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FCA überzeugt und gewinnt in Köln

Der FCA arbeitete sich nach einem glücklichen aber durchaus verdienten 1:0 Sieg gegen den 1. FC Köln im Rhein-Energie-Stadion vor 45.500 Zuschauern weiter aus dem Tabellenkeller. Den Treffer des Tages erzielte  Raúl Bobadilla, der einen von Dominik Kohr geschundenen Freistoß aus 23 Metern direkt verwandelte (64.).

Von Siegfried Zagler

FCA-Trainer Markus Weinzierl vertraute der gleichen Elf, die in der vergangenen Woche zu Hause gegen Wolfsburg ein 0:0 erkämpft hatte. Ein Wiedersehen gab es mit dem „Kölner“ Kevin Vogt, der gegen seine ehemaligen Mannschaftskollegen in der Startelf von Kölns Trainer Stöger stand. Es handelte sich um ein intensives und temporeiches Fußballspiel, in dem sich der FCA ein halbes Dutzend Chancen erarbeitete, aber nur ein Tor mit einem ruhenden Ball erzielte. Allein Bobadilla hätte in Halbzeit eins für ein ähnlich klares Zwischenergebnis sorgen können, wie das beim Augsburger Auftritt in Stuttgart der Fall war. Eine feine fußballerische Leistung der gesamten Mannschaft sorgte in der ersten Halbzeit für ein hochverdientes 0:0 zur Pause.

Nur in den ersten 20 Minuten hielten die Kölner spielerisch mit dem FCA mit: Marcel Risse zog einen Freistoß aus 18 Metern in halbrechter Position direkt aufs rechte untere Toreck (5.). Marwin Hitz konnte den Ball parieren, verletzte sich bei der Abwehraktion aber leicht am Schlüsselbein. In der 16. Minute visierte Simon Zoller mit seinem Kopfball das rechte Toreck an, aber Hitz parierte stark. Dann legte der FCA los. Dominik Kohr passte auf Raul Bobadilla im Zentrum, der freistehend vor dem Kölner Gehäuse an Horn scheiterte (23.). Nach einer guten halben Stunde Spielzeit flankte Kapitän Paul Verhaegh in die Mitte, wo Caiuby einen Kopfball aufs Tor setzte: Horn war auf dem Posten (32.). In der 36. Minute machte Horn erneut eine gute Chance der Augsburger zunichte (36.). Kurz vor der Pause hatten auch die Hausherren noch eine Chance, aber Zoller brachte hinter den Kopfball keinen Druck, so dass Hitz das Leder einfach aufnehmen konnte (40.). In der 45. Minute rauschte ein Schuss von Caiuby links am Tor vorbei. Einziges Manko des FCA in ersten 45 Minuten war war die mangelnde Chancenauswertung.

Die zweite Hälfte knüpfte zunächst an die erste Halbzeit an: Sowohl Köln als auch der FCA spielten mutig nach vorn. Nach Doppelpass von Alexander Esswein und Ja-Cheol Koo zog der Südkoreaner ab, Horn parierte. Der Abpraller landete vor den Füßen von Bobadilla, der das Leder aber ebenfalls nicht im Kölner Gehäuse unterbringen konnte (54.). In der 56. Minute pfiff Schiedsrichter Daniel Siebert einen unberechtigten Foul-Elfmeter für Köln. Anthony Modeste trat für Köln an, doch Hitz parierte in Weltklassemanier (58.). Auf der anderen Seite gab es wenige Minuten später einen unberechtigten Freistoß für den FCA aus 23 Metern zentraler Position: Bobadilla zirkelte das Leder unhaltbar für Timo Horn über die Mauer neben den Pfosten (64.).

Die Kölner erhöhten den Druck, doch auch sie vergaben ihre Torchancen kläglich. In der 72. Minute drosch Modeste den Ball aus acht Metern freistehend unbedrängt weit übers Gebälk (72.). Köln drängte auf den Ausgleich. In der 83. Minute konnte Yuya Osaka in höchster Not gerade noch vom Ball getrennt werden. Kurz vor Ende der Partie hätte der kurz zuvor eingewechselte Tim Matavz nach einem lehrbuchhaften Konter und einem genauen Zuspiel von Esswein das hochdramatische Match entscheiden müssen, doch Matavz vergab die Großchance im Stile eines Nervenbündels und schob den Ball wie ein Verteidiger ins Aus (88.). In den verbleibenden fünf Minuten kamen die Kölner noch zwei Mal zu gefährlichen Abschlüssen, aber der überragende Marwin Hitz hielt den zweiten Augsburger Auswärtssieg fest.

Am kommenden Donnerstag tritt der FCA in Belgrad zum letzten Gruppenspiel der Europa League an (21.05 Uhr). Danach empfangen die Augsburger am Sonntag Schalke (15.30 Uhr).



Untergänge: Waterloo!

Im Rahmen “Studium generale „Untergänge“ findet am kommenden Donnerstag im Zeughaus ein Vortrag von Marcus Junkelmann über die Mutter aller Schlachten statt.

“Waterloo – keine andere Schlacht der Weltgeschichte ist so sprichwörtlich geworden wie jenes Debakel in einem Dorf südlich von Brüssel, das Napoleons Schicksal endgültig besiegelte. Lange Zeit schien Napoleon unbesiegbar zu sein. Doch im Juni 1815 kämpft der Kaiser um sein politisches Überleben. Von Elba zurückgekehrt, hat er sich in den berühmten “100 Tagen” zwar erneut in Windeseile in Frankreich an die Macht gebracht, doch noch muss er die gegnerische Koalition zerschlagen und ihren Truppen eine empfindliche Niederlage beibringen.” So der Pressetextder Augsburger Volkshochschule.

Marcus Junkelmann machte sich einen Namen als freier Militärhistoriker und experimenteller Archäologe. Beginn des Vortrags ist am Donnerstag, 10.12.2015, 17.00 Uhr, Zeughaus, Filmsaal Raum 300/III, Zeugplatz 4, Karten, 5,00  Euro an der Abendkasse.



FCA: Es war kein dreckiger Sieg

Warum der FCA Anlass zur Hoffnung gibt

Kommentar und Noten von Siegfried Zagler

Ein Torhüter, der unbemerkt den Elfmeterpunkt bearbeitet, so dass der Schütze den Ball nicht direkt auf den Punkt legen konnte, das Siegtor mithilfe eines Freistoßes, der keiner war, ein Spieler, der den Ball ins Aus tritt und dies abstreitet. Ein trickreich abgewehrter Elfmeter und drei Gelbe Karten, ungenaue Schiedsrichterentscheidungen sowie nicht regelkonforme und leidenschaftliche Zweikämpfe und schließlich ein 1:0 Endergebnis. Aus diesen Zutaten entsteht nicht selten die Rezeptur eines Begriffes, den es nur in Deutschland gibt: „dreckiger Sieg“.

Für den FCA-Sieg in Köln trifft das nicht im Geringsten zu, obwohl sich in der zweiten Halbzeit Vorfälle ereigneten, die in ihrer Summe die Vorstellung eines „dreckigen Siegs“ hervorrufen. Doch dafür war die Partie viel zu ausgeglichen und seitens des FCA auch in der fußballerischen Darbietung zu feinfühlig. Wenn man es genau nimmt, hätte allein Bobadilla in der ersten Halbzeit vier Tore machen müssen. Dass Bobadilla viel zu oft Großchancen versiebt, verzeiht man dem Argentinier deshalb so leicht, weil er sie meistens auf großartige Weise selbst generiert. Und man verzeiht es im auch gern, weil er derzeit der einzige FCA-Stürmer ist, von dem Torgefahr ausgeht.

Der FCA hat in der Bundesliga eine kleine Serie hingelegt, weil es ihm gelungen ist, seine Spielweise umzustellen. Im Spiel gegen den Ball werden die ballführenden Spieler wesentlich intensiver und geschickter angelaufen und die Räume dahinter klüger zugestellt, weshalb die Augsburger Spieler auch näher bei ihren Gegenspieler stehen und somit besser in die Zweikämpfe kommen. Im Spiel nach vorne machen endlich die Außen Dampf. Das galt gegen Köln in erster Linie für Max, der in dieser Partie seine bisher beste Leistung in der Bundesliga zeigte. Auch wenn im Mittelfeld zuweilen die Bälle von Baier, Koo und Caiuby immer noch einen Tick zu lange gehalten werden, ist festzuhalten, dass der FCA sich über schnelle Kombinationen aus dem Mittelfeld heraus in Köln die Räume schuf, die nötig sind, um mit Tempo in den gegnerischen Strafraum zu kommen.

Der Gesamteindruck, den die Augsburger Mannschaft in den Spielen gegen Stuttgart, Wolfsburg und Köln hinterließ, gibt Anlass zur Annahme, dass der FCA seine Krise überwunden hat und sich möglicherweise sogar schneller vom Tabellenkeller abzusetzen vermag, als es unverdrossene FCA-Fans in den sozialen Medien prognostizierten. Warum der FCA in diesem Jahr so lange brauchte, bis er über die gesamte Spielzeit eine erstklassige Leistung abzuliefern in der Lage ist, bleibt jedoch weiter ein dunkles Geheimnis.

Die Einzelnoten:

Hitz: Eine Topleistung; Note 1

Paul Verhaegh: Der FCA-Kapitän Verhaegh gehörte wieder zu den zuverlässigen Akteuren, zeigte sich defensiv sehr konzentriert und spielte fehlerfrei, ohne Impulse nach vorne zu geben; Note 3

Ragnar Klavan: Der Chef der Innenverteidigung leistete sich keinen Patzer und zeigte sich stets auf dem Posten; Note 1,5

Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Sicher, aber mit kleinen Wacklern, nahm Modeste weitgehend aus dem Spiel und bildete zusammen mit Klavan ein starkes Duo; Note: 2,5

Philipp Max: Offensiv sehr aktiv und wirkungsvoll, hinten verbessertes Stellungsspiel und somit ohne Fehler; Note 2

Dominik Kohr: Zu viele Fehlpässe, aber ein energischer Zerstörer, der im Verbund mit Baier und Koo ganze Arbeit leistete; Note 3



Daniel Baier
: Ein guter Chef im Mittelfeld, solide in der Verteidigung und im Aufbau. Ein wichtiger Impulsgeber ist Daniel Baier aber schon länger nicht mehr; Note 3

Alexander Esswein: Viel Licht, viel Schatten. Verteidigt schlampig, ist aber nach vorne immer wieder ein Lichtblick mit Flankenläufen; Note 3,5

Ja-Cheol Koo: Seit seiner Rückkehr seine beste Leistung. Immer in Bewegung, überall anzutreffen und stets eine ballsicher Anspielstation; Note 2

Caiuby: Eine Direktabnahme so schlecht treffen, dass daraus eine raffinierte Vorlage für eine Topchance wird, war ein typischer „Caiuby“, der – wie auch in den vergangenen Spielen – wie ein Pferd ackerte und nach hinten wie nach vorne mit Präsenz zu überzeugen wusste.  Seine technischen Defizite in der Ballbehauptung gleicht er mit starkem Kopfballspiel aus; Note 2,5

Raul Bobadilla: Würde er seine Chancen verwerten, wäre er längst von Topklubs umworben. Trotz zahlreich vergebener Torchancen avancierte Bobadilla mit seinem Freistoßtor zum Matchwinner. Bobadilla gehört in dieser Form zu den besten Angreifern der Liga. Wegen der zahlreich vergebenen Torchancen gibt es aber nur die Note 2.

Ji, Matavz und Janker kamen für eine Bewertung zu spät ins Spiel.