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„Eine Katastrophe für die Stabi“

Die Initiative Staats- und Stadtbibliothek Augsburg e.V. hat sich bezüglich eines Artikels der Augsburger Allgemeinen zu Wort gemeldet. Dabei geht es um die Aussagen von Bürgermeister und Finanzreferent Hermann Weber, der sich nicht festlegen wollte, ob der vom Freistaat vorgesehene Erweiterungsbau neben der Stabi oder an einem anderen Ort gebaut werden soll.



Nur noch heute Leiter der Staats-und Stadtbibliothek: Dr. Helmut Gier geht morgen nach fast 27 Jahren in den Ruhestand.ach fast 27 Jahren

Dr. Helmut Gier, 27 Jahre Leiter der Staats-und Stadtbibliothek, geht in den Ruhestand.


Diese Aussage bezeichnet Dr. Helmut Zäh, der der “Initiative Staats- und Stadtbibliothek” vorsitzt, in einem Schreiben an die DAZ als eine „Katastrophe für die Stabi“. – Der Freistaat Bayern zeigt großes Engagement in Sachen Staats- und Stadtbibliothek. Offensichtlich liegt eine bereits von der Regierung von Schwaben genehmigte Planung vor, die eine Generalsanierung und einen Ausbau des Dachgeschosses vorsieht. Die Kosten dieser Maßnahmen sollen sich maximal auf 5 Millionen Euro beschränken. Die nachhaltigere Planung wäre ein Erweiterungsbau, der zwischen 10 und 15 Millionen Euro taxiert wurde. Das Bibliothekspersonal soll vom Freistaat übernommen werden. Das Haus werde nach dem Übergang „Staatsbibliothek Augsburg“ heißen. Im Vertragspaket zwischen der Stadt und dem Freistaat seien zwei Stufen vorgesehen. Im ersten Schritt soll die „Stabi“ an der Schaezlerstraße mit einem geringen Umgriff übergeben werden. Danach sei eine Erweiterungslösung „als Option für den Freistaat“ ins Auge zu fassen. Diese Informationen stammen von Stabi-Leiter Helmut Gier, der am morgigen 1. September in den Ruhestand verabschiedet wird. In Sachen Erweiterungslösung führte Bürgermeister Hermann Weber allerdings rechtliche Probleme ins Feld. Vor einer Entscheidung müsse geklärt werden, inwieweit das Areal vom benachbarten Maria-Theresia-Gymnasium für schulische Zwecke benötigt wird. Das Gymnasium habe ältere Rechte, so Weber.

„Erweiterungsbau ist unumgänglich“

„Aus finanziellen Nöten beschloss die Augsburger Stadtregierung, sich nach 475 Jahren von ihrer Bibliothek zu trennen und damit 1 Million im Jahr zu sparen – um den Preis des Verlustes eines weiteren Stücks kommunaler Selbstbestimmung und Identität. Der Freistaat Bayern erwies sich als Retter in der Not und sagte zu, die Bibliothek mit sämtlichen Mitarbeitern zu übernehmen und die von der Stadt jahrzehntelang versäumte Modernisierung des Gebäudes unverzüglich in Angriff zu nehmen“, so Helmut Zäh, der die Bereitschaft des Freistaates, auf dem Gelände einen Erweiterungsbau für einen zweistelligen Millionenbetrag zu errichten, als „unumgänglich“ bewertet und aus dem Blickwinkel der Stadt als „reine Formsache“ betrachtet.

„Außenmagazin wäre ein Fiasko für die Bibliothek“

Helmut Zäh hält die Interessen des Maria-Theresia-Gymnasiums und der Staatsbibliothek für vereinbar.

Dr. Helmut Zäh hält die Interessen des Maria-Theresia-Gymnasiums und der Staatsbibliothek für vereinbar.


„Die Interessen des Gymnasiums und der Bibliothek dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, so Zäh, da sie keinesfalls unvereinbar seien, wenn bei der Planung des Neubaues die Belange der Schule und des Naturschutzes berücksichtigt würden. Die Vorgaben für den vom Freistaat zugesagten Architektenwettbewerb müssten nur entsprechend formuliert werden. Dem Gymnasium drohe nach Auffassung von Zäh durch den Bibliotheksbau keine Gefahr. Durch die vielfältigen Kooperationsmöglichkeiten zum beiderseitigen Vorteil sei das Gegenteil der Fall. Das bisherige beziehungslose Nebeneinander habe keiner Seite genutzt. Nun bestünde die Möglichkeit, dies zu ändern. Statt eines direkt mit dem Altbau verbundenen Erweiterungsbaues, in dem nicht nur der Zuwachs an neuen Büchern, sondern auch je nach Planung etwa der Lesesaal oder die Ausleihe Platz gefunden hätten, bekäme die Stabi womöglich ein weit entferntes Außenmagazin, das nur Nachteile und zusätzliche Kosten mit sich bringen würde“, so der Bibliotheksexperte Zäh, der ein nicht am Altbau verortetes Außenmagazin als „Fiasko für die Bibliothek“ geißelt.