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FCA: Galaktisch gut

Die Überraschungsmannschaft der 1. Fußball-Bundesliga, der FC Augsburg, gewann am Samstag beim Sportclub in Freiburg mit 4:2 (1:1). Torschützen waren dabei Tobias Werner (7.), Paul Verhaegh (78.), Halil Altintop (84.) und André Hahn (90.+4). Damit steht der FCA mit 34 Punkten auf Rang 8 der Tabelle.



Von Peter Hummel



Europa! Europa! Immer wieder Europa tönt es durch die Stadt. Als wäre die Welt nicht viel wichtiger. Viel überraschender. Viel unterhaltsamer. Also die Welt des FC Augsburg. Oder mehr noch: der FCA-Kosmos! Zumindest dann, wenn man registriert, dass die Kicker rund um Trainer Markus Weinzierl derzeit so außerirdisch gut Fußball spielen wie noch nie in der Vereinsgeschichte. Galaktisch gut sogar, geradezu himmlisch. Die erste Rakete in diesen Orbit der Fußballwelt zündete am Samstag in Freiburg Tobias Werner in der 7. Spielminute, als er nach einer großartigen Flanke aus der Mitte samt Verlängerung das Runde frech und abgeklärt durch die Beine des Sportclub-Schlussmanns ins Tor schoss. Das 100. Bundesligator. Hundert Mal Jubel, hundert Mal Begeisterung, hundert Mal lag sich eine Stadt und eine ganze Region in den Armen. Hundert Mal zählbare Glückseligkeit. Das schafft nur der Sport.

Der FCA ist die Sonne im Sonnensystem Bundesliga

In der Folge entwickelte sich ein leidenschaftliches, bisweilen ruppig geführtes Fußballspiel. Mit der Folge, dass es in der 17. Minute rund 28 Meter vor dem Augsburger Tor zu einem Freistoß kam, bei dem Schiedsrichter Manuel Gräfe die Augsburger Mauer zehn, eher elf Meter vom Ball entfernt platzierte und die entsprechenden Einwände von Paul Verhaegh rigoros ignorierte. Den dadurch freigewordenen Raum nutzte der Freiburger Schütze zu einem unhaltbaren, schön anzusehenden Tor ins linke obere Eck. – Normalerweise schafft es der FCA in einer solchen Situation, das Spiel zu beruhigen, die unbedingte Leidenschaft und das hohe Tempo mit einem vernünftigen Spielaufbau zu kombinieren. Nicht so in diesem Spiel, in dem sich die Brechtstädter fortan nicht nur provozieren ließen, sondern auch selber reizten und den Vorletzten der aktuellen Tabelle gefährliche Konterchancen eröffneten. Eine dieser Möglichkeiten nutzte der Gegner schließlich in der 73. Spielminute und ging mit 2:1 in Führung. In allen Spielzeiten der Vergangenheit hätte der FC Augsburg danach das Spiel in einer solchen Situation verloren. Aber was ist schon die Vergangenheit, wenn man an Europa anklopft, wenn die Welt sich zwischen Lech und Wertach dreht, wenn der FCA die Sonne im Sonnensystem der Bundesliga ist? Und so kam es, dass Paul Verhaegh in der 78. Minute ausglich, Halil Altintop in der 84. Minute erhöhte und André Hahn in der Nachspielzeit den 4:2-Endstand klar machte.

Wohin soll der Blick gehen, wenn das Thema Klassenerhalt keines mehr ist?

Tabelle nach dem 22. Spieltag

Tabelle nach dem 22. Spieltag


Der FCA griff im Breisgau erneut nach den Sternen. Nach jenen Sternen, die über Europa leuchten, über Italien, Spanien, Frankreich, Augsburg. Vielleicht darf man sich als Fan an den Gedanken gewöhnen, dass nicht Bremen der am weitesten entfernte Spielort ist. Manche sagen, dass das noch zu früh wäre. Das man erst noch warten solle. Dass das internationale Geschäft eher Nachteile bringen würde. Meistens sind das diejenigen, die auch beim Aufstieg in die 1. Bundesliga daran zweifelten, ob der FCA schon reif sei für das Oberhaus. Sie wurden eines Besseren belehrt. Kurzum: Wenn sich die Chance bietet, ganz oben und von dort auch in der Ferne zu spielen, darf man diese nicht vergeben. Und wohin soll man den Blick bitte sehr richten, wenn das Thema Klassenerhalt keines mehr ist? Natürlich nach oben, natürlich nach Europa. Der FC Augsburg wäre das erste Team in der Bundesliga, das sich freiwillig und ohne Grund mit einem Mittelfeldplatz zufrieden gäbe. Nein, unsere Mannschaft ist gut, spielt gut, tut gut. Der liebe Gott, der das All erschuf, die Welt und den Fußball, ist ein Augsburger.

Über Augsburg tut sich der Himmel auf

Einzig Schiedsrichter Gräfe kam dem erstaunten Publikum an diesem Samstag Nachmittag ein bisschen vor wie der Mann hinter dem Mond. Zunächst übersah er in der 76. Minute ein klares Handspiel im Torraum der Augsburger und verwehrte im Anschluss den Freiburgern einen Elfmeter. Man kann das als Fan ausgleichende Gerechtigkeit nennen, was in diesem Fall zutrifft, aber Fußball ist bekanntlich selten gerecht. Fußball ist ein Sport, den der Himmel geschenkt hat. Über Augsburg tut sich dieser Himmel dieser Tage auf. Und selbst wenn am kommenden Samstag um 15.30 Uhr zum Heimspiel gegen Hannover dunkle Wolken aufziehen sollten, egal, irgendwo in Europa ist schönes Wetter. Drei Punkte brächten uns ein bisschen näher dorthin.

FCA: A. Manninger; – R. Klavan; J. Callsen-Bracker; P. Verhaegh; M. Ostrzolek; – H. Altintop; T. Werner; D. Baier; A. Hahn; K. Vogt; – D. Ji.

Eingewechselt: J. Hong (60.); A. Esswein (67.); J. Moravek (90.); –

Ausgewechselt: J. Callsen-Bracker (60.); H. Altintop (90.); D. Ji (67.);

Auswechselbank: M. Amsif (TW); M. de Jong; D. Kohr; A. Milik;

Tore:

1:0 Tobias Werner (7.)

1:1 Jonathan Schmid (17.)

1:2 Admir Mehmedi (73.)

2:2 Paul Verhaegh (78.)

3:2 Halil Altintop (84.)

4:2 André Hahn (90.)