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Augsburg zeigt sich intolerant

20 Minuten Pfeifkonzert für die NPD

200 Demonstranten fanden sich am heutigen Dienstag vormittag “für Toleranz – gegen Rechtsradikalismus” vor dem Stadttheater zusammen. Anlass war eine fast gleichzeitig stattfindende Kundgebung der NPD, die für den Austritt Deutschlands aus dem Euro warb.

“Für Toleranz – gegen Rechtsradikalismus”: Kundgebung Augsburger Gruppierungen gegen Rechts vor dem Stadttheater

Unter den Teilnehmern waren auch zahlreiche Stadtpolitiker: Sozialreferent Max Weinkamm, Schulreferent Hermann Köhler, die Stadträte Rainer Schönberg (Freie Wähler), Benjamin Clamroth (Linke), Stefan Quarg, Margarete Heinrich und Karl-Heinz Schneider (alle SPD), die Grüne Landtagsabgeordnete Christine Kamm und der Integrationsbeauftragte Robert Vogl zeigten Flagge gegen Rechts. Gut besucht war allerdings nur der Beginn der Kundgebung, die Helmut Jesske, Geschäftsführer des Stadtjugendrings, anmoderierte. Das nachfolgende Programm mit Rede- und Kulturbeiträgen, darunter auch eine Ansprache von OB Kurt Gribl, wollte sich nur noch eine Minderheit anhören. Der größere Teil der Demonstranten zog weiter zum wenige Hundert Meter entfernten Prinzregentenplatz, um die dort eine halbe Stunde später angesetzte Kundgebung der NPD zu stören.

Polizei trennt Veranstalter und Gegendemonstranten großräumig (mehr …)



London 2012: Kanu-Silber für Augsburg

In den Fluten des Lee Valley White Water Centre paddelte der Augsburger Sideris Tasiadis, Youngster im deutschen Slalom-Team, am Dienstag zu Silber im Einer-Canadier und damit zu seinem bislang größten Erfolg.

Sideris Tasiadis (Foto: DKV-Olympiabroschüre)

Sideris Tasiadis (Foto: DKV-Olympiabroschüre)


Unter den Augen seiner Familie bewies der 22-jährige Sportsoldat starke Nerven und lieferte vor allem seinen beiden Vorbildern Tony Estanguet (Frankreich) und Michal Martikan (Slowakei) einen heißen Fight. Dabei sicherte sich am Ende Estanguet vor Tasiadis Olympiagold, Bronze ging an Martikan. Seinen Silber-Erfolg konnte der Jüngste im Feld der Finalisten zunächst gar nicht glauben: „Als ich es auf der Anzeigetafel sah, musste ich zweimal hinschauen, bis ich es fassen konnte, dann dachte ich einfach nur ’geil’“.

Schon im Semifinale am Mittag hatte der Augsburger mit einem starken Lauf die Top-Favoriten beeindruckt und sich Platz eins erkämpft. Von seinem Auftritt zeigte sich auch Chefbundestrainer Michael Trummer angetan: „Das hat er gut gemacht, ganz sauber ’runtergezogen, sicher und mittig in den Toren, vor allem die Aufwärtstore liefen perfekt.“

“Ich fahre meine Linie, alles andere wird sich zeigen”

Im Finale musste er demzufolge als letzter auf die Strecke, vor ihm mit Martikan, Estanguet und Savsek die Top-Favoriten. „Ich war am Start schon sehr nervös. Die anderen hatten ja vorgelegt, zum Glück habe ich deren Zeiten nicht mitbekommen. Ich habe mir gesagt, ich fahre meine Linie, gebe mein Bestes, alles andere wird sich zeigen. In den ersten beiden Toren war die Nervosität noch da, aber dann ist sie weggegangen“, sagte der strahlende Silbermedaillengewinner zu seinem Finallauf, mit dem er in den deutschen Reihen für Riesenfreude sorgte.

Nach diesem Coup des Augsburgers darf er sich nun auf die Einlösung einer ganz besonderen Wette freuen. Chefbundestrainer Michael Trummer hatte ihm versprochen, sich um einen Audi A8 zu kümmern – auf den er ein Auge geworfen hatte – wenn er in London eine Medaille gewinnt. Dieser selbst auferlegten Aufgabe kommt der Chefcoach nun gern nach.

» Offizielles Gesamtergebnis



NPD-Aufmarsch löst Gegenaktion aus

Zu einer Kundgebung “Für Toleranz – gegen Rechtsradikalismus” am heutigen Dienstag, 31. Juli um 10.30 Uhr am Kennedyplatz (Theatervorplatz) ruft das Bündnis für Menschenwürde Augsburg-Schwaben e.V. auf.



Auch die Stadt und die Grünen haben sich gestern dem Aufruf angeschlossen. Die Veranstaltung richtet sich gegen die am heutigen Dienstag von 11 bis 13 Uhr auf dem Prinzregentenplatz stattfindende Kundgebung der NPD zum Thema Euro-Krise. “Das ist für die Friedensstadt Augsburg eine Zumutung, der wir entgegentreten müssen”, heißt es in dem Aufruf, der sich an alle Augsburger richtet. Mit einem Programm mit Rede- und Kulturbeiträgen soll ein Zeichen “Für Toleranz – gegen Rechtsradikalismus” gesetzt werden.

Die NPD-Veranstaltung hätte ursprünglich auf dem Rathausplatz stattfinden sollen. Die Stadt hatte aber mit Verweis auf die Baustellensituation die Genehmigung für den Standort versagt. Das von der NPD angerufene Verwaltungsgericht gab der Stadt in diesem Punkt zwar Recht, allerdings musste die Stadt mit dem Prinzregentenplatz einen Ersatzplatz anbieten.



Nokia-Siemens-Standort Augsburg bleibt erhalten

Das Management von Nokia Siemens Networks (NSN) will den Standort Augsburg erhalten. Damit behalten rund 80 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.

Dies teilte die Stadt Augsburg gestern mit. Das Wirtschaftreferat kann damit nach langen Verhandlungen eine gute Nachricht für den Wirtschaftsstandort verkünden. Seit Anfang dieses Jahres hatte eine Schließung aller bayerischen NSN-Standorte mit Ausnahme von München im Raum gestanden. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: In der Region Süd werden 40 Arbeitsplätze wegfallen. NSN hat mit dem Angebot an die Mitarbeiter, für 18 Monate in eine Transfergesellschaft wechseln zu können, allerdings einen sozialen Puffer eingerichtet.

» Nokia Siemens Networks



Olympiade in London: Augsburger Kanuten wahren Medaillenchancen

Vor 9000 Zuschauern im englischen Lee Valley White Water Centre bewältigten am Sonntag die Augsburger Olympia-Hoffnungen Sideris Tasiadis im Einer-Canadier (C1) und Hannes Aigner im Einer-Kajak (K1) erfolgreich die Qualifikationsläufe, was ihnen nun alle Aussichten für die Semifinals am Dienstag bzw. Mittwoch sichert.

Bei der Verabschiedung der Augsburger Olympiateilnehmer am 12. Juli im Rathaus: Sideris Tasiadis (rechts) und Hannes Aigner (3. von rechts)

Sideris Tasiadis steigerte sich nach einem nicht ganz fehlerfreien ersten Lauf um 3,29 Sekunden und konnte sich mit dem zweiten Lauf von Rang sieben auf Platz vier verbessern. „Im ersten Lauf war mein Einstieg eigentlich sehr gut, doch dann habe ich ab Tor 12 etwas den Faden verloren. Im zweiten Lauf hatte ich aber ein gutes Gefühl, und ohne den einen Fehler wäre es sogar ein sehr guter Lauf geworden. Die Zeit war ok, ich denke, ich kann damit zufrieden sein“, so der 22-Jährige nach der erfolgreich bestandenen Qualifikation.

“Nah am Optimum”

Im Einer-Kajak der Herren erreichte Hannes Aigner mit zwei Strafsekunden im ersten Lauf Rang 11, legte dann aber einen fabelhaften zweiten Lauf hin und sicherte sich unangefochten die Spitzenposition. Der 23-jährige Sportsoldat verbesserte sich deutlich um 9,07 Sekunden. „Der erste Lauf war noch ziemlich eckig, aber ich wusste, dass da noch Luft ist. Dass es im zweiten Lauf dann so eine gute Zeit wird, hätte ich auch nicht gedacht. Letztlich spielt es aber keine Rolle. Ob man nun Erster oder Fünfzehnter ist, das ändert nicht viel an der Ausgangsposition. Am Mittwoch im Semifinale geht es neu los“, kommentierte das Augsburger Kajak-Ass sein Qualifikationsresultat.

Trainer Thomas Apel bewertete den zweiten Lauf seines Schützlings als „nah am Optimum“ und unterstrich: „Wenn man auf dieser Strecke einmal den richtigen Drive erwischt hat, dann ist man auch schnell. Macht man aber Fehler, dann ist es sehr schwer, die Linie wiederzufinden.“ Hannes Aigner hatte jedenfalls eine super Linie gefunden. „Ich fühle mich sehr wohl auf dem Kurs, es macht Spaß hier zu paddeln. Ich hoffe nun, dass mir auch die nächste Strecke am Mittwoch wieder liegt“, sagte er zu seinen Erwartungen für den entscheidenden Wettkampftag.

» Stadt verabschiedet Olympiateilnehmer nach London

Ergebnisse der Qualifikation:

C1 Herren:
1. Michal Martikan SVK 90.56 (0)
2. Benjamin Savsek SLO 90.83 (0)
3. Takuya Haneda JPN 92.72 (0)
4. Sideris Tasiadis GER 92.83 (2)
5. David Florence GBR 93.04 (0)
K1 Herren:
1. Hannes Aigner GER 83.49 (0)
2. Samuel Hernanz ESP 87.07 (0)
3. Vavrinec Hradilek CZE 87.44 (0)
4. Mathieu Doby BEL 87.92 (0)
5. Peter Kauzer SLO 88.10 (0)

Im Einer-Canadier sind 12, im Einer-Kajak sind 15 Teilnehmer für die Semifinals qualifiziert.



Nazi-Demos: Stadtrat verständigt sich auf einheitlichen Entscheidungsablauf

Von Siegfried Zagler

Am vergangenen Donnerstag stand im Augsburger Stadtrat eine Debatte um die NPD-Demo am 21. Juli auf der Agenda. Wie mehrfach berichtet, demonstrierten an diesem Tag in der Augsburger Fußgängerzone 27 Neonazis, ohne dass die Öffentlichkeit davon informiert wurde.

Die politischen Reaktionen waren von hoher Emotionalität und Angriffs-Eifer gezeichnet, weshalb bei der nachfolgenden Debatte im Stadtrat mit dem Schlimmsten zu rechnen war. Das Gegenteil trat ein: Es war eine sachliche und konstruktive Debatte, die zu einem konkreten Ergebnis führte. Den wichtigsten Aspekt klärte Ordnungsreferent Volker Ullrich vorab: „Aus der Veranstaltung ist keine allgemeine Handlungsweise der Stadt abzuleiten.” Bisher sei die Information auf „Zuruf“ (OB Gribl) zwischen Referat und den Bündnisorganisationen geflossen. Es gab keine städtische Regelung, wie man mit Aufmärschen rechtsradikaler Gruppierungen umzugehen habe. Das solle sich nun ändern. Der Ältestenrat soll nun in die Entscheidungsstruktur einbezogen werden, wie man gegen Demonstrationen rechtsradikaler Gruppierungen vorzugehen habe. Neben dem “Wie” wird es wohl auch stets darum gehen, wann (und ob) die Öffentlichkeit Ort und Zeitpunkt der Demonstrationen erfährt.

Nächste Nazi-Demo findet am kommenden Dienstag statt

Der Ältestenrat ist ein städtisches Gremium, in dem Mitglieder oder Vertrauensleute der Stadtfraktionen sitzen. Die CSU und die SPD haben zwei Sitze, die anderen Parteien jeweils einen (Grüne, NCSM, Pro Augsburg, Freie Wähler). Die Linke Stadtratsgruppierung soll dem Vernehmen nach nun im Ältestenrat auch einen Sitz bekommen, „um niemand bei der Frage, wie man mit Naziaufmärschen zu verfahren habe, auszugrenzen“, wie es hieß. Die Premiere eines vereinheitlichten städtischen Verfahrens in Sachen Nazi-Aufmärsche dürfte bereits am Montag über die Bühne gehen. Die NPD hat am Dienstag, 31. Juli eine Demonstration in Augsburg angemeldet. Die Stadt hat den Auftritt der NPD verboten und es ist davon auszugehen, dass dieses Verbot vom zuständigen Verwaltungsgericht aufgehoben wird.



Ehemalige Reese-Kaserne erhält erste Straßennamen

Bis zum Jahr 2022 sollen auf dem Areal der ehemaligen Reese-Kaserne rund 1.300 neue Wohnungen entstehen. Am Donnerstag hat der Stadtrat die ersten sieben geplanten Straßen im westlichen Bereich des Baugebiets benannt. Ein US-Gefreiter, drei Künstler und drei Frauen werden zu Namenspatronen.

Stadtplan-Ausschnitt: Sieben neue Straßennamen in der ehemaligen Reese-Kaserne (Karte: Geodatenamt der Stadt Augsburg)

Stadtplan-Ausschnitt: Sieben neue Straßennamen in der ehemaligen Reese-Kaserne (Karte: Geodatenamt der Stadt Augsburg)


Die Nord-Süd-Erschließung des Areals erinnert auf Vorschlag des Vereins „Amerika in Augsburg“ als „Reeseallee“ an James W. Reese (gestorben 1943). Der Gefreite der 1. US-Infanteriedivision war Namenspatron der von der US-Armee zusammengefassten deutschen Arras-, Panzerabwehr- und Sommekaserne. Drei Wohnstraßen erinnern an Künstler aus Kriegshaber und Oberhausen und werden „Sepp-Mastaller-Straße“, „Karl-Radinger-Weg“ und „Emil-Esche-Weg“ heißen. Josef „Sepp“ Mastaller (1915 bis 2004) aus Oberhausen wirkte als Bildhauer. Seine Werke findet man im gesamten Stadtgebiet, so die Skulptur „Mutter und Kind“ auf einer Verkehrsinsel der „Ulmer Straße“. Karl Radinger (1912 bis 1966) stammte aus Kriegshaber und wurde als Kunstmaler bekannt. Seine Werke sind nicht nur in Kriegshaber präsent, wie in der Kirche „Heiligste Dreifaltigkeit“ und am katholischen Friedhof. Emil Esche (1896 bis 1948) lebte im Stadtteil Kriegshaber und wirkte dort als Kunstmaler. Er war Kunstpreisträger der Stadt Augsburg und engagierte sich in der Augsburger Künstlervereinigung „Die Ecke“.

Frauen-Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts als Namensgeberinnen

Auf Vorschlag des Frauengeschichtskreises Augsburg erhalten drei weitere Wohnstraßen die Namen „Leni-Hirsch-Weg“, „Rose-Oehmichen-Weg“ und „Annegert-Fuchshuber-Weg“. Karolina „Leni“ Hirsch (1920 bis 1992) engagierte sich im VdK-Kreisverband für behinderte und alte Mitbürger. Deshalb wurde der Lechhauserin der Bundesverdienstorden verliehen. Rose Oehmichen (1901 bis 1985) gründete im Jahr 1948 mit ihrem Mann die Augsburger Puppenkiste, die zum großen Sympathieträger für die Stadt wurde. An ihren Mann erinnert seit dem Jahr 2002 der „Walter-Oehmichen-Weg“ nahe der Puppenkiste. Annegert Fuchshuber (1940 bis 1998) wirkte in Augsburg als Autorin und Illustratorin etlicher Kinderbücher. Ihre Werke mit einer Gesamtauflage von fast einer Million Exemplaren wurden in fünfzehn Sprachen übersetzt.

» Startschuss für den Reese Park



Aktion “Künstler helfen Obdachlosen” plant für 2013

Nach der Beendigung der 7. Benefizaktion “Künstler helfen Obdachlosen” vor wenigen Wochen laufen bereits die Planungen für “Künstler helfen Obdachlosen 2013”.



Zum 30-jährigen Jubiläum der Wärmestube im Jahr 2013 wollen der SKM Augsburg und seine beiden Mitveranstalter, die Moritzkirche und das Evangelische Forum Annahof, die Wanderausstellung “Kunst trotz(t) Armut” zeigen. Dieses Projekt der Evangelischen Obdachlosenhilfe e.V. und des Diakonischen Werkes der EKD e.V. macht im Dezember 2012 in der documenta-Halle in Kassel Station, bevor die Arbeiten – u.a. von namhaften Künstlern wie Joseph Beuys, Felix Droese und Sigmar Polke – vom 15. März bis 15. April 2013 in der Toskanischen Säulenhalle in Augsburg zu sehen sind.

Die am 30. Juni abgeschlossene Aktion 2012 brachte durch den Erlös verkaufter Kunstwerke und Spendeneinnahmen bei den Benefizauftritten, darunter einer Brechtlesung mit Augsburger Persönlichkeiten, 40.000 Euro Gesamterlös, der der Wärmestube und der Wohnungslosenhilfe des SKM zugute kommt.

Bild: Die Lichtinstallation des Düsseldorfer Künstlers Paul Schwer am Kö war ein Highlight der diesjährigen Ausstellung (Foto: Claus Uhlendorf).



Grüne sollen in Aufsichtsrat von Zoo und WBG

Die neue CSM-Fraktion legt sich für die Augsburger Grünen ins Zeug. Am Donnerstag stellte sie einen Antrag auf Nachbesetzung von Aufsichtsratsposten in städtischen Töchtern durch Mitglieder der politischen Konkurrenz.

Nach Vorstellung der nCSM sollen Mitglieder der sechsköpfigen Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zum nächstmöglichen Zeitpunkt jeweils einen Sitz im Aufsichtsrat der “Zoologische Garten Augsburg GmbH”, im Aufsichtsrat der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Augsburg (WBG) und in der Augsburger Gesellschaft für Stadtentwicklung und Immolilienbetreuung GmbH (AGS) erhalten.



Das Stadttheater-Ensemble zieht ins Grandhotel

Am Samstag eine „theatrale Installation“ im Rahmen des Friedensfestes

Von Frank Heindl

Schauspieler des Stadttheaters machen sich selbständig: Am kommenden Samstag präsentiert ein Großteil der Ensemblemitglieder im Rahmen des Friedensfestes ein „Stationentheater“ im „Grandhotel Cosmopolis“. Auf Initiative der Schauspielerin Judith Bohle haben sich auch Regieassistenten und Dramaturgen zu diesem „Theater außerhalb des Theaters“ zusammengefunden – aus Engagement für das Grandhotel und seine Bewohner, aber auch aus Interesse für die Stadt, in der sie leben.

Wer in diesen Tagen mit Judith Bohle spricht, den springt die Begeisterung förmlich an: Die 28-jährige Schauspielerin hat in den vergangenen Wochen noch härter als sonst gearbeitet – wie alle anderen am Projekt Beteiligten auch. Neben dem regulären Probenprogramm am Stadttheater haben sie ein Stück kreiert, das, so Dramaturg Tobias Vogt, „alles andere als perfekt sein soll.“ Das Ergebnis wird ein „Stationentheater“ sein, eine „theatrale Rauminstallation“, durch die am kommenden Samstagabend das Publikum „geschleust“ werden soll – und einen Teil dessen erleben und erfahren, was die Theaterleute sich in den vergangenen Wochen erarbeitet haben.

Vor der Inszenierung erst mal Putzdienst: Barbara Bily (links) und Judith Bohle in „ihrem“ Trakt des Grandhotels Cosmopolis. Sie fanden das Motiv ein wenig „klischeehaft“, weshalb darauf hingewiesen sei, dass ein paar Zimmer weiter auch ein Mann den Besen schwang …


Denn leicht haben sie sich ihr Engagement für die alternative Flüchtlings- und Künstlerunterkunft im Springergässchen nicht gemacht: Sie haben sich Vorträge angehört (zum Beispiel beim Flüchtlingsverein „Tür an Tür“), haben mit Bewohnern – Flüchtlingen und Künstlern – gesprochen, mit den Initiatoren des Grandhotels, die ihr Experiment im Herzen der Stadt als eine „soziale Skulptur“ sehen, aber auch mit ehemaligen Bewohnern des Altenheims der Diakonie. Von diesen Gesprächen und Recherchen wird im Stück vieles zu spüren sein – wenngleich Dramaturg Vogt den Abend auf keinen Fall als „Doku-Projekt“ verstanden sehen will. Dazu hätte zum Einen die Vorbereitungszeit nicht gereicht, zum Anderen gehe es darum, in den zehn bespielten Zimmern eben nicht ein Stück „aus einem Guss“ zu zeigen, sondern verschiedene Ansätze und persönliche Annäherungen an ein komplexes Thema zwischen Stadtkultur, globaler Politik und individuellen Schicksalen. Was genau dabei herauskomme, das vermochte Tobias Vogt noch am vergangenen Samstag nicht zu sagen: „Wir sind ja an vielen Stellen auch selbst noch gespannt.“ Eine „Versuchsanordnung“ nennt Judith Bohle das Projekt, in der es auch darum gehe, auf Missstände zu deuten, „aber nicht mit dem moralischen Finger.“

Viel Stress, viel Spaß und gar kein Frust (mehr …)