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Kulturausschuss: Ruiles Nachfolge löst Debatte aus

Von Siegfried Zagler

Hansi Ruile geht Ende des Jahres in Rente. Die Suche nach seinem Nachfolger war gestern im Kulturausschuss ein Thema, da nach Ansicht der Opposition vor der Stellenausschreibung geklärt werden müsste, wie es mit dem Kulturhaus Kresslesmühle weitergehen soll.

Geht in Rente: Hansi Ruile, Geschäftsführer der Kresslesmühle

Geht in Rente: Hansi Ruile, Geschäftsführer der Kresslesmühle


Das Kulturhaus heißt im Jargon der Szene „Muile“, womit zum Ausdruck gebracht wird, dass das 1977 gegründete Projekt untrennbar mit Hansi Ruile verbunden ist. Hans Ruile hat in seinem mehr als 35jährigen kulturpolitischen Schaffen in die Stadt tiefe Spuren geschliffen. Ruiles Plattform war und ist das Bürgerhaus Kresslesmühle, dessen konzeptionelle Ausrichtung sich im Lauf der Zeit mehrmals änderte, ohne dass das Kulturhaus jedem Trend hinterher stieg. Ruiles Credo und Lebenswerk: Kompetenztransfer, und zwar dorthin, wo Kompetenz es am schwersten hat, aber dafür am wirksamsten ist: in die Köpfe der Verwaltung und der Politik hinein.

Wie soll es mit der Kresslesmühle weitergehen?

Im Herbst geht Ruile in Rente, weshalb die Kresslesmühle GmbH, die von der Stadt jährlich mit zirka 200.000 Euro gefördert wird, seine Stelle ausschrieb. Unter 50 Bewerbern habe es ein Kandidat sehr weit gebracht und man könne möglicherweise in ein paar Tagen sagen, ob es zum Abschluss komme oder nicht, so Ursula Baier Pickartz, die gestern im Kulturausschuss auf Antrag der Grünen einen mündlichen Bericht abgab. Die Grünen monierten, dass man aus den Medien und der Homepage der Kresslesmühle von der Ausschreibung erfuhr. Es sei schließlich im Interesse der Öffentlichkeit, zu wissen, wie es mit der Mühle ohne Ruile weitergehen soll. Die Stadt Augsburg solle mit den Verantwortlichen klären, ob und wie die Fortführung der guten Zusammenarbeit mit der Kresslesmühle GmbH auf Basis des Vertrages von 2007 erfolgen kann. Wie nicht anders zu erwarten, fielen die Antworten lapidar aus. Kulturreferent Peter Grab: „Die Stadt kann einer GmbH nicht vorschreiben, ob sie ausschreibt oder nicht.“ Natürlich habe man sich vor der Ausschreibung Gedanken gemacht, wie es mit der Kresslesmühle weitergehen solle, so Baier Pickartz. Frieden und Interkultur würden weiterhin die Leitthemen sein. Welche Laufzeit der Vertrag von 2007 hat, wurde auf der gestrigen Ausschusssitzung nicht thematisiert.



Kulturausschuss: Anfragen mit Aussagen

Am Ende der gestrigen Kulturausschusssitzung sorgten zwei Anfragen für erstaunte Gesichter unter den Stadträten.

Zunächst wollte Stadtrat Benjamin Clamroth (Linke) wissen, ob es stimme, dass das diesjährige Brecht-Festival mit einem hohen fünfstelligen Betrag Unterdeckung erfahren habe. Er hätte dies aus informierten Kreisen erfahren. Kulturreferent Peter Grab beantwortete diese Anfrage mit Hinweis, dass die Abrechnung seitens der Verwaltung noch nicht fertiggestellt sei und er davon deshalb nichts wissen könne. Die DAZ erfuhr aus „informierten Kreisen“, dass es sich dabei um 55.000 Euro handeln solle. Ein Defizit, das die Stadtsparkasse Augsburg mit einer nachträglichen „Spontanspende“ in Höhe von 15.000 Euro nur partiell heilen konnte.

„Ist unsere Brechtbühne nur für das Theater da?“



Rainer Schönberg (FW) wollte wissen, ob die Nutzung der neuen Brechtbühne ausschließlich dem Stadttheater vorbehalten sei. Ein Kulturschaffender mit großer Reputation habe bei der Chefdisponentin angefragt, ob er die Brechtbühne nutzen könne. Weiter soll Kurt Idrizovic nicht gekommen sein. Respektlos und ohne lange Erklärungen und ohne Nachfragen, wann und wofür er „unsere neue Brechtbühne“ verwenden wolle, sei er von Pia Konstanze Beyer abgebürstet worden, wie Idrizovic dem Ausschuss vortrug. Peter Grab versprach, der Sache nachzugehen.



Kulturausschuss vertagt Bildung eines Kulturbeirats

Unter dem Eindruck der aktuellen Entwicklung, nämlich der Bildung eines Kulturrates (DAZ berichtete), der am vergangenen Donnerstag gegründet wurde, verständigte sich gestern der Kulturausschuss nach einer intensiven Debatte um die Tagesordnung – und nach einer Sitzungsunterbrechung – darauf, das Thema auf die nächste Sitzung am 23. Juli zu vertagen.



Kulturausschuss II: Goerlichs Nachfolge löst Debatte aus

Kulturausschuss beschließt Wiederbesetzung der Stelle des Popkulturbeauftragten

Augsburgs Popkulturbeauftragter Richard Goerlich hat mit seiner überraschenden Kündigung im Januar die Debatte über den Sinn und Unsinn dieser „Wahlkampfstelle“ neu entfacht. Gestern beschloss der Kulturausschuss gegen die Stimmen der Opposition und Rainer Schönberg (FW) mit 7:6 einen Goerlich-Nachfolger zu bestellen. Da „diese innovative, für Augsburg wichtige und überregional stark beachtete Stelle“ derzeit vakant ist, müsse die Wiederbesetzungssperre in diesem Fall aufgehoben werden, so die Augsburger CSU, die zusammen mit der NCSM Goerlichs Nachfolger gemäß der städtischen Stellenbeschreibung durchdrückte. Die SPD und die Grünen sahen darin keinen Fortschritt. Sie favorisierten eine Herausbildung der Stelle aus der Mitte der lokalen Szene, und zwar in etwa so, wie das der Geschäftsführer des Kulturparks West, Peter Bommas, kürzlich vorexerzierte.