zu integrieren, das heißt, in Wohnungen, in Beschäftigung, Schulen und in unser Rechts- und Wertesystem.“

Oberbürgermeister Pit Clausen, Bielefeld: „Im Mittelpunkt wird weiter die Unterbringungsfrage stehen. In engem Zusammenhang steht die Frage, wie die bislang hohe Akzeptanz aufrechterhalten werden kann. Dies wird nur gelingen, wenn die Stadt die Integrationsaktivitäten fortführt und dabei von Bund und Land konzeptionell und finanziell unterstützt wird. Im wahrsten Sinne des Wortes fatal für die Akzeptanz der Bevölkerung wäre, wenn die Stadt gezwungen würde, den steigenden flüchtlingsbedingten Kosten bei anderen Angeboten für die Bürger

hinterherzusparen.“

IV

Frage:Was halten Sie für nötig, um die Situation in den Städten bewältigen zu können? Sehen Sie einen Aspekt, der bisher zu wenig bei der Lösung der Aufgaben beachtet wird?

Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, Saarbrücken: „Die finanzielle Belastbarkeit der Kommunen muss noch bessere Beachtung finden und es ist auch dringend erforderlich, Möglichkeiten zu schaffen personelle Verstärkung zu bekommen.“

Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow, Schwerin: „Besonders bei dem steigenden Personalbedarf werden die Kosten nicht im vollen Umfang erstattet. Wir erwarten aber eine Vollkostenerstattung.“

Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann, Hamm: „Erstens muss der Bund bei anerkannten Asylbewerbern die Kosten der Unterkunft komplett übernehmen, ansonsten sind die Städte finanziell überfordert. Zweitens ist sozialer Wohnungsbau bezeihungsweise  Flüchtlingswohnraum dringend notwendig. Drittens muss im täglichen Arbeitsablauf eine quantitative Verlässlichkeit entstehen. Die Kommunen benötigen besonders jetzt Planungssicherheit und einen zeitlichen Vorlauf, um sich auf die zukünftigen Aufgaben vorzubereiten. Notunterkünfte und andere ad hoc Übergangslösungen können nicht von Dauer sein.“



Es kommt ein Mölders geflogen

Sascha Mölders war von Beginn an beim Bundesligaabenteuer des FCA dabei. Zur kommenden Rückrunde wurde er wie ein “Weihnachtsgeschenk auf Zeit” an den Zweitligsten 1860 München verliehen. Sein Auf und Ab, sein Wirken beim FCA spiegelt auf gewisse Weise die gesamte Situation des FC Augsburg wider.



Siegfried Zagler über Sascha Mölders

Sascha Mölders beim Flugkopfball

Sascha Mölders beim Flugkopfball - Foto: sport-in-augsburg.de


Im ersten Bundesligajahr des FCA ließ Trainer Jos Luhukay das Mittelfeld mit langen Bällen überbrücken, die fast ausschließlich auf Mölders gespielt wurden, der, allein auf sich gestellt, diese bestenfalls behaupten, aber eben nicht verwerten konnte. Luhukay spekulierte mit dem zweiten Ball oder mit der Ballbehauptung durch Mölders, der die aufrückenden „Rückraumstürmer“ in den Angriff mitnehmen sollte. Mölders machte das sehr gut, kam selbst aber kaum zu Torchancen. Damals spielte der FCA fast alles hoch und zentral auf Mölders, und war somit von jeder Abwehr einfach auszurechnen. Langsam schien es Jos Luhukay zu dämmern, dass der FCA so dem Abstieg nicht entgehen konnte. Am 23. Spieltag stellte Luhukay sein System um. Mölders verschwand aus der Startformation. Das war die Stunde von Ja-Cheol Koo und Torsten Oehrl. Der FCA gewann mit 3:0 gegen Hertha BSC und spielte von nun an dynamisch mit Tempo und überraschend direkten Kombinationen aus dem Mittelfeld heraus Richtung gegnerischen Strafraum. Lässt man die Aufstellung Revue passieren, fällt auf, dass der FCA damals zur Rückrunde einen bundesligatauglichen Kader hatte: Sankoh, Langkamp,Verhaegh, Ostrzolek, Callsen-Bracker, Hosogai, Koo, Baier bildeten ein ausgezeichnetes Korsett. Mölders schoss nach seinen ersten drei Toren in den ersten beiden Spielen für den FCA kaum noch Tore. Um es anschaulicher zu sagen: Mölders erzielte nach dem zweiten Spieltag in der Saison 2011/12 in 20 folgenden Spielen, in denen er immer in der Startformation stand, nur noch zwei Tore. Das ist eine Quote von 0,1 Toren pro Spiel.

“Ein Sturmbulle, gefangen im Körper eines Riesenbabys”

In der zweiten Bundesligasaison verstärkten sich die Augsburger in der Sturmmitte, indem sie Aristide Bance verpflichteten. Mölders zog sich in der Vorbereitung auf die Saison 2012/13 eine schwere Knöchelverletzung zu. Seine Zeit beim FCA schien abzulaufen, doch dann konnte Bance die Erwartungen nicht erfüllen und Mölders feierte ein vielversprechendes Comeback am 11. Spieltag gegen Dortmund. Damals hatte der FCA nur sechs Punkte auf dem Konto. Den Umschwung hatten Mölders Einsätze und seine vier Tore bis zum Ende der ersten Halbserie nicht gebracht. Die Wende kam aber in Düsseldorf als Mölders von zwei krassen Abwehrfehlern der Fortuna profitierte und quasi ohne großes Zutun zwei absurde Treffer zum ersten Auswärtserfolg der Augsburger beisteuerte (2:3). Danach schoss Mölders am 21. Spieltag sein siebtes Tor gegen Mainz (1:1) und schließlich sein achtes in Leverkusen.  Am 23. Spieltag gewann der FCA seine “Schicksalspartie” gegen Hoffenheim mit 2:1. Mölders schoss den Führungstreffer, sein 9. Tor in seiner 13. Partie der Saison 2012/13. Das entsprach einer Quote von 0,7 Treffer pro Spiel. Diese Serie und ein gebrochenes Nasenbein brachten ihn in die großen Schlagzeilen. Die Nobody-Truppe des FCA hatte plötzlich ein „Medien-Gesicht“, nämlich das von Sascha Mölders mit einer gebrochenen und blutverklebten Nase. Es sollte ein Ritterschlag folgen: Nach Helmut Haller wurde mit einem zeitlichen Abstand von 40 Jahren der zweite Augsburger Fußballspieler in das Aktuelle Sportstudio eingeladen. Schauspieler Michael Günther Bard las eine Hommage an den letzten Mittelstürmer-Rumpler der Bundesliga vor: „Sascha Mölders spielt keinen Fußball, er arbeitet ihn. Jede Sekunde seines Spiels erinnert an dreckigen Kreisliga-Fußball auf nassen Ascheplätzen. Er treibt Ästheten in den Wahnsinn. Er ist ein Sturmbulle. Gefangen im Körper eines Riesenbabys. Er beschränkt sich auf die Grundtugenden des Spiels: Laufen, passen, schießen. Das ist so herrlich und erfrischend anzusehen.“

Der FCA hat sich in die Bundesliga hinein entwickelt, Mölders heraus

Danach verschwand Mölders als Torschütze wieder in der Versenkung. Als sich der FCA in seiner zweiten Bundesligasaison ein zweites Mal im Schlussspurt aus der Abstiegszone herauskatapultierte, schossen die Tore andere. Mölders war außerhalb der Medien-Poetik nie das Gesicht des FCA und auch nicht sein Retter. Zwei Treffer standen nach der Saison 13/14 zu Buche. Einer davon war das Siegtor gegen den FC Bayern München, dennoch sinkt der kurz aufgeglühte Stern des Sascha Mölders weiter. Sein einziges Tor in der vergangenen Saison erzielt er nach seiner Einwechslung am letzten Spieltag.

In der aktuellen Saison spielte Mölders keine Rolle mehr in der sportlichen Planung von Trainer Markus Weinzierl. Er schaffte es nicht in den Europa-League-Kader und auch in der Liga saß er zuletzt kaum noch auf der Bank. Sascha Mölders hatte sich in der Bundesliga im Gegensatz zu vielen anderen ehemaligen Zweitligaspielern des FCA nicht weiter entwickelt. Das Spiel von Sascha Mölders war nie „herrlich und erfrischend anzusehen“, sondern in allzu langen Phasen eine brotlose Kunst, die in erster Linie davon lebte, im Strafraum eine Direktabnahme zu suchen. Die Fixierung auf Direktabnahmen war bei Mölders zu stark ausgeprägt und brachte deshalb in der Summe zu wenig, und zwar nicht nur deshalb, weil er dabei zu wenig Tore machte, sondern auch deshalb, weil er für den ballführenden Spieler flach kaum anspielbar war, da er zu wenig die Schnittstellen suchte, zu wenig kreuzte und somit kaum Räume für Passgeber generierte. In Eins zu Eins Situationen wirkte Mölders in der Tat wie ein schwerfälliger Rumpler. Das Gleiche gilt für seine Fähigkeit, eigene Mitspieler in Szene zu setzen. Mölders fror das Spiel nach vorne ein. Das machte das Offensivspiel des FCA für jede Abwehr leicht berechenbar. Sascha Mölders legte mit seinen linierten Laufwegen das Augsburger Angriffsspiel zu statisch an.

Der FCA hat sich in die Bundesliga hinein entwickelt, Sascha Mölders heraus. Die Entscheidung, Mölders an die schwer angeschlagenen Münchner zu verleihen, war ein kluge Entscheidung. Einer wie Mölders könnte den Münchnern helfen. Deutlicher können die Welten, die heute zwischen dem TSV 1860 München und dem FC Augsburg liegen, nicht beschrieben werden.