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Die menschenverachtende Politik gegen intersexuelle Menschen muss ein Ende haben

DIE LINKE in Augsburg begrüßt die Empfehlung des Ethikrates, das dritte Geschlecht anzuerkennen.

Aus Anlass der Stellungnahme des Ethikrates zur Anerkennung des dritten Geschlechts erklärt Frederik Hintermayr, stellvertretender Kreisvorsitzender der Augsburger LINKEN:

Der Deutsche Ethikrat empfiehlt, dass Intersexuelle sich künftig im Meldeamt nicht mehr als männlich oder weiblich einordnen müssen. Dazu soll die Geschlechts-Kategorie “anderes” eingeführt werden. Diese Forderung ist seit Jahren überfällig und endlich ein Schritt in die richtige Richtung.

Frederik Hintermayr

Frederik Hintermayr


Es ist ein Skandal, dass Ärzte auch heute noch bei Neugeborenen mit nicht klarer Geschlechtszuordnung – etwa wenn beide Geschlechtsorgane ausgebildet sind – per Operation eine willkürliche Entscheidung über das Geschlecht des Kindes treffen. DIE LINKE fordert schon seit Jahren eine einschneidende Reform, die diese menschenverachtende Praxis beendet. Geschlechtsangleichende Operationen im Kindesalter stellen eine unwiderrufliche Verstümmelung dar und sind deshalb ab sofort zu unterlassen. Außerdem nimmt die bisherige Praxis den intersexuellen Menschen das Recht, über Ihre Sexualität und ihre Geschlechtlichkeit selbst zu bestimmen.

Die Anerkennung eines dritten Geschlechts würde intersexuellen Menschen zu Achtung und Anerkennung verhelfen, wie es das Grundgesetz verlangt.



Vorerst bleibt’s beim „Container“

Werkausschuss kann sich nicht auf Namensvorschlag für die Interimsspielstätte einigen

Von Frank Heindl

Beschlossen hatte man noch vor ein paar Tagen etwas ganz anderes: Ein „Runder Tisch“ aus Vertretern der Fraktionen, des Theaters und der am Auswahlverfahren beteiligten Augsburger Allgemeinen hatte sich auf vier Namensvorschläge für die im Volksgebrauch „Container“ getaufte Interimsspielstätte geeinigt, der Werkausschuss sollte sich am gestrigen Montag auf zwei Vorschläge einigen, dem Theater sollte die letzte Entscheidung vorbehalten, der Stadtrat sollte außen vor bleiben.

Namenlos: künftige Interimsspielstätte mit symbolisiertem Bühnenvorhang

(Grafik: Ing.-Büro Bestler)


Doch Sitzungen des Werk-/ Kulturausschusses laufen nach eigenen Gesetzen ab – meistens, und so auch gestern, herrscht ein großes Tohuwabohu, in dem erkennbare Absichten und politische Strategien schnell und unwiederbringlich verloren gehen. Die vier Vorschläge wurden demzufolge nicht auf einen „eingedampft“, sondern auf ein paar mehr „aufgeblasen“ – und der Stadtrat wird sich nun doch mit dem zukünftigen Namen der (vorläufigen) zweiten Spielstätte des Stadttheaters beschäftigen müssen.

Jetzt ist der Stadtrat gefragt

b-box, Brecht-Box, Brecht, Cubus – das waren die vier Vorschläge des „Runden Tisches“. Hinzu kamen im Laufe der Sitzung noch ein völlig inhaltsloses „BB“ und ein vom Personalrat des Theaters ins Gespräch gebrachtes „Intermezzo“, daneben auch noch die von der Brecht-Tochter Barbara Brecht-Schall in einem Schreiben an den Kulturreferenten Peter Grab ins Spiel gebrachten Lösungen „Brecht-Theater“ und „Brecht-Bühne“. Dass es im Rahmen der Sitzung zu keiner Entscheidungsfindung mehr kommen würde, stand schon relativ früh fest: Andreas Jäckel bekundete am deutlichsten weiteren Beratungsbedarf für die CSU-Fraktion, und da gegen dieses Procedere außer von der sichtlich fassungslosen Grünen Stadträtin Verena von Mutius und von dem hörbar genervten NCSM-Mann Dimitrios Tsantilas kein nennenswerter Widerstand zu hören war, durfte man sich frühzeitig auf eine Neuauflage der Verhandlungen im Stadtratsplenum am kommenden Donnerstag freuen. Ein Zeichen, dass der Werkausschuss gewillt wäre, im Vorfeld wenigstens zwei Pflöcke als Vorschlag einzurammen, unterblieb auch von der SPD, stattdessen verhedderte man sich in Diskussionen, die längst ausgestanden schienen (siehe untenstehender Kommentar) und legte dem Stadtrat zur Entscheidungsfindung die Vorschläge “BB” und “Brechtbühne” vor.

Theaterintendantin Juliane Votteler sah sich plötzlich allein im Regen und schien einmal mehr die politischen Realitäten unterschätzt zu haben. „Kommen wir auch noch vor?“, fragte sie hilflos in die Runde und befürchtete nun eine Neuauflage aller Diskussionen analog zum jahrelangen Gezerre um Bau des Containers, der nun immer noch so heißt, und an deren Ende eine Entscheidung des Stadtrates „gegen das Theater oder über das Theater hinweg“ stehen könnte. Warum die SPD an dieser Stelle einmal mehr den Mut zu konsequenter Opposition nicht aufbrachte und Karl-Heinz Schneider stattdessen bräsig realpolitisch den Stadtrat als Souverän hochhielt anstelle des Werkausschusses als kompetenten Entscheider – das blieb den Beobachtern nicht nur auf der Pressebank weithin unverständlich.



Von der Satire zum Trauerspiel

Der Werkausschuss versagt bei der Namensfindung für den Theatercontainer

Kommentar von Frank Heindl

Über weite Strecken hätte man meinen können, der Werkausschuss agiere nach einem neuen Drehbuch für Sebastian Seidels im Rahmen des Brechtfestivals uraufgeführtes Stück „Plan B“. Seidel hatte alte Stadtratsakten aufgearbeitet, in denen es um den Umgang der Stadt mit „ihrem“ Dichter Bertolt Brecht ging, und darin Stoff für eine Satire gefunden. Doch was sich am Montag im kleinen Sitzungssaal des Rathauses abspielte, war allenfalls ein Trauerspiel.

Nicht nur, dass ein vorher im Konsens vereinbartes Verfahren zur Namensfindung für den neuen Theaterbau an der Kasernstraße ohne jeden vernünftigen Grund über den Haufen geworfen wurde, war nicht nachzuvollziehen. Noch schlimmer waren die Argumente, mit denen die Diskussion um die gesuchte Bezeichnung noch einmal aufgerollt wurde. Bei der „b-box“ störten sich einige CSU-Politiker am Anglizismus – und fanden dafür auch noch Verständnis bei der SPD. Theodor Gandenheimer (CSU) schlug die Schlachten von gestern, in dem er appellierte, mit der Bezeichnung „Container“ müsse es nun endlich ein Ende haben – in einer Diskussion, die doch gerade die Ablösung dieses Namens zum Ziel hatte. Noch schlimmer Erwin Gerblinger (CSU), der ganz im Vorgestern wandelte: Drei Brechtfestivals scheinen an dem Mann spurlos vorübergegangen zu sein – er behauptete Unsinniges über Brechts Stellungnahme zum DDR-Aufstand am 17. Juni 1953 und lehnte den Brecht im Namen zur Gänze ab. Auch Günter Göttling (CSU) hatte die Tatsache, dass die Meinungsbildung auf einen Brecht im Namen hinauszulaufen schien, schon vorher mit einem „Leider-Leider“ kommentiert.

Schon vor all diesen wegweisenden intellektuellen Hochleistungen hatte Andreas Jäckel als kulturpolitischer Sprecher der CSU darauf hingewiesen, dass er sein Statement nur abgeben könne „unter dem Vorbehalt, wie meine Fraktion morgen darüber denkt“ – so sieht eine gute Sitzungsvorbereitung aus. Und Karl-Heinz Schneider (SPD) gab zwar mutig zu erkennen, er traue sich ein Votum im Namen der Fraktion zu, bedauerte aber doch auch, dass es dort noch keine Abstimmung gegeben habe – wegen der Faschingspause.

Natürlich hatte Schneider recht, wenn er darauf verwies, dass ohnehin jedes Stadtratsmitglied eine Namensdiskussion im Stadtratsplenum fordern könne. Es dürfte allerdings weder ihm noch den anderen Mitgliedern entgangen sein, dass Fachausschüsse eigentlich dafür vorgesehen sind, Entscheidungen des Stadtrats vorzubereiten, und dass sie sich ihres Einflusses berauben, wenn sie sich ein eigenes Votum nicht zutrauen. Die Entrüstung der äußerst konsternierten Intendantin Juliane Votteler jedenfalls war nachzuvollziehen: Mit lässigem Schulterzucken hat ihr der Werkausschuss die zugesagte letzte Entscheidung wieder entzogen. Peter Grab schaffte es auf bemerkenswerte Weise, sich aus all dem Gezänk weitgehend herauszuhalten – dabei hätte eine stringente Diskussionsführung des Ausschuss-Chefs möglicherweise das Schlimmste verhindern können.

Augsburgs Kulturpolitik, das ist das Resümee dieser Sitzung, wird geleitet von einer Versammlung weithin inkompetenter alter Männer und Frauen, die sich am liebsten hinter Anträgen zur Geschäftsordnung verstecken. Keine Spur von Entscheidungsfreude, von Kreativität, von Mut, von Tatendrang, von einem beseelten Blick nach vorn. Man mag sich gar nicht vorstellen, auf welchem Niveau die Namens-Chose am Donnerstag im Stadtrat verhandelt werden wird. Wahrscheinlich wäre man besser beim „Container“ geblieben. Eine weitere Möglichkeit wäre, in der Interimsspielstätte zukünftig den Werk-/ Kulturausschuss tagen zu lassen. Man könnte sie dann „Kasperltheater“ taufen.



SPD: „Brecht-Festival sehr gelungen“

Die Augsburger SPD hat das zurückliegende Brecht-Festival unter der Ägide von Dr. Joachim A. Lang gestern als ein „sehr gelungenes Festival“ bewertet.

Von Siegfried Zagler



Die Festivalreihe sei ein richtiger Schritt gewesen, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Stefan Kiefer, da der Auftrag „von der Stadt, für die Stadt“ angemessen umgesetzt wurde. Bert Brecht sei durch die von Joachim Lang entwickelte Trilogie stärker im Bewusstsein der Stadt verankert worden und habe bei den Konservativen für eine gewisse „Entkrampfung“ gesorgt. Es sei zwar ein Unding, dass der wichtigste örtliche kulturschaffende Akteur, nämlich das Stadttheater, nicht eingebunden worden sei, was aber für viele andere nicht zutreffe. Die starke Einbindung der Augsburger Kulturszene, außerhalb des Theaters, sei ein großer Pluspunkt des 2012er Festivals gewesen, so Kiefer, der jedoch gewisse Defizite in der Außen- und Tiefenwirkung anmerkte: „Die Weiterentwicklung der Ausstrahlung sowie die Verankerung in der Tiefe und in der Breite lässt sich verstärken.“

„Die städtische Forschungsstelle muss stärker einbezogen werden“

Ähnlich bewertete der inoffizielle kulturpolitische Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion Karl-Heinz Schneider das am 12. Februar zu Ende gegangene Brecht-Festival. Schneider bedankte sich bei Joachim Lang und Eva-Maria Karl für das „insgesamt gute Festival“, zeigte sich von der künstlerischen Qualität überzeugt und evaluierte das Festival aufgrund seiner zahlreichen Besuche als „insgesamt ein gutes Festival“. Neben dem Theater müsse jedoch, so Schneider, die städtische Brecht-Forschungsstelle viel stärker in das Festival mit einbezogen werden. Dem wollte der kulturpolitische Sprecher der Augsburger SPD nicht viel hinzufügen. Die Veranstaltung hatte „hohe Festivalqualität“, so Dr. Frank Mardaus, der aber eine gewisse Diskrepanz zwischen Eigenwahrnehmung und der Presse konstatierte. „Wie kommt es dazu?“, so Mardaus augenzwinkernd. – Dieser Frage wird der Augsburger Presseclub am 14. März (19.30 Uhr) nachgehen.