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“Geschichtsrevisionismus offensiv entgegentreten”

Die Linksjugend Augsburg fordert alle Bürgerinnen und Bürger auf, sich aktiv an den Protesten gegen Neonazis am 25.02.2012 in Augsburg zu beteiligen.

Für die Nazis bleiben auch 2012 der Kampf um die Parlamente, die Köpfe und die Straße die drei elementarsten Säulen ihres nationalen Befreiungskampfes. Aber in den Parlamenten sieht es nicht mehr so gut aus. In Sachsen-Anhalt verpassten die Nazis den Einzug in den Landtag, in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern gelang dieser nur mit Verlusten! In den Köpfen finden sich zwar überall unter den Bürgerlichen rassistische und revisionistische Positionen, aber damit punktet meist eher die CSU. Und auf den Straßen müssen alte und neue Nazis immer wieder auf heftigen antifaschistischen Protest stoßen!

Der Verfassungsschutz hat im Bezug auf Rechtsterror zumindest vollständig versagt, wenn nicht sogar mitgemacht, was eine noch viel größere Katastrophe wäre.

Wir dürfen Antifaschismus nicht dem Staat überlassen, sondern müssen uns selbst um demokratische und emanzipatorische Verhältnisse kümmern.

Deshalb rufen wir alle Bürgerinnen und Bürger auf, die Nazis auch 2012 aktiv zu blockieren!



Brecht-Festival: 9.000 Besucher und erste Statements

Das Brecht-Festival 2012 mit dem thematischen Überbau „Brecht und Politik“ fand am Sonntag  sein Ende. Es hatte zirka 9.000 Besucher. Dieser Zuschauerzuspruch entspricht laut Presseagentur des Festivals einer Kapazitätsauslastung von 90 Prozent.



Mit dieser Publikumsresonanz seien die Erwartungen der Festivalleitung übertroffen worden. – „Besonders freue ich mich, dass die schwierige Frage ‚Wie halten Sie’s mit der Politik?’ so gut vom Augsburger Publikum aufgenommen wurde“, so Festivalleiter Dr. Joachim A. Lang, der in seiner ersten Stellungnahme die Auffassung vertritt, dass das zurückliegende Festival bewiesen habe, dass Brechts Heimatstadt reif für eine ernste Auseinandersetzung mit ihrem großen Sohn sei.

„Sehr große positive und überregionale Resonanz“

„Wir haben mit der Trilogie die Grundlagen für noch weiterreichende Möglichkeiten geschaffen. Die sehr große und positive überregionale Resonanz mit Beiträgen zum Beispiel in der Tagesschau, dem Nachtmagazin der ARD, der Nachtlinie des BR aber auch in den Printmedien wie Welt und Süddeutsche Zeitung zeigt, wie stark das Festival gerade auch außerhalb der Stadt wahrgenommen wird“, so Joachim Lang.

Grab: „Diesen Weg wollen wir fortsetzen“

Auch Kulturreferent Peter Grab gab eine Erklärung ab: „Es war eine richtige Entscheidung, Dr. Lang nach Augsburg zu holen und mit ihm breitere Schichten als bisher anzusprechen. Schließlich hat Bertolt Brecht allen Generationen nach wie vor viel zu sagen.“ Das Experiment, das Rathaus während des Festivals zu öffnen, sei aufgegangen, da das Rathaus teilweise fest in Jugendhand gewesen sei. „Einen wesentlichen Reiz der drei Festivals unter Dr. Lang machte die Mischung zwischen internationalen Stars und heimischen Kulturschaffenden aus. Diesen Weg wollen wir fortsetzen.“



Durchgeknallte Möchtegern-Helden

Schillers „Räuber“ am Stadttheater

Von Frank Heindl

„Ein Blödsinn sondergleichen“: Das Programmheft zu Fabian Alders Inszenierung zu Friedrich Schillers „Die Räuber“ beginnt mit einem pointierten Aufsatz von Marcel-Reich-Ranicki, der in wenigen Sätzen all die gewichtigen Mängel des Dramas auflistet. Dieser Mängel scheint sich Fabian Alder anzunehmen, indem er das 1782 uraufgeführten streckenweise ins Absurd-Groteske weiterdreht – leider aber hält er dieses Prinzip nicht durch.

Blutüberströmter Punk, der gleichermaßen von Aggression und Angst erzählt: Matthias Zera (links) und Jakob Walser als Räuber.

Blutüberströmter Punk, der gleichermaßen von Aggression und Angst erzählt: Matthias Zera (links) und Jakob Walser als Räuber.


Susanne Hiller hat für das Geschehen eine Drehbühne bauen lassen, auf der die Gegensätze in Bildern von großer Wucht Platz finden: Zunächst sehen wir ein Schloss, in dem Franz Moor (Tjark Bernau) gegen den beneideten Bruder Karl (Ulrich Rechenbach) beim Vater intrigiert. Anfangs zeigt die Drehung der Bühne den Verstoßenen noch in ebenfalls großbürgerlichem Ambiente. Wenig später und eine Drehung weiter haust er mit seinen Kumpanen schon als Outlaw in den Wäldern. Und je weiter sich die Bühne dreht, desto blutiger wird das Geschehen zwischen rankendem Efeu im deutschen Wald: Die Räuber räubern nicht nur, sondern morden mit Genuss. Hauptmann Karl hat sich zwar den guten Taten an Witwen und Waisen verschrieben, doch was seine Spießgesellen sonst noch treiben, hat er nicht im Griff, und um einen von ihnen zu befreien, scheut auch er selbst nicht vor Brandschatzung und Massenmord zurück.

Während auf der Seite der Räuber das Pendel ins Brutale, ins Groteske ausschlägt, während die Mörder einen blutüberströmten Punk (Musik: Oliver Roth) zum Besten geben, der von Aggression und Angst gleichermaßen erzählt, während die Räuber also zu einer entfesselten Terroristenbande degenerieren und sogar einen von ganz oben herabgesandten, wischnewskihaften Vermittler blindwütig über den Haufen schießen – wendet sich das Geschehen auch auf der anderen Seite zur Groteske hin.

Shakespearesche Dimensionen in Schillers Text

Der intrigante Bruder, weniger schlau-verschlagen als vielmehr plump-brachial, bringt den Vater (Eberhard Peiker) in den Sarg, bis dieser noch einmal aufsteht und wie eine Karikatur von Hamlets Vatergeist im Turm verwahrt wird; verbiegt das Personal, bis es mit Hitlergruß dem neuen Herren dient; vergewaltigt nur beinah, ertränkt nur beinah Karls Verlobte, wird nur beinah zum Tyrannen, weil er nicht mal zum Gewaltherrscher taugt.

Groteske Übertreibung also auf beiden Seiten der Familie – und eine nachvollziehbare Regiereaktion auf Schillers Stück, das auf für heutiges Verständnis mitunter geradezu alberne Weise logische Schwächen und gehäufte Unglaubwürdigkeit mit Pathos zu kaschieren versucht. Fabian Alder hat stark gekürzt, aber ein paar Sätze stehen lassen, die Shakespearesche Dimensionen im Schillertext aufkommen lassen: Er wolle, verkündet Franz, „alles um mich her ausrotten, was mich einschränkt, dass ich nicht Herr bin“, frisst ein Ohr des toten Vaters, ist aber doch nur ein Möchtegern-Richard-III., bleibt lächerlich fast bis zum Schluss, dann schafft er es wenigstens, sich selbst zu ermorden.

Mörder oder edler Räuber?

Graf von Moor (Eberhard Peiker) mit seinen Söhnen Karl (Ulrich Rechenbach) und Franz (Tjark Bernau). Franz ist jetzt schon tot, die beiden anderen kommen gleich nach. (Fotos: A.T. Schaefer)

Graf von Moor (Eberhard Peiker) mit seinen Söhnen Karl (Ulrich Rechenbach) und Franz (Tjark Bernau). Franz ist jetzt schon tot, die beiden anderen kommen gleich nach. (Fotos: A.T. Schaefer)


Es dauert lang, bis Schillers Plot im Stadttheater einen Sog entfaltet – erst nach der Pause, als der ganze mörderische Reigen offensichtlich wird, packt die Inszenierung den Zuschauer richtig. Die lange Entwicklung zu diesem Punkt hin hätte sich gerechtfertigt, wenn Alder sie nun konsequent weiterführen würde. Es wäre ein Leichtes gewesen für die Regie, den durchgeknallten Haufen von Möchtegern-Helden nun vollends der Lächerlichkeit preiszugeben. Doch diesen Schritt wollte Alder nicht tun. Zu viel Ernsthaftigkeit belässt er dem jungen Helden Karl, zu sehr erlaubt er ihm, seinen Ausflug ins Mörderhandwerk mit enttäuschter Vaterliebe und aus dem Ruder gelaufenen edlem Räuberwesen zur rechtfertigen; erlaubt ihm auch, neben dem dämlich-herrschsüchtigen Bruder immer noch das Bild des edlen, in seiner Ehre verletzten Ritters hochzuhalten.

Dass Alder zwischen den Positionen schwankt und sich für keine ganz entscheiden mag, zeigt sich auch in der Person der Amalia. Karls Verlobte (Lucy Wirth) bleibt rätselhaft bis zu ihrem bitteren Ende. Aufsässig gegen Franz, nimmt sie diesen kaum einen Moment lang ernst, spielt mit ihm, lacht über ihn. Ist sie dumm, naiv, oder ist sie hellsichtig? Als ihr geliebter Karl wieder auftaucht, kann sie ihn als Räuber nicht mehr akzeptieren, bittet ihn lächelnd darum, getötet zu werden, so, als habe sie schon lange geahnt, was kommen würde. Dass Karl diesem Wunsch ohne lange zu grübeln nachkommt, könnte der Groteske die Krone aufsetzen, doch Alder bleibt nun ganz bei Schiller, nimmt Karl noch einmal Ernst, anstatt ihm noch einmal die Maske vom Gesicht zu reißen, kurz: sucht Sinn in einer Geschichte, zu deren Dekonstruktion er über lange Strecken beigetragen hat.



Brecht zu Markte tragen

Brechtfestival: Michael Friedrichs Sieger-Text beim Philosophy Slam

Dr. Michael Friedrichs, Redakteur des im Wißner Verlag erscheinenden Dreigroschenheftes, war beim Brechtfestival vielfach aktiv. Am vergangenen Mittwoch stand er im Rahmen des „Philosphy Slam“ auf der Bühne. Sieben Slammer trugen von Brecht inspirierte philosophische Gedanken vor – und Friedrichs gewann den Publikumspreis als bester Slam-Philosoph des Abends. Der Autor hat der DAZ seinen Text „Brecht zu Markte tragen“ zur Verfügung gestellt, den wir als originellen Beitrag zur Debatte über das Brechtfestival veröffentlichen.



Denke ich an Philosophie, egal ob tagsüber oder in der Nacht, fällt mir immer ein Satz aus meinem Lateinbuch vor 50 Jahren ein: Philosophia docet neminem ante mortem beatum habere – die Philosophie lehrt, dass niemand vor seinem Tode als glücklich gelten kann. Ich habe das kürzlich überprüft, in jenem tagesaktuellen Nachschlagewerk, das jeder kennt – und wurde enttäuscht: Es ist gar kein klassisches Zitat. Es ist vielmehr ein Schulbuchsatz. Ich jedenfalls bin bereit zu schwören, dass der so in meinem Lateinbuch (Bornemann, muss in den 50ern erschienen sein) zu lesen war. Schulweisheit also. Bei Hamlet ist das Nötige dazu gesagt.

Immerhin ein Teil davon ist offenbar ein historischer Satz, „nemo ante mortem beatus“, keiner ist vor seinem Tode glücklich, der weise Solon habe dies zu dem eingebildeten Krösus gesagt, laut Herodot. Nun gut. Glücklich vor dem Tod, oder glücklich im Nachhinein, eine schwierige Diskussion aus meiner Sicht. Ist Brecht glücklich zu preisen? Wie hätte er selbst das gesehen? „Wenn mein Glück aussetzt, bin ich verloren“ – Sein Satz aus dem Gedicht „An die Nachgeborenen“ ist bekannt. „Glück“ ist hier aber in der Bedeutung „Glück haben“ gebraucht, nicht als „glücklich sein“. Glück zu haben, das gelang Brecht vielfach, wobei er sich nicht zu bescheiden geben sollte, er war äußerst geschickt in der Anwendung von Listen. Und das seit frühester Jugend. Er studierte das Funktionieren von Systemen. Etwa die Anekdote vom Eislauf: Er leiht sich von Freunden eine Jahreskarte aus, zeigt sie dem Platzwart und verwickelt diesen in ein Gespräch, woher der denn jeweils wisse, wer eine Karte habe, denn ihm war aufgefallen, dass die meist gar nicht vorgezeigt wurde. Der Platzwart rühmt sich seines guten Personengedächtnisses, und künftig kann Brecht ohne Jahreskarte zum Eislaufen.

Markenbildung in München und Berlin

Oder der berühmte Weg zur unberechtigt besseren Note in der Klassenarbeit – nicht Fehler ausradieren, das würde der Lehrer sofort erkennen, sondern richtige Stellen rot anstreichen und fragen, was denn da bitte falsch sein soll – nun muss der Lehrer die Note nach oben korrigieren. Brecht studiert das Denken der andern und findet Schwachstellen. Diese kritische Methode hat er ein Leben lang beibehalten. Das half ihm auch bei dem, was man heute Markenbildung nennt. Er verstand es, die Münchner und später die Berliner Presse mit Sprüchen und Anekdoten zu versorgen, die deren Interesse wecken mussten, weil er verstanden hatte, wie dieses System funktionierte. So rasch wie er wurde kaum einer berühmt.

Also können wir einiges lernen von ihm. Er zog es stets vor, selber zu denken, und ermutigte auch seine Leser und Zuhörer dazu. Er berechnete stets sehr genau seine Chancen und zog immer das Über-leben dem Heroismus vor, sowohl persönlich wie auch in seinen Figuren. Dass ein solches Gewächs in unserer biederen Stadt Augsburg entstehen konnte, kann wohl nur auf eine Genmutation zurückgeführt werden.

Luther, Mozart, Brecht – und Roy Black

Die Zurückhaltung der Augsburger, wenn ihnen ein Genie über den Weg läuft, hat große Tradition. Luther – „was will der hergelaufene Mönch“. Mozart – „soll doch nach Mannheim gehen“. Brecht – „hat hier nix verloren“. Löbliche Ausnahme allein Roy Black – „der hätt ruhig bleiben können“. Und wenn nun Leute von auswärts kommen, aus Stuttgart oder München oder Berlin, und sagen, „der XY, der hier geboren ist, das war doch ein ganz großes Genie!“ – dann sagen die Augsburger: Wir haben ihn gekannt, da war er noch ein kleiner Hosenschisser, uns kann er nichts vormachen. Fertig.

Gäbe es dennoch eventuell Gründe, Genies wie Brecht in ihrer Geburtsstadt zu ehren? Wofür soll das gut sein? Erst recht wenn sie tot sind? Das macht sie ja auch nicht wieder lebendig. Und dann muss man sagen: Sobald Brecht flügge war, hat er seiner Vaterstadt den Rücken gekehrt. Ist nach München gegangen zum Studieren – statt z.B. zu warten, bis Augsburg eine Uni bekommt. Hat seine Stücke dem Münchner Theater angeboten, Augsburg war ihm nicht gut genug. Ist dann nach Berlin. Hat es `33 vorgezogen, das Land zu verlassen, statt heroisch in einem Folterkeller oder KZ zu verrecken. Das hat die Augsburger nicht gekümmert. Die hatten genug mit sich selber zu tun. Waren ja wichtig für den Krieg. Ohne Munition, Motoren, Flugzeuge aus Augsburg hätte der Hitler den Krieg gar nicht anfangen brauchen. Und dann hätte der Brecht seine Mutter Courage nie schreiben können. Warum soll man ihm dann hier dankbar sein? Er soll uns dankbar sein!

Das Geburtshaus wurde zum Politikum

So ungefähr sinnierte man in Augsburg, vermute ich, bis etwa 1963. Dann wurden, neben denen, die unverdrossen weiterhin so dachten und quatschten, allmählich auch andere Stimmen hörbar. Jüngere lasen den einen oder anderen Text von Brecht, und er hatte ihnen was zu sagen. Diese Texte waren einfach enorm hilfreich für das Verständnis der jüngeren deutschen Geschichte. Und wie dieser Fremdkörper in diesem Augsburg entstanden sein konnte, das begann einige zu faszinieren. Zeitzeugen wurden befragt oder schrieben selber. Drei Jahre wurde diskutiert, schon wurde eine kleine Straße nach ihm benannt. Dann wurde das Geburtshaus zum Politikum – sollte man dieses schwarze Schaf, oder besser: diesen roten Hund Brecht, wenn man ihn schon nicht totschweigen konnte, ehren? Also gut, seufz, aus einem Teil des Geburtshauses wurde ein kleines Museum. Und nun begann ein anscheinend unendliches Wechselspiel zwischen den verschiedenen Mitspielern – Vereine, Stadtverwaltung, Theater: Müssen wir was machen? Macht ihr doch was! Was sollen wir denn noch alles machen?

Das Spielchen hält bis heute an. Spätestens alle drei Jahre eine Grundsatzdiskussion: Ist Brecht für Augsburg wichtig? Also … wirklich wichtig? Und wenn ja, so wichtig, dass man das jedes Jahr zeigen muss? Reicht es nicht vielleicht doch alle zwei Jahre? Hätte Brecht am Schalttag Geburtstag, dann könnte sich keiner beklagen, wenn er nur alle vier Jahre begangen würde. Aber den Gefallen hat er uns nicht getan.

Totgesagte leben länger

Auch andere Gefallen hat er uns vorenthalten. Wäre er in eine wohlhabende Familie hineingeboren, dann würde sein Geburtshaus etwas hermachen, wie z.B. das Goethehaus in Frankfurt. Das kann man herzeigen, das wollen Touristen sehen. Aber doch nicht diese popeligen Mietswohnungen! In denen Vater Brecht immer noch logierte, als er längst zu Wohlstand gekommen war. Und von deren Einrichtung schon bald so gut wie nichts übrig war zum Herzeigen. Also: Brecht macht es Augsburg wirklich nicht leicht, ihn zu Markte zu tragen. Selber hat er solch deprimierende Erfahrungen in Hollywood gemacht: als er das Gefühl hatte, sich als Künstler prostituieren zu müssen, um seinen Lebensunterhalt finanzieren zu können. Darüber seufzt er in den Hollywoodelegien: „Bach hat ein Strichquartett im Täschchen. Dante schwenkt den dürren Hintern“.

Müssen wir Brecht anbieten wie das berüchtigte sauer Bier? Definitiv nicht. Er hat vielfach bewiesen, dass Totgesagte länger leben. Die Theater spielen ihn, Punkt. Nicht weil sie müssen, und sicherlich auch nicht, weil er teilweise Schulstoff ist, sondern weil Theaterleute und Publikum das Zeug nach wie vor interessant finden, um nicht zu sagen faszinierend. Brecht braucht also nicht dafür ein Festival in Augsburg, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Aber Augsburg sollte sich mit Brecht befassen, um sich selbst besser zu verstehen, denn keine Stadt hat den Brecht so stark geprägt, so paradox das klingt, wie seine Geburtsstadt. Vielleicht ist dieser Satz eines Tages auch andersherum interpretierbar: Keine Stadt hat der Brecht so stark geprägt wie seine Geburtsstadt. Schöne Utopie.

Regelmäßigkeit könnte sich lohnen

Wenn es um Markenbildung geht – da war Brecht ein früher Spezialist. Wie machen es übrigens andere? Bayreuth: Die Festspiele begannen 1876. Salzburger Festspiele gibt es seit 1920. Seit 1952 macht Stratford/Ontario, das mit dem Geburtsort von Shakespeare nur den Namen gemeinsam hat, ein großes Theaterfestival. Dessau feiert inzwischen Kurt Weill mit einem jährlichen Festival seit dem Jahr 2000. Selbst die Biberacher Filmfestspiele finden bereits zum 33. Mal statt. Wenn man ein Festival etablieren will, hilft es vielleicht, es regelmäßig zu veranstalten und auch nicht alle drei Jahre den Namen zu ändern.

Kommen wir zurück zu unserer Eingangsüberlegung, ob der Satz stimmt, niemand sei vor seinem Tod glücklich. Augsburg ist in der glücklichen Lage, dass der tote Brecht zu seinem Glück beitragen kann. Philosophia docet Augusta post mortem Brechti beatam habere.



Umweltausschuss bekennt sich zur Windkraft

Einstimmig beschloss der Umweltausschuss des Augsburger Stadtrats am gestrigen Montag, die Entwicklung von Windenergieanlagen in den Wäldern der Stadt Augsburg weiter zu verfolgen.

Zuvor war die Formulierung des Beschlusses entschärft worden. Die Textpassage, dass seitens der Verwaltung “Planung, Errichtung und Betrieb von Windenergieanlagen” verfolgt werden sollten, schien sowohl Stefan Quarg (SPD) als auch Reiner Erben (Grüne) missverständlich im Sinn eines Freibriefs für den Bau von Windkraftwerken ohne Bürgerbeteiligung. Sie wurde durch “Entwicklung von Windenergieanlagen” ersetzt. Aufgrund der Erfahrung mit dem Kraftwerk am Hochablass solle man keinen Grundsatzbeschluss fassen, den die Bürger als endgültigen Projektbeschluss verstehen könnten, so die beiden Stadträte.

Der Beschluss bezieht sich nicht nur auf das Augsburger Stadtgebiet, sondern auch auf Wälder in Umlandgemeinden wie Jettingen, Odelzhausen, Fuchsmühl, Friedberg und Unterbaar, die im städtischen Besitz sind. Die Stadt Augsburg ist die größte kommunale Waldbesitzerin Bayerns.