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“Ich bin davon überzeugt, dass die Neuverschuldung verantwortungslos ist”

 

Christian Moravcik im DAZ-Interview zur Finanzierung der Theatersanierung

Christian Moravcik

Christian Moravcik: “Die Neuverschuldung überschreitet eine rote Linie”

Christian Moravcik hat sich als finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Finanzausschuss wie im Gesamtstadtrat einen ausgezeichneten Ruf als Finanzpolitiker und als Haushaltsexperte erarbeitet. Das galt für die vergangene Stadtratsperiode, in der sich die Grünen in der Opposition befanden und das gilt noch stärker für die aktuelle Stadtratsperiode, in der die Grünen einen Referenten stellen, und somit ein Teil der Regierung sind. Aus diesem Grund ist Moravciks Kritik an der Finanzpolitik der Stadtregierung, zu der er formal immer noch gehört, mehr als „nur“ ein Politikum erster Güte, viel mehr: Moravciks Kanonenschlag trifft “Mitten ins Herz” der Stadtregierung, ist also ein Volltreffer mit Tiefenwirkung, der nicht nur prinzipiell das „Gestaltungsprinzip Schuldenmachen“ geißelt, sondern konkret das Finanzierungskonzept der Theatersanierung als „demokratiefeindlich und verantwortungslos“ angreift. „Das mit Moravcik trifft uns richtig hart“, sagt einer, der es wissen muss, nämlich der Fraktionschef der CSU, Bernd Kränzle. Christian Moravcik (32) gehört seit 2008 dem Stadtrat an, seine Berufsbezeichnung: Diplomgeograph (univ.). Sein Studium schloss der gebürtige Augsburger in diesem Jahr ab.

DAZ: Herr Moravcik, zu Beginn unseres Gesprächs, möchte ich Ihnen ein Kompliment machen: Ihr Ausscheiden aus dem Finanzausschuss wird nicht nur von den Grünen als Verlust begriffen, sondern auch von den anderen Parteien. Mit ihm verliere man ein wichtiges Korrektiv, so der Kanon der Mitglieder des Finanzausschusses. Wäre es nicht politisch wirksamer gewesen, weiterhin als Korrektiv zu agieren, statt auf den Modus „Fundamentaloppositionspolitiker“ umzuschalten, der Ihnen möglicherweise droht?

Moravcik: Um als “Korrektiv” – wie Sie es ausdrücken – auf die großen Partner CSU und SPD einwirken zu können, ist eine Sache fundamental wichtig: Die eigene Fraktion muss hinter der Position des finanzpolitischen Sprechers stehen. Die Grüne Stadtratsfraktion möchte jedoch die Schuldenpolitik mittragen. In dieser Situation können sie sich dann nur noch entscheiden, den Kurs entgegen ihrer eigenen Überzeugung mitzugehen, oder ehrlich zu sagen, dass es hier um eine so grundsätzliche Entscheidung der Finanzpolitik geht, die ich für verantwortungslos halte und nicht vertreten kann. Dass ich für mich daraus Konsequenzen zu ziehen habe, ist nichts Besonderes, sondern etwas Selbstverständliches. Sehen Sie das anders, Herr Zagler?

DAZ: Natürlich sehe ich das anders, aber das ist an dieser Stelle nicht von Bedeutung.

Moravcik. Der Druck auf mich war jedenfalls hoch und belastend. Die Entscheidung den Finanzausschuss nieder zu legen, war aber richtig und befreiend. Ein dauernder Konflikt zwischen Fraktionsdisziplin und eigener Gewissensentscheidung ist nicht leicht zu ertragen. Ich bin aber auch etwas enttäuscht. Ich hätte mit Hassmails a la „Kulturbanause” bis “Totengräber des Theaters“ gerechnet (lacht), aber die Rückmeldungen sind bisher alle positiv ausgefallen.

DAZ: Warum haben Sie sich für diese Entscheidung so viel Zeit gelassen?

Christian Moravcik im Gespräch mit DAZ-Herausgeber Siegfried Zagler

Christian Moravcik im Gespräch mit DAZ-Herausgeber Siegfried Zagler

Moravcik: So viel Zeit? Herr Zagler, die Details des Finanzkonzepts zur Theatersanierung wurden erst zur Novembersitzung des Finanzausschusses bekannt. Auch ich kannte es vorher nicht. In beachtlicher Geschwindigkeit haben wir Grüne uns damit auseinandergesetzt, eine Stadtversammlung einberufen und ein Meinungsbild der Parteimitglieder eingeholt. Erst nach diesem Prozess war klar, dass die Grünen einen anderen Finanzkurs einschlagen wollen und persönliche Konsequenzen für mich angezeigt sind. Ich habe dann sehr schnell das vertrauliche, persönliche Gespräch mit der Fraktionsvorsitzenden gesucht. Dann begannen erst die fraktionsinternen Gespräche.

DAZ: Es wäre für die DAZ-Leser in diesem Zusammenhang sicher auch noch von Interesse, warum Sie sich nicht gleich ganz aus der Grünen Fraktion verabschiedet haben, sondern weiterhin für die Grünen und somit für das Dreierbündnis in Ausschüsse gehen wollen.

Moravcik: Ich bin davon überzeugt, dass die Grüne Fraktion zusammen viel erreichen kann. Mein Ziel muss es doch aber sein, möglichst viel des Wahlprogramms wegen dem die Bürgerinnen und Bürger mich in den Stadtrat geschickt haben umzusetzen. Die Erfolgsaussichten dafür sind in einer Regierungsbeteiligung bekanntlich höher.



DAZ
: Da stimme ich Ihnen gerne zu. Nur bin ich mir nicht sicher, ob das jetzt noch für Sie persönlich zutrifft. Für Sie persönlich bedeutet diese Entscheidung doch jede Menge Ärger. Ihnen droht möglicherweise politische Isolation und Einzelkämpfertum. Wie wollen Sie in dieser Rolle noch Grüne Programme umsetzen? Haben Sie das bedacht?

Moravcik: Kommunalpolitiker sind für sechs Jahre gewählt. Die politische “Karriere”

"Entscheidungen für die Gestaltung der Zukunft werden in der Gegenwart getroffen"

“Entscheidungen für die Gestaltung der Zukunft werden in der Gegenwart getroffen”

hat von Anfang an ein Ablaufdatum und das ist auch gut so. Ich war über sieben Jahre für die Grüne Stadtratsfraktion als finanzpolitischer Sprecher und als Mitglied im Finanzausschuss tätig. In dieser Zeit haben die Grünen in Augsburg ein auch über Parteigrenzen hinaus anerkanntes finanzpolitisches Konzept und eine eigenständige Finanzprogrammatik entwickelt. Diese Programmatik schlug sich neben Beschlüssen der Stadtversammlung auch im Wahlprogramm und schlussendlich als politischer Kompromiss im Kooperationsvertrag nieder. Für mich persönlich ist mit einer weiteren Schuldenausweitung eine rote Linie überschritten. Der erreichte Umfang der Neuverschuldung überschreitet aus meiner Sicht weit den Rahmen, in welchem die Stadt in Zukunft handlungsfähig bleiben kann. Nach langen Diskussionen in Partei und Fraktion ist die Niederlegung die für mich persönliche Konsequenz aus der Entwicklung. Ich bin davon überzeugt, dass die Neuverschuldung verantwortungslos ist und dazu stehe ich. So einfach ist das. Und Sie können sich sicher sein, dass ich die möglichen persönlichen Konsequenzen genauso gut bedacht habe, wie die Auswirkungen der Rekordneuverschuldung auf die Stadt.

“Das ist weder nachhaltig noch generationengerecht. Dem Stadtrat fehlt dazu die Legitimation”

DAZ: Warum haben Sie dann bei der Neuverschuldung für das Schulsanierungspaket zugestimmt?

Moravcik: Auch die Kredite für die Schulsanierungen habe ich damals kritisch beleuchtet. In der Analyse gibt es jedoch erhebliche Unterschiede. Bei den Schulen ist die Stadt Sachaufwandsträger. Es handelt sich folglich um eine städtische Pflichtaufgabe die auf jeden Fall erledigt werden muss. Auch beim Umfang der Sanierungen gibt es bei den Schulen nicht viel Spielraum und es handelt sich um, in kommunalen Zeitschienen gemessen, relativ kurzfristige Kredite mit Laufzeiten bis zu elf Jahren. Dass eine Stadt in kritischer Finanzlage ein Theater dieser Größe vorhält, ist zunächst eine freiwillige Leistung und damit eine Entscheidung, die die Stadt selbst in der Hand hat. Die Theatersanierung ist eine „Generalsanierung“ und die Kosten übersteigen im hohen Maße die Ausgaben, die nötig wären, um den normalen Betrieb aufrecht zu erhalten. Diese angestrebte Generalsanierung sprengt den Rahmen des finanziell Leistbaren der Stadt. Diesen Fakt ignorierend will man dieses Projekt offenbar dennoch per Kredite durchziehen und die Kopfzerbrechen über die Leistbarkeit den nachfolgenden Stadträtinnen und Stadträten der nächsten vier Perioden bis zum Jahr 2039 überlassen. Das ist nicht nachhaltig und auch nicht generationengerecht. Ich meine sogar, es ist demokratiefeindlich. Die für sechs Jahre gewählten Stadträte sind nicht legitimiert, massiv den Haushalt der noch zu wählenden Stadtregierungen vorzuschreiben.

Grafik zur Gewerbesteuer

Grafik zur Gewerbesteuer

DAZ: Das ist ein Gedanke, der zunächst einleuchtet. Ist es aber nicht so, dass die Politik alle Nase lang Finanzierungsprojekte dieser Art startet? Auch die Neue Stadtbücherei wurde doch zu 100 Prozent finanziert und ist erst in 30 Jahren abbezahlt. Wäre der Stadtrat an den „Moravcik-Kodex“ gebunden, nur Projekte zu finanzieren, die auch innerhalb einer Periode  finanziert werden können, wäre der Gestaltungsspielraum wohl eher zu eingeschränkt und die Stadt Augsburg würde von anderen Kommunen abgehängt werden.

Moravcik: Sie haben Recht, die Politik beschließt immer wieder solche Konzepte. Die Konsequenz daraus ist eine ständig ansteigende Verschuldung, steigende Zins- und Tilgungslasten und damit einhergehend der Verlust von Handlungsoptionen unserer Nachfolger. Die Grünen hatten dies erkannt und eine Lösungsstrategie entwickelt. Ihr sogenannter Moravcik-Kodex wurde vom Finanz-Arbeitskreis der Grünen entwickelt, von der Stadtversammlung beschlossen und ins Wahlprogramm aufgenommen. Der Beschluss ließe übrigens auch Finanzierungen über längere Zeiträume zu, dazu bedarf es aber nach dem Grünen Wahlprogramm der Legitimation der Bürgerinnen und Bürger über einen Bürgerentscheid. Und um auf die Stadtbücherei zurück zu kommen. Ihr Kollege der großen Tageszeitung hat errechnet, dass die Errichtung der Stadtbücherei 15 Millionen gekostet hat. Zahlen wird die Stadt am Ende 30 Millionen. Wenn wir also über eingeschränkte Gestaltungsspielräume sprechen ist das doch das beste Beispiel. Weil eine Regierung keine saubere Finanzierung aufstellt, kostet es die Stadt das Doppelte und das zu Lasten der nachfolgenden Regierungen.



DAZ
: Wenn ein marodes Stadttheater Anlass einer Generalsanierung ist, lassen sich die damit verbundenen finanziellen Drahtseilakte politisch besser rechtfertigen. So kommt man vermutlich auch einfacher an höhere Fördergelder vom Freistaat. Aber gemessen an den laufenden Kosten, die der normale Stadttheaterbetrieb verursacht, sind die Sanierungskosten doch ein Klacks. So ähnlich hat das jedenfalls der Intendant vom Karlsruher Staatstheater Peter Spuhler bei der Eröffnungsveranstaltung des Bürgerbeteiligungsverfahrens gesagt. Da ist was dran.

Moravcik: Herr Spuhler wollte damit zum Ausdruck bringen, dass die Sanierungskosten nicht wirklich das Problem sind?



Nach dem Opernball 2017 soll es losgehen: Sanierung des großen Hauses

Nach dem Opernball 2017 soll es losgehen: Die Sanierung des Großen Hauses, die mit zirka 120 Millionen Euro veranschlagt ist.  Die geplanten Neubauten (Schauspielhaus, Werkstätten, Lager, Verwaltrung plus Archälogie)) schlagen dagegen “nur” mit zirka 69 Millionen ins Kontor. Das Projekt spaltet die Stadtgesellschaft. Ein Bürgerbegehren liegt in der Luft.

DAZ: Genau! Also betrachten wir mal des Pudels Kern: Zirka 25 Millionen Euro kostet der bloße Betrieb unseres Stadttheaters jährlich, 15 Millionen davon belasten jährlich den städtischen Haushalt. Mit den Kosten für den Gebäudeunterhalt hat die Stadt Augsburg in den vergangenen 30 Jahren grob geschätzt 450 Millionen Euro für ihr Stadttheater ausgegeben. Ist es in diesem „Kosten-Szenario Stadttheater“ wirklich so dramatisch, wenn man jährlich noch „vier Milliönchen“ aufsattelt, damit der Dreisparten-Betrieb am Kennedyplatz für die nächsten 30 Jahre fortgesetzt werden kann?

Moravcik: Interessante Summen die Sie da nennen. Haben Sie mal ausgerechnet, wie viel in der Zeit für andere Bereiche ausgegeben wurde? Zum Beispiel für die städtischen Altenheime oder Bildung? Ich nehme an, nicht mal Bruchteile davon und das beschreibt schon einen Teil des Problems. Aber lassen Sie uns nicht über die Vergangenheit reden.

“Die Selbstverwaltung der Kommune ist nur noch in einem lächerlichem Ausmaß möglich”

DAZ: Die Fehler der Vergangenheit lehren uns doch, wie wir unsere Zukunft gestalten sollen.

Moravcik: Das stimmt natürlich. Die Entscheidungen für die Gestaltung der Zukunft werden aber in der Gegenwart getroffen. Die gegenwärtige Haushaltslage – und die wird sich auf absehbare Zeit nicht verbessern – sieht so aus: Die Einnahmen der Stadt Augsburg sind im Vergleich zu anderen Städten unterdurchschnittlich, dagegen die Belastungen durch Sozialausgaben, aber auch schon bestehende Zinslasten im Vergleich zu anderen bayerischen Städten überdurchschnittlich. Bereits knapp 8 Prozent unserer Einnahmen werden für den Schuldendienst benötigt. Dazu kommt, dass wir die Investitionen schon lange nicht mehr frei wählen können. Tatsächlich ist der Investitionshaushalt von Projekten geprägt, die zur Vermeidung von Notsituationen, Gefahr im Verzug, oder der Abwendung von Schließungen und Sperrungen bei Pflichtaufgaben unausweichlich sind. Die Selbstverwaltung der Kommune ist faktisch nur noch in einem lächerlichem Ausmaß möglich.



DAZ
: Bei einem Investitionsbetrag von zirka 100 Millionen Euro im Schnitt?

Moravcik: Das klingt nach viel, ist aber in Wahrheit wenig. Im Wesentlichen kann die Bürgervertretung Stadtrat nämlich nur noch über 5 bis 10 Millionen Euro jährlich frei verfügen. Man kann es gar nicht oft genug sagen: In den Haushaltsberatungen 2015 waren für die drei Kooperationspartner noch 800.000 Euro zur politischen Prioritätensetzung vorgesehen, also etwa 0,1 Prozent des Haushaltsvolumens. Hierin begründet sich auch die Diskussionswürdigkeit des Finanzierungskonzepts: Wer ein Finanzierungskonzept bis zum Jahr 2039 beschließt, engt damit den kleinen verbliebenen Handlungsspielraum nachfolgender Entscheider und Entscheiderinnen um weitere 3,85 Millionen Euro zuzüglich Zinsen und mögliche Baukostensteigerungen, weiter ein. Mehrkosten bei anderen Großprojekten wie dem Hauptbahnhof, neuen Straßenbahnlinien, oder kommende soziale Herausforderungen wie Wohnungsbau, die Flüchtlingskrise und damit verbundene Integrationskosten, könnten damit zum Kollaps der städtischen Finanzen, beziehungsweise zur Sinnlosigkeit von weiteren Stadtratswahlen führen, da keine Handlungsspielräume mehr vorhanden sind.

“Soziale Herausforderungen wie Wohnungsbau, die Flüchtlingskrise und damit verbundene Integrationskosten, könnten zum Kollaps der städtischen Finanzen führen”

DAZ: Wenn bereits heute der Gestaltungsspielraum so gering ist, wird das Rätsel immer rätselhafter, wie Sie im Bauausschuss oder Umweltausschuss Grüne Inhalte in dieser Regierungsperiode umsetzen wollen. Außerdem besteht im aktuellen Stadtrat der Konsens, dass es ein Stadttheater mit drei Sparten, also ein Dreisparten-Haus in Augsburg braucht. Im Sommer gab es dazu im Stadtrat einen Grundsatzbeschluss. Das kostenintensive „Konzept Eigenbetrieb Stadttheater“ in ein weniger kostspieliges Konzept umzubauen, indem man zum Beispiel das Musiktheater aus dem Eigenbetrieb auslagert, gilt in der Politik als obsolet und ist somit wohl auf absehbare Zeit politisch nicht durchsetzbar. Also wird uns unser Stadttheater weiterhin 15 Millionen Euro + x pro Jahr wert sein müssen. Oder schwebt Ihnen gar vor, die „Heilige Kuh Stadttheater“ mit Haut und Haar Richtung Schlachthaus zu führen?

Moravcik: Schlachthaus und Kühe. Geben Sie schon Stichworte für die Hassbriefe? Wissen Sie, ich bin kein Kulturpolitiker. Ich bin Finanzpolitiker und als solcher sehe ich, dass wir jeden Euro nur einmal ausgeben können. Und wenn der Stadtrat mehrheitlich der Meinung ist, dass der Unterhaltungsbetrieb Theater einen jährlichen Zuschuss in dieser Höhe erhalten soll, dann ist das eine demokratische Entscheidung, welche übrigens jederzeit geändert werden kann. Aber auch hier gilt: Jeder Euro der schon ausgegeben ist, kann nicht mehr an anderer Stelle verwendet werden. Der Konsens, Geld auszugeben, besteht immer recht schnell – im Gegensatz zu diskutierten Einsparungen. Und um ihr Rätsel zu lösen: Im Bau- oder Umweltausschuss besteht die Möglichkeit durch Bebauungspläne und Satzungen die Stadt nachhaltig zu verändern, ohne dass die Stadt selbst fiskalisch belastet wird.

“Spielräume im Haushalt sind nicht mehr vorhanden”



DAZ
: Bitte nicht die Frage umschiffen!



Moravcik
: Gut, spielen wir ihren Schlachthausgedanken mal durch. Nehmen wir mal an wir hätten das Jahr 2025 und die Kredite für die Theatersanierung belasten jährlich den Haushalt mit vier Millionen zusätzlich zum Zuschuss von fünfzehn Millionen. Spielräume im Haushalt sind nicht mehr vorhanden. Die neue Stadtregierung will aber ihre eigenen investiven Schwerpunkte setzen, schließlich muss ja jede Regierung ihre Tatkraft durch verbaute Betonmillionen unter Beweis stellen. Oder die Stadt hat wiedermal ein Haushaltsdefizit und muss jetzt einen Ausgleich herstellen. Eines der beiden Szenarien trifft immer zu (lacht). So Herr Zagler: Stellen Sie sich vor, Sie wären Stadtrat im Jahr 2025. Welche freiwillige Leistung kürzen Sie? Die Zinsen und Tilgung für die Theatersanierung können sie nicht streichen, diese Handlungsoption hat Ihnen der Stadtrat 2015 genommen. Kürzen Sie den jährlichen Zuschuss ans Theater um fünf Millionen und machen sich damit lächerlich, weil Sie ein riesiges, teuer generalsaniertes Theater haben, welches Sie dann nicht mehr adäquat bespielen können? Oder machen sie die vermeintliche Kuh zum Schlachter und kürzen anderswo? Vielleicht schließen Sie die Hallenbäder, oder verkaufen Anteile der Stadtwerke oder unsere Wohnungsbaugesellschaft?

“Der Umfang der Investition ist mit der kritischen Haushaltslage der Stadt Augsburg nicht zu leisten”



DAZ
: Da es sich wohl um rhetorische Fragen handelt, die die „Schlachthausfrage“ ein wenig konkreter umschiffen, gehe ich darauf nicht ein. Schließlich bin immer noch ich in der Rolle des Fragestellers, aber ich nehme Ihren zu kurz gespielten Pass gerne an. Deshalb gleich die Steilvorlage, die Sie sicher direkt verwandeln können: Welches Finanzierungskonzept für die Theatersanierung hätten Sie mitgetragen?

Moravcik: Sie geben die gleiche Antwort wie die Schuldenbefürworter, nämlich keine. Herr Zagler (lacht), Sie sind ja schon ganz Stadtrat! Aber zurück zum Thema: Die Finanzierung der Theatersanierung beinhaltet aus meiner Sicht zwei wesentliche Probleme. Erstens ist der Umfang der Investition, auch mit Zuschüssen des Freistaats, mit der kritischen Haushaltslage der Stadt Augsburg nicht zu leisten. Es ist auch nicht absehbar, dass sich die Haushaltslage mittelfristig substanziell verbessert. Eine Einzelinvestition dieser Höhe ist deshalb nicht vertretbar. Zweitens verschiebt das Schuldenkonzept die Tilgung in die nachfolgenden Stadtrats-perioden. Dabei schränkt es die verbliebenen marginalen Handlungsspielräume der nachfolgenden Stadtratsperioden massiv ein. Dafür ist der aktuell gewählte Stadtrat, wie gesagt, nicht legitimiert.



DAZ
: Herr Moravcik, das hatten wir schon. Ich fragte danach, welches Theatersanierungskonzept Sie mitgetragen hätten!



Moravcik
: Geduld Herr Zagler, nur wer sein Ziel kennt findet den Weg (lacht). Eine Finanzierungsalternative müsste aus meiner Sicht folgende Säulen beinhalten: Erstens sollte der Umfang auf das Nötigste zur Betriebssicherung reduziert werden.

Zweitens muss die Finanzierung im Wesentlichen in der Stadtratsperiode geleistet werden, welche die Sanierung beschließt. Dafür nötige Steuererhöhungen oder Streichungen in anderen Bereichen dürfen nicht auf die nachfolgende Stadtratsperiode verschoben werden.

Drittens muss klar kommuniziert werden, dass eine Priorisierung der Theatersanierung zu Lasten anderer investiven freiwilligen Aufgaben gehen wird. Es muss deutlich gesagt werden, welche dies sein werden. Steht die Schließung von Sportstätten, oder von Hallenbädern zur Disposition? Gehen die Kosten fürs Theater zu Lasten der Stadtteilentwicklung, oder zu Lasten sozialer Leistungen wie dem Sozialticket? Der Investitionsplan der nächsten Jahre ist schon jetzt mit 46 Millionen überzeichnet. Das heißt, dass wir  bereits zahlreiche Projekte beschlossen haben, für die es keine Finanzierung gibt. Welche dieser Projekte werden dadurch verschoben werden müssen, oder ganz aufgegeben? In welchem Maße leidet die gesamte Stadtentwicklung unter der freiwilligen Leistung „Eigenbetrieb Stadttheater“? All das muss in einem Konzept beantwortet werden, und zwar von denen, die die Entscheidung für die Sanierung treffen.

“(…) All das muss in einem Konzept beantwortet werden, und zwar von denen, die die Entscheidung für die Sanierung treffen”



DAZ
: Das klingt aus Ihrem Mund alles sehr dramatisch und einleuchtend zugleich. Warum aber hat die Regierung von Schwaben die exorbitante Schuldenpolitik der Stadt genehmigt?



Moravcik
: Die Regierung von Schwaben hat den Haushalt der Stadt Augsburg realistisch beurteilt, in dem sie beim Genehmigungsschreiben feststellte, dass der Ausgleich künftiger Haushalte gefährdet ist. Sie forderte zudem “Sparwillen” und “Priorisierungen” ein. Der Satz, “Der Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit in den Folgejahren hat besonderes Augenmerk zu gelten” – oder die Aufforderung, die Stadt solle den Finanzplan an die “tatsächlichen Verhältnisse, insbesondere hinsichtlich der Finanzierbarkeit der Investitionen” anpassen, ist für das diplomatische Beamtendeutsch, das die Regierung von Schwaben pflegt doch mehr als deutlich und dem ist nichts hinzuzufügen. Herr Zagler, ich glaube, dass das Schuldenpaket zwar von einer Regierung genehmigt wurde, aber nicht von der Regierung von Schwaben.

DAZ: Herr Moravcik, vielen Dank für das Gespräch.

————— Fragen: Siegfried Zagler



Mölders ist jetzt ein Löwe

Der Augsburger Mittelstürmer Sascha Mölders wechselt vom FC Augsburg zum TSV 1860 München auf Leihbasis. Dies meldete der Kicker vor wenigen Minuten. Auf der Homepage der Münchner ist das erste Foto von Mölders mit Löwen-Dress zu sehen.



Mölders köpfte in seinem ersten Spiel für den FCA das erste Bundesligator der Augsburger

Mölders köpfte in seinem ersten Spiel für den FCA das erste Bundesligator der Augsburger


“Er verfügt über ausreichend Erst- und Zweitligaerfahrung und hat bei all seinen bisherigen Stationen seine Torgefährlichkeit unter Beweis gestellt”, so Löwen-Manager Oliver Kreuzer, der sich sehr erleichtert zeigte, dass Löwen-Investor Ismaik dem Deal zustimmte. – Den Löwen steht in der Zweiten Liga das Wasser bis zum Hals, so dass der Giesinger Kultklub sich mit einem wie Mölders glücklich schätzen darf, da die notorisch klammen Münchner nicht sein volles Gehalt bezahlen müssen. Nach Informationen des Fachmagazins Kicker “wird sich der FCA am Gehalt des Angreifers beteiligen, die genaue Höhe der Summe wurde aber nicht bekannt.”

Mölders Vertrag wurde beim FCA während wohl aus romantischen Gründen bis 2017 verlängert. Mölders kam nach dem Aufstieg des FCA in die Bundesliga zu den Augsburgern und galt nach einem überragenden Start als Topverpflichtung, wurde aber bereits in der Rückrunde der ersten Saison von dem damaligen FCA-Trainer Luhukay in die zweite Reihe gesetzt.

Auch in den Planungen von Weinzierl spielte Mölders nach einem kurzen Zwischenhoch sportliche keine Rolle mehr. In der laufenden Saison kam er in der Bundesliga lediglich vier Mal mit Kurzeinsätzen in die erste Elf. Für den Europa League-Kader wurde Mölders, obwohl er fit war, erst gar nicht nominiert.



Panther: Mike Stewart verlängert

Mike Stewart bleibt Cheftrainer der Augsburger Panther: Sein Vertrag wurde bis zum Ende der Saison 2016-17 verlängert.



Mike Stewart, der vor der aktuellen Saison aus Bremerhaven nach Augsburg wechselte, steht wie kein anderer für den gelungenen Neustart der Panther in der Saison 2015-16. Schnell etablierten Stewart und sein Trainerteam eine neue Spielweise: Zielstrebiges Eishockey gepaart mit leidenschaftlichem Kampf in jeder einzelnen Partie machen die Augsburger Panther zu einem Playoff-Anwärter in der Deutschen Eishockey Liga. Gerade die offensive Spielweise von Stewarts Team ließ viele Spiele zu mitreißenden Spektakeln werden. 97 erzielte Tore in nur 29 Partien sind aktuell Bestwert in der DEL. Anlass genug für die Pantherverantwortlichen, Stewarts Vertrag frühzeitig um ein weiteres Jahr zu verlängern.



Star Wars VII: Ein Mythos kehrt zurück

Selten erhält die Premiere eines Kinospektakels den Charakter einer Opernpremiere. Bei der Filmpremiere von „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ war das allerdings im hohen Maße der Fall, da die Hoffnung des Publikums auf einen neuen Klassiker genährt wurde, obwohl von den Disney-Studios hartnäckig verschwiegen wurde, worum sich die Handlung dreht.

Von Roberto Medori

Noch nie war vor einem Filmstart, so wenig über den Inhalt bekannt, wie das vor der Fortsetzung von Star Wars VI der Fall war. Falls „ Das Erwachen der Macht“ floppen sollte, würde das ganze Werk nach 30jähriger Dämmerphase auf den Müllberg der Kinogeschichte wandern, so die Befürchtungen der in die Jahre gekommenen weltweiten Fanschar, die nicht viel anders als die Wagnerianer bereit waren nieder zu knien und zugleich bereit waren, das vorläufige Ende eines Epos mit Buhs und Boykott zu quittieren. Ein zweites „Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“ hätte die von George Lucas für vier Millionen Dollar an Disney verkaufte Science-Fiction-Reihe direkt auf den Friedhof der  überambitionierten Filmreihen geführt. Damit musste man rechnen und allen war diese Gefahr bewusst, weshalb es  J.J.Abrams (Regie), Lawrence Kasdan (Drehbuch) und John Williams (Soundtrack) hoch anzurechnen ist, das Kunststück geschafft zu haben, die hochgeschraubten Erwartungen zu erfüllen und Zuschauer wie Fans in guter Star Wars Manier aus dem Jahr 1983 abzuholen. In diesem Jahr endete die Trilogie mit Teil 6 “die Rückkehr der Jedi-Ritter”, die seinerzeit im Augsburger „City“ ein galaktisches Ende darstellte.

Stars Wars VII zieht nun das Publikum mit der gleichen Qualität in den Bann, wie das in der ersten   Weltraum-Oper „Krieg der Sterne“ der Fall war. Wie 1978, damals noch im wundervollen Augsburger Leinwand-Palast „Emelka, wartet der aktuelle Streifen unter der Regie von Abrams mit relativ unbekannten Schauspielern in den Hauptrollen auf. Den Prominentenauftritt hatte diesmal Max von Sydow. In den Teilen 4,5 und 6 der 70er und 80er Jahre waren es Sir Alec Guiness und Peter Cushing.

Die handwerklichen Fehler, die George Lucas bei der Prequel-Trilogie gemacht hat, wiederholte Abrams nicht, weshalb „Das Erwachen der Macht“ beinahe so wirkt, als sei der erste Star Wars-Film „Krieg der Sterne“ als Blaupause unterlegt. Star Wars VII ist aber mehr als ein Remake, viel mehr, nämlich großartiges Kino im guten alten Stil.



Treppe und Treppenlauf

Was man für das kommende Jahr wünschen darf. Teil I+II

Von Siegfried Zagler

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In der “staaden Zeit” kann es ohne Schnee nicht wirklich still sein. Weihnachten ohne Schnee ist beinahe wie ein Turm ohne Treppe, weshalb eine gewisse Altaugsburg-Gesellschaft kurz vor Weihnachten wohl auf die Idee kam, im vergangenen Bauausschuss einen Bauantrag zu stellen, der die stillgelegte Außentreppe am Fünffingerlesturm wiederbeleben soll: Der äußere Treppenlauf, der auf den Gehweg ragte, und deshalb nicht genehmigt wurde, soll jetzt auf der anderen Seite angeflanscht werden. Die Betonrampe mit dem Eisengestänge, die mit ihren Proportionen die ehemalige Stadtmauer darstellen sollte, stellt jetzt also etwas anderes als die ehemalige Stadtmauer dar. Aber was?

Die Antwort wäre die Altaugsburg-Gesellschaft der Bürgerschaft noch schuldig, wenn sich diese noch dafür interessieren würde, was die Herrschaften der Altaugsburg-Gesellschaft so meinen. Die Altaugsburg-Gesellschaft ist schließlich im Dezember 2015 mit einer gesellschaftlichen Relevanz geschlagen, die kaum noch messbar ist, was man im Grunde bedauern sollte, weil die „Tombola-Macher“ einst in der Lage waren, „kühne städtebauliche Ideen“ wie zum Beispiel die Sanierung der Altstadt oder den Nachbau des Goldenen Saales mit Charity-Geld zu unterstützen. Das war in den Achtzigern. Damals befand sich die Stadt auf einem verhaltenen Annäherungskurs zu Brecht, die Grünen zogen nach und nach in die Parlamente ein und SPD-Oberbürgermeister Hans Breuer trug in Augsburg penibel gepflegte Haare und nicht selten eine „Männertasche“ am Handgelenk.

Die Treppe am Fünffingerlesturm ist so überflüssig und so hässlich wie ein Pfeifentäschchen, weshalb die Stadt die Zermürbungsschlacht um die Treppe endlich beenden sollte, indem sie den Mietvertrag mit der Altaugsburg-Gesellschaft kündigt. Der erste bescheidene „Machbarkeitswunsch“ für das neue Jahr ist somit formuliert. Und da das Wünschen auch an Weihnachten im Allgemeinen nur funktioniert, wenn man neben dem Christkind auch der dafür zuständigen Behörde einen Zettel schreibt, soll das an dieser Stelle geschehen: “Damit das absurde Projekt am geheimnisvollen Wehrturm sein Ende findet, muss der Fünffingerlesturm vom Zugriff der Altaugsburg-Gesellschaft, wenn irgendwie möglich, verschont bleiben.”Die Bürgerinitiative, die damals so viel Aufhebens um diese Treppe machte, ist jedenfalls noch quietschlebendig, worin sie sich zum Beispiel von der sogenannten „Unterzeichnergruppe“ unterscheidet, die im späten Frühling dieses Jahres mit einem Offenen Brief an OB Kurt Gribl für reichlich Aufruhr sorgte. Diese leicht chaotische aber nicht ganz ungefährliche Gruppe, die damals einen Planungsstopp in Sachen Theatersanierung forderte, gibt es nicht mehr.

Trotzdem „riecht es nach einem Bürgerbegehren“, wie die Süddeutsche Zeitung einem gewissen Kurt Idrizovic entlocken konnte. “Kurt gegen Kurt” titelte Stefan Mayr am vergangenen Samstag in der Süddeutschen im Bayernteil, dessen Relevanz in Augsburg in etwa an die der Altaugsburg-Gesellschaft heranreicht, weshalb die DAZ gerne an dieser Stelle diesen Artikel verlinkt, ohne dabei auf den zweiten Wunsch für das neue Jahr zu verzichten: “Die Stadt soll aufhören, die Generalsanierung des Theaters voranzutreiben, solange es dafür kein zeitgemäßes Konzept, dafür aber eine atavistische Sanierungsabsicht für ein aus der Zeit gefallenes Großes Haus gibt.”

Nicht nur ihren Lesern wünscht die DAZ ein besinnliches und frohes Weihnachtsfest – mit dem üblichen Hinweis, dass es in der “staaden Zeit” auch bei der DAZ ein wenig ruhiger zugeht.



Gaswerk: Bastelarbeit mit Bastaqualität

Warum die neueste Geschichte des Gaswerks eine Geschichte ist, die für Unbehagen unter den Kulturschaffenden sorgt



Von Peter Bommas


Das im Eigentum der Stadtwerke befindliche Gaswerksgelände in Oberhausen

Das im Eigentum der Stadtwerke befindliche Gaswerksgelände in Oberhausen


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Die Stadtregierung überrascht in der Vorweihnachtszeit mit Selbstgebasteltem, kostspielig in Geschenkpapier gewickelt von der armen Stadtwerke-Tochter. Der Dringlichkeitsantrag zum Gaswerkprojekt im Kultur- und die weitergehende Beschlussvorlage im Bauausschuss mit den Auswirkungen zur Diskussion um die Theatersanierung und den geplanten Umzug des Kulturpark West sowie der Beschluss im Gesamtstadtrat dazu am 17. Dezember 2015 tragen aktionistische Züge, werden aber von der Stadt als gesetzte Bausteine einer Stadtentwicklungspolitik verkauft. Dabei zeigt sich, dass das Dreierbündnis auf die sedierende und zermürbende Wirkung scheibchenweise verabreichter „Tatsachenentscheidungen mit Bastaqualität“, auf die Vergesslichkeit und die Schicksalsergebenheit mancher Stadträte, vieler Bürger und kultureller Akteure setzt.

Deshalb zunächst als „Aufwacherle“ ein paar Zeilen zur Geschichte der Option „Kreativquartier Gaswerk“.

Wie alles anfing

Vor nunmehr über drei Jahren, im Frühjahr 2012, wurde die Industriebrache Gaswerk – auch gerne gehandelt als „industriekulturelles Denkmal von europäischer Dimension“ – nach mannigfachen Versuchen zur Verwertung (siehe u.a. die Bemühungen von Prof. Ganser) als Option für die dauerhafte Einrichtung eines Kreativquartiers mit dem „Herzstück“ Kulturpark West vom Aufsichtsrat der WBG und dem Baureferat ins Spiel gebracht. Nicht zuletzt, um ab Herbst 2017 eine schnelle Verwertbarkeit des Reeseareals für hochwertigen Wohnungsbau sicher zu stellen und gleichzeitig das über 10-jährige Trauerspiel um die gescheiterten Verkaufsbemühungen der ehemaligen Gaswerkflächen zu beenden.

Ofenhaus-Präsentation

Ofenhaus-Präsentation


Mit großem Einsatz von Stadtplanern und Denkmalschützern konnten die Stadtwerke als Eigner des Geländes von der Notwendigkeit einer kulturellen Umnutzung des Altbestands überzeugt werden. Der damalige Stadtwerkevorstand wurde in seinen letzten beiden Amtsjahren sogar zum überzeugten Verfechter einer Kulturpark-Perspektive auf dem Gaswerkgelände. Eine Machbarkeitsstudie mit Skizzierung eines Raumprogramms wurde für viel Geld (zirka. 220.000 Euro) und unter massivem Zeitdruck 2013 bei einem hochkarätigen Architekten- und Stadtentwicklungskonsortium unter Mitarbeit der gemeinnützigen Kulturpark West GmbH in Auftrag gegeben, im Dezember  2013 abgeschlossen und schließlich im Januar 2014 präsentiert: Knapp 10.000 Quadratmeter „Kreativfläche“ wurden mit Ideen und unter  Zustimmung des Denkmalschutzes in den Gebäudealtbestand eingeplant, eine sukzessive Nachverdichtung mit Gewerbe- und Büroflächen raumplanerisch vorgeschlagen (Turmbauten). Ein erster Finanzierungsrahmen von zirka 25 Millionen Euro wurde veranschlagt und eine möglichst rasche Bauleitplanung vorgeschlagen – vorauseilender und erwünschter „Wildwuchs“ zur Inbesitznahme der Brache durch Kulturpiraten inklusive. – Daraus sollte nichts werden.

Nebeneffekt statt Herzstück

Ende Januar 2014 übernahm die Stadtregierung unter Oberbürgermeister Kurt Gribl die Deutungshoheit für das Gaswerkprojekt und kündigte eine „Zukunftswerkstatt“ an, um das Projekt „breiter“ aufzustellen. Die Stadtwerke traten in den Hintergrund und die Machbarkeitsstudie verschwand in der Schublade. Der Wahlkampf zur Kommunalwahl war in der heißen Phase und zwei Monate nach der Wahl wurde das Thema wieder aufgegriffen, aber die angekündigte Zukunftswerkstatt immer wieder vertagt, bis sie dann im Spätherbst 2014 endlich stattfand – als partizipatives Brainstorming von zirka 170 kulturaffinen Akteuren mit einem „Wunschkonzert“,  bei dem die ursprüngliche Idee eines „Kulturpark West als Herzstück“ nur noch als Nebeneffekt. Dann vergingen wieder vier Monate bis zur öffentlichen Präsentation der Ergebnisse dieser Zukunftswerkstatt im Stadtrat im April 2015, die mit dem Hinweis schloss, dass nun eine nichtöffentliche „Planerwerkstatt“ unter Federführung des Stadtplanungsamtes die Ideen des Beteiligungsprozesses „Zukunftswerkstatt“, der Planungen der „Machbarkeitsstudie“ und möglicher Optionen europäischer Förderstrukturen (EFRE) bis zum Spätsommer 2015 zu einer Beschlussvorlage entwickeln würde. Kreativer Wildwuchs als Vorwegnahme innovativer Quartiersentwicklung – Fehlanzeige!

Augen zu und durch

Peter Bommas

Peter Bommas


Ende Dezember 2015 sind nun über 12 Monate seit dem inhaltlichen Diskurs in der Zukunftswerkstatt vergangen, mit den Teilnehmern von damals und den aktuell Betroffenen aus dem Kulturpark wurde mehr schlecht als recht kommuniziert. Sie alle erfahren jetzt aus der Augsburger Allgemeinen den neuesten Plan zum Kreativquartier Gaswerk, der gravierende Planungsänderungen enthält und von der Not und dem Elend der Theatersanierung gezeichnet ist und nur sehr entfernt an den Diskurs aus 2013/2014 erinnert: Ein großer Teil des nutzbaren Altbestandes – das als Atelier- oder Probenraumzentrum geplante Ofenhaus –  wird für die Interimsspielstätte des Theaters (2017-2024) umgebaut, die Brechtbühne beim Stadttheater abgerissen und dort eingebaut, ein angehängter Neubau (5000qm für Probebühnen, Werkstätten, Büros etc.) auf der Fläche dahinter erstellt, womit ein wesentlicher Teil der „Ersatzfläche Kulturpark“ für dessen Entwicklung unbrauchbar wird. Der Verweis darauf, dass diese „Theaterbauten“ nach 2024 für die Kreativen weiter genutzt werden können, wirkt angesichts der veranschlagten Kosten von zirka 17 Millionen für diese Theaterzwischennutzung und einem genannten Zeitfenster von 7-8 Jahren blauäugig und in finanzieller Hinsicht desaströs. Bei einem solchen Investitionsvolumen wäre es geradezu fahrlässig, das Theater dort wieder „heraus zu bauen“ – es müsste dort bleiben und auf Dauer als Magnet für das neue Quartier dienen!

Atelier- und Probenräume für Künstler tauchen in einer gewollten „Gemengelage“ mit Gewerbeeinmietungen und kreativwirtschaftlicher Nutzung auf der Parkplatzfläche vor den Tanksilos in Systembauweise als einstöckige, wallförmig angelegte Leichtbauten gegenüber dem Deuterpark auf. Das ergibt ein maximales Raumprogramm für die Kunst im Umfang von vielleicht 1500 Quadratmeter, was gerade Mal einem Gebäude (von drei Gebäuden) des jetzigen Kulturparks entspricht. Die Probenräume für Bands sind nicht explizit ausgewiesen, sollen wohl in amputierter Form (maximal 45 – 50 Räume) auf zwei geplanten Etagen im Scheibengasbehälter entstehen. Platz für Workshopräume, Tanzräume, Theaterprobenräume, Projekträume wie im jetzigen Kulturpark sind nicht ausgewiesen. Das „Reinigerhaus“ bleibt wegen der schwierigen kleinteiligen Umnutzung aufgrund statischer Probleme außen vor und wird als Location für einen „Klub“ gehandelt. Der Werkstatttrakt hinter dem Ofenhaus bietet schon in der Machbarkeitsstudie nicht mehr als 10 – 15 Künstlern Platz. Außerdem muss die Vermietung der Neubauten den Stadtwerken als Eigner und Träger auch eine merkbare Refinanzierung bringen. Eine Schwarze Null ist das angestrebte Ziel, deshalb sind Mieteinnahmen ausdrücklich als fester Bestandteil der Entwicklungsmaßnahme neben Bankkrediten und Grundstücksverkäufen eingeplant.

Planen und Bauen als Bricolage

Blick vom Gaskessel auf das Gaswerk (Bild: Kleeblatt-Film)

Blick vom Gaskessel auf das Gaswerk (Bild: Kleeblatt-Film)


Gleichzeitig fällt auf, dass die Stadtwerke als Entwickler und Finanzierungsgesellschaft wieder ganz vorne dran stehen. Die Trägerschaft soll eine von der SWA-Holding zu gründende GmbH & CoKg übernehmen. Die Stadt will dann nur anmieten, das Theater zahlt für seine Interimsräume auch eine „angemessene“ Miete. Die zur Entwicklung eingeplanten und viel beschworenen EFRE-Millionen aus EU-Mitteln sind offensichtlich sang- und klanglos verschwunden, Denkmalschutzmittel können bei der vorgestellten Lösung nur begrenzt zum Zuge kommen (für umgenutzte Altbauten), die Neu- und Zubauten sowie das notwendige Parkhaus (zirka 4 Millionen) als „Brandmauer“ zum Ofenhaus hin kosten zusätzliches Geld. Man erwartet den Einstieg von privaten Investoren als Kommandisten der neuen GmbH&CoKg.

Gleichzeitig steht nun ein strammer Zeitplan fest: Das Theater muss 2017/18 auf das Gelände und hat absolute Priorität. Vorher muss aber das Parkhaus gebaut werden, sonst gibt es keine Nutzungsgenehmigung fürs Ofenhaus. Bauanfrage und Bauleitplanung sowie Bebauungsplan müssen noch im Frühjahr 2016 zum Erfolg führen, damit im Spätsommer die Bagger anrollen können. Deshalb auch die jetzt sehr eilige Beschlussfassung für eine rasche Bauplaung, wo man doch eigentlich die Ergebnisse der Planerwerkstatt mit der interessierten Öffentlichkeit zumindest noch diskutieren wollte und die nächsten Monate noch ein offener Beteiligungsprozess zur Theaterlandschaft läuft.

Letzer Planungstand mit Theaterspielstätte und Parkhaus (Grafik: Stadt Augsburg)

Letzer Planungstand mit Theaterspielstätte und Parkhaus (Rahmenplan)


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Das Konzept könnte funktionieren, wenn das Stadttheater bliebe

Diese aus der Not geborene Lösung mit der Interimsspielstätte des Theaters gilt jetzt als „Motor und Impuls“ für ein entstehendes Kreativquartier. Das könnte funktionieren, wenn Verkehrsanbindung und Aufwertung des Viertels Hand in Hand gingen, aber nur wenn ab 2024 die „Hochkultur“ nicht wieder verschwindet. Niemand in der Stadt kann im Ofenhaus ohne Subventionen ein Theater dieser Größenordung betreiben, schon gar nicht als Off-Theater der freien Szene, das könnte höchstens eine kommerziell ausgerichtete Boulevardbühne mit Gastspielbetrieb. Was also mit den theatergenutzten Interimsbauten ab 2024 passieren soll ist unklar, solche Räume können nicht einfach kleinteilig umgenutzt werden. Bleibt noch Disco- und gastronomische Konzerthallenkultur.

Unterm Strich eine Planung, die Unbehagen und Widerstand erzeugt

Ebenso unklar ist die postulierte Herstellung eines Raumprogrammes für die Musiker, Künstler und Projekte aus dem Kulturpark, die ja nach Aussage von OB Gribl im Herbst 2017 „nicht auf der Straße stehen sollen“. Über 8000 Quadratmeter waren dafür einmal vorgesehen, im aktuellen Plan sind es aufgrund der gewünschten „Durchmischung mit Gewerbe und Kreativwirtschaft“ maximal 3.000.

Mit dieser Planung steht fest, dass das verkleinerte und nach Künstlern, Kreativwirtschaftlern und Gewerbetreibenden sortierte Kulturareal nicht mehr in freier Trägerschaft selbstbestimmt, selbstverwaltet und ohne Intendanz ein „Biotop der freien Szene“ darstellt. Die Künstler und Kulturschaffenden werden wohl von einem städtisch installierten „Kümmerer“ verwaltet und müssen mannigfaltige Kompromisse mit den parallel eingemieteten Gewerbebetrieben eingehen. Das sorgt für Unbehagen und möglicherweise für Widerstand.



Der FCA ist ein Bundesligist, der selbst von seinem Trainer schwer einzuschätzen ist

Es gibt in der Geschichte der Fußballbundesliga kaum einen anderen Klub, der Fans wie Experten stärker überrascht hat als der FC Augsburg. Das gilt auch für die aktuelle Saison, in der der FCA von einem Sinkflug in einen Höhenflug umzusteuern verstand. Was den Sinkflug verursachte und warum er erst so spät eine Ende fand, ist eine Frage, die man trotz aller Glückseligkeit über den Höhenflug nicht unter den Tisch fallen lassen sollte.

Von Siegfried Zagler

Halbzeittabelle: FCA auf Platz 12

Halbzeittabelle: FCA auf Platz 12


In vielen Partien der gestern zu Ende gegangen Vorrunde zeigte sich der FCA als launische Diva, die sich selbst nicht richtig einzuschätzen verstand. Nach zwölf Spieltagen befand man sich zurecht auf dem letzten Platz. Dann kam der 13. Spieltag und alles wurde anders. Über Nacht legte der FCA die Diva-Rolle ab und stemmte sich diszipliniert und leidenschaftlich gegen den Abstieg. Dabei erzielte der FCA nicht nur gute Resultate, sondern zeigte verloren geglaubte Qualität, was folgende These erlaubt: Hätte sich der FCA von Beginn an auf das Spiel eingelassen, das er spielen kann und spielen hätte müssen, nämlich aus einer geordneten und giftigen Defensive heraus, die bei Balleroberung auf schnelles Spiel nach vorne umschaltet, und dabei schnell den Abschluss sucht, hätte der FCA nach nach dem Ende der Hinrunde nicht die die geringsten Abstiegssorgen, sondern könnte die verwegensten Träume träumen.

Es steht außer Frage, dass der FCA gegen Berlin wie gegen München einen Punkt hätte mitnehmen müssen, gegen Frankfurt und Mainz jeweils drei Punkte hätte mitnehmen müssen und es ist auch nicht daran zu zweifeln, dass der Augsburger Kaders qualitativ hinreichend bestückt ist, um in den beiden Heimspielen gegen die beiden Aufsteiger Ingolstadt und Darmstadt zwei Siege einzufahren. Triebe man es also auf die Spitze, ließe sich behaupten, dass man sich zwar über die zurückliegende Siegesserie freuen darf, aber dabei nicht vergessen sollte, dass der FCA bis zu seinem Erwachen in Stuttgart mindestens 10 Punkte liegen ließ, weil er schlecht verteidigte und konzeptlos nach vorne bolzte.

Das soll nicht heißen, dass der FCA, hätte er von Beginn an mit der richtigen Abstimmung und Einstellung gespielt, heute 29 Punkte vorweisen müsste und von der Championsleague träumen könnte, sondern soll heißen, dass der FCA fast zwei Drittel der Hinrunde sein Potential nicht voll auszuschöpfen verstand.

Ohne Unterstützung im Rücken liefen Ji oder Matavz, aber auch Altintop oder Werner die Torhüter und die ersten ballführenden Feldspieler ihrer Gegner an. Viel zu oft konnte (deshalb) der Gegner von der Mittellinie Richtung FCA-Tor Tempo aufnehmen und in offene Räume vorstoßen, die jede Abwehr schlecht aussehen lassen.Viel zu lange wurde im Mittelfeld sinnlos mit Hacke und Spitze hantiert und viel zu oft zurück gespielt. Viel zu oft hinten herum gespielt, um mit einem langen Diagonal-Ball jede gegnerische Abwehr zu unterfordern. Viel zu oft verloren die Mittelfeldspieler und auch die Stürmer einfache Bälle und viel zu oft wurden die seltenen Torchancen ausgelassen, die sich für den FCA eröffneten. Viel zu statisch eröffnete der FCA seine Angriffe und viel zu wenig suchten die Außen den Weg an die Grundlinie: Nach hinten mit zu geringer Konzentration, nach vorne zu konzeptlos und zu fahrig, so könnte man das Agieren des FCA in den meisten der ersten 12 Ligaspielen auf den Punkt bringen.

Ob das etwas mit falschem Coaching zu tun hatte, wurde in der Öffentlichkeit nur von der DAZ erörtert. Warum Markus Weinzierl erst dann, als der FCA vor dem Abgrund stand, darauf kam, was die Mannschaft kann und nicht kann, bleibt eine Frage, die die Fußball-Weisen in Augsburg ihrem geschätzten Trainer offenbar nicht entreißen wollen.

Will die lokale Presse – und damit ist vor allen das sonntägliche Boulevard-Blättchen gemeint, das die Bedürfnisse der Fangemeinde erfüllt, statt eine eigene und unabhängige Sprache zu entwickeln – dem FCA mit Ärmelschoner-Prosa schlimmstenfalls nur am Rockzipfel zupfen und ein Puppenkisten-Image verpassen? Wäre eine deutliche und reflektierende Sprache, die der Phänomenologie des FCA auf den Zahn fühlt und nicht in Watte packt, wie es die lokale Presse in Augsburg handhabt, nicht besser für den FCA? Würde der FCA öfters ein „Ausverkauft“ vermelden können, wäre die Berichterstattung zugespitzter? Die meisten Artikel in der Augsburger Allgemeinen zum Beispiel könnte man eins zu eins für die Stadionzeitung des FCA verwenden: Das macht nicht wirklich Lust auf Fußball.

Eine weitere schmerzvolle Frage: Warum steht Hertha BSC mit 32 Punkten auf dem 3. Platz? Die Antwort ist einfach: Weil die alte Dame ihre Möglichkeiten erkannt hat und ausschöpft. Bei den Berlinern stimmt die Mischung zwischen Kampf- und Spielvermögen. Das nicht einfach auszubalancierende Yin und Yang des Fußballs wurde beim FCA bereits in der Rückrunde der vergangenen Saison aus dem Gleichgewicht gebracht, indem ein Großteil der Mannschaft gegen vermeintlich schwächere Mannschaften dazu überging, alles spielerisch lösen zu wollen. Dieser Trend wurde von Weinzierl nicht ausgemerzt und somit in die aktuelle Saison übertragen. Schlichter sind Weinzierls Aufstellungsfehler, wie zum Beispiel Ji immer wieder als einzige Spitze zu bringen oder immer wieder auf Altintop zurückzugreifen, obwohl er im ersten Drittel der Vorrunde selten in der der Lage war, zwei Bälle in Folge korrekt zu stoppen.

Der Weinzierl-Satz, dass ihm der Nichtabstieg dieses Jahr mehr bedeuteten würde als der letztjährige fünfte Platz, rutschte dem Augsburger Coach über die Lippen, als sich der FCA auf dem Tiefpunkt seines Sinkflugs befand, und ist deshalb von einer dergestalt nichtssagenden Banalität gezeichnet, dass er eine dramatische Überhöhung benötigt: „Nicht sterben: Das ist dem Augsburger Trainer wichtiger als die schöne Zeit im vergangenen Jahr.“

Falls es dem FCA gelingen sollte, Form und Einstellung der letzten fünf Liga-Partien mit in die Rückrunde zu nehmen, um nach weiteren 13 Punkten in den kommenden fünf Spielen wieder Richtung Europa schielen zu können, mit welcher Priorisierungsphrase könnte Markus Weinzierl dann überraschen? Dass ihm der sechste Platz dieses Jahr wichtiger ist als der fünfte vom Vorjahr?



Es gibt nichts Richtiges im Falschen

Warum die Initiative von Christian Moravcik zu einer Debatte über die Schuldenpolitik der Stadt Augsburg führen sollte

Kommentar von Siegfried Zagler

Die Opposition im Augsburger Stadtrat ist inhaltlich zu schwach unterfüttert, hat weder eine charismatische noch eine politisch begabte Führungsfigur und natürlich keinen gewachsenen Überbau, hat also nichts, was zu mehr führen könnte, als zu Fußnoten in der Augsburger Allgemeinen. Aus diesem Grund fällt es der aktuellen Stadtregierung leicht, verwegene Finanzierungsmodelle als “seriös” (Theatersanierung) vorzustellen oder nicht weniger verwegene städteplanerische Schnellschüsse als “Stein des Weisen” zu verkaufen, wie zum Beispiel die Errichtung eines temporären Schauspielhauses in der „Ödnis von Oberhausen“.

Dass nun mit Christian Moravcik ein angesehener Grüner Konzeptpolitiker und Haushaltsexperte aus dem CSU/SPD/Grünen-Dreierbündnis das Gebaren und die Finanzpolitik der Stadtregierung, der er bis heute angehörte, nicht mehr mitmachen will, mag vordergründig die Grünen in Schwierigkeiten bringen, doch der erste Adressat der Moravcik-Aktion ist Finanz- und Wirtschaftsreferentin Eva Weber, die sich als ausgebildete Juristin mit der bloßen Kraft ihrer Jugend in unbekanntes Gelände gewagt hat, und dabei keine gute Figur abgibt.

Eine Theatersanierung mit einem städtischen Kostenanteil von zirka 90 Millionen Euro mit einem 25-jährigen Tilgungszeitraum stemmen zu wollen, ohne dabei zusätzliche Einnahmen zu generieren, indem man zum Beispiel an anderer Stelle spart oder die Gewerbesteuer erhöht, ist verantwortungsloses politisches Handeln, weil man die Not und die Last, die dieses Projekt erfordert, an kommende Generationen weiter reicht. An anderen Stellen für die Theatersanierung sparen und zusätzliche Einnahme generieren, wäre ein Konzept gewesen, das man in einen politischen Abwägungsprozess hätte schicken können. Einfach nur ein reines Schuldenszenario ohne Baukostenmehrung und Zinsen zu entwerfen, ist ein allzu schlichtes Finanzierungsmodell und obendrein eine phantasielose politische Tat, mit der man eins zu eins für rund 120 Millionen Euro das Große Haus ertüchtigen will, dessen antiquiertes Nutzungskonzept nicht nur sehr teuer ist, sondern auch zusehend an Relevanz verliert.

Ungeachtet dessen würde eine Erhöhung des Gewerbesteuerhebesatzes ein anderes städtisches Projekt gefährden, weshalb ein politischer Abwägungsprozess innerhalb der „Denkfabrik Wirtschaftsreferat/Finanzreferat“ eine enge Schleife zieht: Würde die Stadt die Gewerbesteuer erhöhen, würde sie wohl das ins Stottern geratene Technologiezentrum in den freien Fall überführen und Eva Weber käme als erfolglose Wirtschaftsreferentin unter Beschuss, was in Deutschland, also auch in Augsburg, in aller Regel für Politiker ein schwer reparables Karrieretief bedeutet.

Darauf sollte es allerdings nicht ankommen. Wichtiger als die politische Karriere der Wirtschaftsreferentin Eva Weber sind die Handlungsspielräume kommender Generationen, die aufgrund der exorbitanten Schuldenpolitik der Finanzreferentin Eva Weber immer kleiner werden. Die Schuldenpolitik der Stadt hätte eine intensive politische Debatte verdient. Falls es Moravcik gelingen sollte, dieses Versäumnis vergessen zu machen, indem er einlöst, was er sich vorgenommen hat, nämlich eben diese Debatte loszutreten, damit sie in der dafür notwendigen Tiefe ernsthaft geführt werden kann, muss man dem jungen Kommunalpolitiker Respekt zollen. Mut und Aufrichtigkeit sind im politischen Alltag keine Selbstverständlichkeiten.

Warum aber Christian Moravcik erst so spät die Konsequenzen gezogen hat, wird eine Frage sein, die er sich stellen muss. Wäre er vor der Grünen Mitgliederbefragung mit aller Macht in die Bütt gestiegen, hätte sie möglicherweise zu einem anderen Ergebnis geführt. Warum er nicht dem Adorno-Wort folgt, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt, und deshalb nicht direkt die Fraktion verlässt, sondern für die Grünen, die den Schuldenkurs der Stadtregierung nicht nur mittragen, sondern aktiv unterstützen, in den Bauausschuss oder in den Umweltausschuss gehen will, leuchtet auf Anhieb ebenfalls nicht ein.

Bei den Grünen sollte Moravcik nichts mehr halten. Die Augsburger Grünen sind nach ihrer Wende hin zur Schuldenpolitik zu einer Wählerbetrüger-Partei mutiert, die im Lauf ihrer Regierungsbeteiligung sukzessive ihre ureigenen Ansprüche preisgab – und daran zugrunde gehen wird.



Stadtrat: Christian Moravcik geißelt Schuldenpolitik der Stadt und verlässt Finanzausschuss

Der von allen politischen Beobachtern und allen Stadträten quer durch alle Parteien hochangesehene Haushaltsexperte, nämlich der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Christian Moravcik, ist nicht mehr bereit, die Schuldenpolitik der Stadtregierung mitzutragen.

Von Siegfried Zagler

Christian Moravcik

Christian Moravcik


Christian Moravcik, der als Mitglied der sogenannten “Koalitionsausschüsse” auch innerhalb der Stadtregierung eine wichtige Funktion ausübt, legt bei der Grünen Fraktion sein Amt als finanzpolitischer Sprecher nieder und verlässt den Finanzausschuss, weil er die politisch im Raum stehende Neuverschuldung der Stadt Augsburg grundsätzlich für falsch und verantwortungslos hält. Diese Information sickerte gestern am Rande der gestrigen Stadtratssitzung durch.

Christian Moravcik bestätigte heute gegenüber der DAZ auf Anfrage das Rücktrittszenario und gab folgende Erklärung ab: „Die Grünen haben sich bisher vehement und aus guten Gründen gegen eine Schuldenpolitik und für eine umsichtige und nachhaltige Finanzpolitik ausgesprochen. Für diesen Finanzkurs stand ich persönlich und halte ihn nach wie vor für richtig. Nach dem Schulsanierungsprogramm folgt nun mit der Theatersanierung bereits das zweite Megaprojekt, das mit Geld finanziert werden soll, das die Stadt nicht hat. Nach noch nicht einmal zwei Jahren der aktuellen Stadtratsperiode ist eine Rekordneuverschuldung von etwa 150 Millionen Euro geplant, die auf den aktuellen Schuldenstand von 300 Millionen Euro aufgesattelt wird. Die jährlichen politischen Gestaltungsräume des Haushalt bewegen sich nur noch in einem ein- bis zweistelligen Millionenbetrag und gleichzeitig verschärft sich die Haushaltslage von Jahr zu Jahr, ohne dass eine substanzielle Verbesserung abzusehen wäre. In dieser Situation eine weitreichende Verschuldung zu beschließen, welche vier uns nachfolgenden Stadtratsperioden durch Zins und Tilgung kaum noch Luft zum Atmen und zum Reagieren auf dann aktuelle Krisen und Herausforderungen gibt, kann ich persönlich nicht verantworten. Ich habe deswegen die Konsequenzen gezogen und mein Amt als finanzpolitischer Sprecher der Grünen Stadtratsfraktion sowie meine Mitgliedschaft im Finanzausschuss niedergelegt.“

Wie es bei den Grünen nach diesem Paukenschlag weitergeht, ist derzeit noch offen. „Man befindet sich noch mitten in der Debatte“, so die Grüne Fraktionsvorsitzende Martina Wild, die betonte, dass alle Mitglieder der Fraktion wollten und wollen, dass Moravcik im Finanzausschuss weitermache, auch wenn er eine andere Meinung als die Mehrheit der Grünen Fraktion in Sachen Finanzpolitik habe. Man werde Ende Januar in Klausur gehen, um eine personelle Umverteilung in den Ausschüssen zu diskutieren und zu beschließen.

Die Kreisvorsitzende der Grünen, Marianne Weiß, zeigte sich gegenüber Moravcik ebenfalls loyal: „Der Grüne Vorstand steht weiterhin hinter Christian Moravcik, der für die Grünen inhaltlich gerade in Sachen nachhaltiger Haushaltspolitik sehr viel geleistet hat. Ich bedauere Christians Entscheidung, habe aber vollstes Verständnis für diesen Schritt“, so Weiß, die darauf hofft und sich dafür einsetzen möchte, dass Moravcik im Stadtrat für die Grünen weiterhin eine wichtige Rolle spielen kann.   Damit ließ Weiß anklingen, dass Moravcik bisher lediglich Bereitschaft zeigte, in den Bauausschuss oder in den Umweltausschuss zu wechseln. Falls ihm das nicht ermöglicht werden sollte, gilt es als sehr wahrscheinlich, dass Moravcik aus der Grünen Fraktion austritt.



Eilmeldung: Ancelotti wird neuer Trainer beim FC Bayern

Was längst alle Spatzen von den Dächern pfiffen, ist seit heute Mittag offizell: Pep Guardiola verlässt den FC Bayern und sein Nachfolger heißt Carlo Ancelotti.



Im Sommer verlässt Pep Guardiola verlässt den FC Bayern München nach drei Jahren. Sein Nachfolger Ancelotti erhält von den Münchnern einen Vertrag, der bis Sommer 2019 datiert ist. “Guardiola verlässt FCB zum Saisonende”: Mit diesem Tweet verkündete der FC Bayern heute die längst feststehenden Personalrochade nach der laufenden Saison.

“Wir sind Pep Guardiola dankbar für alles, was er unserem Verein seit 2013 gegeben hat”, wird Vorstandschef Karlheinz Rummenigge in der offiziellen Pressemitteilung zitiert. “Ich bin überzeugt, dass Pep und unsere Mannschaft jetzt noch intensiver daran arbeiten werden, die großen sportlichen Ziele zu erreichen – gerade, weil nun feststeht, dass Pep den FC Bayern verlassen wird”, so Rummenigge.

Guardiolas Ära beim FC Bayern dürfte man als gescheitert betrachten, falls der Spanier in dieser Saison wieder krachend in der Königsklasse scheitern sollte. Trotz der fünf Titel, die Guardiola aktuell vorweisen kann (Klub-WM; Uefa-Supercup 2013, Meister 2013 und 2014, DFB-Pokalsieger 2013), gilt der Satz, dass er dafür nicht geholt wurde, da diese Titel vom FC Bayern erwartet werden, egal wie der Trainer heißt. In der Championsleague schied der FC Bayern aber zweimal auf demütigende Art und Weise mit Trainer Guardiola im Halbfinale aus: 2014 an Real Madrid (0:1/0:4), 2015 an Barcelona (0:3/3:2).