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AfD-Stadtrats­kandidat macht Wahlkampf für die SPD

Der Kommunalwahlkampf 2014 verzeichnet seine erste Schrulle.



Andreas Baum, der auf der AfD-Liste Platz 15 belegt, ist nach seinem Austritt aus der AfD bei der SPD eingetreten und betreibt nun Wahlkampf für die SPD, obwohl er weiterhin auf Platz 15 der Augsburger-AfD-Liste für den Stadtrat kandieren wird. Die Gemeindeordnung verhindert eine andere Vorgehensweise. Bei der AfD „sind die Kandidaten auf den vorderen Plätzen beispielsweise selbständige Unternehmer wie Versicherungsmakler, Immobilienmakler, Fahrradverkäufer, Unternehmensberater und  Rechtsanwälte. Ihre Eignungen und Fähigkeiten für die Übernahme eines politischen Amtes blieben mir verborgen“, so Baum in seiner heutigen Presseerklärung bezüglich seines AfD-Austrittes.



Brechtfestival: Erste Reaktionen

Das diesjährige Brechtfestival hat viel Lob eingefahren. Kritik wurde auch laut. Die Grünen sehen Festivalleiter Joachim Lang in der Kritik. Er bringe dem Festival keinen kreativen Input.

Mit 14.000 Besuchern hat das Brechtfestival 2014 die höchste Besucherzahl zu verzeichnen, seit es das Festival gibt. „Der vom Kulturreferat der Stadt Augsburg beförderte intensive inhaltliche und örtliche Theater-Schwerpunkt hat sich als fruchtbare und richtige Entscheidung erwiesen“, so jubilierte Kulturreferent Peter Grab.  Besonders großen Andrang erfuhr die Lange Brechtnacht mit dem trinationalen Theaterprojekt „Brecht3“ sowie den Auftritten von Nina Hagen und Bonaparte. Großen Zuspruch gab es außerdem für den „Boxschaukampf mit Lesung“, unter anderen mit Box-Weltmeisterin Tina Schüßler und Schauspielerin Rike Schmid. Weitere Besuchererfolge waren die Festivalproduktion des Theaters Augsburg „Der gute Mensch von Sezuan“, Rapucations „MC Messer“ sowie das Konzert von Patti Smith, das über 1.000 Zuschauer im bereits Monate zuvor ausverkauften Theater begeisterte.  „So muss es auch sein“, wie der kulturpolitische Sprecher der Augsburger SPD, Frank Mardaus, lakonisch die Resonanz und den künstlerischen Erfolg des Festivals kommentierte, aber dabei die Kritik an vergangenen Festivals nicht als aufgehoben betrachtet, sondern als „berechtig“ bewertete.

Grüne: “Wir halten die hochdotierte Stelle des Festivalleiters nicht für notwendig”

Zufrieden zeigen sich die Grünen darüber, dass die Programmpunkte für Kinder und Jugendliche deutlich ausgebaut worden sind. „Diesen Weg müssen wir weitergehen, denn gerade Kinder und Jugendliche müssen Zugänge zu Brecht finden“, so Verena von Mutius. Konzeptionell ist aus Sicht der Grünen auch die Einbindung der lokalen Akteure wie Brechtkreis, Junges Vokalensemble oder Bluespots Productions und vielen anderen wichtig, die ihre eigene Sicht auf Brecht dargestellt haben. Wichtig sei es für die Grünen immer gewesen, dass Brecht nicht durch Popularisierung in dieser Stadt ankomme, sondern nur durch eine tatsächliche Auseinandersetzung mit den Werken Brechts. „Um mehr Gelder für die Künstler des Festivals aber auch zusätzliche Mittel für die gute Arbeit des Stadttheaters zu haben, halten wir die hochdotierte Stelle des Brechtfestivalleiters nicht für notwendig und sehen nach mehreren Jahren der Leitung keinen neuen kreativen Input.“ Als anschauliches Beispiel führten die Grünen die von Festivalleiter Joachim Lang zu verantwortete „Geburtstagsrevue“ an.



Das Problem heißt Lutzenberger

Warum sich die Neue Stadtbücherei in der Steinzeit befindet

Kommentar von Siegfried Zagler

Seit eineinhalb Jahren wird nun versucht, die Neue Stadtbücherei in ein neues Konzept zu kleiden. Geschehen ist bisher nichts. Der Bremser ist der Leiter der Neuen Stadtbücherei. Manfred Lutzenberger ist ein netter Mensch, keiner will ihm Böses nachsagen, keiner will ihn kritisieren, was aber auch damit zu tun hat, dass ein städtischer Amtsleiter weitgehenden Schutz genießt. Damit ist jetzt Schluss. Lutzenberger ist kein Gestalter, kein Management-Typ, der sich aufs Problemlösen versteht, keiner, der mit seinen Aufgaben wächst, sondern genau das Gegenteil davon, nämlich ein lupenreiner Beamter, der keinen Tisch verschiebt, wenn es dafür keine Anweisung gibt.

Beispiele dafür gibt es genug. Beim „Umzug“ von der Gutenbergstraße an den Ernst-Reuter-Platz sind für einige – für eine Bücherei wichtige – Dinge verloren gegangen, wie zum Beispiel der Lesesaal. Der neue „Lesesaal“ ist in der Neuen Bücherei ein Irrwitz, ein Unort, ein Windloch, ein Durchgang. Die Zeitungen sind im ganzen Haus verstreut und niemand kann abschätzen, ob (oder wann) sie jemals wieder zurück kommen. Die Kaffeemaschine ist verloren gegangen und mit der “taz” eine bedeutsame Tageszeitung. An den zirka 30 PC-Plätzen kann kein Nutzer eine Zeitung lesen, weil es keine E-Paper-Zeitungen in der Neuen Stadtbücherei gibt. Im Verhältnis zur Größe des Gebäudes und im Verhältnis zur Nutzer-Frequenz befinden sich immer noch zu wenig Medien in der Stadtbücherei. Die Öffnungszeiten sind für eine moderne Großstadt ein Witz. Die vier Zweigstellen sind 11 (!) Stunden pro Woche geöffnet. Der klapprige Bücherbus, der nun für knapp eine halbe Millionen Euro von einem neuen Bus ersetzt wird, steht auch nur 11 Stunden pro Woche zur Verfügung. Strukturell und technisch, in Sachen Zeitmanagement, Personalführung sowie bei der Organisation der Medienbearbeitung befindet sich die Neue Stadtbücherei in der Steinzeit. Das alles wäre nicht der Fall, hätte die Neue Stadtbücherei einen Chef, der sich darum kümmert, dass sein Laden den Standard-Ansprüchen einer modernen Bücherei entspricht.

Das alles wäre nicht der Fall, hätte die Stadt Augsburg einen Kulturreferenten, der ein Gran Ahnung davon hätte, was es heißt, ein Kulturreferent zu sein.

Lutzenberger wollte 2010 die Öffnungszeiten der Zentrale mit der Begründung reduzieren, dass die Angestellten überfordert seien. Augsburgs Kulturreferent Peter Grab dachte sich dabei nicht das Geringste und setzte Lutzenbergers Begehr im Kulturausschuss durch. Die Frage, die damals durch die Stadt geisterte: Geht es schlimmer? OB Kurt Gribl machte dem Spuk ein Ende. Später beauftragte der Stadtrat einen Reformer namens Meinhard Motzko der Stadtbücherei ein neues Nutzungskonzept zu verpassen. Das ist weitgehend geschehen, umgesetzt wurde zwar noch nichts, doch nun sollte es ans Eingemachte gehen: „Organisation und Führung“. Lutzenberger ahnte wohl, dass seine Position geschwächt werden könnte, da die von Motzko angekündigte „Verflachung von Hierarchie“ immer bedeutet, dass die Zuständigkeit des Chefs verteilt wird. Lutzenberger zog die Reißleine. Der Stadtbücherei-Leiter will das Modul nicht von Motzko, sondern von einem anderen Institut durchführen lassen. Das kann dauern. Schließlich geht es darum, ein Institut zu finden, das nicht direkt auf die Idee kommt, einen Wechsel in der Leitung vorzuschlagen.