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Werkausschuss: Theater in Not

Mit einem ausgeglichenen Wirtschaftsplan überraschte gestern der kaufmännische Direktor des Augsburger Stadttheaters Steffen Rohr die Stadträte des Werkausschusses.

Von Siegfried Zagler

"Was ist ein Defizit?": Kulturreferent Peter Grab

"Was ist ein Defizit?": Kulturreferent Peter Grab


Zum Fundus des Augsburger Stadttheaters gehört seit vielen Jahren – neben Perücken, Schminke und einer Unzahl von Kostümen – ein einzigartiges Requisit, das immer dann zum Einsatz kommt, wenn die Not am größten ist: Zaubertinte. Damit schrieb Steffen Rohr in der vergangenen Woche eine knappe Million Euro Defizit in den Wind. Gestern wollte der Werkausschuss dem Prinzip Luftbuchung nicht so richtig folgen: 500.000 Euro soll der Freistaat zusätzlich zuschießen. Eine solche Summe sei vom Freistaat nicht angedacht und auch nicht in Aussicht gestellt worden, so CSU-Stadtrat und Landtagsabgeordneter Bernd Kränzle, der Mühe hatte, seine Verwunderung über die verzweifelte Unverfrorenheit des Theaters zu verbergen. Weitere 300.000 Euro wolle man am Bauunterhalt sparen und die Erhöhung der Eintrittspreise würden zusätzlich weitere 200.000 Euro generieren, so Rohr, der der Stadt Handlungsbedarf signalisierte: Entweder man finanziere das Theater oder man müsse neu definieren, wohin es mit dem Theater gehen solle. Für weitere Ratslosigkeit unter den Werkausschussmitgliedern sorgte eine kryptisch formulierte Pressemitteilung der Freien Wähler, die in Sachen Führungsprobleme der Intendanz Handlungsbedarf anmahnten.

Brecht-Festival: „2010 auch ein Defizit, da war Weitzel Controller“

Weitaus ruhiger als angenommen verlief die Sondersitzung des Kulturausschusses in Sachen Brecht-Festival. Brechtfestivalleiter Dr. Joachim A. Lang sollte das 60.000 Euro-Defizit des zurückliegenden Brecht-Festivals erklären. Lang zog sich mit ein paar verbalen Federstrichen aus der Affäre. Weder den beiden Linken Stadträten Alexander Süßmair und Benjamin Clamroth noch Verena von Mutius (Grüne) gelang es, in der angespannten Atmosphäre eines „Quasi-Untersuchungsausschusses“ die künstlerischen und finanziellen Fehlleistungen der Festivalleitung angemessen darzustellen. Laut Lang seien die unerwarteten Mehrkosten bei der Technik der schlechten Akustik im Rathaus geschuldet und die von der DAZ kritisierten Schnittkosten (40.000 Euro für alle drei Festivals) seien als „billig“ zu bewerten. Die Mehrkosten bei den Künstler-Übernachtungen hätten mit einem Wasserschaden im Drei Mohren zu tun.

Fehlbetrag muss vom kommenden Festival abgearbeitet werden

Der von Verena von Mutius als Feststellung vorgetragene „Frage“, dass es keinen Festivalleiter brauche, nachdem das „Brecht-Festival nun beim Theater“ sei, wurde nicht nähergetreten. Kulturreferent Peter Grab verwies darauf, dass es im Prinzip kein Defizit gebe, da der Fehlbetrag nicht den Haushalt belaste, sondern vom kommenden Festival abgearbeitet werden müsse. Warum es kein Controlling gegeben habe, wollte Alexander Süßmair wissen. „Weil wir keinen Controller angestellt haben“, so Lang lakonisch. „Außerdem hatten wir 2010 auch ein Defizit, da war Weitzel Controller.“ Am Ende wollte „Quasi-Untersuchungsausschuss-Leiter“ Bernd Kränzle wissen, ob nun alle Fragen geklärt seien. Es gab nur eine Gegenstimme. Das Brecht-Festival 2012 hat nach schwerer Seenot einen unsicheren Hafen erreicht.