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Pussy Riot: Mahnwache vor dem Augsburger Rathaus

In zirka 80 Städten gab es weltweit Proteste gegen das Moskauer Urteil im Schauprozess gegen die Punkband Pussy Riot. Zwei Jahre Lagerhaft droht nun den drei jungen Frauen, die wegen eines provokativen Protestgebets in der Moskauer Erlöserkirche verurteilt wurden. Auf Russland komme nun ein “Toleranztest für Tyrannei” zu, so eine russische Internetzeitung.

Free Pussy Riot Demo Rathausplatz

"Free Pussy Riot"-Demo vor dem Augsburger Rathaus - Bild: Fotopresse Augsburg


Mit dem harten Urteil gegen drei Mitglieder der Punkband Pussy Riot könne Wladimir Putin seine Grenzen ausloten, so die unabhängige Internetzeitung gazeta.ru am Samstag. Das Urteil wird von gazeta.ru als scharfes Signal an Putins Gegnerschaft gewertet. Wie weit könne Russlands Staatschef gehen? Wie viel Einschüchterung und Unterdrückung werde von Russlands Bevölkerung und von der internationalen Staatengemeinschaft hingenommen? So die politische Bewertung der kremlkritischen gazeta.ru. Der Schauprozess gegen die drei jungen Frauen, die aufgrund eines  kurzen „Protestgebets gegen Putin“ in der Moskauer Erlöserkirche angeklagt wurden, gilt unter russischen Bürgerrechtlern als Maßstab dafür, wie weit Putin mit seiner repressiven Politik gehen kann. „Auf die russische Gesellschaft komme nun ein “Toleranztest für Tyrannei” zu, so gazeta.ru. Um „Milde im Rahmen der Gesetze“, bat die  russisch-orthodoxe Kirche nach dem Urteilsspruch in Richtung Behörden. Insider der russischen Justizszene gehen deshalb davon aus, dass es im Berufungsverfahren zu einer Reduzierung der Strafe kommt. „Nach der Berufung durch die Verteidiger wird das zuständige Moskauer Gericht vermutlich die Strafe von zwei Jahren Lagerhaft in ein Jahr verwandeln und diese Idiotinnen freilassen, damit sie ihre Kinder und Angehörigen wiedersehen können”, so die Zeitung Komsomolskaja Prawda. Das russische Außenministerium veröffentlichte am Samstag ein Dekret, in dem in westlichen Staaten verhängten Strafen für Rowdytum an religiösen Orten aufgelistet wurden. In Deutschland stünden darauf bis zu drei Jahre Gefängnis. In Augsburg trafen sich am vergangenen Freitagabend vor dem Rathaus zirka 50 Protestler zu einer stummen Mahnwache, darunter Timo Köster, Leiter des Augsburger Friedensbüros.