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Goerlich weg, alle Fragen offen

Von Siegfried Zagler

Nach dem Rücktritt des Popkulturbeauftragten Richard Goerlich zum Jahresbeginn ist es noch völlig offen, wie es in Sachen Popkulturbeauftragter weiter gehen wird.

Kulturpark West - Foto: Kleeblatt-Film

"Kreativ und wirtschaftlich agierendes Netzwerk": Kulturpark West - Foto: Kleeblatt-Film


Außer einem Vorstoß der beiden Geschäftsführer des Kulturparks West gibt es nichts Konkretes. Peter Bommas und Thomas Lindner haben sich dabei mit einer Art Konzeptpapier ins Gespräch gebracht. Im Kulturpark West sei, so Peter Bommas, ein kreativ und wirtschaftlich agierendes Netzwerk mit einer eigenen Wertschöpfungskette und ganz eigenen Berufsfeldern entstanden. „Die Funktionsweise des hier entstandenen Netzwerks bietet mit den bereits jetzt bestehenden Strukturen die optimale Möglichkeit für die adäquate Umsetzung all der Aufgaben, die in der Stelle eines „Popkulturbeauftragten“ festgeschrieben sind, wie etwa Förderung und institutionelle Einbindung, Know-how-Transfer, Beratung, Mittelakquise, Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungsmanagement. Nur unbürokratischer, finanziell schlanker, kreativer und nachhaltiger.“ Bommas und Lindner vertreten aufgrund dieser Selbsteinschätzung die Auffassung, dass es sinnvoll wäre, die „szenekulturelle und kreativwirtschaftliche Querschnittsaufgabe „Popkultur“ als Outsourcing-Projekt in Kooperation zwischen Stadt und Kulturpark West zu organisieren.“ Wie von der DAZ in Erfahrung zu bringen war, besteht daran seitens der Stadtregierung kein gesteigertes Interesse.

„Mit allen Beteiligten ist in den nächsten Wochen ein tragfähig stimmiges Konzept zu erarbeiten“

"Projekte gibt es zuviele in Augsburg": Richard Goerlich

Rückzug aus der Popkultur: Richard Goerlich


Die Augsburger FDP hat gestern eine Art Popkultur-Beirat vorgeschlagen. „Die beste Lösung – schon auf Grund der desaströsen Haushaltslage – wäre es, einen Popkulturausschuss ins Leben zu rufen“, so Michael Oczipinsky, kommunalpolitischer Sprecher der FDP Augsburg. „Wenn hier je ein Abgesandter des Kulturparks West, der CIA, der maßgeblichen Parteien und des Stadtjugendrings zusammenkommen, um Projekte zu koordinieren und zu organisieren, dann kann dieses Miteinander aller maßgeblichen Kräfte auf diesem Gebiet eine unverhoffte Dynamik entwickeln“, so Oczipinsky. Würde dieser Ausschuss direkt mit dem Stadtrat als beratendes Gremium vernetzt, so könne die Popkultur in dieser Stadt noch weiterentwickelt werden. Bemerkenswert an dieser Pressemitteilung ist in Hauptsache der Umstand, dass die Augsburger FDP einen „kommunalpolitischen Sprecher“ zu haben scheint.

Die Augsburger CSU vertritt in einer von Andreas Jäckel und Michael Bernicker unterzeichneten Stellungnahme die Auffassung, dass es nach dem Rückzug Goerlichs notwendig sei, „den seit 2008 eingeschlagenen Weg mit seiner vielfältigen modernen Kultur- und Kreativinfrastruktur“ fortzusetzen. „Mit allen Beteiligten ist in den nächsten Wochen ein tragfähig stimmiges Konzept zu erarbeiten.“

Wer zu den „Beteiligten“ gehört, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor. Kulturreferent Peter Grab sollte dazu gehören. „Selbstverständlich habe ich konkrete Überlegungen – die werde ich aber erst mit den politischen Partnern besprechen“, so wurde Peter Grab wenige Tage nach Goerlichs Abgang in der Augsburger Allgemeinen zitiert. An diesem Informationsstand hat sich bisher wenig verändert.



Von Skimode bis Rosenkranz

Museen des Bezirks Schwaben mit vielfältigem Programm

Von Frank Heindl

1,3% seines Jahresetats gibt der Bezirk Schwaben im Jahr 2012 für die Kultur aus – das sind 7,7 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte, nämlich 4 Millionen, kosten dabei die Museen in Oberschönenfeld, Naichen, Maihingen, Höchstädt und Illerbeuren. Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert und seine Museumsleiter erläuterten jetzt den Medien, was es dort im laufenden Jahr zu sehen geben wird. Außerdem wurden neue Richtlinien vorgestellt, nach denen der Bezirk zukünftige seine Theaterförderung betreiben will.

Unter anderem diese glasierte Keramik ohne Titel von Franz Hitzler wird im Volkskundemuseum Oberschönenfeld ab Ende September zu sehen sein (Foto: Richard Beer).

Unter anderem diese glasierte Keramik ohne Titel von Franz Hitzler wird im Volkskundemuseum Oberschönenfeld ab Ende September zu sehen sein (Foto: Richard Beer).


„Reiseandenken – was vom Urlaub übrigbleibt“ heißt eine Ausstellung, die vom 25. März bis zum 7. Oktober das Publikum ins im Volkskundemuseum Oberschönenfeld locken soll. Der Begriff des Reiseandenkens soll hier weit gefasst werden – man beginnt mit den Devotionalien, also religiösen Mitbringseln, die der mittelalterliche Reisende als Erinnerungsstücke mit nach Hause brachte, „Souvenirs“ aus den Kriegen werden ebenso gezeigt wie industriell hergestellte Wandbrettchen und ähnliches mit zweifelhaftem ästhetischen Wert. Besonderes Augenmerk widmen die Ausstellungsmacher der Gablonzer Firma Welter & Prediger, die seit den 50er Jahren Souvenirs für den Weltmarkt produziert – manch ein in Australien erworbener Mini-Koalabär, behauptet das Jahresprogramm des Museums, „entstand in mühsamer Heimarbeit im schwäbischen Neugablonz.“ Auch mit mehreren Kunstausstellungen will das Museum 2012 Punkte machen – gezeigt werden unter anderem Malerei und Skulpturen des Kunstpreisträgers 2011 des Bezirks Schwaben, Franz Hitzler, Werke der in Augsburg geborenen und von den Nationalsozialisten verfemten Künstlerin Gretel Loher-Schmeck und eine Rauminstallation von Bernd Rummert, die Teil eines „auf Jahrzehnte angelegten Gesamtkonzeptes“ werden soll.

Religiöse Differenzierung im Ries

Im Bauernhausmuseum Maihingen geht es ein halbes Jahr lang, von März bis Oktober, um die Konfessionen im Ries: „Rosenkranz und Lutherbibel“ heißt die Ausstellung, in der dargestellt werden soll, wie sich im regional begrenzten Raum des Rieses Katholiken und Protestanten religiös voneinander abgegrenzt haben, obwohl sie in engster Nachbarschaft lebten. Jahrhunderte hat es gedauert, bis diese kulturell-religiöse Differenzierung abebbte – zunehmende Mobilität und die kulturell anders geprägten Vertriebenen haben erst in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg die Unterschiede langsam eingeebnet und ein eher „ökumenisches“ Leben vorangebracht.

Ein typisches Augsburger „Kaffeehaferl“? Im Zweifelsfall stimmt beim Souvenir nicht mal der Dialekt. Amüsante Stücke wie diese gibt’s in der Oberschönenfelder „Reiseandenken“-Ausstellung ab Ende März (Foto: Andreas Brücklmair.

Ein typisches Augsburger „Kaffeehaferl“? Im Zweifelsfall stimmt beim Souvenir nicht mal der Dialekt. Amüsante Stücke wie diese gibt’s in der Oberschönenfelder „Reiseandenken“-Ausstellung ab Ende März (Foto: Andreas Brücklmair).


Schloss Höchstädt ist im Besitz des Freistaates – hier verfügt der Bezirk nur über eine begrenzte Fläche für eigene Aktivitäten. In einer Ausstellung von April bis September gehen hier die Veranstalter der Antike in Schwaben auf die Spur: „Via Romana – Schwaben in der Römerzeit“ heißt die Ausstellung, ausgehend von den Römerstraßen, die die römischen Siedlungen miteinander verbanden. Acht „Themenstationen“ mit zahlreichen Exponaten und Reproduktionen sollen ein lebendiges Bild der schwäbischen Antike bieten, und wer einmal speisen möchte wie ein Römer, der sollte sich rechtzeitig einen Platz reservieren, wenn am 21. April „Römische Tafelfreuden“ nach antiken Rezepten serviert werden. Das Servicepersonal ist stilecht gekleidet, zur weiteren Erbauung erklingt Lautenmusik. Im Rahmen des Höchstädter Schlossfestivals gibt es ein Meisterkonzert mit dem Klarinettisten Klaus Hampl, eine Literaturnacht, Marionettentheater für die Kleinen und das Opernpasticcio „L’ape musicale“ in einer szenisch-konzertanter Aufführung mit Musikern der Bayerischen Staatsoper.

Sogar die Hasen kommen ins Museum

Auch das Bauernhofmuseum in Illerbeuren lockt mit Sonderausstellungen – allerdings betont Museumsleiter Dr. Kettmann die „einmalige“ Rolle seines Museums über das ganze Jahr hinweg. Wer wissen will, wie das „alte Schwaben“ aussah, sollte tatsächlich einmal einen Ausflug an die Iller südlich von Memmingen unternehmen. Alte Haustierrassen, Getreidesorten und Bauerngärten, dazu nicht selten Nachwuchs beim Viehzeug – vor allem Kinder können hier viel erleben. Aber nicht nur die. Besuch bekommt das Museum, Kettmann zufolge, oft auch von den Hasen der Umgebung, „weil’s hier noch Kräuter gibt“, die anderswo von Landwirtschaft und Siedlungsbau ausgerottet werden. Wem das noch zu wenig der Idylle ist, der kann sich vom April bis Juli an der Ausstellung „Tierglocken aus aller Welt“ erfreuen oder sich September bei „Très chic im Schnee“ über die Entwicklung der Wintermode in den letzten hundert Jahren amüsieren.

Idylle pur im Stile Altschwabens findet man im Bauernhofmuseum Illerbeuren (Foto: Tanja Kutter).


„Nebenbei“ gab Bezirkspräsident Reichert eine Neuerung bei der Kulturförderung bekannt. Der Bezirk hat seine Förderrichtlinien überarbeitet, um zukünftig Theaterprojekte unterstützen zu können, sofern sich die Theatergruppen an den Kompetenzen und Zielen des Bezirks orientieren. Förderfähig wären zum Beispiel Projekte, die sich über den Horizont ihrer Gemeinde hinaus um Themen wie Jugend, Behinderte, Gewalt und Suchtprävention oder Mundart kümmern. 70.000 Euro stehen aus diesem Fördertopf ab sofort zur Verfügung – nicht wirklich viel, wie Reichert zugibt, vor allem vor dem Hintergrund der Zahlen: In Schwaben zählt die Regierung vier- bis fünfhundert Theaterprojekte. Trotzdem verspricht sich Reichert die Möglichkeit wirkungsvoller Hilfen in Einzelfällen – beispielsweise wenn Fortbildungen oder Seminare zu finanzieren sind.

Die neuen Richtlinien zur Theaterförderung sind demnächst auf der Internetseite des Bezirks zu finden: www.bezirk-schwaben.de.

Genaueres über die Veranstaltungen der Museen erfährt man in den Programmheften, die an den bekannten Stellen ausliegen, sowie auf folgenden Webseiten:

* Oberschönenfeld: schwaebisches-volkskundemuseum.de

* Maihingen: rieser-bauernmuseum.de

* Illerbeuren: bauernhofmuseum.de

* Schlöss Höchstädt: schloss-hoechstaedt.de



Weibliche Genitalverstümmelung: 8000 Opfer jeden Tag

TERRE DES FEMMES, Stadtbücherei und Buchläden informieren am 6. Februar



Aktuellen Angaben von Unicef zufolge leben weltweit mehr als 150 Millionen Mädchen und Frauen, die an ihren Genitalien verstümmelt wurden. Jedes Jahr werden erneut etwa drei Millionen Mädchen Opfer dieser Praktik: das sind 8.000 jeden Tag. Und auch in Deutschland sind Mädchen dem Risiko ausgesetzt, heimlich hierzulande oder im Ausland an ihren Genitalien verstümmelt zu werden.

Am 6. Februar ist der Tag „Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung“. Die neu in Augsburg gegründete TERRE DES FEMMES-Städtegruppe möchte an diesem Tag über die brutalen Praktiken, ihre physischen und psychischen Folgen und über Aufklärungsprojekte in afrikanischen Ländern informieren. Unterstützung erhalten die TDF-Frauen dabei von der Neuen Stadtbücherei Augsburg, Bücher Pustet und der Thalia Buchhandlung. Dort stehen an Büchertischen Literatur und Informationsbroschüren zur Verfügung.

Neue Stadtbücherei Augsburg

Ernst-Reuter-Platz 1

10.00 -19.00 Uhr

Bücher Pustet

Karolinenstraße 12

9.00 – 20.00 Uhr

Buchhandlung Thalia

Annastraße 21-23

9.30 – 20.00 Uhr.