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Kulturrat gegründet

Gestern Abend gründeten 46 Personen im Kulturpark West einen „Kulturrat“, der eine „unabhängige und demokratische Plattform für Kulturschaffende“ werden soll.

Gründungsversammlung des Augsburger Kulturrates im Kulturpark West

Was der Kulturrat leisten soll und kann, müsse nun von seinen Mitgliedern bis Oktober ausgearbeitet werden. Für die erste konstituierende Phase wurden fünf Sprecher gewählt: Georg Heber (Grandhotel), Fritz Effenberger (Piratenpartei), Peter Bommas (Geschäftsführer Kulturpark West), Juliane Stiegele (bildende Künstlerin) und Leonie Pichler (freischaffende Regisseurin).

Lobbyarbeit für die freie Szene

Konsens bestand bei allen Anwesenden darin, dass man sich außerhalb eines städtischen Kulturbeirates Gehör und Einfluss verschaffen möchte. Der von Kulturreferent Peter Grab anvisierte städtische Kulturbeirat, der am kommenden Montag mit Satzung und Mitgliederzusammensetzung im Kulturausschuss beschlussfähig vorgestellt werden soll, könne kaum „Lobbyarbeit für die freie Kunstszene leisten“. Und genau darum gehe es dem Kulturrat, der nach Auffassung von Peter Bommas eine starke politische Kraft in Augsburg werden könne, da die kritische Masse bereichts erreicht sei.



Bürger machen Kulturpolitik

Warum sich die Kulturszene gegen Peter Grab formiert

Kommentar von Siegfried Zagler

Der neu gegründete Augsburger Kulturrat ist ein heterogener Haufen ernstzunehmender Persönlichkeiten, die alle in irgendeiner Form der Szene der Augsburger Kulturschaffenden angehören. Es handelt sich dabei um engagierte Bürger der Stadtgesellschaft, die in ihrer weltanschaulichen Prägung und in ihrem politischen Denken unterschiedlicher nicht sein könnten – und die sich über den Tag hinaus auch nicht viel zu sagen hätten, würden sie nicht im innersten von der gemeinsamen Abneigung gegen Peter Grab zusammen gehalten.



Kulturrat soll Lobbyarbeit an Peter Grab vorbei leisten


Was diese kritische Masse über den Tag hinaus stabil macht, ist ihr Konsens darüber, dass das Vakuum und das Unbehagen, beides durch das Sorglose-vor-sich-Hinwursteln des Kulturreferenten Peter Grab in den zurückliegenden vier Jahren erzeugt, nicht mehr einfach nur hinzunehmen ist, wie die Schwerkraft oder das Wetter, das es auszuhalten gilt. Für die meisten der Gründungsmitglieder des Kulturrates stellt Peter Grab ein Reizbild dar, besser: ein Feindbild. „Man solle sich doch bitte nicht so sehr auf Peter Grab einschießen“, so Franz Fischer schnippisch in die knapp fünfzigköpfige Runde. Grab spiele in der Augsburger Kulturpolitik, die inzwischen ganz woanders gemacht werde, kaum noch eine Rolle. Der Kulturrat solle besser auf sich selber schauen und sich nicht mit Peter Grab aufhalten, sich entwickeln und politische Kulturarbeit an Peter Grab vorbei in den Stadtrat hinein leisten, so Fischer.

Kulturrat: Büro für wichtige Angelegenheiten

Was für ein Schlag, was für eine Attacke gegen den Augsburger Kulturreferenten. Allgemeines Nicken, dann ein anderer Wortbeitrag. Womit wir beim ersten Problem des Kulturrates sind: Kulturschaffende neigen nicht dazu, präzise Zielvorstellungen zu formulieren und raffinierte Umsetzungs-Strategien zu entwickeln, einfach gesagt: sie sind keine Politiker und nicht unbedingt in der Diskursführung und Konsensfindung geübt. Deshalb ist eher mit wohlklingenden Phrasen statt ausgereifter und nachhaltiger Lobbyarbeit zu rechnen. Zu wünschen ist den Akteuren dies jedenfalls nicht. Der Augsburger Kulturrat ist vorerst nicht mehr als ein Experiment der Bürgerbeteiligung; eines mit Potential. – Wer weiß, vielleicht entwickelt sich daraus noch ein einflussreiches wie offenes “Büro für wichtige Angelegenheiten”. Bürger machen Kulturpolitik. So definiert sich der Kulturrat: Bravo!



Aus Integration soll Teilhabe werden

Augsburger Grüne starten Mentoren-Projekt für MigrantInnen

Von Frank Heindl

„Es muss auch in der Politik eine interkulturelle Öffnung geben“, meint Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Grünen und Augsburger Bundestagsabgeordnete. Um diesem Plädoyer Nachdruck zu verleihen, hat der bayerische Landesverband der Grünen jetzt die Aktion „Mento-mi“ auf den Weg gebracht, die nun auch in Augsburg startete.

Auf dem Foto: Cem Özdemir, Theresa Schopper (Landesvorsitzende und MdL), Renate Ackermann (MdL Integrationspolitische Sprecherin der Fraktion), Ayfer Fuchs, Cemal Bozoglu (Sprecher und Sprecherin Landes Arbeitskreis Migration Flucht und Menschenrechte) und Mentees aus München, Nürnberg, Augsburg und Schweinfurt.

Mit dem sechsmonatigen „Lehrgang“ für Menschen mit Migrationshintergrund, die sich ein Engagement bei den Grünen vorstellen können, will die Partei das politischen Interesse von MigrantInnen wecken und deren Anteil in den Gremien der Partei erhöhen. „Migranten waren bei den Grünen immer wichtig“, sagt Camal Bozoglu, Sprecher des Landesarbeitskreises Migration und Menschenrechte und Koordinator der „Mento-mi“-Aktion. Doch der Partei geht es um mehr: Die gesellschaftliche Entwicklung, so sieht es Claudia Roth, hinke der Wirklichkeit Entwicklung „um Lichtjahre hinterher.“ (mehr …)



Grüne bemängeln fehlendes Popkultur-Konzept

Die Grüne Stadtratsfraktion wendet sich gegen die Wiederbesetzung der Stelle des Popkulturbeauftragten und kritisiert den Prozess, der zur jetzt in den Kulturausschuss eingebrachten Beschlussvorlage geführt hat.

“Noch immer konnte Kulturreferent Peter Grab kein überzeugendes Konzept vorlegen. Er hat es verpasst, mit allen Akteuren gemeinsam zu überlegen, wie die Förderung der Popkultur am Besten zu erreichen ist. Auf dieser Basis hätte ein Gesamtkonzept entwickelt werden können”, so die kulturpolitische Specherin Verena von Mutius gestern in einer Pressemitteilung. Nach Ansicht der Grünen Stadträte wäre es sinnvoller, die Gelder, die für die Stelle vorgesehen sind, direkt in die Kulturförderung zu investieren und nicht weiter das städtische Personal aufblähen.

Eine Anlaufstelle für die Kreativwirtschaft zu schaffen sei sinnvoll, so die Grünen weiter. Diese sollte aber im Wirtschaftsreferat angesiedelt sein. Förderung der Kreativwirtschaft sei Wirtschaftsförderung. “Das Wirtschaftsreferat ist in den letzten Jahren massiv ausgebaut worden und kann dieses Thema mitbetreuen”, so der Fraktionsvorsitzende Reiner Erben.

Die Wiederbesetzung der Stelle des Popkulturbeauftragten steht am kommenden Montag auf der Tagesordnung des Kulturausschusses.

» Stellenbeschreibung Popkulturbeauftragter (pdf, 39 kB, Auszug aus den Anlagen zur öffentlichen Sitzung des Kulturausschusses am 25.06.2012)