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Der FCA ist ein Bundesligist, der selbst von seinem Trainer schwer einzuschätzen ist

Es gibt in der Geschichte der Fußballbundesliga kaum einen anderen Klub, der Fans wie Experten stärker überrascht hat als der FC Augsburg. Das gilt auch für die aktuelle Saison, in der der FCA von einem Sinkflug in einen Höhenflug umzusteuern verstand. Was den Sinkflug verursachte und warum er erst so spät eine Ende fand, ist eine Frage, die man trotz aller Glückseligkeit über den Höhenflug nicht unter den Tisch fallen lassen sollte.

Von Siegfried Zagler

Halbzeittabelle: FCA auf Platz 12

Halbzeittabelle: FCA auf Platz 12


In vielen Partien der gestern zu Ende gegangen Vorrunde zeigte sich der FCA als launische Diva, die sich selbst nicht richtig einzuschätzen verstand. Nach zwölf Spieltagen befand man sich zurecht auf dem letzten Platz. Dann kam der 13. Spieltag und alles wurde anders. Über Nacht legte der FCA die Diva-Rolle ab und stemmte sich diszipliniert und leidenschaftlich gegen den Abstieg. Dabei erzielte der FCA nicht nur gute Resultate, sondern zeigte verloren geglaubte Qualität, was folgende These erlaubt: Hätte sich der FCA von Beginn an auf das Spiel eingelassen, das er spielen kann und spielen hätte müssen, nämlich aus einer geordneten und giftigen Defensive heraus, die bei Balleroberung auf schnelles Spiel nach vorne umschaltet, und dabei schnell den Abschluss sucht, hätte der FCA nach nach dem Ende der Hinrunde nicht die die geringsten Abstiegssorgen, sondern könnte die verwegensten Träume träumen.

Es steht außer Frage, dass der FCA gegen Berlin wie gegen München einen Punkt hätte mitnehmen müssen, gegen Frankfurt und Mainz jeweils drei Punkte hätte mitnehmen müssen und es ist auch nicht daran zu zweifeln, dass der Augsburger Kaders qualitativ hinreichend bestückt ist, um in den beiden Heimspielen gegen die beiden Aufsteiger Ingolstadt und Darmstadt zwei Siege einzufahren. Triebe man es also auf die Spitze, ließe sich behaupten, dass man sich zwar über die zurückliegende Siegesserie freuen darf, aber dabei nicht vergessen sollte, dass der FCA bis zu seinem Erwachen in Stuttgart mindestens 10 Punkte liegen ließ, weil er schlecht verteidigte und konzeptlos nach vorne bolzte.

Das soll nicht heißen, dass der FCA, hätte er von Beginn an mit der richtigen Abstimmung und Einstellung gespielt, heute 29 Punkte vorweisen müsste und von der Championsleague träumen könnte, sondern soll heißen, dass der FCA fast zwei Drittel der Hinrunde sein Potential nicht voll auszuschöpfen verstand.

Ohne Unterstützung im Rücken liefen Ji oder Matavz, aber auch Altintop oder Werner die Torhüter und die ersten ballführenden Feldspieler ihrer Gegner an. Viel zu oft konnte (deshalb) der Gegner von der Mittellinie Richtung FCA-Tor Tempo aufnehmen und in offene Räume vorstoßen, die jede Abwehr schlecht aussehen lassen.Viel zu lange wurde im Mittelfeld sinnlos mit Hacke und Spitze hantiert und viel zu oft zurück gespielt. Viel zu oft hinten herum gespielt, um mit einem langen Diagonal-Ball jede gegnerische Abwehr zu unterfordern. Viel zu oft verloren die Mittelfeldspieler und auch die Stürmer einfache Bälle und viel zu oft wurden die seltenen Torchancen ausgelassen, die sich für den FCA eröffneten. Viel zu statisch eröffnete der FCA seine Angriffe und viel zu wenig suchten die Außen den Weg an die Grundlinie: Nach hinten mit zu geringer Konzentration, nach vorne zu konzeptlos und zu fahrig, so könnte man das Agieren des FCA in den meisten der ersten 12 Ligaspielen auf den Punkt bringen.

Ob das etwas mit falschem Coaching zu tun hatte, wurde in der Öffentlichkeit nur von der DAZ erörtert. Warum Markus Weinzierl erst dann, als der FCA vor dem Abgrund stand, darauf kam, was die Mannschaft kann und nicht kann, bleibt eine Frage, die die Fußball-Weisen in Augsburg ihrem geschätzten Trainer offenbar nicht entreißen wollen.

Will die lokale Presse – und damit ist vor allen das sonntägliche Boulevard-Blättchen gemeint, das die Bedürfnisse der Fangemeinde erfüllt, statt eine eigene und unabhängige Sprache zu entwickeln – dem FCA mit Ärmelschoner-Prosa schlimmstenfalls nur am Rockzipfel zupfen und ein Puppenkisten-Image verpassen? Wäre eine deutliche und reflektierende Sprache, die der Phänomenologie des FCA auf den Zahn fühlt und nicht in Watte packt, wie es die lokale Presse in Augsburg handhabt, nicht besser für den FCA? Würde der FCA öfters ein „Ausverkauft“ vermelden können, wäre die Berichterstattung zugespitzter? Die meisten Artikel in der Augsburger Allgemeinen zum Beispiel könnte man eins zu eins für die Stadionzeitung des FCA verwenden: Das macht nicht wirklich Lust auf Fußball.

Eine weitere schmerzvolle Frage: Warum steht Hertha BSC mit 32 Punkten auf dem 3. Platz? Die Antwort ist einfach: Weil die alte Dame ihre Möglichkeiten erkannt hat und ausschöpft. Bei den Berlinern stimmt die Mischung zwischen Kampf- und Spielvermögen. Das nicht einfach auszubalancierende Yin und Yang des Fußballs wurde beim FCA bereits in der Rückrunde der vergangenen Saison aus dem Gleichgewicht gebracht, indem ein Großteil der Mannschaft gegen vermeintlich schwächere Mannschaften dazu überging, alles spielerisch lösen zu wollen. Dieser Trend wurde von Weinzierl nicht ausgemerzt und somit in die aktuelle Saison übertragen. Schlichter sind Weinzierls Aufstellungsfehler, wie zum Beispiel Ji immer wieder als einzige Spitze zu bringen oder immer wieder auf Altintop zurückzugreifen, obwohl er im ersten Drittel der Vorrunde selten in der der Lage war, zwei Bälle in Folge korrekt zu stoppen.

Der Weinzierl-Satz, dass ihm der Nichtabstieg dieses Jahr mehr bedeuteten würde als der letztjährige fünfte Platz, rutschte dem Augsburger Coach über die Lippen, als sich der FCA auf dem Tiefpunkt seines Sinkflugs befand, und ist deshalb von einer dergestalt nichtssagenden Banalität gezeichnet, dass er eine dramatische Überhöhung benötigt: „Nicht sterben: Das ist dem Augsburger Trainer wichtiger als die schöne Zeit im vergangenen Jahr.“

Falls es dem FCA gelingen sollte, Form und Einstellung der letzten fünf Liga-Partien mit in die Rückrunde zu nehmen, um nach weiteren 13 Punkten in den kommenden fünf Spielen wieder Richtung Europa schielen zu können, mit welcher Priorisierungsphrase könnte Markus Weinzierl dann überraschen? Dass ihm der sechste Platz dieses Jahr wichtiger ist als der fünfte vom Vorjahr?



Es gibt nichts Richtiges im Falschen

Warum die Initiative von Christian Moravcik zu einer Debatte über die Schuldenpolitik der Stadt Augsburg führen sollte

Kommentar von Siegfried Zagler

Die Opposition im Augsburger Stadtrat ist inhaltlich zu schwach unterfüttert, hat weder eine charismatische noch eine politisch begabte Führungsfigur und natürlich keinen gewachsenen Überbau, hat also nichts, was zu mehr führen könnte, als zu Fußnoten in der Augsburger Allgemeinen. Aus diesem Grund fällt es der aktuellen Stadtregierung leicht, verwegene Finanzierungsmodelle als “seriös” (Theatersanierung) vorzustellen oder nicht weniger verwegene städteplanerische Schnellschüsse als “Stein des Weisen” zu verkaufen, wie zum Beispiel die Errichtung eines temporären Schauspielhauses in der „Ödnis von Oberhausen“.

Dass nun mit Christian Moravcik ein angesehener Grüner Konzeptpolitiker und Haushaltsexperte aus dem CSU/SPD/Grünen-Dreierbündnis das Gebaren und die Finanzpolitik der Stadtregierung, der er bis heute angehörte, nicht mehr mitmachen will, mag vordergründig die Grünen in Schwierigkeiten bringen, doch der erste Adressat der Moravcik-Aktion ist Finanz- und Wirtschaftsreferentin Eva Weber, die sich als ausgebildete Juristin mit der bloßen Kraft ihrer Jugend in unbekanntes Gelände gewagt hat, und dabei keine gute Figur abgibt.

Eine Theatersanierung mit einem städtischen Kostenanteil von zirka 90 Millionen Euro mit einem 25-jährigen Tilgungszeitraum stemmen zu wollen, ohne dabei zusätzliche Einnahmen zu generieren, indem man zum Beispiel an anderer Stelle spart oder die Gewerbesteuer erhöht, ist verantwortungsloses politisches Handeln, weil man die Not und die Last, die dieses Projekt erfordert, an kommende Generationen weiter reicht. An anderen Stellen für die Theatersanierung sparen und zusätzliche Einnahme generieren, wäre ein Konzept gewesen, das man in einen politischen Abwägungsprozess hätte schicken können. Einfach nur ein reines Schuldenszenario ohne Baukostenmehrung und Zinsen zu entwerfen, ist ein allzu schlichtes Finanzierungsmodell und obendrein eine phantasielose politische Tat, mit der man eins zu eins für rund 120 Millionen Euro das Große Haus ertüchtigen will, dessen antiquiertes Nutzungskonzept nicht nur sehr teuer ist, sondern auch zusehend an Relevanz verliert.

Ungeachtet dessen würde eine Erhöhung des Gewerbesteuerhebesatzes ein anderes städtisches Projekt gefährden, weshalb ein politischer Abwägungsprozess innerhalb der „Denkfabrik Wirtschaftsreferat/Finanzreferat“ eine enge Schleife zieht: Würde die Stadt die Gewerbesteuer erhöhen, würde sie wohl das ins Stottern geratene Technologiezentrum in den freien Fall überführen und Eva Weber käme als erfolglose Wirtschaftsreferentin unter Beschuss, was in Deutschland, also auch in Augsburg, in aller Regel für Politiker ein schwer reparables Karrieretief bedeutet.

Darauf sollte es allerdings nicht ankommen. Wichtiger als die politische Karriere der Wirtschaftsreferentin Eva Weber sind die Handlungsspielräume kommender Generationen, die aufgrund der exorbitanten Schuldenpolitik der Finanzreferentin Eva Weber immer kleiner werden. Die Schuldenpolitik der Stadt hätte eine intensive politische Debatte verdient. Falls es Moravcik gelingen sollte, dieses Versäumnis vergessen zu machen, indem er einlöst, was er sich vorgenommen hat, nämlich eben diese Debatte loszutreten, damit sie in der dafür notwendigen Tiefe ernsthaft geführt werden kann, muss man dem jungen Kommunalpolitiker Respekt zollen. Mut und Aufrichtigkeit sind im politischen Alltag keine Selbstverständlichkeiten.

Warum aber Christian Moravcik erst so spät die Konsequenzen gezogen hat, wird eine Frage sein, die er sich stellen muss. Wäre er vor der Grünen Mitgliederbefragung mit aller Macht in die Bütt gestiegen, hätte sie möglicherweise zu einem anderen Ergebnis geführt. Warum er nicht dem Adorno-Wort folgt, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt, und deshalb nicht direkt die Fraktion verlässt, sondern für die Grünen, die den Schuldenkurs der Stadtregierung nicht nur mittragen, sondern aktiv unterstützen, in den Bauausschuss oder in den Umweltausschuss gehen will, leuchtet auf Anhieb ebenfalls nicht ein.

Bei den Grünen sollte Moravcik nichts mehr halten. Die Augsburger Grünen sind nach ihrer Wende hin zur Schuldenpolitik zu einer Wählerbetrüger-Partei mutiert, die im Lauf ihrer Regierungsbeteiligung sukzessive ihre ureigenen Ansprüche preisgab – und daran zugrunde gehen wird.



Stadtrat: Christian Moravcik geißelt Schuldenpolitik der Stadt und verlässt Finanzausschuss

Der von allen politischen Beobachtern und allen Stadträten quer durch alle Parteien hochangesehene Haushaltsexperte, nämlich der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Christian Moravcik, ist nicht mehr bereit, die Schuldenpolitik der Stadtregierung mitzutragen.

Von Siegfried Zagler

Christian Moravcik

Christian Moravcik


Christian Moravcik, der als Mitglied der sogenannten “Koalitionsausschüsse” auch innerhalb der Stadtregierung eine wichtige Funktion ausübt, legt bei der Grünen Fraktion sein Amt als finanzpolitischer Sprecher nieder und verlässt den Finanzausschuss, weil er die politisch im Raum stehende Neuverschuldung der Stadt Augsburg grundsätzlich für falsch und verantwortungslos hält. Diese Information sickerte gestern am Rande der gestrigen Stadtratssitzung durch.

Christian Moravcik bestätigte heute gegenüber der DAZ auf Anfrage das Rücktrittszenario und gab folgende Erklärung ab: „Die Grünen haben sich bisher vehement und aus guten Gründen gegen eine Schuldenpolitik und für eine umsichtige und nachhaltige Finanzpolitik ausgesprochen. Für diesen Finanzkurs stand ich persönlich und halte ihn nach wie vor für richtig. Nach dem Schulsanierungsprogramm folgt nun mit der Theatersanierung bereits das zweite Megaprojekt, das mit Geld finanziert werden soll, das die Stadt nicht hat. Nach noch nicht einmal zwei Jahren der aktuellen Stadtratsperiode ist eine Rekordneuverschuldung von etwa 150 Millionen Euro geplant, die auf den aktuellen Schuldenstand von 300 Millionen Euro aufgesattelt wird. Die jährlichen politischen Gestaltungsräume des Haushalt bewegen sich nur noch in einem ein- bis zweistelligen Millionenbetrag und gleichzeitig verschärft sich die Haushaltslage von Jahr zu Jahr, ohne dass eine substanzielle Verbesserung abzusehen wäre. In dieser Situation eine weitreichende Verschuldung zu beschließen, welche vier uns nachfolgenden Stadtratsperioden durch Zins und Tilgung kaum noch Luft zum Atmen und zum Reagieren auf dann aktuelle Krisen und Herausforderungen gibt, kann ich persönlich nicht verantworten. Ich habe deswegen die Konsequenzen gezogen und mein Amt als finanzpolitischer Sprecher der Grünen Stadtratsfraktion sowie meine Mitgliedschaft im Finanzausschuss niedergelegt.“

Wie es bei den Grünen nach diesem Paukenschlag weitergeht, ist derzeit noch offen. „Man befindet sich noch mitten in der Debatte“, so die Grüne Fraktionsvorsitzende Martina Wild, die betonte, dass alle Mitglieder der Fraktion wollten und wollen, dass Moravcik im Finanzausschuss weitermache, auch wenn er eine andere Meinung als die Mehrheit der Grünen Fraktion in Sachen Finanzpolitik habe. Man werde Ende Januar in Klausur gehen, um eine personelle Umverteilung in den Ausschüssen zu diskutieren und zu beschließen.

Die Kreisvorsitzende der Grünen, Marianne Weiß, zeigte sich gegenüber Moravcik ebenfalls loyal: „Der Grüne Vorstand steht weiterhin hinter Christian Moravcik, der für die Grünen inhaltlich gerade in Sachen nachhaltiger Haushaltspolitik sehr viel geleistet hat. Ich bedauere Christians Entscheidung, habe aber vollstes Verständnis für diesen Schritt“, so Weiß, die darauf hofft und sich dafür einsetzen möchte, dass Moravcik im Stadtrat für die Grünen weiterhin eine wichtige Rolle spielen kann.   Damit ließ Weiß anklingen, dass Moravcik bisher lediglich Bereitschaft zeigte, in den Bauausschuss oder in den Umweltausschuss zu wechseln. Falls ihm das nicht ermöglicht werden sollte, gilt es als sehr wahrscheinlich, dass Moravcik aus der Grünen Fraktion austritt.