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Der gute Mensch von Sezuan

Am morgigen Samstag, 8. Februar steuert das diesjährige Brechtfestival auf seinen Höhepunkt zu. “Der gute Mensch von Sezuan” hat im Großen Haus Premiere. Frank Heindl und Frank Mardaus haben das Stück vorab gelesen. Die Premierenkritik übernimmt Frank Heindl. Dr. Frank Mardaus hat dem „Volksstücks zur religiösen Ökonomie“ eine spezielle Lesart abgerungen. Mardaus hat seine Doktorarbeit über Uwe Johnsons „Jahrestage“ geschrieben, ist also ist gelernter Literaturwissenschaftler, besitzt aber auch einen Abschluss als Diplom-Ökonom.

I Das Vorspiel

Geht es um Wirtschaft und Sozialstaat, schätzen Engagierte keine Theaterstücke. Sie bevorzugen Zeitungsberichte oder vielleicht noch französische Romane des 19. Jahrhunderts. Liest einer von uns also nun den “Guten Menschen von Sezuan”, wird er überrascht sein über so viel Ernst und Komik, so viel Volksschauspiel und menschliche Tragödie. – Wie ungeheuer glaubwürdig für den Wasserverkäufer Wang die drei feinen Pinkel sind: Karikiert ein „Kommunist“ Brecht im Bild der drei ankommenden Götter diese als typische, jeder echten Arbeit enthobene, wohlgenährte Bourgeois, verspottet er darin den Aberglauben der Heiden oder die Obrigkeitshörigkeit eines auf die Dreieinigkeit fixierten Christen? Oder – dafür sprechen viele  Anzeichen, ja Kennzeichen des Stücks – bleibt es beim ersten, unvoreingenommenen Ansehen der dargestellten Welt? Die Götter sind keine (Gut-)menschen. Sie bleiben Götter, die unbeirrbar das moralisch Gute einfordern und im Gerichtslokal am Ende des Stücks sogar positiv vergelten. Doch, und hier kommt eine spezielle Brechtsche Ironie zum Zuge, um zugleich eben diesen Schluss als nicht gelungen gewissermaßen auktorial zu kennzeichnen. So endet das Stück ohne eine wirkliche Conclusio, die weltliche Spannung nach Art der materialistischen Dialektik aufzuheben imstande wäre.

II Die Handlung

Drei Götter suchen in der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Sezuan einen guten Menschen, finden ihn in der Prostituierten Shen Te, die sich bereit erklärt, sie aufzunehmen. Die gute Tat wird durch gut 1000 Silberdollar belohnt, was Shen Te ermöglicht, die Branche zu wechseln und einen Tabakladen zu übernehmen. Ihr liebevolles Wesen verhindert kaufmännisch kluge Entscheidungen, wie etwa den günstigen Einkauf der Ladeneinrichtung oder den Verkauf der Ware zum angemessenen Preis. Vor allem aber wird die plötzlich zum Mittelstand aufgestiegene Geschäftsfrau zum Opfer eines Heiratsschwindlers, der ihr – zumindest nach Einschätzung ihres Onkels – Liebe jenseits der Sexarbeit vormacht, dabei aber nur in Konkurrenz zu einer anderen Form käuflicher Liebe, nämlich für eine Vernunft-Heirat zum Erhalt des Tabakladens steht.

III Die Deutung

Der Gute Mensch von Sezuan ist ein Lehrstück einer Ökonomie der Armut. Die Mittellosen eines Staates ohne soziale Sicherung bedienen sich – ganz in Tradition zum frühen Nietzsche – einer Moralvorstellung, die ihnen, aber nicht den Helfenden nützt. Die von den Göttern ausgewählte Shen Te wird systematisch geschwächt – und geliebt. Die ehemalige Prostituierte erkennt das böse Spiel und verwandelt sich vermittels einer Maske in ihren eigenen Onkel, mit dem sie in die vernünftigen Prinzipien einer, heute würde man sagen: neoliberalen Welt schlüpft. Tatsächlich gelingt es dem Onkel, also ihr selbst, das Ausbluten ihrer neuen Existenz immer wieder zu stoppen. Allerdings ist, da sie immer wieder sie selbst sein muss, der Erfolg regelmäßig nur von kurzer Dauer.

Dem Text nach gibt es im Stück in der Tat viele Elemente eines Schwanks, denen auch zu verdanken ist, dass die beteiligten Personen den Mummenschanz als solchen nicht erkennen. Doch während im Volksstück Erfahrungen aus der fremden Rolle in die eigentliche Identität hinüber gerettet werden, bleiben beide Figuren, die Tabakverkäuferin Shen Te und ihr Onkel Shui Ta, in ihren Rollen und Denkweisen vollkommen voneinander isoliert – zumindest, soweit sie handlungsrelevant sind. Und genau dieser Umstand macht den Text von Brecht so großartig: Alles dreht sich um den Umstand, dass die Rollen Mann/Frau und vor allem die materiellen Umstände keineswegs durch Erfahrung geändert werden können.

Die Paradoxie

Daraus folgt keineswegs mit Notwendigkeit ein Bekenntnis zur sozialistischen Revolution. Das Stück, von seinem Ende her gelesen, darf ebenso gut als christliche Paradoxie gelten: Zum Handeln aufgefordert ist der Einzelne ohne Rücksicht auf Beruf und Familie. Doch um dieses Gute zu verkünden und es materiell abzusichern, bedarf es der Struktur. Das Gute liegt aber nicht in den entsprechenden Institutionen, auch wenn sie solche Leitgedanken tragen – seien dies nun Kirche, Partei, Agendaprozess oder engagierte Arbeitgeber (wie die Tabakfabrik Shui Ta). Diese Institutionen müssen sich in einer immer auch (kapitalistischen) Welt orientieren, allein um fortzubestehen.

Der gute Mensch jedoch kann sich in diesen Firmen und Institutionen nicht im humanen Sinn „engagieren“, sondern sich bestenfalls durch sie unterstützen lassen. Wenn es einen guten Menschen denn gibt, dann liebt er in einer sich gefährdender Weise und wird dafür geliebt. Diese Liebe ist mit Brechts Sezuan indes nicht selbstlos zu nennen, denn sie ist immer auch eine sinnliche.



Lutzenberger bremst Motzko aus

Neue Stadtbücherei: Das neue Bibliothekskonzept für die Neue Stadtbücherei wird nicht von Meinhard Motzko zu Ende gebracht. Bücherei-Chef Manfred Lutzenberger betrachtet das Vertrauensverhältnis zwischen Belegschaft und Konzeptmacher Motzko als nicht mehr gegeben.

Meinhard Motzko (Foto: praxisinstitut.de)

Meinhard Motzko (Foto: praxisinstitut.de)

Das letzte Modul „Organisation und Führung“ wird, wenn es nach Lutzenberger gehen soll, von einem anderen Institut durchgeführt werden. Bücherei-Chef Lutzenberger sieht die Vertrauensbasis zwischen Motzko und Belegschaft als nicht mehr gegeben. Dies habe, so Lutzenberger, mit der öffentlichen Reaktion von Meinhard Motzko auf ein Interview Lutzenbergers in der Augsburger Allgemeinen zu tun. Der Prozess eines neuen Bibliothekskonzepts für die Neue Stadtbücherei wurde von dem Förderverein „Freunde der Stadtbücherei“ in Gang gesetzt. Dabei geht es um eine neue Zielgruppenorientierung (Schwerpunktsetzung Kinder und Jugendliche) sowie um eine wesentliche Stärkung der Zweigstellen.

Beschlossen wurde die Umsetzung des Motzko-Konzepts vom Stadtrat. Hintergrund der Vorgänge ist ein unveröffentlichter Lesebrief Motzkos an die Augsburger Allgemeine, der auch direkt an Lutzenberger ging. Die Kernkritik Motzkos: Lutzenberger solle nicht immer sagen, was nicht gehe, sondern solle sagen, womit er nun anfange. Lutzenberger sah sich zu zuletzt öfters dem Verdacht ausgesetzt, dass er bezüglich beschlossener Maßnahmen am Zurückschrauben sei. Meinhard Motzko hat seine „Kündigung“ zwar „geschockt“, wie er sich gegenüber der DAZ auf Anfrage äußerte, aber akzeptiert. „Vertrauen kann man nicht diskutieren“, so Motzko.



Larry Mitchell bleibt ein Panther

Die Augsburger Panther gaben heute Nachmittag die erste Personalentscheidung für die Saison 2014/15 bekannt: Panther-Trainer Larry Mitchell verlängerte seinen Vertrag um ein Jahr.

Larry Mitchell

Larry Mitchell


„Der Vertrag mit Cheftrainer und General Manager Sports Larry Mitchell wurde um ein Jahr verlängert. Larry Mitchell, der vor dieser Saison neben seiner Trainertätigkeit als neuer General Manager Sports mit weitreichenden sportlichen Kompetenzen ausgestattet wurde, geht damit in seine bereits achte Spielzeit bei den Augsburger Panthern. Der Deutschkanadier, der im Dezember 2007 vom EV Landsberg in die Brechtstadt wechselte, verstand es in den letzten Jahren, das sportliche Umfeld beständig weiterzuentwickeln. Unter seiner Regie über die komplette Saison konnten die Playoffs der Deutschen Eishockey Liga mit nur einer Ausnahme jedes Jahr erreicht werden. Für Augsburger Verhältnisse keine Selbstverständlichkeit und in großen Teilen auf die akribische Arbeit von Larry Mitchell zurückzuführen.” Wie es in einer Pressemitteilung der Panther heißt.

Die wichtigste Personalentscheidung

„Mein Dank gilt in erster Linie den Gesellschaftern der Augsburger Panther, die mir weiter das Vertrauen aussprechen. Es macht mir großen Spaß, hier in Augsburg zu arbeiten. Ich freue mich, dass ich die Arbeit der vergangenen Jahre weiter fortsetzen kann. Nach dieser Entscheidung richte ich meinen Fokus nun wieder zu einhundert Prozent auf die letzten sieben Hauptrundenspiele. Wir haben uns trotz der Rückschläge der letzten beiden Wochenenden noch nicht aufgegeben und werden alles geben, um das fünfte Mal in den vergangenen sechs Jahren die Playoffs zu erreichen”, so Panther-Coach Larry Mitchell. – „Ich denke, es ist im heutigen Profisport keine Selbstverständlichkeit, dass ein Club so lange mit einem Trainer zusammenarbeitet. Darauf dürfen wir stolz sein. Larry Mitchell genießt bei den Augsburger Panther nach wie vor das absolute Vertrauen.” So äußerte sich Panther-Gesellschafter Lothar Sigl nach langen und intensiven Gesprächen mit Mitchell während der Länderspielpause. Für Sigl ist die Vertragsverlängerung mit Mitchell die wichtigste Personalentscheidung: „Das erleichtert vor allem dem Trainer die tägliche Arbeit. Für mich ist wichtig, dass diese Personalie nun geregelt ist, der Etat steht und wir nun gemeinsam intensiv am Kader für 2014/15 basteln können.“



Gebäude-Ensemble Rotes Tor wiedereröffnet

Bei strahlendem Sonnenschein wurde am gestrigen Donnerstag nach zweijähriger Bauzeit das Gebäude-Ensemble Rotes Tor nach vollständiger Sanierung der Öffentlichkeit übergeben. Dem Objekt kommt große Bedeutung bei der Augsburger UNESCO-Bewerbung zu.

Wassertürme am Roten Tor

Blick vom Roten Tor


Bereits im Sommer 2010 waren die beiden Wassertürme wiedereröffnet worden. Mit dem Abschluss des zweiten Bauabschnitts sind jetzt auch die Wallauffahrt, der sogenannte Zwischenbau (Wehrgang) mit dem im Süden anschließenden Garten und das Rote Tor restauriert; der Durchgang zur Innenstadt durch das Rote Tor ist auch außerhalb der Freilichtbühnen-Saison wieder möglich.

Ziel der Maßnahme war es unter anderem, einen barrierefreien Zugang zu einem Obergeschoss des Großen Wasserturms zu schaffen, wo sich eine Ausstellung zur Entwicklung und Bedeutung der Augsburger Wasser­versorgung befindet, die an dieser Stelle im frühen 15. Jahrhundert ihren Anfang nahm. Rund 4,5 Millionen Euro an Fördermitteln, darunter 1,1 Mio. aus dem Prinzfonds, haben die Instandsetzung des Augsburger Wahrzeichens finanziell unterstützt.

“Nutzung passt sich den Denkmälern vorbildlich an” (mehr …)



Parkhaus Imhofstraße / Kongress am Park

Unser neu sanierter und sehr erfolgreich arbeitender Kongress am Park benötigt dringend Parkplätze. Das Kongress-Parkhaus steht nicht mehr zur Verfügung. Eine dauerhafte Lösung für die Zukunft wird benötigt, bei der die Stadt nicht nur ein Belegungsrecht für Stellplätze besitzt, sondern Eigentümerin wird.

Die CSM-Fraktion und die SPD-Stadtratsfraktion haben hierzu einen Antrag erarbeitet.

» Der Antrag (pdf 74 kB)