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Phantasie an die Macht

Zur Ablehnung des Theater-Wirtschaftsplans durch „Die Linke“ im Stadtrat

„Phantasie an die Macht“ war einer der originelleren Sprüche der 68er. Nicht nur Linke wäre gut beraten, diesem Slogan von Zeit zu Zeit zu folgen. Nun wollen wir Augsburgs Kultur-Bürgermeister Phantasie gar nicht vollständig absprechen. Seine Phantasie scheint sich jedoch vor allem auf kreative Buchführung und deren erstaunliche Begründung zu konzentrieren.

So hat Herr Grab bei der Erstellung des Wirtschaftsplans des Theaters im Sommer dessen Kaufmännischen Direktor eine erhöhte Zuwendung des Freistaats von 640.000 Euro hineinschreiben lassen, ohne die der Etat bei weitem nicht ausgeglichen wäre.

Noch kurz vorher hat er in einer internen Beratung der Stadtratsfraktionen und -gruppen wahrheitsgemäß betont, dass er diesbezüglich nichts versprechen könne. Die Erhöhung von Seiten des Freistaats war erst für spätere Jahre avisiert worden.

Wenn man sehr wohlwollend ist, könnte man sagen, nun gut, wenn der Kulturausschuss diesen Plan vorläufig beschließt, ist noch nichts kaputt: Bis zur endgültigen Beschlussfassung im Oktober durch den Stadtrat kann der Referent das ja in harten Verhandlungen erreicht haben. Tatsächlich hatten im Juli noch gar keine Verhandlungen stattgefunden, der Freistaat wusste nichts von seinem „Glück“. Und seither wurde wohl darüber gesprochen, das Land hat aber keine Bereitschaft für eine Erhöhung der Zuwendung gezeigt.

Macht nix, meint Herr Grab: Man könne es dennoch in den Wirtschaftsplan schreiben, schließlich wolle der Stadtrat doch jetzt nicht legitime Forderungen aufgeben.

Leider ist die Zeit längst vorbei, in der Wünschen etwas geholfen hat. Und es bleibt abzuwarten, ob zum Beispiel Handwerker oder Schauspieler/innen fromme Wünsche als allgemeines Zahlungsmittel anerkennen.

„Die Linke“ im Stadtrat hat den Wirtschaftsplan nicht nur deshalb abgelehnt: Es wurde zudem eine pauschale Erhöhung der Eintrittspreise um 2,50 € vorgenommen. An sich ist gegen eine Anpassung nichts einzuwenden: Sie sollte aber sozial gestaffelt werden: Auf den günstigen Plätzen im Kinder -und Jugendtheater sollte keine Erhöhung stattfinden, der „Unternehmersgattin aus Aystetten“ (Mitberichterstatter Jäckel) würde eine stärkere Erhöhung bei der Opernpremiere hingegen wenig ausmachen. Für solche Erwägungen äußern andere Parteien im Stadtrat zwar verbale Zustimmung, winken aber die pauschale Erhöhungen dennoch durch: Das Bildungsbürgertum will unter sich bleiben.

 

Benjamin Clamroth

Stadtratsgruppe DIE LINKE



SPD: Linus Förster muss kämpfen

Am kommenden Montag werden bei der Augsburger SPD die Kandidaten für die Landtagswahl 2013 nominiert. Im Stimmkreis West ist alles geregelt: Harald Güller hat keine Konkurrenz. Im Stimmkreis Ost fordert Dirk Wurm den Landtagsabgeordneten Linus Förster heraus.



SPD Unterbezirksvorstand: Stefan Kiefer, Ulrike Bahr, Angela Steinecker und Linus Förster (v.l.n.r.)

Bekommt Konkurrenz: Linus Förster (rechts, hier mit dem SPD-Unterbezirksvorstand)


Bei der Nominierungsaufstellung der CSU zur Landtagswahl war am 10. Oktober ein Knirschen zu vernehmen: Bernd Kränzle erhielt als einziger Kandidat von 75 Delegierten 15 Gegenstimmen. Am kommenden Montag leistet sich die Augsburger SPD einen lauten Kracher: Dirk Wurm gab gestern Nachmittag seine Kandidatur bekannt. Wurm bekleidet aktuell das Amt des Geschäftsführers der Augsburger SPD-Rathausfraktion und ist Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Untere Stadt. Er tritt gegen Linus Förster an. Die Nominierung gilt als sicheres Ticket für den Landtag. Der Ausgang der Wahl ist völlig offen. – Förster setzte sich als Kandidat im Augsburger Unterbezirk 2002 überraschend gegen Christa Stephan durch und zog 2003 in den Bayerischen Landtag ein, dem er bis heute angehört. Der Stimmkreiskreis Ost deckt große Gebiete des Augsburger Stadtgebiets ab.

Förster-Herausforderer Dirk Wurm (Foto: spd-augsburg.de)

Förster-Herausforderer Dirk Wurm (Foto: spd-augsburg.de)


Ebenfalls zu einer Kampfabstimmung kommt es bei der „Ost-Kandidatur“ zum Bezirkstag: Harald Eckert ist der Herausforderer von Wolfgang Bähner. Zur öffentlichen Nominierungsaufstellung des Stimmkreises Ost am Montag, 15. Oktober in der TSG-Gaststätte (19 Uhr) in der Schillstraße sind 47 Delegierte geladen. Weniger dramatisch wird es in St. Martin in der Zirbelstraße zugehen, wo zur gleichen Zeit der Kandidat für den Stimmkreis West nominiert wird. Harald Güller hat keinen Gegenkandidaten. Das Gleiche gilt für die Wahl zum Bezirkstag. Dafür steht allein Volkmar Thumser zur Verfügung.