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Augsburger Geierwally: wild, stolz und konzeptlos

Unbestechlicher Stolz, ein endloser Kampf um individuelle Freiheit sowie absolute Willensstärke sind Eigenschaften, die abschreckend und anziehend sind. Das verkörpert „Geierwally“ als Romanfigur der Autorin Wilhelmine von Hillern (1836-1916) und wurde somit Symbol- und ironisierte Klischeefigur für die Fahnenträgerinnen der Emanzipationsbewegungen. Geierwally verschaffte sich Ruhm in zahlreichen Theaterinszenierungen, Verfilmungen, einer Oper und einem Musical. Jetzt will das Theater Augsburg ihrer Geschichte unter der Regie von Gregor Turecek einen neuen Aspekt abgewinnen, ein neues Leben einhauchen.

Von Sophia Winiger



Von Hillerns „Geierwally“ ist keines ihrer philosophischen Spätwerke. Es ist eine Heimatromanze aus den Tiroler Alpen, die die Urkraft der Bergwelt mit einfachen Motiven abbildet: Die unbändige junge Walburga wird durch die eiserne Hand ihres reichen Bauernvaters Stromminger erzogen. Die Brutalität des Landlebens im 19. Jahrhundert formt ihren mannhaften Charakter: Sie ist wild, schön und mutig: Als Dreizehnjährige wagt sie sich als Einzige an ein Geier-Nest, das zum Viehschutz geräumt werden muss. Sie trotzt dem Angriff des Raubvogels, vollendet ihre Mission und kehrt mit einem Küken und dem ruhmvollen Namen „Geierwally“, ins Tal zurück. Bald stemmt sie sich gegen den Willen des despotischen Vaters. Weil sie insgeheim den feschen, starken „Bären-Joseph“ liebt, weigert sie sich, den für sie auserwählten, Vinzenz zu heiraten. Der Widerspenstigkeit der scheinbar Unzähmbaren wird eine harte Probe abverlangt: Sie wird ins Hochgebirge verbannt und kommt, den rohen Naturgewalten ausgesetzt, dem Hungertod immer näher. Hier erst setzt Tureceks Inszenierung ein. In der Schuhkarton-Atmosphäre der Brechtbühne wird die düstere Felslandschaft durch einen rundum laufenden, glitzernden Lametta-Vorhang dargestellt.

Wally (Kerstin König) tritt durch den Vorhang, für eine ausgezehrte Bettlerin erstaunlich exquisit gekleidet – sie trägt ein schwarzes Dirndl im Gothic-Stil – und tritt auf einen Wohnwagen zu. Dort wohnen die „Klötze von Rofen“, drei abgedrehte Fremdenführer (Thomas Prazak,

Gregor Trakis, Helene Blechinger), die verdummt sind durch fehlende Außenkontakte, und gewähren Wally Asyl, indem sie ihr ein triefendes Schlagerständchen singen. Sie versuchen ihr Halt zu bieten, als der kauzige alte Stromminger (Klaus Müller) mitsamt Freier Vinzenz (Sebastian Baumgart) auftaucht und die Alpen-, oder eher Schlageridylle, stört. Der folgende Auftritt des „Bären-Joseph“ (Patrick Nellessen) und sein Stockkampf mit dem Alten (gekonnt inszeniert von Armin Frauenschuh), drängen Wally in die Enge: Zwar wehrt sie Vater und Vinzenz ab, doch in ihrem Stolz vermag sie sich nicht zur Liebe zu Joseph zu bekennen. Auch als er verletzt durch ihren Geier und mit einem schwächlichen Mädchen an seiner Seite (Afra; Blechingers zweite Rolle) aufkreuzt, fährt sie ihn nur wütend an und lässt ihn verdutzt zurück. Die schnulzige Tragikomödie, die immer mehr an „Dahoam is dahoam“ oder einen Plärrer-Umzug erinnert, nimmt ihren Lauf: Der Vater stirbt, Wally als alleinige Hoferbin heuchelt keine Trauer, muss sich aber mit der erzkatholischen Dorfgesellschaft auseinandersetzen und gewinnt dadurch an Unnahbarkeit und Härte. Beim Dorftanz zerschlägt sich ihre Hoffnung, den Bären-Joseph für sich zu gewinnen. Nach einem Kuss lässt er sie vor den Augen der Dorfgemeinschaft stehen. Wie Schneewittchens Stiefmutter trachtet sie in blinder Rachsucht nach seinem Tod. Sie verliert den Halt, den Bezug zu sich und ihren Werten. Die Katastrophe scheint perfekt, als Vinzenz sich in der Hoffnung auf ihre Gunst als Josephs Mörder präsentiert. Die Einsicht ihres Wahns führt zu einem noch tieferen Zerwürfnis mit der äußeren Realität. Zwar rettet Wally den Bären-Joseph, der, wie sich herausstellt, lebend am Rand eines Abgrundes hängt. Doch Schuldgefühle treiben Wally in eine tödliche Einsamkeit. Sogar Josephs finales Liebesbekenntnis nimmt sie nur noch beiläufig wahr. Vertieft in ihre narzisstische Verstrickung und als schwarzer Trauervogel verkleidet, bleibt sie verschlossen. Im Gegensatz zur Geierwally der Orginalvorlage gibt es für die „Augsburger Geierwally“ kein Happyend.

Die Geschichte ist überaus flach; ihre Faszination gewinnt sie einzig und allein durch die Hauptfigur: Durch Wallys Standhaftigkeit, in der sie allen Männern, auch Joseph, überlegen ist, durch ihre Sehnsucht, ihre Wahrhaftigkeit mit anderen zu teilen, durch ihre Impulsivität, ihre Unberechenbarkeit, die den Dorfbewohnern Angst einflößt, weil deren Manipulationsversuche bei Wally gegen eine Mauer fahren. Geierwally ist auch deshalb eine interessante Figur, weil sie der Gesellschaft den Spiegel ihrer Lügen vorhält.

Wer aber in Tureceks Inszenierung eine tiefere Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche sucht, sucht vergeblich: Mit der Persiflage auf die 70er Jahre ist die Inszenierung nicht weit von einer Trash-Komödie entfernt. Die Schauspieler präsentieren sich in Faschingskostümen und bringen dabei selbst die Schlichtheit der Charaktere nicht voll zur Geltung. Zu kontrolliert wirkt an vielen Stellen ihr Geplänkel; Spontaneität, emotionale Spitzen und Ausgefeiltheit fehlen. Einzig Klaus Müller als Vater und Priester weiß mit schräger Kante zu überzeugen. Kerstin König ist eine bemühte, weil zu weich gezeichnete Geierwally, die an sich selbst zerbricht und nicht an der Kälte und Grobheit ihres Umfelds.

Die Einspielung von Schlagern stilisiert vielleicht die kommerzielle Intention des Romans, vielleicht auch nicht. Ihr Sinn ist jedenfalls nicht erkennbar. Möchte der Regisseur die Suche der zeitgenössischen Frau nach einer neuen gesellschaftlichen Rolle herausarbeiten? Wie kann man das trostlose Frauenbild des 19. Jahrhunderts aber ins Heute transportieren? Die äußerst harten Lebensumstände, die Ursache vieler Charakterzüge und Konflikte Wallys, sind nicht mit den Problemgemengen unserer Komfortgesellschaft vergleichbar. Wo also wäre ein Charakter wie Wally zu suchen? In der Chefetage einer erfolgreichen Firma aufgrund ihres Durchsetzungsvermögens? Oder doch in einem Dorf im tiefsten Bayern, wegen ihrer ungehobelten Direktheit?

Zeitlos ist hingegen die Schwierigkeit der Frau, in ihrer Liebe zu einem Mann, Unabhängigkeit und Augenhöhe zu bewahren. Wallys Hin- und Hergerissen-Sein zwischen Stolz und Sehnsucht wird vom Regisseur zwar sichtbar herausgearbeitet. Der politische Bezug der über 150 Jahre alten Geschichte zur heutigen Zeit ist aber zu gewollt: Geierwally wird bei ihrer Ankunft auf den Höfen von Rofen, die ein alter Wohnwagen auf der Bühne abbildet, mit einer Asylbewerberin gleichgesetzt. „Wir schaffen das“, sagt Vinzenz drei Mal. Was Deutschland als Zufluchtsort und seine davon irritierte Gesellschaft mit einer armseligen Bergalm und ihren einfältigen Wirten gemein hat, wird natürlich nicht näher beleuchtet.

Die Ankündigung des Regisseurs in einem Interview mit der Dramaturgin Barbara Bily, die Tiroler Alpen auf der Brechtbühne sichtbar zu machen, hat sich nicht bewahrheitet. Was haben schillernde Plastikfäden mit der kargen Schönheit und der menschenfeindlichen Einsamkeit eines Gebirges zu tun?

Insgesamt lässt die Inszenierung ein plausibles Konzept vermissen. Als Gesellschaftskritik kann die Aufführung nicht ernst genommen werden, als Parodie auf die historische Vorlage noch weniger. Ein Besuch der Vorstellung lohnt sich, wenn man auf der Suche nach zerstreuender Abendunterhaltung und seichtem Humor ist. Bis Ende April ist „Die Geierwally“ in insgesamt 14 Aufführungen auf der Brechtbühne zu sehen.

Foto: Nik Schölzel



FCA: Mit Trippelschritten aus dem Tabellenkeller

Mit einer kämpferisch imponierenden Leistung kam gestern im Abendspiel der 14. Runde der Fußballbundesliga der FC Augsburg gegen den Tabellendritten und amtierenden Pokalsieger aus Wolfsburg zu einem hochverdienten 0:0 Unentschieden. Mit diesem Punktgewinn in der mit 27.081 Zuschauern nicht ausverkauften WWK Arena verlässt der FCA die direkten Abstiegsplätze und klettert auf den Relegationsplatz.

Von Udo Legner

In exakt derselben Aufstellung wie beim 4:0 Auswärtssieg gegen den VfB Stuttgart lief die Mannschaft des FCA gegen den 1. FC Wolfsburg auf. – Während die Wölfe im gewohnten 4-2-3-1 agierten, war Augsburg von Markus Weinzierl taktisch in einem 4-1-4-1 System ausgerichtet, das sich gegen den Ball in ein 4-4-2 verwandelte. Dazu sollte sich noch eine Neuerung gesellen. Von Beginn bis zum Schlusspfiff präsentierte sich der FCA hochkonzentriert.

Für den ersten Aufreger sorgte Raul Bobadilla gleich in der 1. Spielminute. Im Duell gegen Naldo kam er im Strafraum zu Fall, was Fifa-Schiedsrichter Christian Dingert allerdings nicht für elfmeterwürdig ansah. In der 6. Minute die erste Torchance für die Gäste aus Wolfsburg:  Arnolds Flanke erreicht Bas Dost, doch dessen Kopfball kann FCA Keeper Marwin Hitz parieren.

Nicht nur wegen ihrer Wuschelköpfe gehörten Cajuby und Dante von Beginn an zu den auffälligsten Spielern ihrer Teams. Dante kontrollierte elegant und abgeklärt das Defensiv- und Aufbauspiel der Wölfe. Caiuby überzeugte durch sein aggressives Pressing, was auf der linken Außenbahn immer wieder zu Balleroberungen und gefährlichen Vorstößen führte. In der 21. Minute versagt der Unparteiische den Augsburgern einen Strafstoß, als Ja-Cheol Koo im Strafraum – wohl allzu spektakulär – zu Fall kommt.

Der FCA zeigte sich in der Defensive stark verbessert – vor allem Ragnar Klavan und Paul Verhaegh knüpften an die Glanzleistungen der vergangenen Saison an. Ausgerechnet Kapitän Paul  Verhaegh war es allerdings, der durch das Versemmeln einer hundertprozentigen Torchance die auswärtsschwachen Wölfe vor dem Rückstand bewahrte.  Nach einem Patzer des  enttäuschenden Andre Schürrle kommt Augsburgs Leitwolf kurz vor Halbzeit (43. Min.) frei vor VfL Schlussmann Benaglio zum Schuss, hämmerte den Ball aber rechts neben das Tor.

Fazit zur Halbzeit: Ein Match auf Augenhöhe mit Luft nach oben, in dem der FCA gegen den Vizemeister fast nichts zulässt.

Die ersten Minuten der zweiten Halbzeit gehörten den Hecking Schützlingen. Immer wieder ist es Christian Träsch, der das Angriffsspiel der Wölfe über die rechte Außenbahn vorträgt. Schürrles und Arnolds Distanzschüsse (50. Und 53. Min.) verfehlen jedoch ihr Ziel. Mit zunehmender Spieldauer kommt der FCA immer besser in die Zweikämpfe und kauft der Wölfe-Offensive den Schneid ab. Mehr Flop als Top – dies galt unisono für die hochdotierten Spitzenspieler Andre Schürrle, Bast Dost und Max Kruse, von deren Torgefährlichkeit an diesem Abend in der WWK Arena nur wenig zu sehen war. Lediglich bei Ecken und Freistößen wurde es für den FCA brenzlig.

Auch auf der Gegenseite blieben Torchancen Mangelware. Dominik Kohr (61. Min.) bringt nach schöner Flanke von Philipp Max das Kunststück fertig, einen Kopfball völlig unbedrängt neben das Tor von Diego Benaglio zu setzten.

Tabelle nach dem 14. Spieltag

Tabelle nach dem 14. Spieltag


Ansonsten sorgte lediglich Schiri Dingert für den ein oder anderen Farbtupfer, was sich hüben (Bobadilla, Koo, Caiuby) wie drüben (Naldo, Dante, Caliguri) in vielen gelben Karten niederschlug und in einen Platzverweis für Dante in der 85. Minute gipfelte. – Das Überzahl­spiel und Powerplay der Augsburger in den letzten Minuten der Partie und in der Nachspielzeit wussten die Wölfe – trotz der Einwechslungen von Jan Moravec und Piotr Trochowski – geschickt zu verteidigen. Die letzte Chance hatte der unermüdlich rackernde Daniel Baier (90. Min.), dessen harmloser Distanzschuss aus 25 Metern von Diego Benaglio aber problemlos pariert wurde.

So blieb es am Ende bei dem 0:0 Unentschieden, das Markus Weinzierl treffend zu analysieren wusste: “Wir haben das zweite Mal in Folge zu Null gespielt. Es ist klar, dass es nur in kleinen Schritten nach oben gehen kann”.  Am kommenden Wochenende geht es für Augsburg zum 1. FC Köln (Samstag, 15.30 Uhr).

FCA: Marwin Hitz – Paul Verhaegh, Jan-Ingwer Callsen-Bracker, Ragnar Klavan, Philipp Max – Dominik Kohr, Daniel Baier – Alexander Esswein, Ja-Cheol Koo, Caiuby – Raul Bobadilla.

Einwechslungen:

75. Min Dong-Won Ji für Jy-Cheol Koo

86. Min. Jan Moravec für Dominik Kohr

90. + 1. Min. Piotr Trochowski für Alexander Esswein



FCA: Es geht doch!

In der 14. Runde der Fußballbundesliga trennten sich in der Augsburger WWK Arena vor 27.081 Zuschauern der FCA und der VfL Wolfsburg  mit einem leistungsgerechten 0:0 Unentschieden.

Es geht doch, möchte man sagen. 93 Minuten zeigte der FCA in der Rückwärtsbewegung mit einem 4-4-2 eine gute taktische Leistung und sorgte mit einer aufmerksamen Defensivleistung dafür, dass der VfL Wolfsburg mit seiner Top-Offensive kaum zu Torgelegenheiten kam, während der FCA zwei sogenannte hundertprozentige Torchancen (42. Verhaegh und 61. Kohr) liegen ließ und einen Elfmeter (19.) nicht bekam, der einer hätte sein können. In aller Kürze lässt sich zusammenfassen, dass die kämpferische Leistung von allen Spielern stimmte und eine erhöhte Konzentrationsspanne seitens der Augsburger dazu führte, dass der FCA im Mittelfeld besser in die Zweikämpfe kam. Mit diesem Unentschieden verlässt der FCA die direkten Abstiegsränge und belegt mit 10 Punkten den 16. Platz, der zur Relegation berechtigen würde, wäre die Saison heute zu Ende. Am kommenden Samstag müssen sich die Augsburger in Köln (15.30 Uhr) beweisen. Ein Spielbericht von Udo Legner ist in der Mache.



Panther stürmen auf Platz 4 und verlängern mit Tölzer

In der Deutschen Eishockey Liga sorgen die Spieler der Augsburger Panther seit Wochen für Furore und sind als Tabellenvierter nach ihrem heutigen Sieg gegen die Kölner Haie die Sensationsmannschaft dieser Saison. Auch die Clubverantwortlichen konnten heute einen ersten Erfolg vermelden: Steffen Tölzer verlängerte seinen auslaufenden Vertrag vorzeitig um eine Spielzeit.

Steffen Tölzer

Steffen Tölzer


Beim Auswärtssieg bei den Schwenninger Wild Wings am vergangenen Freitag bestritt Steffen Tölzer im Alter von nur 30 Jahren sein 500. DEL-Spiel, jedes davon im Trikot der Augsburger Panther. Im Rahmen der Ehrung Tölzers vor dem heutigen Heimspiel gegen die Kölner Haie konnten die Panther unter großem Jubel der Fans die Vertragsverlängerung mit der Identifikationsfigur bekannt geben. Das Spiel gewannen die Panther anschließend mit 4:3 und schossen sich somit auf den 4. Tabellenplatz mit Sichtweite auf Platz zwei. „Steffen Tölzer verkörpert wie kaum ein anderer Spieler die Augsburger Panther im letzten Jahrzehnt. Mit seiner hervorragenden Einstellung zum Eishockey hat er Verletzungen weggesteckt und sich immer wieder nach oben gekämpft. Er ist ein Vorbild an Einsatz und Siegeswillen. Wir sind froh, dass Steffen weiter das Gesicht unseres Clubs bleibt”, so Panther-Hauptgesellschafter Lothar Sigl zur ersten Vertragsverlängerung für die Saison 2016-17.

Aktuelle Tabelle der DEL:

1. Adler Mannheim 24 78 56 48
2. Iserlohn Roosters 21 68 57 40
3. Thomas Sabo Ice Tigers 22 68 60 39
4. Augsburger Panther 22 78 74 38
5. Eisbären Berlin 22 63 64 38
6. Hamburg Freezers 23 60 67 36
7. EHC Red Bull München 22 71 65 35
8. Düsseldorfer EG 22 55 51 34
9. Kölner Haie 21 68 53 33
10. Grizzlys Wolfsburg 22 66 59 31
11. Straubing Tigers 22 60 76 27
12. Schwenninger Wild Wings 24 72 85 25
13. ERC Ingolstadt 23 58 80 24
14. Krefeld Pinguine 22 59 77 20


Parteien: Zanders CSU-Eintritt bringt FDP auf die Palme

Der CSU-Eintritt des parteilosen Stadtrats Marc Zander in die Fraktion der CSU hat die Augsburger FDP zu einer Stellungsnahme veranlasst. Dabei wirft die Kreisvorsitzende der Augsburger FDP, Katrin Michaelis, der CSU einen nicht nachvollziehbaren „Zickzackkurs“ vor.

Von Siegfried Zagler

Marc Zander zog mit einem AfD-Ticket in den Augsburger Stadtrat ein

Marc Zander zog mit einem AfD-Ticket in den Augsburger Stadtrat ein


Marc Zander ist als AfD-Mitglied zusammen mit drei weiteren AfDlern im März 2014 in den Augsburger Stadtrat gewählt worden. Nach dem Essener Parteitag im Juli 2015 traten Marc Zander und Thomas Lis aus der AfD aus, weil sie den Rechtsruck der Partei nicht mittragen wollten. Lis trat bei Pro Augsburg ein, Zander blieb lange parteilos und ließ sich schließlich vergangene Woche zum Eintritt in die CSU bewegen. Mit Zander, der bisher in der politischen Landschaft nicht in Erscheinung trat, sitzen nun für die CSU als größte Fraktion 24 Stadträte im Augsburger Stadtrat. Zanders Beitritt bringt allerdings FDP-Stadtrat Markus Arnold in Nöte. Vor der Kommunalwahl, aber auch noch weit vor dem Essener Parteitag, ließ Arnold keine Gelegenheit aus, um gegen die AfD zu wettern. Das übernahm nun die FDP-Kreisvorsitzende Michaelis.

Dabei will sich Michaelis die pauschale Behauptung, alle ehemaligen AfD-Mitglieder seien Rechtspopulisten aber nicht zu eigen machen. “Marc Zander und auch Thomas Lis haben durch ihren Parteiaustritt im Juli öffentlich deutlich gemacht, dass sie mit dem offenen Rechtsruck auf dem Essener AfD-Bundesparteitag nicht einverstanden waren – ganz anders als die immer-noch-AfDler Markus Bayerbach und Thorsten Kunze, die mit einem irrlichternden Peter Grab von der WSA eine Fraktionsgemeinschaft bilden.“ Die Augsburger FDP-Chefin wirft Zander und Lis aber vor, dass sie vor ihrem Austritt die rechtspopulistischen Tendenzen innerhalb der AfD viel zu lange ignoriert oder schön geredet hätten.

Katrin Michaelis

Katrin Michaelis: "Will Zander den Euro weiterhin abschaffen?"


Den gleichen Vorwurf richtet Michaelis nun auch an die Augsburger CSU: “Es ist nicht aufrichtig, wenn CSU-Politiker andere Parteien wegen rechtspopulistischer Äußerungen angehen, aber keine kritischen Worte finden, wenn der eigene Generalsekretär für die Stammtische fordert, dass Ausländer zu Hause deutsch reden sollen.” – Für Michaelis besteht nun die Notwendigkeit, dass die Augsburger CSU ihren Wählern erklärt, wofür sie eigentlich steht. „Kann man sich beim CSU-Stadtrat Marc Zander darauf verlassen, dass er als Mitglied der Partei des Euro-Vaters Theo Waigel für die einheitliche europäische Währung kämpft oder will er den Euro in AfD-Manier weiterhin abschaffen? Grenzt sich die Augsburger CSU von rechtspopulistischen Äußerungen ab oder teilt sie die Meinung ihres bayerischen Heimatministers Söder, der syrische Bürgerkriegsflüchtlinge in einem Zusammenhang mit steigender Terrorgefahr bringt? Nach der Aufnahme eines ehemaligen AfD-Mitglieds muss jetzt Schluss sein mit dem Zickzack-Kurs der Augsburger CSU“, so Michaelis rauflustig, während sich der Augsburger FDP-Stadtrat Markus Arnold in Zurückhaltung übt.

Arnold hospitiert in der CSU-Fraktion, hat dort Stimmrecht und sitzt im Finanzausschuss. „Es ist in Ordnung, wenn Marc Zander in der CSU eine politische Heimat gefunden hat“, so Arnold auf Anfrage.



„Die Instrumentalisierung des Artenschutzes zur Bekämpfung der Windenergie muss ein Ende haben“

Der Tod der Störche ist nicht auf Windanlagen zurück zu führen, wie eine forenische Untersuchung des Freistaats ergab.

Von Siegfried Zagler

Kein Vogel symbolisiert die Zukunftsfähigkeit einer Region, eines Landes stärker als der weiße Storch. Nicht weil das Weißgefieder nach dem Volksmund „Kinder bringt“, sondern weil sie sich ins kollektive Bewusstsein als Botschafter einer heilen Welt verfestigt haben. Die Wiederkehr und die Niederkunft der Störche zeigt an, dass es in den Fluren und Auen einer Region Leben gibt und zeigt grundsätzlich an, dass die Welt noch zu retten ist. Der Storch ist in Deutschland eine Art Totem-Tier. Alles, was ihm schadet, schadet auch der Gesellschaft, so die metaphysische Wahrheit, die der Gattung der Rotschnäbel ins Stammbuch geschrieben wurde. Aus diesem Grund darf es auch nicht sein, dass die Windkraftwerke, die zur Energiewende beitragen, den Flug der Störche stören – oder gar das heilige Tier direkt töten. Wäre dem so, könnte man damit Agitation gegen die „Energiemühlen“ machen, die niemand wirklich gern in seiner Nähe hat. Die Grüne Landtagsabgeordnete Christine Kamm hat wohl aus diesem Grund eine Anfrage im Landtag gestellt. Das Ergebnis: Windkraftrad ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht Schuld am Tod zweier Weißstörche, deren Leid im August dieses Jahres für ein kleines Politikum sorgte. Die Schlussfolgerung der rührigen Augsburger Landtagsabgeordneten: „Die Instrumentalisierung des Artenschutzes zur Bekämpfung der Windenergie muss nun ein Ende haben!“

Christine Kamm MdL

Christine Kamm MdL


Der Hintergrund ist folgender: Im August 2015 wurden ein verletzter und ein bereits toter Weißstorch im südlichen Landkreis Augsburg aufgefunden. Der verletzte Storch musste später eingeschläfert werden. Laut einer nun beantworteten Anfrage im Bayerischen Landtag der Augsburger Landtagsabgeordneten Christine Kamm ist die wahrscheinlichste Todesursache bei einen Tier ein Zusammenstoß mit einer Mittelspannungsleitung und beim anderen Tier der Zusammenprall mit einem Auto. Entgegen lokalen Presseberichten geht die Staatsregierung nicht davon aus, dass die Windkraftanlage Schuld am Tod der Weißstörche hat. „Aufgrund der Schwere der Verletzung ist von einem Unfall in näherer Umgebung zum Auffindeort der toten Störche auszugehen. Das etwa 900 Meter entfernte Windkraftrad ist somit nicht verantwortlich“, so Kamm, deren forensische Neugier keiner überbordenden Tierliebe geschuldet war, sondern einer grundsätzlich ökologischen Weltsicht, die man durchaus auch „Weitsicht“ nennen darf. „Da bei der Standortwahl von Windkraftanlagen Vogelbrut-, Vogelzug- und Rastgebiete berücksichtigt werden, ist die Windenergie für Vögel und andere Tiere eine eher unproblematische Technologie. Gefährlich für den Artenschutz ist vor allem der drastische Rückgang der Wiesenflächen, der Rückgang von Feuchtwiesen und Trockenstandorten, der Einsatz von Pestiziden und die Zerschneidung von Lebensräumen; etwa durch Straßen oder Flächenversiegelung durch Siedlungs- und Gewerbebau“, so Christine Kamm via Pressemitteilung.



Filmkunst: Thalia vom Freistaat ausgezeichnet

Für ihre qualitativ herausragende Programmgestaltung sind am vergangenen Donnerstag 60 Kinos aus ganz Bayern im schwäbischen Bad Wörishofen ausgezeichnet worden.



Auch das Augsburger „Thalia“ am Obstmarkt gehörte dazu. Als Anerkennung für ihre Arbeit überreichte die bayerische Medienministerin Ilse Aigner  den Kinomachern Franz Fischer und Ellen Gratza die Auszeichnung. “Mit den Filmtheater-Prämien zeichnen wir bayerische Kinos aus, die sich mit einem

besonders anspruchsvollen und abwechslungsreichen Programm verdient gemacht haben. Die vielen Qualitätskinos machten den Medienstandort Bayern aus und würden mit ihrer Vielfaltauch zur kulturellen Identität des Landes beitragen.”, so Medienministerin Ilse Aigner in Bad Wörishofen. (Foto: Ellen Gratza, Ilse Aigner, Franz Fischer v.l.)



FCA: Mehmet Scholl auf der Trainerbank

Am Sonntag steht für den FC Augsburg ein weiteres Endspiel auf dem Programm. In der heimischen WWK Arena empfängt das gebeutelte Weinzierl-Team in der 14. Runde der Fußballbundesliga den VfL Wolfsburg. „Mund abputzen und weiter“, so der Tenor der sportlichen Führung nach dem Bilbao-Desaster, das den FCA schwer erschütterte.

Von Siegfried Zagler

Als in der Fußballsprache die Etikettierung „Brasilianer“ noch kein Schimpfwort war, sondern eine Ernennung in den Adelsstand bedeutete, also lange vor der WM im vergangenen Jahr, wurde Mehmet Scholl als aktiver Spieler so genannt. Der „Brasilianer Scholl“ sollte an dieser Zusprechung scheitern, weil er als Fußballspieler stets mehr wollte als er konnte. Bis er nach vielen Jahren der Identitätssuche auf dem Platz von Ottmar Hitzfeld zum Einwechselspieler gemacht wurde, war Scholl beim FC Bayern eine Max-Frisch-Figur: „Ich bin nicht Scholl!“ Am Ende seiner Karriere, eben als Einwechselspieler, erlebte das unentwickelte Talent etwas Neues, nämlich eine funktionierende Rolle in einer Mannschaft, die durch sein Wirken nicht schwächer, sondern stärker wurde.

Überlegt man sich, was Scholl in der Blüte seiner Laufbahn hätte sein können, kommt Kevin de Bruyne ins Spiel. Scholl hat vermutlich immer davon geträumt, so Fußball zu spielen, wie Kevin de Bruyne das in seiner Wolfsburger Zeit tat. Es hat keinen anderen Spieler in einem halben Jahrhundert Bundesliga gegeben, der in kurzer Zeit einen nachhaltigeren Eindruck hinterließ als der Belgier mit dem Kindergesicht. Mit Kevin de Bruyne war Wolfsburg eine Mannschaft, die Bayern München das Wasser reichen konnte. Er fädelte das Spiel ein, beschleunigte es, verzögerte es, machte es breit oder trieb es durch die Mitte, er steckte Bälle durch die Nahtstellen und konnte auch mit Dribblings zuschlagen, er schlug genaue Flanken und schloss selbst eiskalt und zielsicher aus der Distanz ab, er verteidigte klug, konnte genaue lange Pässe in die Tiefe des Raums schlagen und war überall anzutreffen und stets um Tempo und die beste Lösung bemüht. Würde man Fußballlehrer fragen, welche Eigenschaften ein universaler Sturmführer zu haben hätte, könnten sie sich einen schnitzen, müssten sie mit dem Finger nur auf Kevin de Bruyne zeigen, der in diesem Sommer während der laufenden Saison für zirka 75 Millionen Euro Ablöse nach Manchester wechselte und dort einen Sechs-Jahresvertrag unterschrieb, der ihm jährlich 20 Millionen Euro einbringen soll.

Ohne de Bruyne, ist die Bundesliga um einen Weltstar ärmer und der VfL Wolfsburg nur noch die Hälfte wert. Ohne den Belgier spielt der VfL nicht mehr in der obersten Klasse, sondern gehört zu den schlagbaren Teams der oberen Tabellenhälfte der Bundesliga. Die Wölfe zeigen von Spieltag zu Spieltag starke Formschwankungen und leiden wie der FCA an sich selbst. Spieler wie Dante oder die beiden Spitzenkräfte im Sturm, Kruse und Dost, sind für unerwartete Formschwächen geradezu berühmt. Darin unterscheiden sich der FCA und der VfL also nicht, schließlich gibt es beim FCA ebenfalls eine Reihe Schlüsselspieler, deren Leistungskurven in der Vergangenheit starke Schwankungen anzeigten.

Beim FCA trifft das sogar auf den Trainer zu, der im Heimspiel gegen Bilbao die Rolle „Mehmet Scholl auf der Trainerbank“ innehatte. Führen wir uns also die Dramaturgie des Bilbao-Spiels nochmal vor Augen.

Als es in Augsburg noch Unentschieden (1:1) stand, lag Belgrad in Alkmaar mit 0:1 im Rückstand. In dieser komfortablen Situation wechselte Weinzierl sehr offensiv, obwohl zu diesem Zeitpunkt der FCA das Spiel dominierte. In der 56. Minute kam Bobadilla für Altintop und Caiuby für Trochowski. Die damit verbundene Ansage: Ein Unentschieden reicht nicht. Wir wollen gewinnen! Die Idee wie die Einwechslungen sind zwar in Ordnung, nur hätte Weinzierl statt Trochowski Dong-won Ji aus dem Spiel nehmen sollen. Der Führungstreffer (59.) schien dem FCA-Trainer vorübergehend Recht zu geben. Der FCA hatte sich die ideale Ausgangsposition erarbeitet. Die Blitztabelle zeigte neun Punkte für den FCA und nur sechs für Partizan an. Und selbst als in Holland Partizan den Ausgleich schoss (65.), hätte bei diesen Spielständen in der letzten Runde in Belgrad ein Unentschieden für den FCA gereicht. Dann schoss Bilbao in Augsburg den Ausgleich (83.). Bei diesen Spielständen hätte der FCA in Belgrad „nur“ irgendwie gewinnen müssen. Weinzierl und der FCA wollten aber mehr, nämlich zurück in den „Belgrad-Unentschieden-Status“. Die Basken waren noch mit Jubeln beschäftigt, da standen die Augsburger bereits ungeduldig beim Anstoß. Der FCA spielte kopflos nach vorne und fing sich einen weiteren Gegentreffer ein, der wie alle Bilbao-Treffer bereits im Mittelfeld brutal schlecht verteidigt wurde. Mit dem Belgrader Siegtor in der 89. Minute in Alkmaar war für den FCA das Schicksal endgültig besiegelt: Die Augsburger müssen nun in Belgrad mit 3:1 gewinnen. Sie fahren mit diesem schlechten Vorzeichen nach Belgrad, weil sie gegen Bilbao am Ende zuviel wollten.

Tabelle vor den Sonntagsspielen

Tabelle vor den Sonntagsspielen


Zurück zur Bundesliga: Um gegen Wolfsburg auf die Siegerstraße zu geraten, muss man wissen, wer man ist. Muss man einen klaren Plan haben, ein Konzept, das unerwartete Ereignisse beinhaltet. Und man muss endlich eine Offensivstrategie verinnerlicht haben, die der Qualität des Kaders angemessen ist –  und diese auch über 90 Minuten durchhalten. Die Niederlage gegen Bilbao hat zwei Einsichten in Stein gemeißelt. Erstens ist Altintop in einer Verfassung, in der er auch für die zweite Mannschaft eine Belastung wäre. Zweitens hat sich an der Gesamtsituation des FCA nichts verändert: Mehr Schatten als Licht im Spielaufbau und tödliche Konzentrationsschwächen wie Gedankenarmut in der Defensive, deren Problemzonen bereits im vorderen Mittelfeld beginnen. Zeigt sich in dieser Hinsicht nicht bald Besserung, dann befindet sich der FCA in schwerer Not.



Stadtarchiv verlässt Räumlichkeiten in der Fuggerstraße

Das Stadtarchiv verlässt nach 130 Jahren seine alten Räumlichkeiten in der Fuggerstraße. Für interessierte Bürger besteht am Dienstag, 1. Dezember, ab 13 Uhr, die Möglichkeit alte Möbel und Gebrauchsgegenstände in den Räumen des Stadtarchivs, Fuggerstraße 12, zu erwerben.

Das Neue Stadtarchiv

Das Neue Stadtarchiv


“Es ist bitte zu beachten, dass aus personellen Gründen keine Vorbesichtigung des Mobiliars möglich ist. Die erworbenen Gegenstände sind sofort bar zu bezahlen und nach Möglichkeit mitzunehmen. Alternativ wird noch ein Abholtermin vor dem 15. Dezember angeboten. Der genaue Termin wird am Verkaufstag bekanntgegeben”, wie es in einer städtischen Pressemitteilung heißt. Das Stadtachiv schließt somit seinen Umzug in einen Neubau auf dem ehemaligen AKS-Gelände ab. Am 21. Februar 2014 erfolgte dort mit einem Festakt die symbolische „Schlüsselübergabe“ an das Stadtarchiv, das nach Abschluss aller Umzugsarbeiten – es mussten etwa 13 Kilometern Archivgut in die neuen 3.200 m² großen Magazine verlagert werden, wohl bald der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung steht.



FCA verliert gegen Bilbao und steht somit vor dem EL-Aus

Der FC Augsburg verlor am Donnerstagabend sein letztes Heimspiel in der Europa-League-Gruppenphase gegen Athletic Club Bilbao mit 2:3. Die Tore schossen Susaeta (10.) und Aduriz (83./86.) für Bilbao sowie Trochowski (41.) und Bobadilla (59.) für den FCA.

Von Siegfried Zagler

Vor der Partie verdienten sich die Augsburger Fans ein Sonderlob mit einer Choreographie, die sich über drei Tribünen erstreckte. Markus Weinzierl nahm an seiner Startelf im Vergleich zur siegreichen „Stuttgarter Elf“ eine Reihe von Veränderungen vor, so spielten von Beginn an Kostas Stafylidis, Halil Altintop, Piotr Trochowski und Christoph Janker. Auf der Bank nahmen neben Ersatztorwart Alexander Manninger Philipp Max, Jan-Ingwer Callsen-Bracker, Ja-Cheol Koo, Raul Bobadilla, Caiuby und Tim Matavz Platz.

Im Spiel passierte zunächst wenig und bevor die Augsburger die erste nennenswerte Aktion nach vorne verbuchen konnten, lagen sie mit 0:1 zurück. Susaeta konnte einen Einwurf 25 Meter vor dem Tor in Ruhe annehmen, ohne dass Baier ihn störte und sich den Ball gemütlich in den Lauf legen und die Kugel rauschte aus 22 Meter in linke untere Eck. Ein Gegentor, das jeden engagierten Jugendtrainer auf die Palme treiben würde. Dem FCA fehlte zunächst der Mut und die Kreativität, um diesen frühen Fauxpas postwendend vergessen zu lassen. Erst in der 19. Minute brachte eine Ecke ein wenig Gefahr vor das Basken-Tor: Janker kam zweimal zum Abschluss, wurde aber beide Male abgeblockt. In der Folge spielte sich das Spiel in bedeutungslosen Räumen ab. Keiner Mannschaft gelang es, das Spiel kontrolliert zu eröffnen. Strafraumszenen gab es kaum und es dauerte bis zur 41. Minute bis, dank eines gedankenschnellen Einsatzes des kämpferisch überragenden Stafylidis, Trochowski an den Ball kam: Sein abgefälschter Schuss landete unhaltbar im gegnerischen Tor.

In der zweiten Halbzeit kam der FCA plötzlich mit Mut und Spiellust sehr schnell in die Gänge und verstand es, das Spiel an sich zu reißen. Die erste Großchance vergab Ji in der 51. Minute. Schön freigespielt von Kohr lief der Koreaner allein auf das baskische Tor zu, zögerte zu lange und konnte von einem zurück eilenden Athletic-Spieler geblockt werden. Wenig später dann doch die Augsburger Führung: Bobadilla, kurz davor eingewechselt, leitete die Situation selbst ein, indem er sich 20 Meter vor dem Tor sich gegen zwei Abwehrspieler durchsetzte und der Ball zu Ji kam, dessen Schuss Athletic-Keeper Iago Herrerin nur hoch in die Mitte abwehren konnte, wo Bobadilla zur Stelle war und überlegt mit dem Kopf gegen die Laufrichtung des Torhüters zur 2:1-Führung einnickte (59.).

Der FCA drängte nun auf das 3:1 und war als spielbestimmende Mannschaft dem 3:1 näher als die Basken dem Ausgleich, der allerdings fallen sollte. Im weiteren Fortgang des Spiels verlor der FCA nämlich wieder den spät aufgenommenen Faden und leistete sich einige Fahrlässigkeiten, sodass die eiskalten Gäste wieder zuschlagen konnten. In der 83. Minute fiel der Ausgleich, der schwer zu verteidigen war: Iturraspe flankte, blitzschnell freigespielt, von rechts in die Mitte, wo Aduriz freistehend zum 2:2 einköpfte. Der FCA zeigte unverständlicherweise Nerven und verlor nicht nur die Ordnung in der Defensive. Und so kam, was kommen musste: Williams schlug nach feinem Doppelpass mit Iturraspe von der Grundlinie einen flachen Pass nach innen und wieder war es Aduriz, der diesen blitzsauberen Spielzug am langen Pfosten zur 3:2-Führung erfolgreich abschloss (86.). Auch in der Schlussphase fand der FCA nicht mehr zurück ins Spiel, um auf den Ausgleich zu drängen, der so wichtig gewesen wäre.

Nun müsste der FCA mindestens 3:1 in Belgrad gewinnen, um am 10. Dezember in die K.O.-Phase einzuziehen, während Bilbao mit diesem Sieg als Gruppen-Erster feststeht.