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Asphaltmischanlage: keine Entscheidung über Dringlichkeitsantrag der SPD

Keine Debatte zum geplanten Bau einer Asphaltmischanlage im Industriegebiet in Lechhausen gab es am gestrigen Donnerstag im Stadtrat. Der Tagesordnungspunkt wurde auf Antrag der CSU-Fraktion abgesetzt.

Hier soll eine große Asphaltmischanlage entstehen: Aulzhausener Straße

Karte: OpenStreetMap (zum Vergrößern anklicken)


Eigentlich hätte ein Dringlichkeitsantrag der SPD-Fraktion behandelt werden sollen, die Baugenehmigung für das bei Anwohnern und umliegenden Gewerbebetrieben höchst umstrittene Bauvorhaben der Bayerischen Asphaltmischwerke (BAM) in der Aulzhausener Straße zurückzunehmen und einem Antrag der BAM auf Sofortvollzug der Genehmigung nicht stattzugeben.

Nach Ansicht der SPD ist die erteilte Genehmigung aus einer ganzen Reihe von Gründen rechtswidrig: So sei keine Beteiligung des Umweltausschusses erfolgt. Weiter enthalte das Gutachten der Antragstellerin keine Prognosen zur Entwicklung der Schadstoffbelastung, obwohl dies die “Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft” (TA Luft) vorschreibe. Die Genehmigungsbehörde habe weder ein eigenes Gutachten erstellt noch das eingereichte Gutachten ausreichend geprüft. Außerdem fordere der Genehmigungsbescheid kein kontinuierliches Messen der beim Betrieb der Anlage entstehenden Schadstoffe.

Jetzt muss der Ältestenrat ran (mehr …)



FCA am Abgrund

Am heutigen Freitagabend ist in der siebten Runde der Fußballbundesliga der SV Werder Bremen in Augsburg zu Gast (20.30). Die Bremer können in Bestbesetzung antreten, während der FCA noch nicht einmal eine Vorstellung davon entwickelt hat, wie seine Bestbesetzung aussehen könnte.

Nach sechs Auftritten in seiner zweiten Saison im Oberhaus sind die Probleme des FC Augsburg schnell skizziert: vorne ohne Durchschlagskraft, in der Mitte zu statisch und hinten sehr fehleranfällig. Eine trostlose Diagnose, die sich vermutlich nach dem heutigen Flutlichtspiel fortschreiben lässt. Mit Andreas Ottl wurde ein Spieler verpflichtet, der den Augsburgern in der Ersten Liga nicht weiterhelfen kann. Mit Aristide Bance, Giovanni Sio, Knowledge Musona wurden Spieler verpflichtet, die in ihren Klubs nicht erste Wahl waren und ohne Wettkampfpraxis alle ein wenig ungelenk in der Spielentfaltung wirken. Für Jan Moravek gilt das Gleiche – nur schlimmer. Moravek war lange verletzt. Die Neuen sollen Integrationsprobleme haben und unter den Alten sollen einige vor sich hin muffeln, weil sie nicht wechseln durften (Langkamp und Verhaegh). Einer der begabtesten Innenverteidiger Deutschlands, Gibril Sankoh hat mit seinen spektakulären Fehlpässen vor dem eigenen Strafraum eine landläufige These unterstrichen: Fußball ist Kopfsache. Womit wir beim Trainer Markus Weinzierl angekommen sind. Das Klima in der Mannschaft stimmt nicht, die Mannschaft funktioniert nicht: Jeder Spieler scheint eine Insel zu sein. Es ist kein Teamspirit erkennbar und es ist nicht zu erkennen, was Weinzierl will.

Über den Kampf zum Spiel finden

Markus Weinzierls Aufgabe beim aktuellen FCA ist zwar weitaus komplexer als zu jener Zeit, als der FCA von Jos Luhukay trainiert wurde, doch von einem Trainer der Ersten Bundesliga sollte man erwarten dürfen, dass er in der Lage ist, eine Mannschaft zu kreieren. Unter Luhukay galt bei jedem Spiel derselbe Spruch: Volle Pulle über den Kampf zum Spiel finden. Wenn es nicht funktionierte, dann lag es an der Qualität der Gegner. In der Nachbetrachtung könnte man meinen, dass die sportliche Aufgabenstellung dem Sprachvermögen des damaligen Cheftrainers angepasst wurde. Dem FCA stehen in diesem Jahr bessere Spieler zur Verfügung als in der Vorsaison und trotzdem muss man festhalten, dass mit Torsten Oehrl und Tobias Werner zwei Spieler aktuell zur ersten Garde gehören, die bereits in der Vorsaison – na ja – nicht unbedingt zu den Glanznummern der Mannschaft zählten. Festzuhalten ist darüber hinaus – es mag paradox klingen – dass der FCA im Schnitt bisher besser spielte als in den ersten sechs Spielen der Vorsaison. Damals fand sich die Mannschaft in der Rolle des Outlaws, heute zeichnet sich nichts anderes als Ratlosigkeit ab. Der FCA steht am Abgrund – und damit ist nicht nur der Tabellenstand gemeint. Den Bremern kann das egal sein: Werder-Trainer Thomas Schaaf will Anschluss an die Spitze halten. Alles andere als ein Sieg wäre dafür untauglich.



Zwischenstation auf hohem Niveau

Das Tim-Allhoff-Trio stellte auf der Brechtbühne seine neue CD vor

Von Frank Heindl

Tim Allhoff, preisgekrönt und auf der Suche nach neuen Ufern. (Foto: Sven Bänziger).

Tim Allhoff, preisgekrönt und auf der Suche nach neuen Ufern. (Foto: Sven Bänziger).


Das erste, was einem an Tim Allhoffs neuer CD auffällt, ist nicht der Flügel des Echo-preisgekrönten Pianisten, sondern – das Schlagzeug. Selten hat man Aufnahmen gehört, auf denen die Drums so plastisch, so durchsichtig, so differenziert aufgenommen sind! Und das erste, was einem beim CD-Release-Konzert am Samstagabend in der Brechtbühne auffiel – war genau dasselbe: Einfach traumhaft, wie perfekt die Drums auch auf der Bühne abgemischt waren. Dort gesellte sich allerdings auch ein Minus hinzu: Mit zunehmender Lautstärke gingen sowohl der Kontrabass als auch die tiefen Töne des Flügels im fetten Sound der Bassdrum verloren.

Doch von vorn: Tim Allhoff, Newcomer auf der deutschen Jazzszene, im vergangenen Jahr mit besagtem Nachwuchspreis ausgezeichnet und seither von großen Erwartungen begleitet, hat eine neue CD aufgenommen. In der Besetzung ist es beim Trio geblieben, auch die Mitmusiker sind dieselben wie auf der ersten CD „Prelude“ – Andreas Kurz am Bass und Bastian Jütte am Schlagzeug. Für seine Art von Musik, so Allhoff im DAZ-Interview vor dem Konzert, könne er sich „keine bessere Formation vorstellen“ – im Laufe vieler Konzerte sei „eine sehr enge Verbindung“ entstanden. Das konnte man am Samstag auch in der Brechtbühne erleben – hier stellte das Trio die neue CD „Hassliebe“ vor.

Die neue Scheibe ist vom kommenden Freitag an im Handel und unterscheidet sich in mancherlei Hinsicht von der Vorgängerin: Wie auch bei der ersten Platte wurden die Songs innerhalb weniger Tage im Studio eingespielt, doch diesmal folgte eine „sehr lange“ Postproduktion, in deren Verlauf Allhoff mit und auf Synthesizern zu spielen begann. Was Allhoffs Kompositionen und die Leistungen seines Trios anbelangt, so wäre diese Ergänzung nicht notwendig gewesen. An manchen Stellen wird der Sound durch die nachträglichen Hinzufügungen deutlich satter, auch Cello, Klarinette und Fagott hat Allhoff für den Song „Hamburg“ als durchaus hörenswerte Soundbereicherung dazuspielen lassen. Schade, dass diese Instrumente nur untermalenden Charakter haben – ihren Stimmen mehr Eigenständigkeit zu geben, wäre mutiger gewesen und hätte noch mehr Farbe gebracht.

„Der Druck ist größer geworden“

Mag sein, dass die Experimente mit neuen Klängen auch dem Druck des ECHO geschuldet sind. Allhoff gibt zu, dass Druck von außen mittlerweile eine größere Rolle spiele bei seiner Arbeit: „Das ist wie, als der FCA in die erste Bundesliga aufgestiegen ist: Jetzt schauen und hören plötzlich alle zu.“ Allzu sehr möchte Allhoff sich von diesem Rummel allerdings nicht beeinflussen lassen: „Es ist wichtig, sich davon nicht allzu sehr beeindrucken zu lassen – schließlich ist das ja alles nicht real!“ Ein bisschen real aber schon: Immerhin haben sich dem Trio in diesem Jahr Tore geöffnet, die anderen verschlossen bleiben. Im Neuburger Birdland-Jazzclub hat das Allhoff-Trio gastiert, ebenso bei den Ingolstädter Jazztagen, dem Rheingau-Festival und im Berliner „A-Train“, auch in Frankreich und der Schweiz war man, im kommenden Jahr steht Belgien auf dem Tour-Plan.

Stilistisch jedenfalls habe sich viel getan innerhalb der letzten zwölf Monate, gibt Allhoff zu. „Abwechslungsreicher“ sei die neue Platte, man könne deutlich hören, „dass wir keine Jazz-Nerds sind, sondern vieles mögen, von den Beatles bis zu Radiohead.“ Und auch „grooviger“ sei seine Musik geworden: „Der Titelsong beispielsweise besteht nur aus drei Akkorden.“ Auf der CD hat das allerdings andere Konsequenzen als auf der Bühne: „Hassliebe“ ist eine differenzierte, ausgefeilte, fein komponierte Jazzplatte, die erneut Allhoffs große Virtuosität und das kongeniale Zusammenspiel mit seinen Mistreitern zur Geltung bringt. Sie macht Spaß, sie klingt wunderbar, sie swingt und groovt.

Ein unglaublicher Fundus an Licks und Tricks

Auf der Live-Bühne hat das nicht ganz so perfekt funktioniert, weil sich die Band da zu sehr auf das „groovende“ Element verlegt hatte. Zu viele Stücke beschränkten sich zumindest im Mittelteil auf eine bescheidene Akkordstruktur, zu der man es heftig krachen ließ. Die erwähnten Sound-Schwierigkeiten führten dazu, dass man den auf der CD erwähnenswert warmen Bass, klug gezupft im Einklang mit und im Kontrapunkt zu den anderen Instrumenten – dass man diesen Bass kaum mehr wahrnehmen konnte. Stattdessen lieferten sich Allhoff und Schlagzeuger Jütte wahre Technikschlachten. Jütte verfügt über einen unglaublichen Fundus an Licks und Tricks und über ein geradezu schlafwandlerisches Rhythmusgefühl – beides zusammen erlaubt es ihm, ganze Sequenzen lang so konsequent den Rhythmus zu verleugnen und zu konterkarieren, dass dem Zuhörer fast schwindelig wird. Wenn Jütte dann plötzlich wieder „straight“ dabei ist, bleibt unerklärlich, wie er’s geschafft hat.

Allhoff hüpft währenddessen unruhig auf dem Klavierstuhl, lässt manchmal sekundenland die Rechte über der Tastatur hin und her schweben, ohne je anzuschlagen, trommelt mit den Schuhen die Achtel unterm Stuhl und glänzt dabei mit riesigen Arpeggien über die ganze Tastatur, mit hämmernd enervierender Akkordbegleitung, mit phantastischen Improvisationen weit jenseits der drei Grundakkorde. Vielleicht war das dann einfach ein wenig zu viel des Guten. Zusammen mit der sehr hörenswerten „Hassliebe“-CD aber ergab der Abend das Bild eines hochbegabten Tim Allhoff auf der Suche nach seinem Stil und seinen Grenzen. Man darf sicher sein, dass das bisher Erreichte dabei nur eine Zwischenstation auf sehr, sehr hohem Niveau ist.

Erste Eindrücke von der CD und weitere Hörbeispiele gibt’s hier:

» http://www.youtube.com/watch?v=zLu6iTADwmI



Erhard Wunderlich ist tot

In den späten siebziger Jahren war Wunderlich einer der besten und erfolgreichsten Handball-Spieler der Welt. 1976 wechselte Erhard Wunderlich vom FC Augsburg zum VfL Gummersbach. Von 1976 bis 1986 spielte er in der deutschen Nationalmannschaft. In 140 Spielen erzielte er dabei 503 Tore. 1978 gewann Wunderlich mit der Deutschen Nationalmannschaft den WM-Titel. 1983 wechselte er zum FC Barcelona, bevor er 1984 wieder zurück in die Handball-Bundesliga zum TSV Milbertshofen wechselte. 1989 beendete Wunderlich seine Karriere als Profisportler. In den Jahren 1981 und 1982 wurde er in Deutschland zum „Handballer des Jahres“ und 1999 zum „Handballspieler des Jahrhunderts“ gewählt. Erhard Wunderlich erhielt in den Jahren 1978, 1983 und 1984 die höchste sportliche Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland, das „Silberne Lorbeerblatt“. – Die Augsburger Handball-Legende Erhard Wunderlich erlag am Donnerstag in einem Kölner Krankenhaus im Alter von 55 Jahren einem Krebsleiden. Beerdigt wird er in Augsburg. „Für mich war Erhard einer der großen Handballstars der Welt“, so der ehemalige Handball-Bundestrainer Vlado Stenzel.



Kulturrat: Zartes Pflänzchen lebt noch

Nach einer langen Sommerpause hat sich der Kulturrat gestern in den Räumlichkeiten des Jungen Theaters zurück gemeldet. Drei Monate nach der Wahl der vorläufigen Sprecher wurden gestern für 12 Monate die Sprecher gewählt.

Vollversammlung zur Sprecherwahl: der Kulturrat im Jungen Theater

Vollversammlung zur Sprecherwahl: der Kulturrat im Jungen Theater


Drei der im Juni kommissarisch bestellten Sprecher sind gestern als Sprecher bestätigt worden: Peter Bommas, Juliane Stiegele und Georg Heber. Leonie Pichler sah von einer zweiten Kandidatur ab und Fritz Effenberger (Piratenpartei) konnte nicht mehr kandidieren, da sich die Versammlung gegen Personen mit Parteibuch im Vorsitz aussprach. Für Pichler und Effenberger wurden Bianca Appelmann und Christian Z. Müller in die fünfköpfige Gruppe der „Ratssprecher“ gewählt. In der gestrigen Vollversammlung wurde über die Gründung eines Fördervereins diskutiert sowie ein „Variables Manifest“ vorgestellt, ohne diesem inhaltlich näher zu treten. Über Inhalte und Ziele wurde gestern Abend nicht diskutiert. Am Ende der knapp dreistündigen Sitzung gab es den letzten formalen Beschluss: Die offene Kulturratplattform auf facebook wird wegen „bodenlosen Beiträgen“ geschlossen.



Stadtrat beschließt Geschäftsordnung für Kulturbeirat

Der Augsburger Stadtrat hat auf seiner gestrigen Sitzung in einer Kampfabstimmung mit 33:24 eine Geschäftsordnung des Kulturbeirates beschlossen. Sie tritt ab 1. Januar 2013 in Kraft.



Die Geschäfts­ordnung des Kultur­beirates war nicht weniger umstritten als der Grundsatz­beschluss zum Kulturbeirat. Noch am Montag wurden im Kultur­ausschuss während der laufenden Sitzung an einigen Passagen Änderungen vorgenommen. Die Debatte im Stadtrat brachte nichts Neues zutage. Im Gegensatz zum Kulturrat solle der Kulturbeirat eine möglichst große Bandbreite der Kulturschaffenden abbilden. Am Rande der gestrigen Debatte konnte die DAZ in Erfahrung bringen, dass sowohl Kulturreferent Peter Grab als auch Bernd Kränzle (CSU) aus der beschlossenen Geschäftsordnung ein Antragsrecht des Kulturbeirates ableiten. Die beiden führenden Kulturpolitiker der Stadt bewerten folgende Formulierung als Antragsrecht: „Der/die Vorsitzende des Kulturbeirats bzw. sein/ihr Stellvertreter/in ist berechtigt und verpflichtet, dem Kulturausschuss zu allen vom Kulturbeirat behandelten Tagesordnungspunkten sein Votum im Rahmen der Kulturausschusssitzungen vorzutragen, hierzu Auskünfte zu erteilen und Erläuterungen zu geben. Dies kann auch schriftlich erfolgen.“

Falls dies missverständlich sei, so Bernd Kränzle, werde man eben eine Änderung der Geschäftsordnung vornehmen. Peter Grab blies in gleiche Horn: „Ein Antragsrecht ist gegeben.“

» Kulturbeirat: Der Fahrplan steht



Taxifahren wird teurer

Einstimmig beschloss der Stadtrat in seiner gestrigen Sitzung eine Anpassung der Augsburger Taxitarife.

Der Stadtrat folgte damit der Argumentation der Taxi Augsburg e.G., die geltend gemacht hatte, dass sich seit der letzten umfassenden Tariferhöhung im Jahr 2008 nicht mehr kompensierbare Kostensteigerungen bei der Fahrzeugbeschaffung, dem Treibstoff, den Lohnnebenkosten und den Versicherungen ergeben hätten. Das Streckenentgelt für einen Kilometer steigt von 4,40 auf 5,30 Euro, für vier Kilometer von 8,90 auf 9,80 Euro und für eine 10-km-Fahrt von bisher 16,70 auf 18,20 Euro. Enthalten ist jeweils der Grundpreis für die Inanspruchnahme eines Taxis von 2,80 Euro. Die Erhöhung tritt zum 1. November in Kraft.