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Das Leben des schwulen Eduards

In der ungarischen Produktion wurde Brecht aktuell wie selten

Von Frank Heindl

Wer weiß, dass ungarische Theaterleute heutzutage von Abgesandten ihrer Regierung überwacht werden, wenn sie im Ausland spielen, der musste mit doppeltem Interesse verfolgen, wie das Ensemble des Katona Jószef Theaters Bertolt Brechts „Leben Eduards des Zweiten von England“ zeigen würde. Und in der Tat: Die Ungarn gingen offensiv mit dem Thema um – der Bearbeitung eines Drama von Christopher Marlowe, in der die Gegner des Königs England in den Bürgerkrieg treiben und dafür Eduards Homosexualität als Vorwand benutzen.

Eines der schönsten Theatergebäude in Ungarn steht in Kecskemét – das Katona-József-Theater gastierte nun im Großen Haus des Theater Augsburg mit einer Brecht-Inszenierung.


Wenn die Kirche mit Moral und Verboten kommt, stecken oftmals Macht und Klerus unter einer Decke – das ist im heutigen Ungarn, im gegenwärtigen Russland nicht anders als es wohl im England des 13. Jahrhunderts war, selbst wenn Eduards Homosexualität nicht als erwiesen gilt und Marlowes/Brechts Plot natürlich seine eigenen, nicht an der historischen Wahrheit orientierten Ziele verfolgt. Die Ungarn machen das auf der Bühne des großen Hauses sehr schnell deutlich: Der „Erzabt“ ist bei ihnen auch nur ein Vertreter der machtgeilen Obrigkeit, ein Beamter: Unterm Talar trägt er Anzug und Krawatte – und entsprechend verächtlich wird er vom König behandelt.

Regisseur Sándor Zsótér hat es in seiner Inszenierung ganz auf die Homosexualität des Eduard angelegt. Und er vertieft dabei das Bild eines schwulen Mannes, der liebt und an seiner Liebe gehindert wird. Wie zwei vernarrte Jugendliche stürzen sich Eduard und Gaveston aufeinander, als der Geliebte – gegen den Willen des englischen Adels – aus dem Exil zurückkehrt. Eduard überreicht dem Freund stilvoll eine Rose – und dann turteln sie, küssen und streicheln sich und – was Wunder – Gavestones Hose rutscht gleich weit herunter. Expliziter wird es auf der Bühne nicht, im Gegenteil: Wenn das erste Wiedersehen vorüber ist, demonstrieren die beiden eine ergreifende Feinheit im Umgang, zeigt sich ihre Liebe in kleinen Gesten und vor allem in zärtlichen Blicken. Doch die Provokationen von außen bleiben nicht aus – das ist Alltag der schwulen Beziehung im homophoben Umfeld. (mehr …)



Jahresempfang 2014

Die Stadtratsgruppe DIE LINKE Augsburg lädt ein zum

Jahresempfang 2014

9. Februar 2014 ab 12 Uhr

im Rathaus Augsburg

Oberer Flez


Gastredner:

Dietmar Bartsch, MdB

weitere Redner:

Alexander Süßmair

Benjamin Clamroth



Museen: Grüne fordern Aufwertung des H2

Die Grüne Stadtratsfraktion plädiert für eine Weiterentwicklung der Museen in Augsburg.

Reiner Erben

Reiner Erben


Die Augsburger Museen-Vielfalt stärke das Profil unserer Stadt nach außen und trage zur Identifizierung mit unserer Stadt und zu einer positiven Stadtentwicklung bei. So die Grünen nach einem Abstecher zur Klee-Ausstellung im H2. „Insgesamt haben sich unsere Museen gut entwickelt. Die aktuelle Paul-Klee-Ausstellung zeigt dies deutlich“, so der Grüne OB-Kandidat Reiner Erben, der darüber hinaus darauf hinweist, dass es dennoch ein großes Potential für Weiterentwicklung geben würde. Die Grünen fordern insbesondere eine deutliche Aufwertung des Zentrums für Gegenwartskunst. „Das H2 steht nicht nur für ausgezeichnete Industriearchitektur, sondern auch für das Moderne und Kreative in unserer Stadt. Durch die Kürzungen im Etat für Wechselausstellungen vom H2 ist es äußerst schwierig, Ausstellung mit aktuellen Bezügen anzubieten.“

Römerstadt: “Der Referent hat nur Ankündigungen gemacht”

„Um die Chancen hierfür zu nutzen, ist eine Erhöhung der Mittel nötig“, so Erben, der zusammen mit Verena von Mutius ebenfalls in Sachen Museumspädagogik Handlungsbedarf sieht. Es gehe darum, so von Mutius, dass man die Vermittlung von Kultur weiter ausbauen müsse. „Dazu sind weitere Museumspädagogen notwendig.“ In dieser Angelegenheit verweist von Mutius auf die offenen Fragen bezüglich der Römerstadt Augsburg. „Der Kulturreferent hat bisher nur Ankündigungen gemacht, aber in den letzten Jahren bei diesem wichtigen Museumsthema, das gut museumspädagogisch genutzt werden könnte, nichts erreicht.“



Bund Naturschutz lädt ein

Die Ortsgruppe Augsburg des Bundes Naturschutz in Bayern lädt am Freitag, 7. Februar, alle Interessierten zu ihrem Offenen Treffen ein.



Ohne Zwang einer Tagesordnung können alle Themen zu Umwelt- und Naturschutz wie der Atomausstieg und die Energiewende, die Pflege von Biotopen, „Licca liber“ und Augsburgs Zukunft angesprochen werden. Außerdem haben Interessierte die Gelegenheit, ehrenamtliche Mitarbeiter der Ortsgruppe kennenzulernen und sich über deren Tätigkeit zu informieren.

Fr 7. Februar 2014 ab 19:30 Uhr

Treffpunkt:

Anna-Restaurant, Im Annahof 4

(3 Fußminuten vom Königsplatz)



„Klar ist das Rassismus!”

Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Organisation „Die Ganze Bäckerei“ findet am morgigen Freitag ein Vortrag von Martin Proißl (Universität Augsburg) statt. Dabei geht es um eine spezielle Lesart der Rassismus-Debatte.

Der Vortrag ist kein Programmpunkt des diesjährigen Brechtfestivals, sondern ein Diskurs-Segment einer Verstaltungsreihe namens “Von vollen Booten und hohlen Köpfen”. Dass die Veranstalter einen kapitalismuskritischen Denkansatz pflegen, verrät der Ankündigungstext: „Die gegnerische Position wird als rassistische kritisiert, den eigenen Standpunkt wähnt man jedoch frei von derartigen Gedanken. Darum ist es das Ziel dieses Abends, einen Begriff des Rassismus zu erarbeiten, der mehr bietet als nur ein weiteres Schlagwort. Nach einem kurzen Referat wollen wir diese Fragen gemeinsam diskutieren. Dadurch soll ein Rassismus-Begriff deutlich werden, der die Einsicht beinhaltet, dass Rassismus (als Ideologie und als soziale Praxis) eine Reaktionsform von Menschen auf ihre Erfahrungen in kapitalistischen Ausbeutungs- und Konkurrenzverhältnissen ist und der Aufrechterhaltung dieser Verhältnisse dient.“

Der Vortrag „Klar ist das Rassismus“ beginnt am Freitag, 7. Februar um 19 Uhr im selbstverwalteten Zentrum „Die Ganze Bäckerei“ im Reithmayrgäßchen 4. Der Eintritt ist frei.



Neuer Vorstoß für Kongress-Parkhaus

Mit einem Antrag für einen Parkhaus­neubau beim Kongress am Park präsentierten am gestrigen Mittwoch die SPD und die CSM bereits ihr zweites gemeinsames Projekt für den ruhenden Verkehr in Augsburg.



Erst vor einer Woche hatte das rot-grüne Zweckbündnis die Idee eines Parkdecks über der Eisbahn II am Curt-Frenzel-Stadion vorgestellt (DAZ berichtete). In ihrem Antrag an den Oberbürger­meister schlagen SPD und CSM vor, mit der zerstrittenen Eigen­tümer­gemeinschaft des maroden Parkhauses beim Hotelturm über einen Abriss und Neubau zu verhandeln. “Dies ist selbst­verständlich nur möglich, wenn alle bisherigen Eigentümer zu einem Neuanfang bereit sind”, heißt es dazu im Antrag.

Entstehen soll eine dreigeschossige Parkgarage mit insgesamt 325 Stell­plätzen, wobei zwei Geschosse unterirdisch errichtet werden. Darauf sollen – in Anlehnung an einen früheren Bauantrag – zusätzlich drei Wohn­geschosse gesetzt werden. Über die Gestaltung des Vorhabens würde ein Architekten­wettbewerb entscheiden, bei paritätischer Besetzung des Preisgerichts mit Vertretern der Stadt und der Bauherren. Auch die Architekten­leistungen könnten zwischen dem Wettbewerbssieger und einem von den Bauherren beauftragten Architekten aufgeteilt werden. Den Löwenanteil der Kosten für das Parkhaus würde die Stadt tragen, indem sie 200 Stellplätze zu je 25.000 Euro erwirbt.