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Absurd, überdreht und sehr vergnüglich

Hoffmann-Keller: Premiere für drei Mütter, drei Au-Pairs, drei Kinder

Von Frank Heindl

Das Programmheft stellt ein paar lustige Statistiken vor und Zusammenhänge her – über die modernen Eheverhältnisse und über das Großziehen von Kindern in gewissen Berlin Milieus. Aber allzu hoch sollte man das nicht hängen: Felicia Zellers „Gespräche mit Astronauten“ sind, zumindest in Sylvia Sobottkas Inszenierung, vor allem ein verspielt-vergnügliches Spiel mit Sprache und Klischees. Am Donnerstag war Premiere im Hoffmann-Keller.

Zwei Mütter, ein Au-Pair-Gör: Olga Nasfeter, Judith Bohle, Sarah Bonitz.

Zwei Mütter, ein Au-Pair-Gör: Olga Nasfeter, Judith Bohle, Sarah Bonitz.


Die moderne Frau hat keinen Mann – das ist eine der unausgesprochenen Grundthesen von Zellers Stück. Frauen sind heutzutage beruflich emanzipiert – aber ihre Männer entziehen sich den Folgen dieser Veränderung durch Abwesenheit. Astronauten sind sie, weit oben in einer fernen Umlaufbahn, kaum je zuhause. Den Abwasch machen sie noch seltener als früher, für ihre Kinder sind sie Außerirdische: „Mein Papa ist ein Alien“, sagt eines.

Konsequenz für die Frauen: Sie schaffen’s nicht. Karriere, Haushalt, Kinder – das geht nicht so einfach zusammen. Zweierlei braucht frau, um trotzdem irgendwie zurechtzukommen: finanzielle Unabhängigkeit und eine Hausangestellte. Ergebnis: Statt der Ehefrau steht heute ein anderes weibliches Wesen am untersten Ende der Ausbeutungskette: das Au-Pair-Mädchen. Es kommt in der Regel (und vor allem im vorliegenden Stück) aus dem Osten, wird schlecht bezahlt, für allerlei Arbeiten missbraucht, die so nicht im Vertrag standen – bringt aber seine eigene soziale Herkunft, seinen eigenen Kopf und seine eigenen Ziele mit.

Überquellender Sprach- und Wortwitz

Und Männer gibt’s nur auf dem Mond. Nochmals Bonitz, Bohle, Nasfeter. (Fotos: Nik Schölzel)

Fröhliches Quengelkind und genervte Betreuerin: Sarah Bonitz und Olga Nasfeter.


Dass diese in vielerlei Hinsicht tatsächlich bedrückende Problematik im Hoffmann-Keller präsent war und trotzdem eher in den Hintergrund trat, hat drei Ursachen: Zum ersten Felicia Zellers Stück, das von Sprach- und Wortwitz und von skurrilen Ideen geradezu überquillt. Zum zweiten Sobottkas Inszenierung, die den Text in ebenso skurril-absurde Bilder umsetzt. Und zum dritten die Spiellust und Präsenz der Schauspielerinnen: Judith Bohle, Olga Nasfeter und Sarah Bonitz gehen derartig auf in ihren ständig wechselnden Rollen, dass man ihnen alles auf Anhieb abnimmt: quengelnde Kinder, gestresste Ehefrauen, genervte Au-Pairs.

Als Ehefrauen treten die drei in roten Perücken auf, sagen mal im Chor und mal einzeln ihre Rollen auf, sind mal den Tränen nah, mal sarkastisch, mal affektiert, immer hinreißend gut getroffen, immer ganz nah, nur ganz selten ein wenig zu nah am Klischee der selbstbewussten Karrierefrau, die sich als Managerin des eigenen Lebens begreift. Die dienstbereiten Ausländerinnen werden adäquat behandelt: Freundlich, wenn’s sein muss; distanziert, wenn die Zeit knapp ist; gemein, wenn etwas schiefgeht; herablassend, wenn’s um die Herkunft geht: Im Stil der 70er-Jahre-Comics von Gerhard Seyfried kommen die Bediensteten aus Ländern wie „Rostland“, der „Schlamperei“ oder der „Mogelei“; und wenn eine sich einen Freund namens Ügür anlacht, dann steht zu befürchten, der sei wohl ein „Würge“. Wichtig ist der Herrschaft (der abwesende Vater wird auch mal „Baron“ genannt), dass biologisch geputzt wird, dass man sich vernünftig ernährt, nicht zu spät nach Hause kommt und eifrig die Sprache lernt: transitiv oder intransitiv – „das frage ich mich, bevor ich mich einschlafe.“

Aus der Schlamperei nach Knautschland

Das Land, in dem diese Mädchen namens Irina, Olanka oder Mascha angekommen sind und in dem sie von Anfang an die Tage bis zur Heimreise rückwärts zählen, nennt sich übrigens „Knautschland“ – dicke Kinder sind hier schwer wie eine „knautsche Eiche“. Die Mädels – wie ihre Arbeitgeberinnen stets schick ausstaffiert und immer hochhackig unterwegs – vergnügen sich in der Disco oder im Burger-Restaurant und sind auf der Suche nach Vergnügungen, die die Mütter selber auch gerne hätten, nur eben nach ihren gehobenen Maßstäben: Männer, Essen, Mode. Aber halt: das sind doch gar nicht ihre Mütter – im Gegenteil rutschen die 19jährigen Mädchen selbst in die Mutterrolle – schneller als ihnen lieb ist. Denn ihr Verhältnis zur Arbeitgeberin, die sich lieber als Gastgeberin und Ersatzmutter fühlen möchte, ist zwiespältig: „die blöde Hexe und ihr Hexenkind.“ Denn da sind ja auch noch die verwöhnten Kinder, rund um die Uhr von den Au-Pairs betreut, wenn Mama „Qualitätszeit“ hat auch mal von der eigenen Mutter, ganz selten kommt mal der Astronautenpapa herunter auf die Erde – dann gibt’s allerdings gleich Streit.

Immer am Ende der Ausbeutungskette

Fröhliches Quengelkind und genervte Betreuerin: Sarah Bonitz und Olga Nasfeter.

Und Männer gibt’s nur auf dem Mond. Nochmals Bonitz, Bohle, Nasfeter. (Fotos: Nik Schölzel)


In Windeseile geht das hin und her, ballert, beispielsweise, Sarah Bonitz mal als quengelndes Gör mit dem Putzwedel aus dem Kamin auf ihre „Inina“, absolviert sie wenig später völlig überdreht und hinreißende alle Arten von spätpubertärer Girlie-Freude, schlüpft sie gleich darauf wieder in die Mutterrolle und zeigt so: Alle sind sie gleichermaßen zu bemitleiden wie unerträglich, alle sind sie in einem üblen Kreislauf gefangen: Opfer ihrer Rollen wie ihrer eigenen Erwartungen und Einstellungen. Nur eine ist zu gutmütig, bleibt zehn Jahre und bekommt zur Belohnung einen Heiratsantrag. Das war so nicht geplant, damit hatte sie so nicht gerechnet: Dass sie am Ende der Ausbeutungskette bleiben würde, um am Ende von der Chefin geheiratet zu werden. Das kannten wir doch schon von früher. Da scheint sich ja nicht viel verändert zu haben.

Applaus für die Regie und ein glänzend aufgelegtes Schauspielerteam, dem man Arbeit und Konzentration des 90-Minunten-Spurts kein bisschen anmerkte.



Vorarbeiten für Kö-Umbau laufen auf Hochtouren

Der Umbau des Haltestellendreiecks am Königsplatz und die dadurch notwendige Schließung für den Nahverkehr werfen ihre Schatten voraus.

Das provisorisches Kundencenter am Moritzplatz geht am 20. März in Betrieb

Die Vorarbeiten für den ab 20. März gültigen Ersatzplan laufen auf Hochtouren: In den kommenden Wochen werden provisorische Haltestellen, zusätzliche Oberleitungen, Steuerungselektronik und das Kundencenter am Moritzplatz gebaut und eingerichtet. Dies teilten die Stadtwerke gestern mit. Während der knapp zweijährigen Bauphase am Kö werden Straßenbahnlinien neu verknüpft, die Äste der Linien 1 nach Göggingen und 3 nach Stadtbergen werden durch Busse ersetzt, Königsplatz und Hauptbahnhof sind für Straßenbahnen tabu und der Moritzplatz wird zum zentralen Umsteigeknotenpunkt, als Ersatz für den Kö, dessen Hochbauten Ende März abgerissen werden.

Alle in diesem Zusammenhang neu entstehenden provisorischen Haltestellen werden mit einer dynamischen Anzeigetafel ausgerüstet. Ebenfalls werden, wo nötig, zusätzliche Fahrgastunterstände und Fahrkartenautomaten aufgestellt. Die zusätzlichen Haltestellen Moritzplatz im Bereich der Maximilianstraße werden mit Rampen barrierefrei ausgebaut. Insgesamt werden 13 dynamische Anzeigetafeln, zwölf Unterstände und acht Automaten neu installiert. Nichts werden die Kunden von den Anpassungen im logistischen Bereich sehen: So müssen neben der Verkehrssteuerung samt notwendiger Elektronik auch die Einsatzpläne für das Fahrpersonal an die völlig veränderte Situation angepasst werden.

Das provisorische Kundencenter am Moritzplatz – Bild: Stadtwerke



Hochablass: Kritik von der FDP

Die Augsburger FDP kritisiert den Stadtratsbeschluss, am Hochablass ein Wasserkraftwerk zu bauen.

„Auch nach dem Beschluss des Stadtrats (hinter verschlossenen Türen) für das Wasserkraftwerk am Hochablass sieht der Vorstand der FDP Augsburg das Projekt skeptisch“, so die Bundestagsabgeordnete und Augsburger FDP-Kreisvorsitzende Miriam Gruß. Nach wie vor gebe es zahlreiche offene Fragen, die geklärt werden müssten. „Anstatt einen teuren Bürgerentscheid zu planen, hätte die Stadtregierung lieber die Karten auf den Tisch legen und für volle Transparenz sorgen sollen.“ Gruß erklärt ihre skeptische Haltung damit, dass das Projekt zu schnell beschlossen worden sei und damit „ berechtigte Fragen und Einwände von Kritikern abgeblockt wurden.“ Die Rentabilität des Kraftwerks sei nicht geklärt und die Einschnitte, die im Naturschutzgebiet vorgenommen werden müssen, müssten konkreter hinterfragt werden. Zudem müsse gewährleistet sein, dass es für den Kanusport keine Einschränkungen geben werde. „Augsburg hat hier einen Ruf als Kanu-Hochburg zu verlieren.“