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Das Spiel ist aus!

Warum das IHK-Schulungszentrum am Theodor-Heuss-Platz nicht kommt

Von Siegfried Zagler

Nicht den eigenen, sondern fremden Grund im Visier: Parkanlage der IHK

Stellen Sie sich vor, sie würden auf dem Augsburger Stadtmarkt einen Fisch angeboten bekommen, dem die Maden aus den Augen quellen und dessen Gestank einen grauenvollen Brechreiz auslöst. Und nun stellen Sie sich vor, Sie müssten dem Fischhändler in aller Freundlichkeit erklären, warum Sie diesen Fisch nicht kaufen wollen. Der dreiste Fischhändler ist die IHK, der bedauernswerte Kunde ist die CSU. Die Freien Wähler, die Grünen und Pro Augsburg haben das einzig Richtige gemacht, nämlich der IHK diesen Fisch um die Ohren geschlagen, womit der Fischhändler blamiert und das Projekt erledigt ist.

Die CSU wird das nicht mittragen

Falls die CSU und Oberbürgermeister Kurt Gribl tatsächlich das Projekt in die Ausschüsse vordringen lassen sollten (zusammen mit der SPD, die sich gegenüber der DAZ noch nicht geäußert hat), dann wird eine Debatte aufleben, die man vor knapp sechs Monaten abgeschlossen wähnte. (mehr …)



Maxstraßenpflaster: Baureferat kontert alle Vorwürfe

Das fleckige Pflaster in der Maximilianstraße zwischen Apothekergässchen und Katharinengasse war gestern Thema eines Pressegesprächs in erweiterter Runde, zu dem das Baureferat eingeladen hatte. Großreinemachen war angesagt.

Seit Monaten in der Kritik: das neue Gehwegpflaster in der Maxstraße

Für Baureferent Gerd Merkle, der im Amt normalerweise als emotionsfreier Mensch gilt, war der Termin sichtlich ein Befreiungsschlag und eine Abrechnung mit zahlreichen Vorwürfen, die in den letzten Wochen “von privater Seite”, wie Merkle sich ausdrückte, gegen ihn erhoben wurden. Unterstützt von Norbert Diener, dem Leiter des Stadtplanungsamts, Gerhard Huber, dem Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde und Josef Weber, dem Leiter des Tiefbauamtes, informierte Merkle zum erforderlichen Austausch von teilweise schadhaften Pflastersteinen, zur Auswahl des Pflastermaterials, zu seiner Verlegeart, zur Auffassung des Denkmalschutzes und zum Vergabe-Procedere.

“Für die klimatischen Verhältnisse in Augsburg geeignet”

Nichts kommen ließ der Baureferent auf die Qualität des ausgewählten portugiesischen Granitsteins. Er sei für die klimatischen Verhältnisse in Augsburg geeignet, sei frostsicher und habe die selbe Qualität wie beispielsweise ein einheimischer Flossenbürger Granit. Problematisch sei dagegen, dass die Verlegefirma zwei verschiedene Chargen von Steinen geliefert habe, die sich in der Wasseraufnahmefähigkeit erheblich unterschieden. Beide einzeln seien brauchbar, aber nicht in Kombination. Durch das unterschiedliche Abtrocknungsverhalten und eine unterschiedliche Aufnahme von gelösten Schmutzstoffen entstehe so ein für die Stadt und die Anwohner nicht hinnehmbarer optischer Mangel.

"zwei Chargen mit unterschiedlicher Wasseraufnahmefähigkeit": Fleckenpflaster

"zwei Chargen mit unterschiedlicher Wasseraufnahmefähigkeit": Fleckenpflaster


Zur Lösung stellte der Baureferent einen zweistufigen Mangelbesei­tigungs­plan vor: Nach dem bereits erfolgten Austausch von rund 80 stark saugfähigen Steinen werden die übrigen Platten eine weitere Winter­periode lang beobachtet und – wenn erforderlich – im Frühjahr 2013 ausgetauscht. “Mir ist egal, wie oft der Unternehmer es austauscht. Ich will am Ende eine mangelfreie Leistung haben”, so Merkle, der ausdrücklich drauf hinwies, dass dadurch keinerlei Mehrkosten für die Stadt und die Anwohner entstehen. Der Austausch erfolge im Rahmen der Gewährleistung zu Lasten der Verlegefirma.

“Verlegeart ist Geschmackssache”

Auf Geschmacksdiskussionen bezüglich der Verlegeart des Pflasters will sich die Stadt laut Norbert Diener, dem Leiter des Stadt­planungsamts, nicht einlassen. Auf die Einfassung von Einbauten wie etwa Straßen­leuchten, Stadtmobiliar oder Schacht­deckel durch Mosaiksteine wie in der kurzen Maxstraße – laut Diener ein “winziges Detail” im Rahmen der Gesamtplanung – habe man zugunsten eines großzügigeren Erscheinungs­bildes verzichtet. Das Einschneiden des Plattenbelags sei ebenso normgerecht. Die Verlegung der Granitplatten im Drittel- statt im Halbversatz sei aus dem Gedanken heraus erfolgt, damit eine möglichst ruhige und unge­richtete Gehsteigfläche zu erzeugen, um den Straßenraum der südlichen Maxstraße bewusst großzügig zu gestalten.

Sowohl das Landesamt für Denkmalpflege als auch der Landes­denkmalrat seien fortlaufend über die städtische Planungs­konzeption informiert worden. Diese Konzeption sei nach deren Auffassung der städtebaulichen und historischen Bedeutung der Maxstraße angemessen. Dies bestätigte auch Gerhard Huber, Leiter der Unteren Denkmalschutz­behörde: Anders als in Nürnberg oder Rothenburg gebe es in Augsburg keine Auflage, “etwas Historisches zu spielen”. Mit dem verlegten Pflaster sei man jetzt wesentlich näher an der Aussage der kurzen Maxstraße als mit den zuvor asphaltierten Gehsteigen.

“Vergabe unter ständiger Rechtsaufsicht”

Ungelöst im Wortsinn: Kaugummiflecken auf dem neuen Prachtmeilenpflaster

Im Wortsinn "ungelöst": Kaugummiflecken auf dem neuen Prachtmeilenpflaster


Vorwürfe zum Vergabeverfahren – die Ausschreibung war aufgehoben und an­schließend war frei vergeben worden – wies Gerd Merkle strikt zurück. “Vergabeverfahren sind die sensibelsten Bereiche in der Bauver­waltung und stehen unter ständiger Rechts­aufsicht”, so der Baureferent. Die frei beauftragte Firma sei bereits im voraus­gegangenen Ausschreibungs­­verfahren der günstigste Bieter gewesen, habe dort aber kein beurteilungsfähiges Steinmuster vor­gelegt. Dies sei dann im nachge­schalteten Vergabeverfahren erfolgt. Die anderen Bieter im Hauptverfahren hatten Steine angeboten, die nicht den Farbvorgaben entsprachen.

Keine Lösung hat die Stadt bis jetzt für die Verschmutzung durch Kaugummi­flecken. “Das ist ein gesell­schaftliches Problem”, so Norbert Diener, Leiter des Stadt­planungs­amts. Eine Entfernung unter Hitze­einwirkung führe zu rosa Verfärbungen des Granits. Mit der umge­kehrten Methode, einer Entfernung durch Kälteein­wirkung beispielsweise mit flüssigem Stickstoff, gebe es keine Erfahrungen. “Wenn jemand für das Kaugummi­problem eine echte Lösung findet und patentieren lässt, werden wir zu den ersten Anwendern gehören”, versprach Baureferent Gerd Merkle.



„Die Bebauung würde die Umsetzung des Ideenwettbewerbes missachten“

Nach den Freien Wählern und Pro Augsburg haben sich nun gestern auch die Augsburger Grünen gegen die innerstädtischen Baupläne der IHK positioniert.

Bebauung oder Aufwertung als begrünter Platz? Der zurzeit mit Baustelleneinrichtung belegte Park am Theodor-Heuss-Platz

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) plant am Theodor-Heuss-Platz ein Schulungszentrum. Eigentümer des Baugrundstückes ist die Stadt. Die Freien Wähler haben dieses Vorhaben bereits scharf kritisiert und der Stadtregierung im Allgemeinen und dem Baureferat im Besonderen schwere Versäumnisse in Sachen Transparenz vorgehalten. Die „vitalen und sehr engagiert geführten Versammlungen, welche die IHK den Anwohnern angeboten hat, brachten erhebliche Gegenstimmen und Argumente zum IHK-Projekt“, wie es in einer Presseerklärung von Pro Augsburg heißt. Aus diesem Grund schlägt die Wählervereinigung der IHK vor, andere Planungsvarianten zu prüfen, da der jetzige Bebauungsplan 500 eine höherwertige Gestaltung mit einer Neugestaltung des Quartiers vorsieht. Zu dieser Planung solle man wieder zurückkehren, so Pro Augsburg.

„Es käme zu einer Unterbrechung des Grünzugs“

Am vergangenen Mittwoch positionierten sich die Augsburger Grünen auf ihrer Stadtversammlung gegen das Bauprojekt der IHK. Der Platz soll, wie im Bebauungsplan 500 vorgesehen, aufgewertet werden. Die Grünen lehnen deshalb eine Bebauung des Platzes ab. Durch die Bebauung des Theodor-Heuss-Platzes käme es zu einer Unterbrechung des Grünzugs, der sich durch die ganze Stadt ziehe. „Die Bebauung würde die Umsetzung des Ideenwettbewerbs Innenstadt missachten, der dort einen begrünten Platz vorsieht. Wir fordern deshalb ein sinnvolles Grünzugkonzept, statt einer Bebauung des Theodor-Heuss-Platzes“, so der Grüne Vorsitzende Matthias Strobel.



Kresslesmühle: Grüne fordern Definitionsarbeit

Die Grünen mahnen eine Diskussion darüber an, was in der in der Kresslesmühle zukünftig passieren soll.

Geht zum Jahresende in den Ruhestand: Hansi Ruile, Geschäftsführer der Kresslesmühle

Geht zum Jahresende in den Ruhestand: Hansi Ruile, Geschäftsführer der Kresslesmühle


Die Grüne Stadtratsfraktion hat auf einen Bericht der Augsburger Allgemeinen reagiert, demzufolge ein aussichtsreicher Bewerber um die Leitung der Kresslesmühle sich zurückgezogen habe, weil ihm die Perspektive des Kulturhauses nicht klar schien. Die Grünen fordern nun Kulturreferent Peter Grab auf, das Ausschreibungsverfahren zu stoppen. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Reiner Erben sieht Handlungsbedarf bezüglich der zukünftigen konzeptionellen Ausrichtung der Kressesmühle und mahnt eine eine inhaltliche Diskussion an. „Es muss eine Diskussion darüber stattfinden, was in dieser Einrichtung zukünftig passieren soll. Auf dieser Basis kann erst ein inhaltliches Profil für eine Stellenausschreibung entwickelt werden.“ Hansi Ruile, der derzeitige und langjährige Leiter der Kresslesmühle, geht zum Jahresende in den Ruhestand.

„Die konzeptionelle Ausrichtung der Mühle ist klar“

Aus Sicht der Grünen Fraktion sollte die inhaltliche Arbeit der Kresslesmühle und anderer städtischer oder städtisch bezuschussten Einrichtungen wie das Projektbüro für Frieden und Interkultur neu definiert werden. Die personelle Zäsur müsse die Stadt nutzen, „um eine klare und nachvollziehbare Aufgabenbeschreibung und Konzeption zu erstellen. Es geht hier immerhin um 200.000 Euro Zuschuss.“ Der Kulturreferent sei in der Pflicht, „eine inhaltliche Debatte anzustoßen und zu einem Ergebnis zu bringen.“ Erstaunt reagierte die Beiratsvorsitzende der gGmbH des Kulturhauses über den Vorstoß der Grünen. „Die konzeptionelle Ausrichtung der Mühle ist klar“, so Ursula Baier Pickartz zur DAZ. Baier Pickartz bestätigte, dass neu ausgeschrieben werde müsse und dass der für Ruiles Nachfolge vorgesehene Verhandlungspartner in letzter Sekunde absprang, aber nicht wegen mangelnder konzeptioneller Ausrichtung der Kresslesmühle. Von anderer Stelle wurde darauf hingewiesen, dass es zwischen der Stadt und dem Kulturhaus Kresslesmühle einen Vertrag gibt, in dem das Konzept der Mühle klipp und klar dargestellt sei. „Wenn die Grünen ein anderes Konzept wollen, dann müssen sie dafür plädieren, dass die Stadt den Vertrag kündigt.“

Dass der Vertrag durchaus breite Interpretationsspielräume zulässt, ist die Auffassung von Johannes Althammer, Vorsitzender des Altstadtvereins und Mitglied bei Pro Augsburg. Es sei durchaus zutreffend, dass man darüber nachdenken müsse, wohin sich die Mühle in der Zukunft hin entwickeln solle. Es gebe wohl auch unterschiedliche Vorstellungen über die Fortführung der Mühle zwischen der gGmbH und dem Kulturreferat, so Althammer.



Naturfotos von Kindern im Botanischen Garten

In der Gärtnerhalle des Botanischen Gartens wird vom heutigen Freitag an die Fotoausstellung „Natur im Fokus“ gezeigt.

Die Ausstellung ist aus einem Fotowettbewerb für Kinder und Jugendliche aus Bayern entstanden, der 2007 vom Münchner Museum Mensch und Natur ins Leben gerufen und seit 2010 gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit und der Unterstützung der Bayerischen Sparkassenstiftung ausgerichtet wird. Aus den Gewinnerfotos von „Natur im Fokus 2011“ ist eine Ausstellung entstanden. Sie soll Kinder und Jugendliche motivieren, die Natur vor ihrer Haustür mit der Kamera zu entdecken. Zusätzlich hat das Museum Mensch und Natur das Rahmenprogramm „Wald im Koffer“ konzipiert, bei dem die Besucher vor Ort selbst aktiv werden können.

Die Ausstellung wird am heutigen Freitag, 14. September um 11 Uhr, eröffnet und ist dann täglich von 9 bis 17 Uhr zu sehen. Für das Begleitprogramm „Wald im Koffer“ können sich Schulklassen beim Botanischen Garten unter 0821 324 60 46 anmelden.

» Homepage “Natur im Fokus”



Linke Jugend: Aufruf zum GEMA-Protest



Die Augsburger Linksjugend ruft anlässlich der GEMA-Tarifreform zu einer Kundgebung auf. „Für viele kleinere und mittlere Clubs ergäbe die GEMA-Tarifreform Gebühren in existenzgefährdender Höhe. Auch die Clubszene in Augsburg wäre betroffen“, so Frederik Hintermayr vom Landesvorstand der Linken. Es sei von einer „Verfünf-, Verzehn- oder gar Verfünfzehnfachung der Gebühren“ die Rede. Die Linke sei allerdings „auf keinen Fall gegen eine bessere Vergütung der Künstlerinnen und Künstler. Es bedarf jedoch einer deutlich größeren Transparenz und Gerechtigkeit bei der Abrechnung“. Die Linksjugend unterstützt die Forderung der Clubszene nach Einrichtung eines Runden Tisches, an dem alle Betroffenen über eine faire und transparente Reform der GEMA-Tarife nachdenken.

Die Kundgebung mit musikalischer Begleitung findet statt am Samstag, 15.9. ab 16.00 Uhr auf dem Willi-Brandt-Platz (City-Galerie).

Foto: Frederik Hintermayr